Mehr Meer geht nicht – 7 Tage auf Fünen in Dänemark

Eigentlich weiß ich gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll – so viel haben wir in einer knappen Woche auf Fünen erlebt: beim Delfin, der unser Boot begleitet hat oder bei der Robbe, die Theo ins Kayak geschaut hat? Bei King Kong und den fliegenden Gorillas? Oder beim Regenbogen über der Lillebaelt-Brücke? Vielleicht zunächst einmal ein paar Fakten und Superlative zur Destination: Fünen ist mit knapp 3000 km2 nur wenig größer als das Saarland, damit aber die drittgrößte Insel Dänemarks. Beeindruckend ist vor allem die Küstenlinie von 1260 km, rundum ist eben überall das Meer.

Etwa eine halbe Million Menschen leben hier im „grünen Herz“ des Landes; während der Ferienwochen werden es ein paar mehr sein, denn da kommen ein paar Deutsche und noch ein paar mehr Niederländer zu Besuch. Aber niemals ist es irgendwo überlaufen oder touristisch, was herrlich ist. Nennen wir es „hygge“, um den Begriff einmal zu nennen, oder einfach entspannt.

Aber jetzt der Reihe nach: Los geht’s dieses Mal in Hamburg – und zwar nicht, weil wir umgezogen sind, sondern weil wir dort unseren Camper in Empfang nehmen. Wir probieren das erste Mal Yescapa aus, die größte Plattform für privates Campersharing, sozusagen das Airbnb für Wohnwagen und Wohnmobile, über das man in vielen Ländern große, kleine, ausgefallen ausgebaute oder Standardmodelle mieten kann. So kann man sich als Vermieter ein bisschen bei den Kosten eines solchen Fahrzeugs unterstützen lassen und als Mieterin kann ich sehr genau schauen, worauf ich Lust habe oder was ich genau brauche. Versichert ist die ganze Sache natürlich trotzdem, und im Schadensfall fungiert Yescapa als Schnittstelle zwischen beiden Seiten.

Familienurlaub im Camper auf Fünen, einer Insel Dänemarks

Unschlagbarer Vorteil außerdem: Die Preise sind hier eher günstiger als bei Profi-Vermietern, obwohl sie natürlich je nach Reisezeit und Land auch variieren. Zudem sind die Wohnmobile aus professionellen Vermietungen immer eher praktisch-nüchtern, während man über Yescapa individuelle Liebhaberfahrzeuge finden kann. Natürlich kann man auch nach Portugal, Schottland oder auf die Kanaren fliegen und sich dort ein Fahrzeug suchen. Wir finden unter den über 12.500 Fahrzeugen schnell den geeigneten Camper mit sechs Betten, der uns in den Norden bringen soll: in Hamburg eben. Björn öffnet uns sein mobiles Zuhause, erklärt uns, wie alles funktioniert und wünscht uns, nachdem wir das Übergabeprotokoll unterschrieben haben, eine gute Reise. Das war’s – total nett und unkompliziert.

Wir beziehen unser kleines Heim, packen alles in die Schränke und den geräumigen Kofferraum und füllen den Kühlschrank. Das erste Ziel ist der First Camp Campingplatz in Skovlund/Nordfünen. Schwimmbad, Wasserrutschen und ein riesiges Hüpfkissen, viel Platz und sehr gepflegte Sanitäranlagen begeistern uns sofort. Rasch stehen Stühle und der Tisch draußen, die Markise ist ausgerollt und die Kinder für mehrere Stunden nicht mehr gesehen.

1. Tag: We did it! Bridgewalking

Rechtzeitig zum Bridgewalking-Ausflug sind sie wieder da: Auf einer fast 90 Jahre alten Brücke werden wir 60 Meter über dem Meer laufen. Seit 2015 ist der 800 Meter lange, ursprünglich für Wartungsarbeiten angelegte Weg für Touristen begehbar. Neben der Brücke über den Lillebaelt gibt es weltweit noch drei andere Brücken, die bekannteste sicher die in Sydney. Mit Geo und Tomas, die uns Wissenswertes zum Bau und zur Umgebung erzählen, und in ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem eingehakt,  geht es höher und höher hinauf.

daenemark bridgewalking

Zum Glück sind wir alle schwindelfrei, und als der Zug unter uns durchrauscht, bebt das ganze Bauwerk – das ist nichts für schwache Nerven. Die Aussicht ist sensationell, das Wetter weniger: Es ist ganz schön frisch hier oben und windig. „Gut, dass wir unter den grauen Anzügen Pullis und Windjacken anhaben“, denke ich, als es anfängt zu nieseln und sehe den Regenbogen. Einmal spannt er sich quer von einem Ufer zum anderen – schöner geht’s nicht!

2. Tag: Märchenhaftes Odense

Odense ist die Hauptstadt Fünens und mit 180.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes. Vor allem aber ist sie die Heimat von einem der berühmtesten Dänen überhaupt: von Hans Christian Andersen (1805-1875). Am besten folgt man einfach den roten Fußabdrücken, die durch die ganze Stadt führen mit ihren bunten Häusern, den kleinen Kopfsteinpflastergassen und dem hübschen Marktplatz. An vielen Stellen sieht es noch so aus wie zu Lebzeiten des großen Märchenerzählers. Absolutes Must-see ist das 2021 eröffnete Hans Christian Andersen Hus.


Abgesehen davon, dass der Japaner Kengo Kuma hier in hellem Holz ein wunderbares Baukunstwerk ohne Ecken und Kanten, sondern nur mit sanften Kurven geschaffen hat, werden in diversen unterirdisch verbundenen Pavillons Andersens Märchen erzählt. Dieses Museum ist kein verstaubtes Kulturmuseum; es quillt über vor verrückten Einfällen, in verschiedenen Multimedia-Installationen ist jeder große und kleine Besucher eingeladen, in Andersens fantastische Märchenwelt einzutauchen und der Erbse zuzuhören oder sich im Spiegel in des Kaisers virtuellen Kleidern zu gefallen oder oder oder. Die Ausstellung ist ein kreatives Erlebnis für alle Sinne und hat auch meinen großen Kindern noch sehr gefallen.

3. Tag: Mit dem Kayak aufs Meer

Leider hat an diesem Tag das Wetter nicht richtig mitgespielt. Für unsere Tour mit den Kayaks entlang der Nordküste Fünens war es ein bisschen zu kalt, ein bisschen zu windig und ein bisschen zu regnerisch. Und so sind wir zwar losgepaddelt in den Kayaks von Nikolaj, hatten aber keine Power für eine große Tour, die uns wie Robinson Crusoe auf unbewohnte kleine Eilande geführt hätte, auf denen wir nahezu unberührte Natur entdeckt hätten. Auf die unbewohnte Insel Abaelo zum Beispiel, die unter Naturschutz steht und ein Paradies für Vögel und andere Tiere sein soll.

daenemark kayaktour

Der Ausflug hat trotzdem Spaß gemacht, vor allem weil Theo eine Robbe gesehen hat, muss aber unbedingt noch einmal bei einem späteren Besuch nachgeholt werden, weil uns so viel zu viel entgangen ist. Von Nicolaj und seinem Strandlykken ging es zum zweiten Campingplatz an der Westküste Fünens nach Sandager Naes. Mittelweile hatte sich das schlechte Wetter verzogen und wir konnten unseren Sahnehäubchen-Platz direkt am Emtekaer Nor, einem kleinen See, in vollen Zügen genießen.

4. Tag: Schloss Egeskov

Dieser Tag sollte ein überraschend schöner für die Kinder werden. Überraschend, weil sie nur wussten, dass ein Schloss auf dem Programm stand, was sie ehrlich gesagt nur mäßig spannend fanden. Wenngleich Schloss Egeskov als eines der schönsten Renaissanceschlösser Nordeuropas gilt, einen echten Wassergraben und einen Rittersaal hat, von einem 20 ha großen historischen Garten umgeben ist und seine dicken Mauern viel Geschichte atmen, hielt sich die Begeisterung auf dem Weg dorthin noch in Grenzen. Kaum angekommen stolperten sie direkt auf den großen „Spielplatz“ mit Riesenhüpfkissen und Seilbahn, Kletterlandschaft und Karussells.

daenemark schloss egeskov

Auch dem Charme der uralten riesigen Buchen konnten sie sich ebenso wenig entziehen wie Piet Heins großem Heckenlabyrinth und der GoCart-Bahn. Viel Spaß haben uns allen auch die diversen Ausstellungen gemacht: Im Oldtimermuseum begeisterten uns Autos, Flugzeuge und Motorräder von 1800 bis in die 1980er Jahre, im Campingmuseum konnten wir einen Blick auf die Geschichte der Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte werfen und uns gleichzeitig für zukünftige Trips inspirieren lassen. Natürlich haben wir dann auch das eigentliche Schloss, übrigens aus dem 16. Jahrhundert, besichtigt – mit den Jagdtrophäen, Ritterrüstungen und vor allem dem berühmten zimmergroßen Puppenhaus „Titanias Palace“ mit 18 Zimmern, das früher einmal im Legoland stand.

daenemark schloss egeskov museum

Uns Eltern hat aber vor allem der wunderschöne riesige Garten verzaubert mit den jahrhundertalten Bäumen, den kleinen Bänken überall und den immer neuen Ausblicken und Verweilorten. Nur ein paar Meter vom Trubel einer vielbesuchten Touristenattraktion entfernt, kann man hier absolute Ruhe genießen. Tipp: Große Decke, Essen und Trinken einpacken und im Schlossgarten picknicken. Vom Schloss ging es zum letzten Campingplatz an der Südküste Fünens bei Svendborg, direkt am Wasser gelegen und mit Blick auf Svendborg: super!

5. Tag: Gorillapark und Svendborg

Es war nicht unser erster Kletterpark, aber der Gorillapark Svendborg „war definitiv ziemlich cool“ – O-Ton große Jungs. Ich hatte auch zwei Tage danach noch Muskelkater und musste vor allem für den Sprung an Tarzans Liane meinen ganzen Mut zusammennehmen. 12 Kilometer außerhalb der Stadt liegt der neue Kletterwald mitten in einem Waldgebiet. 9 Parcours von einfach bis schwierig warten hier auf kleine und große Kletteraffen.

Besonders viel Adrenalin wird bei den Nummern 7, 8 und 5 ausgeschüttet, hier muss man nicht nur 18 Meter auf einer Wand senkrecht nach oben klettern, sondern auch an einem Seil in ein gegenüberliegendes Netz springen, das ungünstigerweise rund 25 Meter vom Absprungort entfernt liegt. Müde werden Arme und Beine außerdem beim Hangeln, Hüpfen und Balancieren. Fazit: Ein Riesenspaß für alle!

Danach ging’s nach Svendborg: 750 Jahre alt und dabei total jung geblieben. Bei Sonne in einem der Netze über dem Wasser am Hafen zu chillen oder in einer der Strandliegen am Kai fühlt sich fast südländisch an. Wir hatten zwar nur Zeit für einen kurzen Stadtbummel durchs Zentrum des Städtchens, das zu Dänemarks bester Einkaufscity gekürt wurde, aber für ein sensationelles Eis von „Vildas Vaffelis“ hat die Zeit zum Glück gereicht. Und um zu erfahren, dass man im Hafen Motorboote mieten kann …

6. Tag: Bootstour mit Flipper

Daher haben wir uns am Morgen unseres Rückreisetages nicht direkt auf den Heimweg begeben, sondern noch einmal in den Hafen, genauer gesagt zu „Käpt’n Andreas“, der uns für zwei Stunden ein chices blaues Wassergefährt zur Verfügung stellte. Damit ging es bei herrlichstem Sonnenschein hinaus aufs Meer. Und unsere Abschiedsrunde hat uns wirklich noch einmal ein Highlight beschert: Plötzlich schwamm nämlich hinter unserem Boot ein Delfin; er tauchte auf und wieder ab und hatte genauso viel Spaß in unserer Heckwelle wie wir bei seiner Beobachtung. Als wir dann allerdings vor lauter Begeisterung die Geschwindigkeit drosselten, wurde ihm langweilig und er tauchte ab. Nur um eine Viertelstunde später wieder aufzutauchen und uns abermals zu beglücken. Es war großartig.

campingurlaub daenemark

Zurück an Land hieß es leider Abschied nehmen – von einem wahnsinnig schönen und (gast-) freundlichen Land und seinen entspannten Bewohner:innen. Wir werden sicher wiederkommen, auch weil wir einfach gaaaaanz vieles noch nicht gemacht haben. Auf unserer Bucket-List stehen neben der halb verpassten Kayaktour, die wir nochmal wiederholen wollen, auf jeden Fall diverse Radtouren, denn dafür eignet sich Fünen super, ein bisschen mehr Kunst und Kulinarik, weil sich gerade in Fünen viele lokale Unternehmen auf die Herstellung besonderer Produkte spezialisiert haben, natürlich Inselhopping im südfünischen Inselmeer, wo jedes noch so kleine Eiland seine ganz eigene Geschichte bereithält, und – ach, kommt doch einfach selbst mal her!

daenemark unterwegs mit sup

Vielleicht hilft euch das folgende dabei: Mit dem „Bland-Selv-System“ kann man seinen Traumurlaub auf Fünen selbst zusammenstellen und im Moment sogar eine Reise gewinnen: www.blandselvfyn.de.

Die Idee dahinter ist die „Bland Selv Slik“ Tradition in Dänemark. Hier mixt jeder seine bunte Tüte mit Süßigkeiten. Fast jeder Supermarkt hat seine eigene Süßigkeiten-Bar …

Tipps, Links und Infos auf Fünen

Wohnwagen oder Wohnmobile mieten über www.yescapa.de

  1. Campingplatz: First Camp Skovlund, lillebælt: Kystvejen 1 5466 Asperup
  2. Campingplatz: Sandager Næs Camping: Strandgårdsvej 12 5610 Assens
  3. Campingplatz: Svendborgsund Camping: Vindebyørevej 52 DK-5700 Svendborg

Bridgewalking: www.bridgewalking.dk/de
Hans Christian Andersen Haus: www.hcandersenshus.dk/de/
Schloss Egeskov: www.egeskov.dk/en
Kayak-Verleih: www.strandlykken.dk
Kletterpark: www.gorillapark.dk
Bootsverleih: www.Sydfyns-baadudlejning.dk

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Foto des Autors
Autor
Anna Schuetz
Anna ist als Autorin für Reisen, Lifestyle und Familienthemen nach Stationen in Berlin, Köln, Paris und München mit ihrer Familie in Hannover gelandet. Und obwohl selbst ohne y-Chromosom zur Welt gekommen hat sie ausreichend Erfahrung mit Testosteron: Drei ihrer vier Kinder sind echte Jungs, und auch ihre Tochter lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Darin ähnelt sie ihrer Mutter, die durchaus noch Augen hat für das, was es links und rechts von Wäschebergen zu entdecken gilt.