Die ersten Tage der Schwangerschaft – Von Lügenbaronen, Furien und Schlemmermäulern

Tadaaa! Wir haben einen neuen Gastautor. Und dieser Thomas Bentler ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. Der Autor von „Volle Pulle Kreisliga“ hat hier bereits sein Debüt mit dem Beitrag Väter am Spielfeldrand gegeben und er hat Lust, weiter über die Themen zu berichten, die uns Väter und alle, die werden wollen, interessiert. Wie ist denn also Papis erstes Jahr mit dem Nachwuchs? Er wird es uns erzählen – in einem wie immer lesenswerten Mehrteiler. Als Abfahrt, Thomas!

Die ersten Tage der Schwangerschaft – Von Lügenbaronen, Furien und Schleckermäulern

Die Nachkommenschaft. Oder ganz niedlich und versüßt ausgedrückt: Ein Baby. Angenommen es handelt sich weder um eine außer Kontrolle geratene Bettgeschichte (Freundschaft-Plus), einen One Night-Stand mit Folgen oder um ein Tro-Pi-Kind (Trotz Pille), so ist die Situation in deutschen Durchschnittshaushalten doch oft sehr ähnlich: In fast jeder Beziehung zwischen erwachsenen Menschen stellt sich eines Tages die Frage nach eigenen Kindern. Aus Männersicht macht das durchaus Sinn, die Partnerin ist toll, die Beziehung läuft äußerst zufriedenstellend, Kontostand und Wohnsituation könnten schlechter sein und vom Alter her passt es auch. Warum nicht jetzt einen neuen, spannenden Lebensabschnitt starten? Irgendwann muss Mann ja ohnehin mal erwachsen werden. Und wenn das Kind nur halb so cool wird wie der Papa, könnte das Ganze ja auch sehr witzig werden…

Das Wartezimmer ohne Männerlektüre

Gesagt getan, nachdem die Kinderfrage vom zweiköpfigen Familienrat aus vollster Überzeugung bejaht wurde, kann hochmotiviert zur Tat geschritten werden, Paarungszeit ist angesagt. Noch tiefer ins Detail zu gehen wäre an dieser Stelle zu intim, deshalb nur so viel: Die einen tun und machen eine gefühlte Ewigkeit, bei anderen wiederum geht es ratzfatz. So oder so ist das Ergebnis im Erfolgsfall aber immer gleich: Ein Baby ist im Anmarsch, das beweisen zuerst die drei Schwangerschaftstest (O-Ton der Frau: „Auf einen kann man sich nicht verlassen!“) und einige Tage später das erste Ultraschall-Bild des Frauenarztes eindeutig. Wobei die Abbildung eigentlich nur für den Doc eindeutig ist, Otto-Normalverbraucher kann auf der Abbildung vieles erkennen, ein Baby allerdings nicht unbedingt. Apropos Frauenarzt: Etwas komisch ist der Besuch als Mann schon, aber seiner besseren Hälfte zuliebe macht man das natürlich gern. Eine Auto-Motor-Sport oder den Kicker sucht man im Wartezimmer übrigens vergebens, dafür haufenweise Bild der Frau, Brigitte, Freizeit Revue & Co. im Überfluss. Und Babymagazine.

Migräne als Ausrede zieht nicht mehr

Nun ja, nachdem das Ganze bei den Eltern in spe erstmal einige Tage realisiert werden musste, stehen wichtige Beratschlagungen an, wie es denn nun so weiter geht. Als erstes wird eine regelrechte Kampagne, bestehend aus Heimlichtuerei und Unwahrheiten ins Leben gerufen: Obwohl man die freudige Nachricht am liebsten überall rausposaunen würde, wird vorsichtshalber meist noch ein paar Wochen gewartet, bis sie an die Freunde und Familie überbracht wird. Bis es soweit ist, wird also gelogen, bis sich die Balken biegen. Hat sich die feine Dame bisher auf diversen Partys in schöner Regelmäßigkeit Sekt reingeschüttet und einen Haufen Kippen auf den Zahn gelegt, gibt es plötzlich Mineralwasser und Kaugummis. Oder es wird erst gar nicht auf der Feier aufgeschlagen, Migräne oder irgend sowas.

Das Kind braucht Kalorien

Zu Hause ist es in den ersten Wochen der Schwangerschaft dagegen noch nicht viel anders als sonst. Bis auf die Gefühlsschwankungen: Gerade hat sie noch herzhaft gelacht und beim nächsten Lied, das aus dem Radio ertönt, bricht sie in Tränen aus. Doch damit nicht genug, nur fünf Minuten später mutiert sie zu einer regelrechten Furie und schimpft auf jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. In diesen Situationen ist für den Mann absolute Vorsicht geboten, jede unbedachte Äußerung könnte zu einem Donnerwetter epischen Ausmaßes ausufern. Ansonsten verändern sich hier und da auch die Essgewohnheiten. Was früher noch argwöhnisch oder sogar mit Abscheu betrachtet wurde, scheint plötzlich total verlockend. Gelegentliche Heißhungerattacken, speziell auf fettiges Essen, schütten auch beim Ehemann eine Flut an Glückshormonen aus, kann er so doch genüsslich und ohne schlechtes Gewissen mitschlemmen. Natürlich gibt er das so nicht zu: „Ich wollte eigentlich was anderes essen, aber wenn du da Bock drauf hast, bin ich natürlich dabei.“

Ein Plan muss her!

Weiterhin schon zu Beginn der Schwangerschaft zu beobachten: Ein kleiner Anflug an Schwangerschaftsdemenz. Hatte sie früher immer alles tausendprozentig auf dem Plan, werden von nun an gelegentlich die einfachsten Dinge vergessen. „Oh nein, ich habe den Haustürschlüssel vergessen“, ertönt es dann zeitgleich draußen vor der Tür, nachdem diese soeben von ihr geschlossen wurde.
Alles in allem sind die ersten Tage natürlich total spannend, aber im Vergleich zu dem was noch kommt, verhältnismäßig ruhig. Was als nächstes ansteht, erfahrt ihr im zweiten Teil der Kolumne, wenn es heißt: Die Vorbereitungen – Mach es zu deinem Projekt!

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