Die Adventszeit ist angebrochen, also kommt das Licht bald überwiegend von Kerzen. Ich persönlich könnte mich auch mit einem Kaminfeuer anfreunden, muss aber einsehen, dass es dafür eine geeignete Vorrichtung in einer Hauswand braucht. Leider konnte ich eine solche bislang nirgends entdecken. Und Kaminfeuer auf TV-Monitoren sind schon ein arg schwacher Abklatsch. Will man sich zum Beispiel ernsthaft daran wärmen, wie soll ich das anstellen? Soll ich etwa zusätzlich einen Heizlüfter abfilmen und den dann als Pop-up auf der ganzen Breite des Videofeuers erscheinen lassen? Andererseits brennt in mir selbst ja längst ein gemütliches Feuer, das höchstens dann bedrohlich laut knistert, wenn alle gleichzeitig zu sprechen beginnen. Und mit alle meine ich alle. Im besten Fall meldet sich bei einem, vielleicht bei zweien, die Einsicht, dass Worte nicht alles sind und ein passender Gesichtsausdruck es allein vielleicht auch richten könnte. Außer, wir befinden uns im Einzugsbereich des modernen Weihnachtsversprechens. Dann nämlich geht jeder Mund mindestens so lange auf, wie es das Aufsagen der gewünschten Geschenke erfordert. Und ja, das kann sich überschneiden. Aber es gilt das Recht auf Redefreiheit. Und allemal das auf Produktbeschreibungen…

Geschenke sind selbstredend jedes Jahr um diese Zeit ein gewichtiges Thema. Wie könnte man dem auch ausweichen, ohne für wenigstens ein weiteres Jahr als Erziehungsberechtigter ernst genommen zu werden? Und daran muss mir und uns einfach liegen, wollen wir auch am Ende des nächsten Jahres bei der Gabenauswahl erneut ein kleines Wörtchen mitreden. Wohlgemerkt, ein kleines Wörtchen nur. Das große Wort führt das jeweils auf portionsweisen Empfang eingestellte Kind. Und weil Kinder ja immer ganz genau wissen, was sie wollen, möge sich ihr Wort auf der Goldwaage wiederfinden. Danach weiß ich es zwar auch, bin mir aber nicht ganz sicher, ob das jetzt als sinnvolles Geschenk unterm Weihnachtsbaum taugt. Wahrscheinlich liegt das an der mittlerweile gigantischen Auswahl an möglichen Präsenten, die sich von überallher mächtig aufdrängen und vorübergehend scheinbar die Weltherrschaft an sich zu reißen versuchen. Folgt man brav den Anweisungen der Kinder, hat man an sich nichts zu befürchten. Und natürlich wissen sie um die erhabene Weisheit und gefestigte Moral einer befristeten Schattenregierung der schönen, spitzenmäßigen und – manchmal schon auch – teuren Dinge. Also ordnet man sich besser ein, ist ja nur für eine gewisse Zeit, außerdem ist Widerstand zwecklos. Der wird nämlich schon in jenem kleinen Wörtchen unterdrückt, mit denen Erwachsene womöglich in Frage stellen könnten, ob wirklich alle geäußerten Wünsche Kinderherzen höher schlagen lassen, selbst wenn sich höher eigentlich nur im Preis ausdrückt.

Abgesehen davon gibt es aber tatsächlich Dinge, deretwegen niemand eine antikommerzielle Rebellenbewegung gründen muss. Eine neue, computergesteuerte Nähmaschine für Pauline zum Beispiel, die bei geschickter Anwendung tolle Sachen aus Stoff hervorzubringen vermag. Oder ein komplettes Treibhaus für Jakob, um sich seiner Sache als Vollblut-Vegetarier mit noch authentischerer Leidenschaft widmen zu können. Oder eine stille Teilhaberschaft an Google für Max, damit der seinen anhaltenden Wissensdurst quasi an der Quelle stillen kann. Und natürlich ein Tastenfeld groß wie ein Fußballplatz für Leander, damit der künftig flinke Fingerakrobatik mit sportlichem Ehrgeiz verbinden kann. Für Leopold noch die täglich reproduzierbare Gummibärchenfabrik, für Valentin eine eigene schneesichere Abfahrt auf dem Zugspitzmassiv, und einem hochdotierten Plattenvertrag ist Oskar garantiert nicht abgeneigt. Abgesehen davon, dass Pauline um ihre weniger milde denn stichfeste Gabe bereits weiß: Alles andere klingt aber auch zu schön, um wahr zu sein. Nicht ausgeschlossen, dass derlei wahrhaftig die Runde macht in ihrem vorweihnachtlichen Streben nach der perfekten Bescherung. Ich möchte aber zusätzlich nicht ausschließen, dass es um deren Verwirklichung gar nicht mal so schlecht bestellt sein muss. Dass gewisse Abstriche akzeptiert werden müssten, klar, aber ohne Kompromisse funktioniert kein Gemeinwesen, auch kein noch so gemeines innerhalb einer Familie. Und weil womöglich ich damit gemeint sein könnte, möge mein Lösungsvorschlag gar nicht erst gegenteilige Erwartungen wecken: Drauf also mit diesen imaginierten Mega-Geschenken auf moderne Speichermedien, und dann vor aller Kinderaugen abgespielt auf einem großen PC-Monitor…

Fotos: © Pexels

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