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Die Ernährung der Väter vor der Geburt hat Einfluss auf die Gesundheit ihrer Kinder

Das ist mal eine überraschende Erkenntnis: Während das Kind im Bauch der Mutter heranwächst, hat auch die Ernährung der Väter einen Einfluss auf die Gesundheit des Babys. Laut einer aktuellen Studie von Helmholtz Munich und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung gibt es sehr spannende Erkenntnisse darüber, wie die Ernährung und insbesondere das Übergewicht von Vätern die Gesundheit ihrer Kinder schon vor der Geburt beeinflussen können. Insofern reicht es nicht, das Wohl des Kindes allein vom Gesundheitszustand der werdenden Mutter abhängig zu machen.

Bei der Veröffentlichung dieser neuen Erkenntnisse geht es aber gar nicht nur um den erhobenen Zeigefinger und die Warnung vor dem Babybauch bei den Papas. Den Dad Bod haben wir ja bereits umfangreich vorgestellt. Das Bewusstsein über den Einfluss der Ernährung von Männern schon während des Austragens liefert auch nützliche Erkenntnisse rund um die Gesundheitsvorsorge von Männern mit Kinderwunsch. Denn hier besteht ein Zusammenhang zwischen dem werdenden Papa und dem Nachwuchs: Je gesünder die Ernährung der werdenden Väter ist, desto geringer ist das Risiko der Kinder, im Lauf ihres Lebens Übergewicht oder Erkrankungen wie Diabetes zu entwickeln.

Studie beweist: Eine gesunde Ernährung des Vaters ist wichtig für das ungeborene Kind
© Vlada Karpovich (Pexels)

Der Leiter der Forschungsgruppe „Umwelt-Epigenetik“ bei Helmholtz Munich ist Dr. Raffaele Teperino und er wollte mit seinem Forscherteam herausfinden, welchen Einfluss die väterliche Ernährung und das Übergewichts auf die Gesundheit ihrer Kinder hat. Und das schon vor dem Zeitpunkt der Zeugung. Ohne jetzt zu sehr in die detaillierten Forschungsergebnisse einzusteigen, die doch recht wissenschaftlich und für Laien schwer verständlich sind, wurden spezielle kleine RNA-Moleküle in Spermien, so genannte mitochondriale tRNA-Fragmente (mt-tsRNAs) untersucht. Diese RNAs spielen eine Schlüsselrolle bei der Vererbung von Gesundheitsmerkmalen, indem sie die Genexpression regulieren.

Um eine valide Datenbasis zu erreichen, wurden von den Forschenden für diese Studie die Daten von mehr als 3.000 Familien der LIFE-Child-Studie der Universität Leipzig verarbeitet. Und zusammengefasst beweisen diese Analysen, dass das Körpergewicht des Vaters das Gewicht der Kinder und ihre Anfälligkeit für Stoffwechselkrankheiten durchaus beeinflusst. Und dieser Einfluss besteht unabhängig von anderen Faktoren wie dem Gewicht der Mutter, der elterlichen Genetik oder Umweltbedingungen.

Die Ernährung des Vaters beeinflusst seine Kinder

Um die Forschungsergebnisse der Analyse zu validieren, wurden von den Forscher*innen im Anschluss Experimente mit Mäusen durchgeführt. Die kleinen Nager erhielten eine Hochfettdiät, also Nahrung mit einem höheren Fettgehalt als eine normale Diät. Das hatte Auswirkungen auf die Geschlechtsorgane der Tiere, auch auf die Nebenhoden. Der Nebenhoden ist der Bereich im männlichen Fortpflanzungssystem, in dem frisch gebildete Spermien heranreifen. „Unsere Studie zeigt, dass Spermien, die im Nebenhoden der Mäuse einer Hochfettdiät ausgesetzt sind, zu Nachkommen mit erhöhter Neigung zu Stoffwechselerkrankungen führen“, sagt Raffaele Teperino.

Das war den Forscher*innen aber noch nicht aussagekräftig genug, daher wurden vertiefende Untersuchungen im Labor durchgeführt. Dabei wurden Embryonen durch In-vitro-Fertilisation, also der Befruchtung im Reagenzglas, erzeugt. Verwendete Teperinos Team Spermien von den Mäusen, die der Hochfettdiät ausgesetzt waren, fanden sie mt-tsRNAs dieser Spermien in frühen Embryonen, die Genexpression signifikant beeinflussten. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Entwicklung und Gesundheit der Nachkommen. „Dies ist das erste Mal, dass wir eine solche molekulare Verbindung über Generationen hinweg beobachten konnten“, sagt Raffaele Teperino. „Durch die Demonstration der Übertragung nicht-genetischer väterlicher Bestandteile in Embryonen zeigen wir einen bisher unbekannten Aspekt der Vererbung.“

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© Jonathan Borba (Unsplash)

„Unsere Hypothese, dass im Laufe des Lebens erworbene Eigenschaften wie Diabetes oder Adipositas über Generationen mittels epigenetischer Mechanismen weitergegeben werden, wird durch diese Studie bestärkt. Die Epigenetik dient hierbei als molekulare Schnittstelle zwischen Umwelt und Genom, auch über Generationengrenzen hinweg. Dies geschieht nicht nur über die mütterliche, sondern – wie unsere Forschungsergebnisse zeigen – auch über die väterliche Linie“, erklärt Prof. Martin Hrabě de Angelis, Ko-Autor der Studie und Forschungsdirektor Helmholtz Munich.

Wichtige Erkenntnis für Männer mit Kinderwunsch

Die Ergebnisse aus der aktuellen Studie von Helmholtz Munich machen deutlich, wie wichtig die väterliche Gesundheit und Ernährung vor der Zeugung ist und welche neuen Ansätze für die Gesundheitsvorsorge sich daraus ableiten lassen: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Gesundheitsvorsorge für Männer mit Kinderwunsch mehr Aufmerksamkeit erfahren und Programme dafür entwickelt werden sollten, beispielsweise mit Blick auf die Ernährung“, so Teperino. „Damit lässt sich das Risiko von Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes bei Kindern verringern.“

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© docian (depositphotos.com)

Hintergrund: Der indirekte Einfluss der Väter

Mitochondrien werden oft als Kraftwerke der Zelle bezeichnet. Sie verfügen über ihre eigene, von der DNA im Zellkern unabhängige DNA. Diese mitochondriale DNA (mt-DNA) sorgt über das Zwischenprodukt mt-RNA für die Herstellung von Proteinen in den Mitochondrien und wird typischerweise von den Müttern an die Nachfahren vererbt. Bisher ging man davon aus, dass Väter keinen Anteil an der genetischen Veranlagung der Mitochondrien ihrer Nachkommen haben. Neuere Forschungen wie die vorliegende Studie zeigen nun aber, dass Spermien bei der Befruchtung Bruchstücke von mt-RNA („mt-tsRNA“) in die Eizelle tragen.

Die mt-tsRNAs spielen eine Rolle bei der Epigenetik, der Regulation der Genexpression im frühen Embryo: Sie können die Entwicklung und Gesundheit des Nachwuchses indirekt beeinflussen, indem sie die Aktivität bestimmter Gene in den Mitochondrien modifizieren. So haben die Väter durch ihre Ernährung und Gesundheit einen wichtigen, wenn auch indirekten Einfluss auf die genetische Prägung der Mitochondrien und damit auf den Energiestoffwechsel ihrer Kinder. Hier findet ihr die ausführliche englische Beschreibung zu der vorgestellten Studie.

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Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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