Bonding für den Vater – Bindung zum Kind intensivieren

Wenn ihr jetzt bei uns etwas von Bonding lest, dann müsst ihr nicht denken, wir stellen euch den Film „Fifty Shades of Grey“ vor. Das ist Bondage und gehört als Spielart zum Sex. Bonding hingegen leitet sich ab aus dem englischen Wort „Verbindung“ und meint die Beziehung der Eltern zu einem Säugling. In dieser wichtigen und prägenden Zeit wird mit Liebe, Vertrauen und Zuwendung der Grundstein für das Miteinander gelegt. Daher ist es besonders wichtig, dass ihr hier als Väter präsent seid und euch mit einbringt. Wir erzählen euch, wie es gelingen kann.

Noch vor gar nicht langer Zeit waren die Mütter bei der Entbindung allein. Papas konnten ihr Baby durch die Glasscheibe angucken und es dann ein paar Tage später mit der Mama nach Hause holen. Heute ist das zum Glück anders, Bonding ist auch für die Papas von Anfang an möglich. Die meisten Väter sind bei der Geburt dabei und haben von Beginn an Körperkontakt zu dem Kleinkind. Auch wenn ihr denkt, dass euer Kind in den ersten Monaten außer essen und schlafen noch nicht viel tut, so gewöhnt es sich durch das Bonding bereits an eure Stimme, euren Geruch und die Körperwärme.

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© Seif Eddin Khayat (Unsplash)

Daher solltet ihr nicht der Mama das Feld überlassen, sondern auch beim Wickeln, Baden und Einschlafen mitwirken. Gerade in den ersten Wochen. Wenn ihr mit dem Baby schon im Bauch sprecht, wird es sich schon so früh eure Stimme einprägen.

Wenn möglich: Bonding ab der Geburt

Ein Baby erlebt während der Geburt eine aufreibende und anstrengende Reise. Es landet verknautscht in der hellen und kalten Umgebung des Entbindungszimmers. Klar, dass es sich in ein Tuch gewickelt in den Armen der Eltern am wohlsten fühlt. Und so sollte das Bonding bestenfalls auch starten. Viele Väter legen sich das Baby noch im Kreißsaal auf die nackte Brust, um eine Verbindung zu schaffen. Aber nicht alle Eltern sind in der Lage, direkt ab Geburt zu bonden.

Manchmal ist nach einer Frühgeburt oder einem Kaiserschnitt wichtiger, Kind und Mama wieder zu Kräften kommen zu lassen. Eventuell kann hier der Papa übernehmen, wenn das Kind soweit fit ist. Ansonsten ist es für die Beziehung der Eltern zu ihrem Kind aber auch gar nicht schlimm, wenn es erst ein paar Tage später mit dem intensiven Kontakt losgeht.

Beziehung zum Kind muss sich entwickeln

Gerade das erste Kind verändert für die Eltern meist die komplette Lebenssituation, den Fokus und die Gefühlswelt. Die Paarbeziehung rückt in den Hintergrund, der Schutz und die Liebe zum Kind stehen erstmal im Mittelpunkt. Das hat niemand gelernt und jede Mama und jeder Papa reagieren anders auf die neue Situation. Einige haben das Gefühl, endlich angekommen zu sein und nehmen sich dem Kind von Beginn an ganz intensiv an. Andere brauchen selbst erstmal etwas Zeit, sich an den kleinen Mitbewohner zu gewöhnen und die Gefühle zu entwickeln. Das ist nicht schlimm, solange ihr keine Distanz entstehen lassen. Denn gerade Babys brauchen in den ersten Wochen und Monaten

  • Körperkontakt: Kuscheleinheiten, Badesessions, Wickeln und Massagen
  • Kommunikation: Blickkontakt und eine ruhige Stimme beim Vorlesen, Singen und Erzählen
  • Beschäftigung: Spieluhren, Kuscheltiere, ein Mobile oder Bauklötze
  • Stillen: während des Stillens Hände oder Füße halten, Baby zum Bäuerchen auf den Arm nehmen
  • Füttern: ab Beikost kann auch der Papa die Mahlzeiten übernehmen

Warum ist Bonding wichtig?

Durch die intensive Beziehung wird das Vertrauen des Kindes gestärkt. In den ersten Wochen hat der Säugling das natürliche Bedürfnis nach Nahrung, Schutz und Wärme. Wenn ihr diese Wünsche durchgängig erfüllt, entwickelt euer Kind eine Bindung und ein Vertrauensverhältnis, welches die Basis des Älterwerdens bildet. Diese Art, auf Basis von Urvertrauen eine Verbindung einzugehen, wird euer Kind auch bei der Beziehung zu anderen Menschen helfen.

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© Egidijus Bielskis (Unsplash)

Wenn ihr merkt, dass ihr auch in den Wochen nach der Geburt keinen Zugang zu eurem Kind findet, keine Liebe verspürt sondern eher von Angst und Ablehnung getrieben seid, solltet ihr professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine postnatale Depression kann neben den Müttern auch die Väter betreffen und ist nicht schlimm, wenn ein Experte den Weg begleitet.

Väter können das auch

Klar ist die Mutter naturbedingt im Vorteil, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Sie trägt das Baby neun Monate im Bauch, sie fühlt es, redet mit ihm, ist für die Versorgung zuständig und ist auch direkt ab der Geburt der wichtigste Kontakt des kleinen Menschen. Aber so ein Baby ist durchaus in der Lage, eine intensive und emotionale Beziehung zu weiteren Menschen aufzubauen. Diese bindungsbildende Phase zieht sich durch das erste Lebensjahr und bietet somit auch für den Vater genug Zeit, sich intensiv mit einzubringen und durch Bonding die Beziehung zu vertiefen.

Auch die Mama wird es euch danken, denn mit euren Einfluss wird euer Kind bestenfalls ruhiger und kontaktfreudiger. Außerdem schafft ihr eine Grundlage für eine gleichberechtigte Elternschaft.

Schafft intensive Papa-Kind-Momente

In den ersten Wochen bestimmt die Fütterung den Rhythmus eures Kindes. Trotzdem könnt ihr mit einer Neugeborenenverkleinerung euer Baby quasi ab der Geburt auch schon in einer Babytrage am Körper transportieren. Das schafft Nähe und Vertrauen. Euer Baby hört eure Stimme, spürt die Wärme und fühlt sich euch verbunden. Alles wesentliche Aspekte beim Bonding.

Bonding von Vater und Kind kann zum Beispiel mit einer Babytrage erfolgen
© Derek Owens (Unsplash)

Und auch wenn ihr in den ersten Monaten außer einem gelegentlichen Lächeln noch nicht so viel von eurem Baby zurückbekommt, so saugt das Kind doch alles aus seiner Umgebung auf, speichert es ab und lernt, mit den Erlebnissen umzugehen. Eure Präsenz und Nähe hilft dabei, eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen. Und wenn es dann etwas älter ist, könnt ihr die Ausfahrt mit dem Kinderwagen auch gern allein unternehmen.

Was sich Väter wünschen

Die Zeit der Patriarchen und der klassischen Rollenbilder ist zum Glück vorbei, heute sind die Väter nicht nur die berufstätigen Ernährer, sondern auch anwesende und engagierte Erziehungspersonen mit dem Wunsch, eine feste Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Das gelingt, wenn ihr im ersten Jahr nach der Geburt durch Bonding für viele intensive Momente zwischen euch und eurem Kind sorgt. Denkt dran, auch ihr wachst jeden Tag mit eurem Kind, lernt die Welt durch Kinderaugen kennen und bereichert euer eigenes Leben. Und die Kleinen werden so schnell groß, also schafft mit dem Bonding die Basis für eine stabile und vertrauensvolle Beziehung.

Titelbild © Kelly Sikkema (Unsplash)

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Autor
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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