Leben im Wald und Affen auf dem Berg: Familienurlaub im Elsass

Wer das Abenteuer sucht, der sollte in einer stürmischen Oktobernacht im Wald von Wattwiller übernachten. Wenn der Wind durch die Blätter rauscht, die Äste knacken und ab und zu ein Tannenzapfen aufs Blechdach knallt, dann wird mit Papa ganz besonders fest gekuschelt in der gemütlichen Holzhütte.

Als Sturm Ignatz über das Elsass gefegt ist, kehrt Ruhe und Dauer-Sonnenschein ein im beschaulichen 1600-Einwohner-Dorf. Der Campingplatz Huttopia Wattwiller liegt eine Stunde südlich von Straßburg und versteckt sich inmitten eines urtümlichen, 17 Hektar großen Waldes.

Ein Chalet auf dem Campingplatz Huttopia Wattwiller im Elsass

Wer, so wie wir, ein „Chalet“ am äußeren Rand der Anlage bewohnt, beginnt seinen Tag mit einem idyllischen Spaziergang zur Rezeption. Mit einem freundlichen „Bonjour“ und einem aus lange vergangenen Schultagen zusammen gekratzten „deux baguettes, s’il vous plait“ kehrt „le Papa“ zurück zur hungrigen Meute, wo an der Frühstückstheke der Tag geplant wird.

Kraxeln im Niedrigseilgarten

Wattwiller ist die perfekte Basis, um das Elsass zu erkunden. Einen sanften Einstieg und Entschleunigung pur bietet ein Abstecher auf die wenige Autominuten entfernte Anhöhe „Hirtzenstein“. Auf 550 Metern Höhe mitten im Naturschutzgebiet locken ein botanischer Pfad, Felsspalten zum Kraxeln und ein herbstlich eingefärbter Wald.

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Stärken kann man sich nach einem ausgiebigen Spaziergang im dortigen Öko-Ressort, das mit hausgemachten Blaubeer-Tartes aufwartet und – für die Kids ein echter Renner – einem hauseigenen Niedrigseilgarten plus Spielplatz.

Den Affen auf den Fersen

Einen Reiseführer brauchen Gäste von Huttopia Wattwiller nicht. Zwangsläufig kommt man am Spielplatz, im Gemeinschaftsraum oder im überdachten Schwimmbad (brrrrrrr!) mit anderen Familien ins Gespräch. „Geht ihr heute auch auf den Affenberg?“, werden wir von einer aufgeregten jungen Dame gefragt. Klingt gut, machen wir.

Besuch auf dem Affenberg im Elsass

Nach einer knappen Stunde Fahrt erreichen wir den „Montagne de Singes“. Wir zahlen Eintritt und betreten das eingezäunte Zuhause von rund 200 Berber-Affen. Bis auf den Zaun dürfen die putzigen Äffchen dort frei und natürlich Leben. Viele ziehen sich zurück und halten Abstand zu den Besucherwegen. Andere, die frechen Exemplare, kennen keine Scheu – und ehe wir uns versehen, hat uns einer die Brotzeit aus dem Kinderwagen geklaut. Die Kinder kommen aus dem Stauen kaum heraus.

Adler im Tiefflug

Auf der Heimfahrt am Nachmittag fällt uns das Schild Adlerwarte Kintzheim ins Auge. Keine halbe Stunde später zischen Weißkopf-Seeadler über unsere Köpfe und schaurig-imposante Weißrückengeier staksen über unsere Beine. Und wieder: Die Kinder (und die Erwachsenen) kommen aus dem Staunen kaum heraus. Hundemüde lassen wir den Tag auf unserer Wald-Terrasse ausklingen.

Greifvögel ganz nah - Besuch der Adlerwarte Kintzheim im Elsass

Die Tage rauschen nur so vorbei, die Dichte an Ausflugszielen in unmittelbarer Umgebung ist gigantisch. Sei es ein Abstecher in die City von Mühlhausen, ein Rundgang über den Campingplatz mit Tennisanlage und Reiterhof – oder ein tagesfüllender Besuch des Écomusée d’Alsace, dem größten Freilichtmuseum Frankreichs.

Eine eigene Welt in einem kleinen Dorf

Das Écomusée bietet so viel zu erleben, dass es kaum an einem Nachmittag zu schaffen ist. Inmitten von kleinen Seen und Flüssen stehen Häuser und Hütten, die mehr als hundert Jahre auf dem Buckel haben. Sie wurden aus ganz Frankreich „gesammelt“, abgebaut, transportiert und im Freilichtmuseum wieder aufgebaut.

In jedem Haus herrscht buntes Treiben: Darsteller schlüpfen in ihre Rollen von damals: Hausmütterchen, Coiffeur, Schweinebauer oder Schmied. Sie alle „leben“ dort, wie vor über hundert Jahren. Und die Besucher dürfen mitmachen.

Offseason hat mehr Vor- als Nachteile

Es gab nur wenig, was uns während der ruhigen sieben Tage im Camping-Wald gestört hat. Der Münzeinwurf der Waschmaschine zickte regelmäßig, was der freundliche Mitarbeiter der Rezeption – sofern sie geöffnet war – aber prompt regelte. Das Ponyreiten war außerhalb der Ponysaison nicht möglich, ebenso wenig das Radeln im Elsass mit dem zuvor umworbenen „Family-Bike“ (defekt).

Diese Kleinigkeiten trüben die sehr schöne Erinnerung an diesen Herbst-Urlaub im Elsass keineswegs. Im Gegenteil: Wir haben uns fest vorgenommen, im erweiterten Familienkreis das Waldhütten-Dorf nochmal anzusteuern. Das nächste Mal aber in einer „Cahutte“: mit Holz- statt Elektro-Ofen und urigem Zeltdach – für das ultimative Wald-Erlebnis.

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Fotos © Philip Hauck

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Autor
Philip Hauck
Unser Gastautor Philip Hauck kommt aus der Medienbranche, ist Redakteur bei einer Tageszeitung, nebenberuflich als Fotograf tätig und zweifacher Papa. Mit der Familie wohnt er in Nürnberg. Ebenfalls nebenberuflich schreibt er Produkttests im Bereich Automotive und Technik.