Es ist gut und richtig, dass Hasen, zuletzt auch Osterhasen, zumeist über Wiesen und Feldwege hoppeln. Dann nämlich bleiben die Straßen frei für die ganz normalen Autofahrer. Irgendwelche Tiere mag man da nicht vor oder neben sich sehen, zumal die ja schon geschwindigkeitsmäßig gar nicht mithalten können. Antilopen sollen zwar verdammt schnell sein, oder auch Leoparden, nur wüsste ich jetzt grade nicht, wie die sich auf eine Straße in Deutschland hätten verirren sollen. Klar flüchten manche Tiere immer wieder mal aus einem Zoo, aber der Tiger zum Beispiel ist früher nie weiter als bis in einen Tank gekommen. Wer aber demnächst Straßen in Deutschland bewusst ansteuert, das wird mir Tag für Tag deutlicher vor Augen geführt: Es ist unsere Tochter Pauline, seit wenigen Monaten 18 Jahre alt, und mit einem Fuß bereits auf dem Gaspedal. Zumindest in Gedanken, weil ein naheliegendes Ziel der Besuch einer Fahrschule in einem Nachbarort ist. Die bildet zwar auch für das Führen von Traktoren aus, aber das konnten wir ihr schon ausreden: Kartoffeln essen die meisten von uns noch immer am liebsten als Pommes.

Zusammen mit Pauline soll auch Leander, noch 16 Jahre alt, an dieser Fahrschule angemeldet werden. Leander hat sich bisher schon als sehr technikaffin erwiesen, was ihm beim mittelfristig geplanten Führerscheinerwerb sicher von Nutzen ist. Zudem hat er bereits ein Schülerpraktikum in einem Autohaus absolviert. Dafür hat er sich rechtzeitig Arbeitsschuhe besorgt, und angemessene Arbeitskleidung sowieso. Von dem, was er darüber erzählt hat, weiß ich noch, dass er einmal beim nahezu kompletten Auseinanderbau eines BMW zugesehen hat. Bei einem VW wäre das mit Sicherheit noch wesentlich spannender gewesen. Allein die ganzen überraschenden Einblicke in ansonsten unsichtbare Geheimfächer, voll mit versteckten Hinweisen auf sensationell niedrige Abgaswerte…

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Mit fachlichen Inventuren wie diesen scheint Leander jedenfalls nahezu optimal gerüstet für irgendwann demnächst anstehende Fahrschulstunden. Pauline hat dergleichen zwar noch nicht zu sehen bekommen, bevorzugt aber auch generell abschließend zusammenmontierte Fahrzeuge. Solche also mit vier Rädern, einem Lenkrad und jeweils einen echten, TÜV-zertifizierten Schutzengel auf den freien Plätzen. Uns Eltern liegt naturgemäß extrem viel daran, dass nur ja nichts passiert. Die Statistik weist vor allem für Führerscheinneulinge ein besonders hohes Unfallrisiko auf, worauf wir Pauline und Leander wiederholt aufmerksam machen. Gleichzeitig damit darf aber die Angst nicht überwiegen, soll doch der herbeigesehnte Fahrspaß auf lange Sicht gewährleistet bleiben. Den Focus auf den selbstverantwortlichen Umgang mit motorisierter Fortbewegungstechnik legen, auf das notwendige Maß an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, dass es braucht, um in der richtigen, vernünftigen Spur zu bleiben. Das vor allem sind unsere Empfehlungen als Eltern, die sich nichts weniger wünschen als für lange, lange Zeit arbeitslose Schutzengel. Ach was, für immer…

Fahrlehrer haben dagegen immer was zu tun. Für eine Unterbeschäftigung spräche allenfalls die Tatsache, dass das Fahrradfahren stark im Kommen ist. Oder der Umstand, dass auf dem manchmal recht langen Weg zum Führerschein die Hand des Fahrlehrers beständig ausgestreckt bleibt. Weil er darin nur zu gerne Geldscheine knistern hört. Und ausgerechnet hier bei uns in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, muss durchschnittlich am meisten dafür hingeblättert werden, Kinderkarussell, Autoscooter und öffentlichen Nahverkehr endgültig als lahmen Fahrersatz betrachten zu dürfen. Ran ans richtige Steuer, wird bald die Devise lauten, wenn denn der Lappen erst mal unter Dach und Fach ist. Auf einem deutschen Verkehrsschild findet sich dieses Ziel noch nicht symbolhaft dargestellt. Braucht es aber auch nicht, gibt es doch so viele andere, für die ein Blick zu riskieren sich lohnt. Dass mit der Spielstraße zum Beispiel. Erinnert es einen doch so herrlich wehmütig an weitaus ungefährlichere Zeiten…

Fotos: © Pixabay

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