„Eine echte Herausforderung, anstrengend, großartig und voller Überraschungen“, so die Kurzbeschreibung unserer Gastautorin Anna Schütz über ihren Trip ins die britische Hauptstadt. Was sie mit ihrer Familie in London alles erlebt hat:

„Mogelmotte“ ist ein super Spiel! Es ist witzig, flott, und es macht auch den Erwachsenen Spaß, die Karten im Ärmel zu verstecken, unbemerkt unter den Tisch fallen oder sonst irgendwie verschwinden zu lassen. Außerdem ist es so kompakt, dass es den Weg in unser knapp bemessenes und genau abgewogenes Handgepäck gefunden hat, das ansonsten nur aus den allerwichtigsten Utensilien bestand, die wir für unseren London-Trip benötigen würden. Dass es die Mogelmotte aber an den Anfang (und ans Ende) dieser Geschichte hier schaffen würde, war nicht zu erwarten. Und das kam so:

London-Eye. Wembley Stadion und eine Kugel Eis für 2,5 Pfund

Wir saßen im Parlour des Kaufhauses „Fortnum & Mason“, erfreuten uns an Scones und Clotted Cream und tranken Limo beziehungsweise Kaffee. Die Hälfte unserer Reise lag hinter uns. Wir hatten den Kindern bereits halb London zu Füßen gelegt, trotz Linksverkehr unversehrt alle Straßen überquert – was eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist – und gefühlt sämtliche Ersparnisse auf den Kopf gehauen: Wir hatten das teuerste – und zum Glück wenigstens sehr leckere – Eis unseres Lebens gegessen (6 x 2 Kugeln für 30 Pfund in Covent Garden). Wir hatten aus dem London Eye einen ersten, unschlagbaren Blick auf die Stadt geworfen, denn das 135 m hohe Aussichtsrad dreht in einer halben Stunde so gemächlich seine Runde, dass Zeit genug ist, das Wembley-Stadion zu entdecken und St. Paul’s Cathedral, Westminster Abbey und Big Ben natürlich, den Buckingham Palast und die Downing Street. So viele Highlights, die die Kinder aus Büchern oder Filmen kennen – alles live, echt und in Farbe.

Wir waren bei einer Themsefahrt an der Tate Modern und am Shakespeare’s Globe vorbeigeschippert, unter der wabbeligen Milleniumbridge Norman Fosters hindurch, bis zum Tower und seiner Bridge. Dabei gefiel den Kindern vor allem City Hall, das Rathaus der Stadt, weil es aussieht wie Darth Vaders Helm. Außerdem waren wir im roten Doppeldeckerbus der Linie 94 quer durch die Stadt gefahren, von Covent Garden, über Soho, wo wir Hamley’s, dem größten und ältesten Spielzeugladen der Welt, einen Besuch abgestattet hatten (tatsächlich ohne etwas zu kaufen), durch Mayfair, am Hyde Park vorbei, über South Kensington nach Notting Hill.

Wir hatten Stunden im Science Museum verbracht, zum Teil leider beim Anstehen an die Flugsimulationsobjekte, die den Kindern aber Riesenspaß gemacht hatten, aber auch auf dem genialen interaktiven Wissenschafts-Spielplatz „Wonderlab“ und in der Roboter-Ausstellung. Wir hatten in Chinatown gegessen, im Lego-Store neben Lego-Shakespeare im Lego-Zug gesessen, und wir waren über die Portobello Road, durch die City of Westminster und durchs Westend geschlendert, wobei wir feststellen mussten, dass die Kinder dabei immer wieder gefragt haben, wohin wir gerade unterwegs sind. Für das Prinzip „Der Weg ist das Ziel“, und wir schauen uns einfach die Gegend an, waren sie offensichtlich noch nicht empfänglich.

Für die kommenden Tage hatten wir noch einen Ausflug nach Greenwich samt Gondelfahrt über die Themse, Aufstieg zum Royal Observatory (inklusive großartigem Panoramablick) und Nullmeridian-Hopping in petto, einen Streifzug durch die Tate Modern, bei dem die Kinder ihrer Überzeugung vehementen Ausdruck verleihen sollten, dass Monet sich mit seinen Seerosen aber sehr viel mehr Mühe gegeben haben muss, als so mancher moderne Künstler mit seinem Werk. Und auch das Highlight der Reise wartete noch auf uns: der Besuch in Harry Potters Filmstudios, 30 km nordwestlich von London.

Wenngleich man auch in der Stadt an verschiedenen Stellen auf Hogwarts Spuren stoßen kann, wie z.B. am Bahnhof King’s Cross auf das Gleis 93/4, ist die Warner Bros. Studio-Tour für echte Potter-Fans ein unvergessliches Abenteuer. Wir sollten über vier Stunden zwischen Requisiten, Kostümen und an den originalen Filmsets verbringen – genau da, wo Harry, Hermine und Co. jahrelang leibhaftig zugegen gewesen waren. Alle acht Harry-Potter-Filme waren hier gedreht worden. Fast ehrfürchtig würden unsere Kinder vor dem gigantischen Hogwarts-Modell und in der Großen Halle stehen.

Sie sollten Harrys Schlafsaal und das Zaubertränke-Zimmer inspizieren, durch die Winkelgasse schlendern und in jedes Schaufenster gucken. Natürlich würde unser Weg auch durch die neueröffnete mystische Schattenwelt des Verbotenen Waldes führen, wo einem Hippogreif Seidenschnabel begegnet, die Riesenspinne Aragog aus ihrer finsteren Höhle den Besuchern entgegen krabbelt, und ihr fieser Nachwuchs sich lautlos von der Decke abseilt. Und obwohl das Ganze natürlich eine gewaltige Vermarktungsmaschinerie ist, die täglich viele, viele Menschen anzieht, sorgen das genaue Reservierungssystem und die geregelten Einlasszeiten dafür, dass der Besuch in den Studios für Fans (und ihre Eltern) ein echtes Erlebnis ist.

Aber zurück zum Halbzeit-Stop beim High Tea: Wir strichen also gerade genüsslich die sahnige Creme mit dick Marmelade auf die Törtchen, überlegten, welche der zahllosen Attraktionen Londons wir unseren Kindern nun anbieten wollten, als diese ihre Entscheidung bereits gefällt hatten und uns ihr einstimmiges Votum mitteilten: „Wir wollen ins Appartement und „Mogelmotte“ spielen!“

Mit der Familie nach London – unsere ganz persönlichen Top Ten:

Oyster Card: Mit dieser wiederaufladbaren Prepaid-Karte, die an jeder Underground-Station erhältlich ist, kann man bequem ein- und aussteigen, zahlt immer den richtigen, leicht ermäßigten Preis und nie mehr als eine vergleichbare Day-Travelcard. Im öffentlichen Nahverkehr fahren Kinder unter 11 Jahren mit den Eltern kostenlos, ältere Kids zahlen einen ermäßigten Tarif. Details (auch auf deutsch) unter www.tfl.gov.uk.

The Making of Harry Potter: Ein Must für alle Potter-Fans ist die Warner Bros. Studio Tour 30 km vom Londoner Zentrum entfernt. Kulissen, Requisiten und Kostüme, Spezialeffekte, detailgetreue Modelle und seit Neuestem auch der Verbotene Wald. Familientickets 2 Erw. + 2 Kinder kosten 126 Pfund (ca. 143 €). Unkomplizierte Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: z.B. von London-Euston raus zum Bahnhof Watford Junction in 20 min., von dort mit dem Shuttlebus (Hin/Rück 2 Pfund) zum Studio. Unbedingt schon Wochen vorher zuhause buchen, gerade Ferienzeiten sind schnell voll!! Mehr unter www.wbstudiotour.co.uk.

London Eye: Einen besseren Einstieg in den Aufenthalt konnten wir nicht machen: Aus den gläsernen Gondeln des Riesenrads kann man einen ersten Blick auf die Highlights der Stadt werfen. Tickets unbedingt vorab organisieren und ggf. mit einer Themsefahrt kombinieren. Mehr unter www.londoneye.com.

Linie 94: Dieser Doppeldecker fährt einmal quer durch Londoner Stadtteile an etlichen Sehenswürdigkeiten vorbei. Und mit dem Hopper-Tarif kann man sogar einmal aussteigen und innerhalb von 60 min. wieder einsteigen, ohne neu zu bezahlen. Siehe www.tfl.gov.uk Stichwort „itineraries“!

Science Museum: Kostenfreier Eintritt für eine super Sammlung aus den Bereichen Technik, Wissenschaft, Industrie und Medizin. Die interaktiven Ausstellungen sind auf verschiedene Altersklassen zugeschnitten. Wir haben uns lange im „Wonderlab“ aufgehalten und gaaanz viel ausprobiert. Lange Schlangen sind z.T. vor Attraktionen wie den Flugsimulatoren, die extra zu bezahlen sind, doch das einstimmige Urteil der Kids: „Das war genial!“ Infos zu Sonderausstellungen, Events und mehr unter www.sciencemuseum.org.uk.

Emirates Air Line Cable Car: Die Seilbahn führt über die Themse und verbindet Greenwich und die Royal Docklands. Gen Osten liegt der Flughafen London City, in die andere Richtung bietet sich ein großartiger Blick auf London. www.tfl.gov.uk.

Greenwich: Hier ist das Zentrum der Weltzeit, wo der Null-Meridian verläuft. Dazu spaziert man durch den Park, den Hügel hinauf zum Planetarium. Aber auch wer den Eintritt in das Royal Observatory nicht bezahlen möchte, kann unterhalb der offiziellen Grenzlinie zwischen Ost und West hin- und herhüpfen. Der tolle Blick auf das National Maritime Museum und die Stadt ist ebenfalls kostenlos. Mehr unter www.rmg.co.uk.

Tate Modern: Allein die Turbinenhalle dieses zu einem der weltweit größten Museen für moderne Kunst umgebauten Kraftwerks ist ein großartiger Ort. Wir hatten leider nur Zeit für einen kleinen Spaziergang durch zufällig gewählte Ausstellungsräume. Aber der kindliche Blick auf die moderne Kunst und die sich daraus ergebenden Gespräche waren total spannend. Außerdem haben wir die vielen Treppenstufen bis in den obersten Stock erklommen und von dort die Aussicht genossen. Beim nächsten Mal nehmen wir uns mehr Zeit für die interaktiven Spiele, die für Kinder angeboten werden. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Spenden gebeten. Mehr unter: www.tate.org.uk.

High Tea: Wer zuhause rechtzeitig daran denkt, reserviert einen Tisch im Parlour bei Fortnum & Mason. Dort gibt es Scones mit clotted cream, Eis, Milchshakes und andere Leckereien. Es geht nicht ganz so förmlich zu wie in anderen Etablissements, die das klassische Tee-Zeremoniell anbieten, teuer ist es aber auch hier – doch das ist London eigentlich fast überall … Buchungen unter www.fortnumandmason.com.

Mogelmotte: Bei diesem frechen Kartenspiel ist Schummeln nicht nur erlaubt, sondern geboten. Es gilt, durch cleveres Ablegen und geschicktes Mogeln als erster seine Karten loszuwerden. Eigentlich ganz einfach, wäre da nicht die Wächter-Wanze … Ein Spiel, das von 3-5 Kindern ab 7 Jahren ca. 20 min lang auch in London gerne gespielt wird…

Dazu noch eine Empfehlung für den passenden Reiseführer: „London für dich!“ von Kristina Pongracz, Verlag Lonitzberg, 12,95 €. Der Kinder-Reiseführer bietet Hintergrundinformationen, die schon vor der Reise gern gelesen werden, weil zwischendrin immer wieder Rätsel, Comics und Mitmachseiten auftauchen. Natürlich werden auch alle touristischen Highlights erklärt. Es gibt aber auch so manchen Tipp, der Zeit und Geld spart!

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