Vor ein paar Tagen entbrannte auf Twitter eine hitzige Diskussion über den Unterschied zwischen Familien mit einem oder mehreren Kindern. Was verändert sich? Verdoppelt sich Streß und Arbeit oder gibt es auch Vereinfachungen? Teilnehmer an der Debatte waren ausschließlich Mami-Blogger. Wir wurden gebeten, auch mal eine väterliche Sicht zu schildern. Das tun wir gern mit unserem Beitrag zur Blogparade #mehralschaos, die von Mama on the Rocks und Mama Schulze losgetreten wurde. Mein Modell ist nicht ganz typisch, aber vielleicht deshalb auch gerade interessant.

Unsere Entscheidung, als Paar noch ein gemeinsames Kind zu bekommen, hatte nicht nur privat weitreichende Konsequenzen. Auch beruflich hat sich dadurch für mich einiges bewegt. War es doch der Grund für den Start meines Väter-Magazins Daddylicious. Dazu aber später mehr.

Meine Frau hat vor 10 Jahren bereits zwei Kinder mit in die Beziehung gebracht. Heute ist die Tochter bereits 18 und der Sohn ist 17. Für uns war Patchwork zum Glück nie ein Problem. Die damals noch kleineren Großen haben mir nie die Tür zugemacht und ich habe meinerseits nie versucht, Ihnen einen neuen Vater überzustülpen. Sie hatten und haben einen Vater, der seine Rolle voll erfüllt und ich bin ganz einfach ihr Kai geworden. Und die Begriffe „Stiefvater“ und „Stiefkinder“ haben wir nur bei ganz konkretem Erklärungsbedarf bezüglich der Familienkonstellation genutzt, denn die hören sich immer irgendwie nach einem bösen Märchen an.

Kai über seine Patchwork-Familie
Trotzdem habe ich den Wunsch, noch ein eigenes Kind zu bekommen, nie ablegen können oder wollen. Dafür den richtigen Moment zu erwischen, war nicht ganz einfach, denn wir galoppierten auf die 40 zu, hatten beruflich beide als Selbstständige ziemlich viel um die Backen und wollten natürlich auch unbedingt den beiden großen Kindern gerecht werden. Für meine Frau war es eine große Sorge, dass die Zwei sich ins Abseits geschoben fühlen würden, weil durch ein gemeinsames Kind eine neue kleine Familie entstehen würde, bei der sie nur noch am Rande stehen würden. Aus eigener Erfahrung wusste meine Frau allerdings, dass so ein Patchwork-Nachzügler für alle, und damit auch die Familie als Ganzes, eine wundervolle Bereicherung sein kann. Sie hat selber mit 16 von ihrer Mutter und dem Patchworkdad noch einen kleinen Bruder an die Seite gesetzt bekommen. Ein Glücksfall für alle und er ist der Kleister zwischen all den Patchworkstücken geworden. Das die Liebe zu den Kindern sich bei einem neuen Kind nicht aufteilen muss, sondern einfach mehr wird, kann man nicht erzählen und damit Ängste nehmen. Das kann man nur zeigen, wenn ein neues Kind dazugekommen ist.

Ich wollte meine Frau auch nie zu einem gemeinsamen Kind überreden, dazu ist diese Entscheidung viel zu bedeutend. Sie hätte auch keines nur mir zuliebe bekommen. Auf der anderen Seite wollte ich auch nicht den Wunsch aufgeben, ein eigenes Kind zu bekommen. Und jetzt, wo unsere kleine Tochter zweieinhalb Jahre ist, weiss ich, dass es richtig war, daran festzuhalten. Denn diese unbeschreiblichen Gefühle, die Liebe und das Glück, welches ich jeden Tag erlebe, hätte ich ansonsten nie erleben können.
Sicherlich war es bei uns durch den enormen Altersunterschied der beiden Großen und der Kleinen nicht unbedingt so, wie bei einer Familie mit vielen Kleinkindern, die haben ganz andere Turbulenzen. Allerdings ist der Spruch „Kleine Kinder – kleine Sorgen und große Kinder – große Sorgen“ auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Wenn es um die intensive Begleitung beim Erwachsenwerden geht, dann ist das auch nicht immer alles geschmeidig.

Jedenfalls lieben die beiden Großen ihre kleine Schwester jetzt heiß und innig und umgekehrt ist das ganz genauso. Wir wissen schon jetzt, wer bald ihre großen Helden sein werden.
Verändert hat sich räumlich nicht allzu viel. In unserer Wohnung war noch Platz und unser Auto war vorher auch schon auf 5 Personen ausgelegt. Nur mussten wir natürlich alle Baby-Anschaffungen nochmal machen, denn bis auf eine große Kiste mit Lego und Dinos und zwei ganz besonderen Kuscheltieren die von Herzen gern vererbt wurden, ist von den Teenagern nichts mehr übrig geblieben.

Kai mit Tochter
Wir haben alle eine intensive Bindung und das Gefühl, eine tolle Familie zu sein mit einem modernen Modell, welches natürlich auch seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Die Beziehungen zueinander verändern sich im Laufe der Zeit vielleicht auch ein bißchen mehr, als das in einer „intakten“ Familie der Fall ist.
Und warum hat sich beruflich für mich dadurch etwas geändert? Meine Frau hatte durch die zwei großen Kinder ja bereits alles schon einmal erlebt und gemeistert und das große Bedürfnis, dass ich über alles genauso Bescheid weiss wie sie und wir uns der Erziehung und Betreuung, soweit es unsere berufliche Situation möglich macht, zu gleichen Teilen widmen. Das bedeutete, dass ich eine große Wissenslücke füllen musste, was dafür sorgte, dass ich sehr viel im Netz recherchiert habe. Über Sinn und Unsinn von Geburtsvorbereitungs- und Erste-Hilfe-Kursen, Babyschwimmen, dem besten Kinderwagen, einer idealen Hausapotheke, Buchtipps, Bio-Windeln, Babyernährung und noch vieles mehr. Was mir dabei aber online immer gefehlt hat war ein Angebot von Vätern, die mir meine Fragen beantworten. So kam es, dass ich im August 2013 zusammen mit meinem Kumpel Mark, der acht Tage nach mir einen Sohn bekam, das Väter-Magazin Daddylicious gestartet habe, auf dem Ihr jetzt gerade surft. Dadurch habe ich viel gelernt, bin selbst informierter als vorher und kann mein Wissen auch an andere Daddys weitergeben. Obwohl es auch als Feierabend-Projekt recht viel der knappen und kostbaren Familienzeit frisst. Aber wer weiss, was noch kommt.

Ich habe die Entscheidung zu einem weiteren Kind und meinem ersten, nie bereut und daher bin ich, der selbst mit noch zwei Brüdern aufgewachsen ist, großer Fan von Familien mit mehr als einem Kind.

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