Nesthäkchen Oskar ist kurz davor, ein Jahr und ein Viertel davon zu werden. Womit Ausdrucksmöglichkeiten zugenommen haben, die ja bereits gut sichtbar in ihm angelegt waren. So ist sein erstaunliches Rhythmusgefühl ja fast schon Familienlegende. Und wenn er jetzt auf dem Tisch oder dem Boden sitzt, um zu coolen Piratensongs oder einer gepflegten „Morgenstimmung“ aus Edward Griegs „Peer Gynt“ beinahe den gesamten Körper discomäßig zu elektrifizieren – dann tut er das mittlerweile mit einer Routine, die ihn wahrscheinlich längst für den Job eines Tanzlehrers qualifiziert. Fast zwangsläufig gerät er in einen manchmal wilden, selbstvergessenen Taumel, den gefälligst alle zu bewundern haben. So sitzen oder stehen wir also alle um ihn herum, staunen, starren und applaudieren mitunter. Das mag jetzt vielleicht übertrieben klingen. Aber ich wüsste jetzt wirklich keines seiner Geschwister zu benennen, das sich als Mini-Rocker zu profilieren suchte. Diese sehr besondere Ehre soll also allein ihm zuteilwerden, und Neid wäre völlig unangebracht. Vielmehr Respekt und Anerkennung für frühkindliche Hingabe an Melodie und Rhythmus. Ich hatte ja schon auch wiederholt Einsen in der Schule in Musik, nur habe ich mich dafür nicht auf den Esstisch platziert. Dafür hab` ich mich als Schüler vor irgendwelche Instrumente gesetzt, um wohlklingende Töne herauszuholen. Also ziemlich genau das, was meine Kinder an mir vernehmen, wenn sie ihrer Ansicht nach alles richtig gemacht haben…

In gelegentlichen Tagträumen sehe ich Oskar bereits als den kommenden frühreifen Superstar der Rock- und Popmusikszene weltweit. Ich sehe ihn wahlweise am Schlagzeug sitzen oder als stimmgewaltigen Sänger das Publikum im Sturm nehmen. Ist natürlich alles viel zu früh, um abschätzen zu können, was aus diesem spezifischen Talent Oskars tatsächlich eines (fernen) Tages erwächst. Muss aber aktuell auch gar nicht weiter erörtert werden: Die große Freude, die er uns mit seinem gebändigt-wilden Wesen in Anbetracht von Musik und Klang macht, ist für sich genommen eine tolle Erfahrung. Eine, die wir täglich neu machen dürfen, und längst auch nicht mehr missen wollen. Vielleicht sollten wir ihm eine eigens für ihn abgesteckte Tanzfläche im Haus einrichten, auf der er sich nach Lust und Laune austoben kann. Oder ihm gleich eine komplette Disco anmieten, für die er sich dann zusätzlich Gleichaltrige aus dem ganzen Landkreis für die tägliche Riesensause einladen kann. Klar wäre er der unangefochtene Vortänzer, und alle anderen hätten zunächst genug damit zu tun, ihm in seinen eleganten und geschickten Bewegungen nachzueifern. Er wäre der ungekrönte Baby-King des Tanzparketts, also von Esstischoberfläche und Fußboden, und niemand käme auf die verrückte Idee, ihm diesen Rang streitig machen zu wollen.

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Komprimierte Schimpftiraden nämlich wären die unausweichliche Folge, und die können es in sich haben. Oskar verfügt über eine ausgeprägte Willenskraft, die in vielen ganz alltäglichen Situationen niemals nicht zurückweicht. Wenn er sich in den Kopf gesetzt hat, die Treppe hoch zu krabbeln, dann winkt man ihm am besten solange von unten zu, bis er auf den Mann im Mond trifft. Oder wenn er altersgemäße Gegenstände in beiden Händen nur solange aufzubewahren gedenkt, wie sie sich nicht als in Wahrheit prima Wurfgeschosse entpuppen. Da heißt es dann schon mal, den Kopf rechtzeitig einzuziehen, will man nicht eine ebenso prima Zielscheibe abgeben für König Oskar Wild. Alles total altersgemäß, da bin ich mir sicher, und exaltierten Künstlerpersönlichkeiten stellt man sich einfach nicht in den Weg. Auf einmal fällt ihm noch ein weiterer lustiger Tanz ein, und sei es nur der gar nicht mal so unerwartete Bock`n Roll…

Also Oskar macht damit schon mal alles richtig, und niemand von uns wüsste im Prinzip noch Verbesserungsvorschläge einzubringen. Eher darf man gespannt sein, was er sich in Zukunft noch alles einfallen lässt, um seine eigene Erwartungshaltung und Fantasie schillernd voranzubringen. Ich jedenfalls bin da guter Dinge und lass das einfach auf mich zukommen. Aus dem Staunen gar nicht mehr herauszukommen, ist definitiv keine schlechte Perspektive. Und sich maßlos zu freuen an den vielen originellen Situationen, wie er sie zumeist gewollt hervorruft, ist es ebenso wenig. Ob jetzt in den kleinsten Tanzsälen dieser Republik oder auf großer Elternjagd unter Verwendung verführerischen Wurfmaterials: Halb so wild ist noch gar nichts gegen Oskar Wild!

Fotos: Titel © Pixabay // Mitte ©

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