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Kolumne: SechserPäckchen – „Geschenkt!“

Seit ein paar Tagen fallen mir so seltsame Kreaturen an Häuserwänden und Balkonen auf, wie sie die bundesdeutsche Einbrecherstatistik wahrscheinlich gar nicht auf ihrer Rechnung hat. Diese seltsam leblosen, operettenhaften Kostümfetischisten scheinen es auf fette Beute abgesehen zu haben, ihr fast immer mitgeführter Sack jedenfalls lässt diesen ungesetzlichen Schluss zu. Bis eine Erinnerung aus dem Vorjahr irgendwo im Stammhirn zuschlug und den letzten Zweifel daran beseitigte, dass es sich bei ihnen um die Vorboten des Weihnachtsfestes handelt: Nikoläuse. Oder weil wir uns sogar in fast durchweg roten Vorhangstoffen mit unechtem Goldrand für einfach unwiderstehlich halten: Weihnachtsmänner. Von der Präferenz christlicher Traditionalisten mal abgesehen, bleibt die Bezeichnung zweitrangig, weil letztlich stehen beide für ein mächtiges tendenziöses Signal: Geschenke kaufen! Für Eltern gibt es mit Beginn der Adventszeit eigentlich keinen anderen Lebenssinn. Also fast. Das Stammhirn in permanente Aufruhr ob des hoffentlich richtigen Geschenkes zu bringen, hievt schon auch auf die Überholspur des Lebens.

Geschenke also. Diese mit viel Vorahnung oder gleich heimlich erworbenem Wissen angefüllten kindlichen Sehnsuchtsobjekte. So schwebt Leander was mit ganz viel Elektronik drin vor, und damit meint er nicht die aus der Pionierzeit des Röhrenradios. Ein Beamer zum Beispiel, oder ein Gaming Computer. Für einen Beamer könnte ich mich schon auch begeistern, damit hat ja schon die Crew vom Raumschiff Enterprise immer noch gerade rechtzeitig den Absprung geschafft. Oder Leopold und Maximilian, die sich an in Dunkelheit leuchtenden 3-D-Puzzles nicht sattsehen wollen. Auch daran könnte ich nahezu problemlos anknüpfen, ist es Vätern doch quasi vorherbestimmt, leuchtendes Beispiel zu sein. Auch wenn sich das manchmal auf nächtliche Suchen nach Hausschuhen mit der Midi-Ausgabe einer Taschenlampe erschöpft.

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Pauline dagegen würde sich mit einem Führerschein begnügen. Nicht etwa das, was sich Donald Trump wiederholt selbst ausstellt, bloß weil er Mund- mit Lebenswerk verwechselt oder An- mit Kalenderspruch. Pauline meint damit die Befähigung zum Fahren eines Autos. Das ist natürlich ein sehr bescheidener Wunsch, weil sie sich ja genauso gut für das Fliegen eines Raumschiffes aus der Sternenflotte hätte entscheiden können. Das mag vielleicht albern, ja absurd erscheinen. Aber ganz bestimmt nur jenen, die sich noch nie mit der Gedankenwelt einer 17jährigen auseinandersetzen mussten, ohne nicht freiwillig bei spätestens drei auf den Bäumen zu sein. Im Prinzip empfiehlt sich ja ein Umzug gleich in ein Baumhaus in so manchen Lebensphasen von Kindern. Gerade zurzeit aber scheint das nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, ist doch jeder Baum mehr oder weniger ein Weihnachtsbaum. Klar halten diese temporären Schmuckstücke ordentlich was aus, behängt man sie doch mit so ziemlich allem, was irgendwie glitzert oder irgendwo noch billiger zu haben ist. Die eigentliche Herausforderung aber liegt ihnen zu Füßen, will sagen, rund um den Weihnachtsbaumständer. Dort nämlich türmen sich bisweilen Geschenke in einer Höhe auf, die den jeweiligen Baum in ein erhebliches Ungleichgewicht zu stürzen drohen. Wie beruhigend, dass dergleichen bei uns ausgeschlossen ist. Würden wir nämlich die Wunschlisten aller Punkt für Punkt erfüllen, hätte dies eine Geschenkewand zur Folge, die selbst den jähen Fall eines Mammutbaumes sanft abzumildern imstande wäre.

Habe ich noch wen vergessen? Richtig, Jakob. Und Valentin. Ok, Jakob hat irgendwann mal was von einer Stichsäge anklingen lassen. Kein Thema, befeuere ich meinen Zweckoptimismus, jeden Tag bis 10 Finger abzählen zu müssen, ist aber auch zu mühsam. Und was Valentin angeht: Der bastelt gerne. Mal schauen, vielleicht gibt es ja so Bastelsätze für richtig funktionierende Schokoladenfabriken. Oder für echte Weihnachtsmänner: Ich soll nämlich im nächsten Jahr auch so einer sein. Es ist wirklich zum die Wände hochgehen…

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