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Nach heutigem Stand sind alle Eltern noch bis mindestens Mitte April dazu aufgefordert, ihre KiTa- und Schulkinder zuhause zu betreuen. Für die meisten geht es also darum, die eigenen beruflichen Aktivitäten bestmöglich zu erledigen und parallel den Nachwuchs anzuleiten, ohne sich mit Freunden zu verabreden. Diese Situation ist für viele Eltern eine Belastungsprobe, daher haben wir insbesondere für den Hausunterricht ein paar Ideen für Euch, die Euch zu einem geregelten Ablauf bringen können. Hier sind ein paar ganz persönliche Tipps und Erfahrungen zum Homeschooling.

Bei uns kam die Phase der Betreuung Zuhause direkt nach den zwei Wochen Märzferien. Im ersten Moment fühlte es sich also wie eine Verlängerung der Urlaubszeit an. Und so haben wir es auch behandelt: lange schlafen, spät frühstücken und ständig diskutieren, wann etwas für die Schule gemacht wird, wann gespielt wird und wann Medienzeit ist. Dabei kam insbesondere meine eigene Arbeit zu kurz. Wir brauchten dringend eine Struktur. Daher haben wir zuerst einen Plan entwickelt, den wir Euch gern vorstellen und im Detail erklären wollen.

Der Tagesplan

Meine Tochter ist in der zweiten Klasse und hat an einem normalen Schultag von 8 bis 13 Uhr Unterricht. Danach ist sie bis zum Nachmittag mit Freunden in der Schulbetreuung. Beim Homeschooling ging es uns somit um einen Mix aus Lerneinheiten, Bewegung, Kreativität, Essenspausen und genug freier Spielzeit. Den Tagesplan haben wir gemeinsam besprochen, aufgeschrieben und sogar unterzeichnet. Und zum Glück hat die Kleine auch jeden Tag Spaß daran, sich an diesem Plan zu orientieren. Die einzelnen Abschnitte möchte ich Euch gern näher beschreiben.

Mit dem Tag starten

Wir sind alle Langschläfer und haben während des Ausnahmezustandes gar nicht den Ehrgeiz, um 8 Uhr mit dem Programm loszulegen. Das hätte gleich am Morgen immer schon für schlechte Laune gesorgt. Und aktuell wird es bei uns abends auch etwas später als zu normalen Schulzeiten. Da meine Frau morgens gegen 8.30 zur Arbeit fährt, stehen wir dann auch auf und starten um 9 Uhr mit einem gemeinsamen, gesunden Frühstück. Dann besprechen wir das Tagesprogramm, unterhalten uns über den Virus und die aktuelle Situation und bringen uns dann im Badezimmer in Form für den Tag.

Lesen und Schreiben

Nun folgt die erste Lerneinheit, die mir dann auch die Chance bietet, mich gut 90 Minuten um den eigenen Job kümmern zu können. Da meine Tochter gern liest, haben wir immer ausreichend Bücher zuhause. Eigentlich aus der Bücherhalle. Seit die geschlossen ist, haben wir Bücher gekauft. Aktuell sind „Drei Fragezeichen Kids“ und „Petronella Apfelmus“ extrem angesagt. Von denen ist die Kleine so begeistert, dass sie 60 Minuten ohne Zetern mit dem Buch auf dem Sofa sitzt und liest. Anschließend schreibt sie jeden Tag eine Seite. Dazu haben wir überlegt, immer eine Episode zu unserem letzten Urlaub zu verfassen, quasi als Reisetagebuch.

Kreativzeit

Nach eineinhalb Stunden Unterricht gibt es mit der kreativen Pause die erste Spieleinheit. Hier malt meine Tochter, spielt mit Lego oder ihrer Hexbug nano Bahn. Wir haben das Thema Kreativität aber tatsächlich etwas weiter gefasst, daher finden in dieser Zeit auch mal Telefonate mit den Großeltern oder Freunden statt. Es geht uns darum, fernab der Medien eine Beschäftigung zu finden, die eben nicht schulisches Lernen ist und die sie trotzdem allein durchführen kann. Es soll aber auch trotzdem gut und fordernd für Geist und Seele sein. Und nicht zu vergessen: die Omas und Opas freuen sich immer sehr über ein Update der Enkelkinder.

Haushalt

Immer beim Frühstück besprechen wir bereits, was in dieser Stunde passieren soll. Neben „Kinderzimmer aufräumen“ sind es auch oft gemeinsame Projekte wie Spülmaschine ausräumen, Wäsche waschen, Essen vorbereiten oder Gartenarbeit. Also jetzt wieder gemeinsame Zeit und Arbeiten, die in einem Haushalt nötig sind. Es fühlt sich immer gut an, zusammen etwas zu erledigen. Und nebenbei lernt unsere Tochter hier, welche Projekte es im Alltag zu bewältigen gibt. Einkaufen tun wir allerdings aufgrund des Virus nicht zusammen. Und für das Staubsaugen haben wir zum Glück einen Roboter.

Sport

Bewegung ist wichtig, je nach Wetterlage auch gern in Verbindung mit frischer Luft und Tageslicht. Wir nutzen diese Zeit für eine kleine Radtour oder bei schlechtem Wetter für ein gemeinsames Indoor-Sportprogramm. Wie viele andere auch haben wir die tägliche Sportstunde mit Alba Berlin auf youTube für uns entdeckt. Es gibt aber noch viele andere Apps und Clips auf dem Smartphone, bei youTube oder Twitch. Uns geht es darum, in Schweiß zu kommen, aber auch etwas für die Koordination zu tun.

Mathe-Unterricht

Insbesondere für das Rechnen greifen wir beim Homeschooling auf digitale Angebote zurück. Unsere bevorzugte App ist die von Anton. Da können dem Wissens- und Klassenstand entsprechend Ausgaben ausgewählt werden. Und wir brauchen keine Arbeitsblätter herunterzuladen und auszudrucken. Nebenbei lernen wir aber gerade auch die Uhr und nutzen zum Beispiel das gemeinsame Kochen, um sich mit Zeiten und Maßeinheiten zu beschäftigen. Als tägliche Dosis Mathematik ist das aus unserer Sicht ausreichend.

Freies Spiel

Die längste Einheit auf dem Tagesplan ist zur freien Verfügung. Da Freunde als Spielkameraden ausfallen, findet auch diese Spielzeit zuhause statt. Auch hier geht es gern nochmal in den Garten, auf das Trampolin oder ne Runde Rollerfahren. Oder unsere Tochter nutzt die Zeit nochmal für einen Schnack mit Freunden oder der Familie. Sie hat eine Schwester in Thailand und eine Cousine auf den Bahamas, daher ist durch die Zeitverschiebung immer die Chance zu einem kurzen Plausch, den wir gerade in diesen Zeiten sehr wichtig finden und fördern.

Wir sind aber auch alle zusammen Fans von Brett- und Kartenspielen. Da gehören derzeit Azul, Skippo, Queen Domino oder Cluedo Junior zu unseren bevorzugten Games.

Medienzeit

Nach dem gemeinsamen Abendessen mit der ganzen Familie kommt erst jetzt die Medienzeit. Ganz ohne geht es bei Grundschülern nicht. Auf der anderen Seite müssen wir nun durch den Tagesplan nicht mehr ständig darüber diskutieren, wann der richtige Zeitpunkt für das Tablet, die Konsole oder den Fernseher gekommen ist. Aktuell besteht die Medienzeit aus zwei Teilen: zufällig haben wir zu Beginn der Krise ein umfangreiches Promo-Paket von Nintendo erhalten. Da war neben den Spiel „Animal Crossing“ für die Nintendo Switch sogar noch ein Liegestuhl und diverses Promozeugs enthalten. Und dieser quietschgelbe Stuhl ist seitdem der Lieblingsplatz unserer Tochter für ihre abendliche Runde Animal Crossing. Ihr erstes Konsolenspiel und wahrscheinlich der Grundstein für eine lange Gamer-Laufbahn.

Und bevor es dann ins Bett geht, gucken wir meist noch zusammen ein Stück der aufgenommenen Folge „Voice Kids“.

Fazit

Uns hat der Tagesplan geholfen, unseren Alltag zu strukturieren. Er verhindert, dass wir ständig den nächsten Tagesordnungspunkt diskutieren müssen. Und für unsere Tochter fühlt es sich gut an, Dinge zu erledigen und abhaken zu können. Wir sind nicht allzu päpstlich und verschieben auch mal Punkte. Oder lassen etwas ausfallen. Aber grundsätzlich sind wir gerüstet, so durch die nächsten Wochen zu kommen. Auch wenn wir uns alle sehr wünschen, bald hoffentlich wieder dem „normalen“ Leben nachgehen zu können.

Nützliche Tipps insbesondere zum digitalen Lernen gibt es unter anderem bei der Initiative Schau hin!

Fotos: Titelbild © Pixabay // Rest © Daddylicious

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