Vom beginnenden Herbst war ja beim letzten Mal kurz die Rede. Und davon, dass in den häuslichen vier oder mehr Wänden nunmehr harte Bewährungsproben anstehen, weil es den Nachwuchs vor allem nach drinnen zieht. In die Küche zum Beispiel. Aber dass sich das überleben lässt, sogar frisch vermehlt, hat ja die vorangegangene Kolumne bewiesen. Was vielleicht eine Spur heikler ist – der Rasen kann fast nicht mehr gemäht werden, also wird stellvertretend dafür der Staubsauger zur Hand genommen. Aber das ist okay. Wer will sich schon über Stunden Rockklassiker reinziehen, wenn er dafür den endgeilen Sound penetrant röhrender Hausgeräte haben kann?

Ab und zu sind spannende Dinge zu erledigen. Für einen Mann gilt das, wenn er den Abwasch machen muss, obwohl er sich darüber im Klaren ist, dass direkt aus den Töpfen zu essen die weitaus ökonomischere Variante ist. Zugegeben, wir haben derzeit keinen Geschirrtrockner, weil einfach das Risiko zu hoch ist, dass dem viele kleine Hände ein vorschnelles Garaus machen. Das könnte zwar auch spannend mitanzusehen sein, finde finanzielle Abenteuer aber bei diversen Hobbys durchaus angebrachter, zum Beispiel beim von mir heißgeliebten Erbenzählen. Kleingeld gebe ich halt noch am liebsten aus. Das ist zwar nicht jedes Mal spannend, aber der immer gleiche Weg zu meinem Geldspeicher ist es fast noch weniger.

Hat Jakob oder Leopold oder auch Maximilian den Staubsauger erst einmal an sich gerissen, gibt es kein Halten mehr. Als Mann kommt man fast nicht mehr aus dem Staunen heraus, welch unfassbar großes Sauberkeitsbedürfnis schon halb- bis drittelwüchsige Jungs zu haben scheinen. Dem vermutlich weiblichen Urinstinkt für absolute Reinheit auf der Spur, treiben sie den armen Sauger zu Höchstleistungen an. Mit schätzungsweise 2000 Watt in den scheppernden Maschinenmuskeln haben sie ihn losgeschickt, am Boden umherirrendes Kleinstzeug in vorbereitete Beutel zu zwingen. Das klappt richtig gut, auch wenn die Suche nach winzigen Lego-Teilen oder vermeintlich unauffindbar versteckten Gummibärchen irgendwann danach auf Hochtouren läuft. Nur nicht in Staubsaugerbeuteln, dafür hält sich noch ein jeder an die Reihe kommende Staubsauger-Maschinenführer für viel zu vorausschauend und umsichtig. Ich muss aber schon auch zugeben, dass bei meinen
wiederkehrenden Saug-Safaris das ein oder andere unscheinbare Lego-Teil in den kompakten Plastikrüssel mit hineingeraten ist. Das heißt aber auch, mich bei wieder einmal anstehenden Suchaktionen besser zurückzuhalten. Auf einmal fällt der Verdacht noch auf mich, wo mich doch nichts mehr antreibt, als meinen Anteil an einem sauberen Zuhause sicherzustellen. Und dafür bin ich nun wirklich zum Äußersten bereit: Sogar Spinnen habe ich schon aus Zimmerecken weggesaugt, einfach so. Und keiner der Jungs musste mir zu Hilfe kommen, ich hab` das ganz alleine erledigt. Aber wie gesagt, sind halt Saug-Safaris, da muss man auf die allergefährlichsten, die wildesten, die definitiv unberechenbarsten Geschöpfe eingestellt sein. Und das bin ich, immer noch. Und das war ich schon, noch bevor mein und unser erstes Kind ungefähr das erahnen ließ…

Des Staubsaugers fette Beute zu entsorgen ist für gewöhnlich meine Aufgabe. Wobei Müll nach draußen zu schaffen, schon auch die größeren Kinder hilfsbereit erledigen. Eine geringfügige Herausforderung, die es aber ermöglicht, noch im Herbst die eigenen vier Wände zu verlassen. Und damit vielleicht mal wieder auf ganz andere Gedanken zu kommen. Zum Beispiel darauf, wie es wäre, mit dem versehentlich stehengelassenen Rasenmäher den Staubsauger zu ergänzen. Weil Rockklassiker nämlich echt nichts für Kinderohren sind, und dass man dem Herrn Papa damit ein für alle Mal verständlich machen kann…

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