Ohne Wasser kein Leben. Um ein halbwegs funktionierendes Leben innerhalb von Hauswänden zu garantieren, braucht es Rohre, die Wasser dorthin bringen, wo es Menschen nutzt. Auch wir sind von Systemen wie diesen abhängig, wollen wir nicht einen eigenen Brunnen graben müssen oder gleich das Hausdach entfernen, damit sich bei Regen das wertvolle Nass hübsch gleichmäßig überallhin verteilt. Solche Rohre verlaufen in der Regel durch Hauswände. Und sind sie nur alt genug, sind zumeist mehr Löcher zu sehen als sonstwas. So und nicht anders durften wir es kürzlich auch erfahren: Nachdem an einer Stelle in der Kellerdecke unterhalb der Küche plötzlich Wassertropfen abschmierten, wo vorher noch absolute Trockenheit herrschte, war klar: Darüber zogen Leitungsrohre ihre teils komplizierte Bahn, von denen mindestens eines Partnerrohr der Emmentaler Untergrundarchitektur war.

Die erste Abwehrmaßnahme bestand im Aufstellen eines Eimers direkt darunter. Jakob war so freundlich, mich auf das Naheliegende hinzuweisen. Gut so. Andernfalls wäre ich womöglich auf die Idee gekommen, mich selbst mit einem Regenschirm darunter zu stellen. Und zwar rund um die Uhr. Weil mir der planlose Zeitvertreib in den Räumen über der Kellerdecke sowieso schon immer mächtig auf den Keks ging und selbstverständlich noch immer geht. Und weil ich meinen Ruf als völlig überschätzte Witzfigur endlich auch um den eines locker in den gerade noch betretbaren Untergrund abstellbaren Schirmherren erweitern wollte.
Lange konnte das jedenfalls nicht gutgehen mit dem Eimer. Zumal der spätestens alle etwa 12 Stunden ausgeleert werden musste, sich dafür unter den großen Kindern aber niemand fand. Pauline findet Keller grundsätzlich eklig, wegen all der Riesenspinnen und Monsterkäfer, die da unten die übliche Dekoration stellen. Leander geht grundsätzlich nur da runter, wenn es Schulsachen zu verstauen gibt. Oder Pauline gegen Angriffe von Riesenspinnen todesmutig zu verteidigen versucht. Anderes Igittigitt-Getier wurde ja zum Glück noch keines gesichtet, zu viele zweifelhafte Anregungen für den gelegentlichen verbalen Umgang miteinander sind aber auch – zweifelhaft, mit Verlaub.

Jakob und Leopold haben quasi schon einen Club für fleißige Kellergänger gegründet, weil es in letzter Zeit eine Menge Kartons umzupacken gab. Denen also zusätzliche Besuche im Untergrund zumuten zu wollen, wäre unfair gewesen. Und fies obendrein. Lieber lass ich mir für die beiden einfallen, dass die beiden noch tonnenweise Schnee zu schippen haben oder der Kompostberg endlich einmal radikal abgetragen werden müsste. Krähen und Elstern und andere schräge Vögel holen sich in schöner Regelmäßigkeit, was übrig bleibt von unseren Mahlzeiten. Entschlossen fliegen sie dafür dieses Resteparadies an, um kurz danach kleinere Filialen überall drumherum zu eröffnen. Schön sieht das nicht aus, aber nach ein bisschen Arbeit. Nach willkommener Zerstreuung also für Jakob. Vielleicht sogar für Leopold. Aber ganz bestimmt nicht für Pauline oder gar Leander. Die eine hält Spinnen auch draußen für die schlimmste Zumutung, seit sie schon wieder nicht bei der Zuteilung von Tiefkühlpizzen berücksichtigt wurde. Und Leander ist eigentlich schon recht lange vollauf beschäftigt mit Aufbau und Sicherung effektiver Abwehrarbeit. Dass Geschirr abzutrocknen aber auch längst nicht auf der schwarzen Liste rücksichtslos auszurottender Tätigkeiten im Haushalt steht!

Seit einigen Tagen laufen jetzt Geräte auf Hochtouren, die noch vorhandene Feuchtigkeit aus dem betroffenen Mauerwerk rausholen sollen. Musik in meinen und unseren Ohren klingt anders, aber Weltrettung ist längst vielen zu anstrengend geworden, um sie nicht kurzfristig durch immerhin die einer Hauszwischenwand zu ersetzen. Dabei motiviere ich meine Kinder noch jeden Tag mit der Aussicht auf eine halbwegs heile Welt, wenn sie nur selbst substantielle Beiträge dazu liefern wollen. Kartons umzupacken, mag ein vielversprechender Ansatz sein. Noch mehr die Rundumbetreuung von Komposthaufen, ist das doch irgendwie Bio, also prinzipiell rettungsverankert. Einen Wasserrohrbruch halte ich dagegen für eigentlich kontraproduktiv, das kostbare Nass weiß am Ende gar nicht mehr, wo es herkommt und wo es eigentlich hinwill. Und in Auftrag gegeben habe ich ihn sowieso nicht, geschweige denn die Kinder. Mit meinen eigenen gelegentlichen Leitungsausfällen im Oberstübchen bin ich bereits hinreichend ausgelastet. Kinder kennen das natürlich auch. Nennt sich Trotzphase, Pubertät, Erziehungsfreistellung, Kellerphobie, Küchenhandtuchaversion, und so weiter…

Fotos: © Pixabay

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