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Postnatale Depression erwischt auch Papas – 7 Tipps für die erste Zeit mit Baby

Tatsächlich ist die postnatale Depression (bekannt unter anderem auch als Wochenbettdepression oder postpartale Depression, PPD) auch bei Vätern ein Thema. Nicht nur Mütter sind von dieser psychischen Krankheit betroffen, auch frischgebackene Papas kommen durch die neue Situation und die vielen Emotionen aus dem seelischen Gleichgewicht. Im aktuellen Beitrag gibt der US-Kinderarzt und Happiest Baby-Gründer Dr. Harvey Karp einige hilfreiche Tipps, um wieder auf die Spur zu kommen und sich voller Energie und positiver Ausstrahlung um die Liebsten kümmern zu können.

Die Geburt insbesondere des ersten Kindes beamt einen Mann in ungeahnte Sphären. Waren sie bis dahin nur für ihr eigenes Wohl zuständig, tragen sie nun die Verantwortung für ein kleines Wesen. Das setzt bis dahin ungekannte Gefühle frei. Von unendlicher Liebe und wahnsinniger Freude bis zur grenzenlosen Sorge. Und nicht selten auch Hilflosigkeit und Verzweiflung. Der Tagesablauf richtet sich nach dem neuen Erdenbürger. Die Nächte sind kurz und unruhig. Und oft ist auch die Mama unter Dauerstrom und ein emotionales Pulverfass. Da kann „Mann“ schon mal aus dem Gleichgewicht geraten. Eine postnatale Depression könnt eine Folge davon sein.

Postnatale Depression bei Vätern - Dr. Harvey Karp weiß Rat
Dr. Harvey Karp, Kinderarzt & Gründer von Happies Baby © Happiest Baby

Studien ergeben, dass etwa zehn Prozent der frischgebackenen Papas im ersten Halbjahr nach der Geburt ihres Kindes psychisch erkranken. Besonders gefährdet durch die postnatale Depression sind die jüngeren Väter bei ihrem ersten Kind, wie diese Studie zeigt.

„Wenn ein Baby auf die Welt kommt, liegt der Schwerpunkt zu Recht auf der Mutter und dem Baby, während die Väter eher im Hintergrund stehen.“

Dr. Harvey Karp

Er sagt weiter „Väter sind heute oft aktive Eltern, die stärker in das Leben ihrer Kinder eingebunden sind als Väter früherer Generationen. Allerdings haben Männer auch viel weniger familiäre Unterstützung als in früheren Generationen. Mit den tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen haben sich auch der Druck und die Unsicherheit darüber erhöht, wie man ein guter Vater sein kann. Tue ich genug? Liebt mich mein Baby? Ist meine Partnerin glücklich? All dies kann zu einer Welle von Unsicherheit, Schuldgefühlen und dem Wunsch nach Flucht führen.”

Hier sind ein paar Tipps, wie die erste Zeit mit dem Baby gelingen kann, ohne dabei selbst unter die Räder zu kommen.

1. Verbringt Zeit mit eurem Baby

Das hört sich so einfach und logisch an, ist aber nicht ohne Grund der erste Tipp. Laut einer aktuellen Studie aus den USA fühlen sich Väter, die mehr Zeit mit dem Nachwuchs verbringen, kompetenter und sicherer in ihrer Rolle als Vater. Das zeigt die Befragung von 881 jungen Vätern. Und das wirkt sich wiederum auf die eigene Zufriedenheit aus. Die steigt auch, wenn der Papa mehr Zeit mit dem Baby verbringt. Und damit sind die weniger anfällig für eine postnatale Depression.

2. Redet mit eurer Partnerin

Um ein Kind zu erziehen, braucht es Geduld und bestenfalls eine stabile und stärkende Beziehung. Eine gute Kommunikation mit der Partnerin hilft dabei, sich selbstbewusst und der Vaterrolle gewachsen zu fühlen. So kommen Papas gerade in der so wichtigen Anfangsphase mit Baby gut durch und wachsen mit ihren Aufgaben. Nehmt euch der Rolle an, übernehmt wichtige Aufgaben und plant ein bißchen im Voraus. Dann erkennt ihr am besten, wann auch mal Zeit und Notwendigkeit für eine Pause ist, um selbst den Akku wieder aufzuladen. Gebt diese Pausen aber auch dem anderen. Redet miteinander, hört aufeinander, stellt Fragen und seid sensibel für die Wünsche und Bedürfnisse der Partnerin.

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© Kelly Sikkema (Unsplash)

​​3. Holt euch praktische Unterstützung 

Je nach der beruflichen Situation und dem Verhalten des Babys kann die Anfangszeit ziemlich belastend und zermürbend sein. In dieser Situation kann ein wenig Hilfe für ein Durchatmen sorgen. Sprichwörtlich braucht es ja sogar ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Wenn ihr also noch Großeltern, Freunde oder Verwandte im Zugriff habt, die ihre Hilfe anbieten, dann zögert nicht, diese auch anzunehmen. Das muss auch gar nicht immer Babysitting sein. Manchmal ist auch schon Unterstützung bei den täglichen kleinen Aufgaben im Haushalt oder beim Einkaufen sehr hilfreich.

4. Tut Dinge, die euch helfen, euch ausgeglichen zu fühlen

Nicht falsch verstehen: ihr sollt nun nicht jedes Wochenende stundenlang auf den Golfplatz oder mit euren Jungs um die Häuser ziehen. Überlegt trotzdem einfach mal, was euch vor der Geburt bei der Entspannung geholfen hat. Vielleicht Videospiele an der Konsole, ein Buch zu lesen oder zuhause rumzuwerkeln. Versucht, diese Aktivitäten auch nach der Geburt zumindest mit reduziertem zeitlichen Aufwand wieder stattfinden zu lassen. Und auch Sport hilft natürlich, den Kopf wieder freizupusten und die postnatale Depression zu vermeiden. Wenn euch das also wichtig ist, dann seht zu, wie es weiterhin funktionieren kann.

5. Tauscht euch mit anderen neuen Vätern aus

Wenn das Baby unterwegs ist, freuen sich die meisten Eltern auf die Zeit mit Kind und das unendliche Glücksgefühl, was sie dadurch empfinden. Wenn sie dann aber nach der Geburt auch Wut, Sorgen oder Traurigkeit empfinden, dann sind sie irritiert von diesen Emotionen und fühlen sich oft schuldig. Das führt zu einem schlechten Gewissen und ebnet den Weg für die postnatale Depression. Was helfen kann, sind andere Menschen. Gerade Väter fällt es oft schwer, sich zu öffnen und anderen ihre Gefühle anzuvertrauen. Dabei führt das meist zu mehr Klarheit. Gerade, wenn der Gesprächspartner in einer ähnlichen Situation ist wie ihr selbst.

Genau mit diesem Hintergrund ist Daddylicious im Jahr 2013 an den Start gegangen. Und gerade in Sachen Interaktion und Redebereitschaft liegen noch Welten zwischen den Müttern und Vätern.

6. Denkt daran, dass es einfacher wird

Gerade in den ersten Monaten nach der Geburt vermissen viele Väter ihr früheres und unbeschwertes Leben. Insbesondere führen der fehlenden Schlaf, die nun seltenen Kuscheleinheiten mit der Partnerin und die Verantwortung für das kleine Wesen manchmal dazu, der Zeit ohne Kind hinterherzutrauern. Aber dann sagt euch den Spruch, der euch ab nun recht intensiv begleiten wird: „Es ist nur eine Phase“. Die Normalität wird zurückkehren. Wenn auch anders, als ihr es gewohnt seid. Mit der Zeit wird sich alles einspielen und auch wieder mehr Zeit für euch selbst sein. Außerdem gibt es ja eigentlich nichts Schöneres, als Zeit mit dem Kind zu verbringen. Und das in jeder Lebensphase.

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© Wesley Tingey (Unsplash)

7. Achtet auf eure Stimmung

Die meisten frischgebackenen Väter fühlen sich irgendwann einmal schlecht, aber wenn diese Gefühle über einen längeren Zeitraum andauern, könnte das ein Zeichen für eine postnatale Depression sein.

„Manche Ängste sind ganz natürlich. Wichtig ist, dass man erkennt, wenn die Sorgen zu lange anhalten. Sie könnten zum Beispiel körperliche Auswirkungen wie Panikattacken verspüren. Vielleicht bemerken Sie, dass sich Ihre Essgewohnheiten ändern, dass Sie mehr oder weniger essen als sonst, oder dass sich Ihr Schlafverhalten ändert. Eine postnatale Depression ist bei Männern auch oft durch Reizbarkeit, Wut, Groll und Aggression gekennzeichnet. Jeder Mensch erlebt eine Depression anders“, weiß Dr. Harvey Karp.

Es ist deshalb ganz besonders wichtig, sich selbst zu beobachten und auf ungewöhnliche Muster oder Verhalten zu achten. Dazu gehört etwa, sich sozial zu sehr zurückzuziehen, antriebslos zu sein und keine Freude mehr an Aktivitäten zu haben, die einem früher wichtig waren. Oder den Sorgen mehr Platz einzuräumen, als gesund ist. Manchmal kommt man aus dieser Ecke nur mit fremder Unterstützung wieder heraus.

Öffnet euch dann jemandem, dem ihr vertraut. Gerade, wenn ihr euch über einen längeren Zeitraum schlecht fühlt, solltet ihr euch jemanden suchen, dem ihr eure Gefühle mitteilt. Im ersten Schritt ist noch gar nicht wichtig, dass dieser Gesprächspartner ein Experte auf dem Gebiet „Postnatale Depression“ ist. Erstmal reicht es schon, wenn euch vertraut und zugehört wird. Neben Freunden und Familien sind auch der eigene Haus- oder Kinderarzt des Babys erste Anlaufstellen. Viele Krankenkassen bieten ebenfalls Kontakt zu Psychotherapeuten. Darüber hinaus hat der Verein Schatten & Licht e.V. viele Hilfeseiten für Eltern auf seiner Webseite aufgelistet.

Wir hoffen, dass die postnatale Depression nie ein Thema für euch wird. Aber wenn doch, dann sucht euch frühzeitig Hilfe. Dann bekommt ihr auch diese Phase wieder in den Griff.

Titelbild © christinarosepix (Shutterstock)