Picky Eater – Wenn Kleinkinder sehr wählerisch beim Essen sind

Signalfarbe Grün, bloß keine Gewürze in der Nudelsauce und den Reis am liebsten trocken, genau wie das Brot: Wer einen Picky Eater vor dem Kinderteller sitzen hat, der kann an der eingeschränkten Auswahl der Gerichte schon mal verzweifeln. Während Babys in ihrer oralen Phase noch alles im Mund versenken, sind viele Kleinkinder in den folgenden Jahren beim Essen zeitweise sehr wählerisch. Damit seid ihr Eltern auf keinen Fall allein. Und es gibt auch ein paar sinnvolle Möglichkeiten, um durch diese Phase zu kommen. Wir haben dazu eine Meldung des Netzwerks Gesund ins Leben als Basis genommen und für euch aufbereitet.

Kürzlich haben wir euch ein Kochbuch von Nina Bott vorgestellt, auch darin drehte es sich zum Teil um die Picky Eater. Daher hat sie einige ihrer Rezepte als Gemüseversteck ausgewiesen, bei denen Kinder die gesunden Zutaten nicht auf den ersten Blick erkennen. Außerdem präsentieren wir euch alle vier Wochen ein Rezept des Monats, mit dem ihr einfache und gesunde Gerichte auf die Kinderteller zaubern könnt. Wir selbst haben bei unserem dritten Kind die Geschmacksknospen schon frühzeitig trainiert, indem wir keine faden Gläschen gefüttert, sondern den Babybrei immer frisch mit dem Dampfgarer zubereitet haben. Vielleicht ist das der Grund, warum unsere Tochter nie wählerisch war, sondern bis heute fast alles futtert, was auf dem Teller landet. Oder es zumindest probiert.

Nichts für Picky Eater - gerade bei Gemüse sehen viele Kinder Rot
Schön bunt, aber wohl nix für den Picky Eater // © Jane Doan (Pexels.com)

Entwicklung des Geschmacks

In den ersten zwei Lebensjahren, also etwa bis zum zweiten Geburtstag, sind Kinder in Sachen Essen noch sehr experimentierfreudig. Sie sind interessiert an neuen Geschmäckern, probieren neue Lebensmittel und schauen neugierig auf die Teller der Eltern. Nach dieser Phase des Ausprobierens wird es für viele Eltern etwas anstrengend, denn dann werden viele Kinder zu einem Picky Eater. Sie werden sehr wählerisch bei dem, was ihnen schmeckt und sind auch längst nicht mehr so offen für neue Geschmacksrichtungen.

Für diese Veränderung im Essverhalten gibt es verschiedene Gründe. Einige Kinder sind in diesem Alter noch nicht bereit für neue Geschmäcker, andere stören sich an der Textur und Konsistenz bestimmter Lebensmittel. Bei der Ablehnung des Essens könnte aber auch eine Trotzphase stecken. Denn in dieser Kleinkindphase entwickeln Kinder oft alterstypische Autonomiebestrebungen.

Tipps für Eltern eines Picky Eater

Viele Eltern machen sich Sorgen, wenn ihr Nachwuchs plötzlich so wählerisch beim Essen wird. Das macht nicht nur die Suche nach einem kinderfreundlichen Rezept deutlich schwerer. Dahinter steckt auch die Sorge, ob die Kinder genug essen, ausreichend satt werden und mit allen nötigen Nährstoffen versorgt werden. Dazu sagt Maria Flothkötter, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben: „In der Regel können die Eltern gelassen bleiben: Lehnt ihr Kind bestimmte Lebensmittel eine Zeit lang ab, isst es sich an anderen satt“. Und sie ergänzt:

„Sie sollten darauf vertrauen, dass Neugierde, Gewöhnung und Freude am Essen bei ihrem Kind langfristig gewinnen.“

Maria Flothkötter, Ernährungswissenschaftlerin

Durchhalten und immer Neues probieren

Wir wissen, es sagt sich leicht. Aber ihr dürft an eurem Picky Eater nicht verzweifeln. Bleibt dran und bietet immer etwas Neues an. Ihr könnt die natürliche Neugierde auf Essen wecken, indem ihr die Gericht optisch kindgerecht anrichtet, neue Zubereitungsarten ausprobiert und dem Kind die Lebensmittel so immer wieder in unterschiedlicher Form anbieten. Und es könnte tatsächlich auch helfen, wenn euer Kind den Prozess des Kochens begleitet und ihr es mit dem Hochstuhl bei euch in der Küche platziert. Vielleicht könnt ihr ihm sogar schon kleine, einfach Aufgaben geben. Natürlich ohne scharfe Messer oder Gemüseschäler. Aber Bohnen durchbrechen kann schon Spaß machen.

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Picky Eater sollten die Nahrung auch tasten, fühlen und riechen // © Nathan Dumlao (Unsplash)

Allein für Möhren gibt es etliche Möglichkeiten, wie ihr euren Kindern das gesunde Gemüse präsentieren könnt. Ihr könnt sie zu Sticks schneiden und mit einem Dipp oder Kräuterquark serviere, es gibt sie fein gerieben als Rohkost, auch zusammen mit anderem Gemüse oder Äpfeln und Nüssen. Ihr könnt Karotten aber auch kochen, braten, als Suppe pürieren oder zu einem Bratling verarbeiten. So unterstützt ihr die Geschmacksentwicklung eurer Kinder und könnt nach der Zubereitungsart suchen, für die ihr den meisten Applaus bekommt. Oder leere Kinderteller der Picky Eater.

Gemeinsam Shoppen

Auch der Einkauf sollte ein gemeinsames Projekt sein, denn dann können eure Kinder die Lebensmittel mit euch zusammen aussuchen, anfassen, daran riechen und mit den Händen fühlen. Versucht aber nicht, eurem Kind etwas einzutrichtern, was es nicht essen möchte. Und auch Sprüche wie „Du darfst erst aufstehen, wenn der Teller leer ist“ sind kontraproduktiv. Euer Kind sollte selbst entscheiden, was es probieren möchte.

„Tricks, Überredungskünste oder gar Zwang gehen nicht auf die Bedürfnisse des Kindes ein und sind damit keine Lösung, wenn Speisen abgelehnt werden“, erklärt Maria Flothkötter. Ihr solltet geduldig bleiben und diese schwierige Zeit als eine von vielen Phasen einordnen. Denn meist bleibt eurer Kind ein Picky Eater nicht dauerhaft. Irgendwann sind die Kinder auch wieder offen für neue Geschmacksrichtungen und -erlebnisse.

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Vielleicht knackt ihr den Picky Eater mit Buchstabensuppe // © Sigmund (Unsplash)

Zur Beruhigung: etwa 50 bis 75 Prozent aller Kinder kommen in die Phase der Lebensmittel-Neophobie, also der Angst davor, etwas Neues auszuprobieren. Insbesondere zwischen 2 und 6 Jahren ist diese Phase sehr ausgeprägt, mit dem Start in der Grundschule löst es sich bei den meisten Kindern wieder auf.

Ärztlichen Rat einholen

Sollte euer Kind so massiv auf einen Großteil der angebotenen Nahrungsmittel reagieren, dass ihr euch ernsthaft Sorgen macht um die Versorgung mit den wichtigsten Nährstoffen und Vitaminen, dann sprecht lieber einmal beim Doc vor und checkt ab, ob es tatsächlich Mangelerscheinungen gibt, die ausgeglichen werden müssen. Auch die Unlust am Essen oder das Verweigern der Nahrung kann ein Indiz sein, dass etwas im Argen liegt und ihr lieber ärztliche Hilfe in Anspruch nehmt. Das könnte sich auch durch häufigeres Übergeben oder eine deutliche Abweichung vom Normalgewicht zeigen. Nur weil euer Kind aber täglich Schokocreme, Pommes und Schnitzel verlangt, ist das noch kein Grund, sondern eher eine Bockigkeit.

Vorsicht bei diesen Lebensmitteln

Auch wenn wir euch motivieren wollen, nicht nur mit einem Picky Eater sondern grundsätzlich, viel auszuprobieren und euren Kindern eine große geschmackliche Vielfalt anzubieten, solltet ihr bei einigen Lebensmitteln aus verschiedenen Gründen sehr vorsichtig sein. Grundsätzlich könnt ihr euch merken, dass Kinder unbedingt viel Flüssigkeit zu sich nehmen sollen, am besten Tee und Wasser, keine süßen Säfte oder Limonaden. Und auf dem Teller sollte viel Pflanzliches länden, wenig Tierisches und nur sehr sparsam auch Fettes und Süßes.

Verschluckbare Kleinteile

Ein Risikofaktor beim Essen von Kleinkindern sind Lebensmittel, die im „falschen Hals“ landen können. Daher seid vorsichtig bei:

  • Nüsse
  • Kleine Beeren
  • Weintrauben mit Kernen
  • Hülsenfrüchte
  • Rohes Wurzelgemüse (im Ganzen oder in Stücken)
  • Fisch mit Gräten
  • Fleischstücke

Oft reden Kinder beim Essen, dadurch kann die Nahrung in die Luftröhre gelanden. Und es fehlen auch noch die großen Backenzähne zum Verkleinern. Daher ist es besser, wenn ihr Gemüse raspelt oder püriert und Nüsse als Mus verabreicht.

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Picky Eater essen die Nudeln ohne Sauce // © MART PRODUCTION (Pexels)

Rohe tierische Lebensmittel

In jungen Jahren ist bei den Kleinkindern die Immunabwehr noch nicht komplett ausgereift daher sollten sie keine rohen tierischen Lebensmittel essen. Also kein blutiges Fleisch oder Tartar, aber auch kein Mettbrötchen oder Salami. Verzichten solltet ihr außerdem auf Rohmilchkäse, Rohwurst, Teewurst oder Speisen mit nicht durcherhitzen Eiern. Die kommen in Mayonnaise oder auch in einigen Süßspeisen vor.

Gut erhitzen

Mit der Hitze tötet ihr Krankheitserreger und Keime. Deshalb sollten gerade die tierischen Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Eier vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden. Ausreichend heißt: eine Erhitzung des gesamten Lebensmittels, im Inneren und außen, auf 70 Grad Celsius oder mehr über mindestens zwei Minuten. Bei der Zubereitung in der Mikrowelle sollte auf gleichmäßiges Erhitzen geachtet werden. Sinnvoll ist es dafür, Gerichte wie Suppen oder Soßen zwischendurch einmal umzurühren.

Verzweifelt nicht mit einem Picky Eater sondern bleibt dran und nehmt euch die Zeit für die gemeinsamen Mahlzeiten. Es ist nur eine Phase…

Titelbild © Karolina Grabowska (Pexels)

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Autor
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.