Ähnliche Beiträge

RatgeberKiTa & SchuleKinder mit Lernschwierigkeiten - 5 Dinge, die Väter tun können

Kinder mit Lernschwierigkeiten – 5 Dinge, die Väter tun können

“Elender Streber”, verspotteten ihn die Mitschüler.

Seine dicke Brille und sein Interesse an Chemie und Physik machten Peter Parker zum perfekten Außenseiter an seiner Schule.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes:

Durch ein schicksalhaftes Ereignis verwandelten die Comics-Zeichner Peter vom Außenseiter zum Superhelden.

Der Biss einer radioaktiven Spinne verlieh ihm übermenschliche Kräfte. So wurde Peter zu Spider-Man – dem unermüdlichen Kämpfer für Gerechtigkeit.

Eine solche magische Veränderung erleben auch Väter von Kindern mit Lernschwierigkeiten:

Oft sind sie wenig in den Schulalltag ihrer Kinder involviert. Doch wenn sie beginnen, ihre Kinder aktiv zu unterstützen, können sie unglaublich viel bewegen.

Auch du kannst das. Damit dir das gelingt, gebe ich dir in diesem Beitrag 5 wirkungsvolle Tipps an die Hand.

Legen wir los.

Tipp 1: Raus aus dem Hamsterrad

“Ich habe mich auch durchgebissen!”, erklärte mir Ralf kürzlich.

Seinen Sohn plagen massive Rechenschwierigkeiten. Oft sitzt er im Matheunterricht und verzweifelt.

Bei Papa wecken Alex’ Dyskalkulie-Symptome Erinnerungen an seine eigene schwierige Schulzeit. Seine Strategie lautete damals: Ich beiß mich selbst durch. Eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Ralf denkt, dass das auch bei seinem Sohn hilft.

Das ist ein Trugschluss: Denn Kinder mit Lernschwierigkeiten können sich nicht selbst durchboxen. Wenn sie Mühe mit den Grundlagen beim Rechnen, Lesen oder Rechtschreiben haben, fehlt es ihnen nicht an Willen oder Motivation.

Das Problem liegt tiefer: Sie schaffen es nicht, sich die Grundlagen anzueignen. Diesen Schritt schaffen sie nicht ohne gezielte Hilfe.

Lernschwierigkeiten sind für betroffene Kinder keine “Bagatelle”: Sie leiden enorm darunter. Denn sie erleben tagtäglich im Schulunterricht, wie sie scheitern.

Das schmerzt. Das untergräbt ihr Selbstvertrauen.

Was heißt das für dich?

Befreie dein Kind von unrealistischen Erwartungen.

Tatsache ist: Solange es Schwierigkeiten bei den Grundlagen hat, kann dein Kind dem schulischen Unterricht nicht folgen. Deshalb wird es bei Prüfungen nicht glänzen. Es wird keine guten Noten schreiben. Es wird die Hausaufgaben nicht selbständig erledigen können.

Wenn du diese Haltung einnimmst, befreist du dein Kind von einem großen Druck.

Beim Lernschwierigkeiten der Kinder können Väter aktiv werden
© Annie Spratt (Unsplash)

Tipp 2: So machst du den Unterschied

“Alex, konzentrier dich mal”, fordert Ralf.

Es ist am Abend vor der Prüfung, und Alex soll nochmals das Einmaleins lernen.

Beide sind müde. Die Zeit ist knapp und der Druck ist hoch. Oft endet das in Stress und Tränen.

In dieser Situation stoßen sich die beiden ab.

Eigentlich bräuchte Alex das Gegenteil: Nähe und Zuwendung.

Kinder mit Lernschwierigkeiten fühlen sich unsicher und allein gelassen. Sie erleben in der Schule immer wieder, wie sie scheitern. Sie bräuchten Halt und Unterstützung, doch keiner ist da.

Zuhause kannst du da bewusst entgegenwirken.

Nutze die Kraft der Beziehung: Setze dich neben dein Kind und begleite es eng, wenn es an seinem “Problemfach” arbeitet. Gib Hilfestellungen, wenn es unsicher wird.

So spürt dein Kind: “Papa ist an meiner Seite, was immer passiert!”

Gerade du als Vater kannst auf der Beziehungsebene viel bewirken.

Warum?

Weil du eine Alternative bietest. Die Mama tut bereits viel im hektischen Schulalltag. Wenn du einen Teil übernimmst, erzielst du zwei Effekte: Du kannst ohne die Vorbelastung des Alltags ins Üben reingehen. Und du entlastest die Mutter.

Bei uns im Lerncoaching begleiten viele Väter ihre Kinder mit Lernschwierigkeiten. Sie machen das wunderbar und stärken so auch die Beziehung zu ihrem Kind.

Tipp 3: Weniger ist mehr

Es ist unerreichbar.

Am Abend vor Matheprüfungen spürt Ralf ganz deutlich:

Was immer er mit Alex übt, reicht nicht. Der Weg ist zu weit. Die Lücken sind zu groß.

Dann fühlt sich Ralf hilflos und überfordert.

Geht es dir auch so?

Dann brauchst du einen Perspektivenwechsel.

Stell dir dazu einen Marathon vor: Bleiben die Läufer an der Startlinie stehen und versinken in Zweifel?

Nein, sie laufen los und bewegen sich Schritt für Schritt in Richtung Ziel. Nur so schaffen sie die 42,195 Kilometer.

Genauso darfst du es bei der Lernbegleitung machen:

Lass dich nicht von den überfüllten Aufgabenblättern irritieren. Verlier nicht die Hoffnung, weil der Weg zu weit erscheint.

Mach die Dinge klein: Nimm die Schere und schneide das Hausaufgabenblatt in kleine Kärtchen, die dein Kind schafft.

Fokussiere darauf, wo dein Kind steht und setze dort an. Gehe in Mini-Schritten vorwärts und lass dein Kind das Tempo vorgeben.

Du wirst sehen: So werden Ziele erreichbar, die unerreichbar schienen.

jessica lewis g4WinrGsMl0 unsplash
© Jessica Lewis (Unsplash)

Tipp 4: Es geht auch anders

Alles ist wie weggeblasen.

Alex wirft seinem Papa einen fragenden Blick zu.

Er weiß nicht, wie er die Aufgabe rechnen soll. Dabei hat Ralf ihm erst gestern den Rechenweg erklärt.

Diese Erfahrung ist typisch bei Kindern mit grundlegenden Lernschwierigkeiten:

Sie haben spezielle Lernbedürfnisse beim Rechnen, Lesen oder Rechtschreiben. Deshalb funktionieren die schulischen Ansätze und Erklärungen meist nicht.

Ralf kann den Rechenweg noch x-mal erklären: Doch Alex versteht ihn nicht. Denn er bräuchte andere Wege, damit ihm dieser Fortschritt wirklich gelingt.

Welche Wege sind das?

Für Alex ist Mathe abstrakt und unverständlich. Deshalb benötigt er eine “Übersetzung”. Er braucht den  Transfer vom Abstrakten ins Konkrete, das er sich vorstellen und mit seiner Lebenswelt verbinden kann.

Da hilft das Lernen mit allen Sinnen:

Lege dafür die Arbeitsblätter beiseite und bringe neue Elemente ins Üben: mit Sprechen, Zeichnen, Spielen und Bewegung.

Das könnte so aussehen:

  • Dein Kind fährt den Rechenweg mit seinem Lieblingsplüschtier ab.
  • Dein Kind hüpft auf dem Trampolin und liest dazu.
  • Ihr spielt “Schere, Stein, Papier”. Der Verlierer buchstabiert ein Diktatwort.
  • Du denkst dir Rechnungen aus, die von der Lieblingsgeschichte deines Kindes handeln. Vielleicht nascht Harry Potter 7 von Rons 16 Schokofröschen. Wie viele bleiben dann übrig?
  • Oder, oder, oder.

Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Pass den Ansatz an die Lerninhalte und die Vorlieben deines Kindes an.

Probier’s aus.

Dein Kind wird es lieben.

Tipp 5: Der geheime Ort, an dem Fortschritte gelingen

Sie ziehen Ralf an wie ein Magnet.

“Morgen ist eine Prüfung. Wir müssen noch üben!”

Oder: “Puh, 20 Aufgaben sind noch offen.”

So ziehen die schulischen Anforderungen Ralf in ihren Bann. Sie treiben ihn immer wieder an und leiten seine Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig merkt er immer wieder, dass das nichts bringt.

Denn auch wenn er mit Alex mehr übt, werden die Noten nicht besser. Auch wenn er mit Alex das Arbeitsblatt bis ans Ende löst, erzielt er keine Fortschritte.

Dieses Gefühl stimmt:

Kinder mit grundlegenden Lernschwierigkeiten schaffen die schulischen Anforderungen noch nicht. Deshalb hilft das viele Üben und das Durchbeißen nichts.

Den Kindern fehlen die sicheren Grundlagen.

Das bedeutet: Ralf darf seinen Sohn aus dem Kreislauf von Druck, Überforderung und Tränen befreien.

Er darf die Zeit und Energie reduzieren, die ins Schulische reinfließt. Den entstehenden Freiraum darf er für die Grundlagen nutzen – beispielsweise für eine Lerntherapie oder eine LRS-Förderung.

Denn das ist der Ort, wo Alex steht. Dort kann er Fortschritte erzielen und beginnen, die Lücken zu schließen.

Was bedeutet das für dich?

Nimm eine Gewichtsverlagerung vor: Verschiebe den Fokus weg von den überfordernden schulischen Anforderungen hin zu den Grundlagen.

Du wirst sehen: Das wirkt Wunder.

Denn dein Kind will lernen und Fortschritte erzielen. Wenn du den Druck wegbringst, ist so viel möglich. Plötzlich entdeckt dein Kind wieder die Freude am Lernen – wie damals bei der Einschulung.

johnny mcclung RjdoQxJ7 5k unsplash
© Johnny McClung (Unsplash)

Der Startpunkt für dich…

Der Schlüssel liegt in der Beziehung.

Eltern können den Druck auf ihre Kinder verstärken und Verzweiflung und Frust vervielfachen.

Oder sie können die Beziehung nutzen, um ihrem Kind Stärke, Halt und Vertrauen zu schenken. Dann wird die Eltern-Kind-Beziehung zum Raum, wo sich neue Möglichkeiten auftun.

Gerade du als Papa kannst viel bewegen, da du Distanz zum gefühlsbeladenen Schulalltag hast.

Nutze diese Chance:

Involviere dich aktiv und übernehme einen Teil – vielleicht die Begleitung der Hausaufgaben oder das Üben bei den Grundlagen. Damit entlastest du die Mama und schenkst deinem Kind eine exklusive Beziehungszeit.

Du hast bereits einige Tipps dazu im Beitrag erhalten. Wenn du mehr Inspirationen fürs entspannte Begleiten möchtest, dann hol dir meine gratis E-Books.

Falls du dein Kind gezielt bei den Grundlagen stärken möchtest, hol dir Hilfe von außen. Denn gemeinsam geht es leichter:

Du begleitest dein Kind in der Eltern-Kind-Beziehung. Die inhaltliche Unterstützung holst du dir von einer Fachperson.

So entsteht eine unschlagbare Kombination.

Titelbild © Wavebreakmedia (depositphotos.com)

Thomas Abt
Thomas Abt
Thomas Abt ist Papa von vier Kindern und Lerncoach spezialisiert auf Rechen-, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten (Dyskalkulie/ Legasthenie/ LRS). In seinen kostenlosen E-Books erklärt er, wie du dein Kind mit Lernschwierigkeiten selbst begleiten und die Lernsituation rasch und spürbar entspannen kannst.

Beliebte Beiträge