Unsere Gastautorin Anna war wieder mit der Familie im Wohnwagen auf Achse, dieses Mal in der Schweiz. Ihre Erlebnisse hat sie in einem mehrteiligen Reisebericht für Euch zusammengefasst. Hier ist Teil 1:

Kristallklare Bergseen, verschneite Gipfel und die frischeste Luft überhaupt, UNESCO-Welterbestätten, verträumte Dörfer und atemberaubende Pässe – die Schweiz ist seit diesem Sommer das erklärte Lieblingsland meiner Kinder.

Im letzten Jahr tourten wir begeistert mit einem Wohnmobil durch Frankreich; dieses Jahr sollte es in ein anderes Nachbarland gehen: in die charmante Alpenrepublik Schweiz – und zwar mit einem Caravan aus dem Hause Dethleffs: Wir durften den neuen c’go up testen und wollten dabei zum einen herausfinden, ob er sich für Großfamilien eignet und zum anderen einen Vergleich zum Leben und Fahren mit einem Wohnmobil ziehen. Die Frage, ob Wohnwagen oder Wohnmobil stellen sich nämlich viele, die das erste Mal mit einem mobilen Zuhause auf Reisen gehen. Wir hatten unseren Camper vom letzten Jahr rasch liebgewonnen, aber einen wesentlichen Haken festgestellt: Einmal geparkt, wollten wir das große Gefährt nicht mehr vom Campingplatz wegbewegen. So waren wir auf öffentliche Verkehrsmittel oder fußläufig erreichbare Aktivitäten angewiesen.

Los geht’s im Allgäu

Neugierig wie sich die Reise mit dem Wohnwagen abgesehen von der Flexibilität vor Ort gestalten wird, übernehmen wir unser einachsiges Gefährt auf dem Campingplatz am Badsee in der Nähe von Isny und bemerken gleich den nächsten Unterschied zum Wohnmobil: Der große Kofferraum fehlt zugunsten einer zweiten geräumigen Dinette im Fond. Und so bleiben die sperrigen Wanderschuhe, die rasch ausgeräumten Koffer und allerlei Gepäck, das nicht jeden Tag gebraucht wird, im Kofferraum unseres VW-Multivans. Vor allem schwere Teile werden wir auch in Zukunft vor jeder Abreise zurück ins Auto befördern, da der Anhänger nur für eine Zuladung von 220 kg zugelassen ist. Und angeblich kontrolliert die Schweiz stichprobenartig genau das.

Vor der ersten Abreise klappen wir rasch die Stühle und den Tisch zusammen und verstauen sie unter dem unteren Etagenbett, das zu diesem Zweck während der Fahrt einfach hochgeklappt werden kann und so zusätzlichen Stauraum schafft. Wir befüllen den 142-l-Kühlschrank und die großen Schubladen in der Küche mit dem ersten Einkauf, kurbeln noch ein bisschen unsicher die vier Stützen hoch und sind heilfroh, dass uns die erfahrenen Camper der Nachbarparzellen beim Ankoppeln helfen. Mit vereinten Kräften drehen wir unser 7,57 m langes Zuhause auf Zeit so, dass er genau auf die Anhänger-Kupplung unseres Multivans rutscht und atmen auf, als das grüne Licht blinkt.

Los geht’s! Vor uns liegen zweieinhalb Wochen Urlaub, fünf Campingplätze und vier Sprachzonen. Vor dem Pfändertunnel halten wir das erste Mal, um die Vignetten für die Autobahnen in Österreich und der Schweiz zu kaufen (Achtung: Der Anhänger braucht in der Schweiz eine eigene!)

1. Etappe: Das Engadin

Bun di! Bainvgnü!

Scuol heißt unser erster Halt und birgt gleich eine echte Herausforderung: Auf dem wunderschönen Platz, den man für uns vorgesehen hat, hat noch nie so ein großer Anhänger gestanden. Das erfahren wir allerdings erst, nachdem mein Mann Blut und Wasser beim Einparken geschwitzt hat. Die nette Rezeptionistin hatte nur unseren Multivan gesehen und gedacht, der würde da gut hinpassen. Dass da noch was dranhing, nahm sie erst bei ihrer abendlichen Runde über den Platz bewundernd zur Kenntnis. Wir waren im Nachhinein stolz darüber, dass wir unseren c’go up ohne Delle platziert hatten, und zwei netten Herren, die unsere Not rechtzeitig bemerkt hatten, unendlich dankbar für ihre tatkräftige Unterstützung. Wir genießen das erste gemeinsame Abendessen, gekocht in der praktischen Küche unseres kleinen Raumwunders.

Hirsche, Murmeltiere und Co.

Am nächsten Tag steht eine geführte Exkursion mit einem Guide des Schweizerischen Nationalparks ins Val Mingèr auf dem Programm. Früh klingelt der Wecker, es regnet in Strömen. Wir bringen unsere Hündin zur Rezeption, wo sie von einer Hundesitterin (siehe unten) abgeholt wird, weil sie nicht mit in den Nationalpark darf. Wir nehmen den Postbus, der uns mitten in den 170 Quadratkilometer großen Nationalpark hineinbringt.

Und obwohl Laurence, unsere Führerin, durchaus Spannendes zu erzählen hat, murren die Kinder – wegen des schlechten Wetters, der frühen Morgenstunde und warum auch immer – und sie hören erst auf, als wir nach etwa anderthalb Stunden bergauf am Fuß des Piz Mingèr inmitten eines Arvenwaldes Hirsche, Rehe und Kitze sehen.

Das begeistert sie dann zum Glück doch und belohnt sie für den Anstieg. Nicht zu vergessen die Murmeltiere, die wir dank des starken Fernrohrs, das Laurence hoch geschleppt hat, ganz nah bestaunen konnten. Am Ende haben die vier dann auch wieder Ohren für weitere Kuriositäten wie diese: Alle Ameisen des Parks zusammen bringen es auf 18,5 Tonnen Biomasse – genauso viel wiegen die 260 Steinböcke der Gegend. Und jeder Vogel hier versteckt jedes Jahr 100.000 Zapfen, die ihm als Nahrung dienen. Und er weiß genau, wo jeder einzelne zu finden ist.

Abends ist es draußen immer noch regnerisch, doch in unseren vier Wänden ist es richtig gemütlich. Die Kinder kuscheln sich zu viert auf die mittlerweile zur Liegewiese umgebauten Dinette. Zwei von ihnen werden später in die beiden Stockbetten umziehen, die im Bug längs zur Fahrtrichtung zwei weitere vollwertige Schlafplätze bieten. Wir Erwachsenen machen uns trotz Nieselwetter auf zu einem Spaziergang durch die schmalen Gassen des malerischen alten Dorfkerns von Scuol mit seinen hübschen Engadinerhäusern, über die Stradun, wie die Hauptstraße auf rätoromanisch heißt und landen wegen des Wetters dann aber doch bald im Bogn Engiadina, dem Thermalbad des Ortes, für dessen hochkarätiges Mineralwasser Scuol berühmt ist. Danach klettern auch wir müde in unser großes Hubbett, das tagsüber über der großen Essecke schwebt und abends mit einem Griff runtergeholt wird.

Rauf auf’s Rad

Am nächsten Morgen scheint zum Glück wieder die Sonne. Für uns heißt das „Rauf auf’s Rad“. Damiana von Alptrails gibt uns ein paar Lektionen in Sachen Kurventechnik, Downhill-Fahren und Bremsen, bevor wir gemeinsam aufbrechen zum Lai Noir, dem schwarzen See. Während wir uns die Kurven hochkämpfen, hat Damiana noch Kraft, die beiden Kleineren zu ziehen. Chapeau!

Am See angekommen, stürzen wir uns sofort hinein und wissen sogleich, woher er seinen Namen hat: Moorig, herrlich, eiskalt, die Kinder schreien vor Glück. Danach grillen wir an einer der öffentlichen Grillstellen, von denen es in der Schweiz ganz viele gibt, mitgebrachte Würstchen. Die geben uns wieder Kraft für den Weg runter. Der ist zwar nicht mehr ganz so schweißtreibend, erfordert aber höchste Konzentration. Ohne Stürze, erschöpft und glücklich sinken wir an diesem Abend in unsere Betten.

Dann steht schon der Aufbruch an, dabei gäbe es im Engadin noch soviel zu entdecken: Raften auf dem Inn, Wandern im Val Trupchun, Klettern im Seilpark in Sur En und vieles mehr. „Wir kommen wieder“, sind wir uns einig und machen uns auf den Weg ins Tessin. Dieser führt uns über den großartigen Flüelapass, den jeder der ein zuverlässigeres Zugfahrzeug hat als wir, sicher als eines der Highlights der Tour verbuchen wird. Bei unserem Multivan spinnen irgendwann die Gänge, und ich danke dem Himmel für eine Baustelle, auf der wir dem geschundenen Automatikgetriebe eine kleine Pause gönnen. Danach geht es wieder. Den San Bernardino sparen wir uns und fahren durch den Tunnel.

INFOS & ADRESSEN

ALLGÄU: www.campingbadsee.de

ENGADIN, TCS Camping Scuol, 7550 Scuol www.tcs.ch, camping.scuol@tcs.ch

Hundepension: www.plandamuglin.ch

Biketour und Fahrradverleih: www.alptrails.ch

Thermalbad: www.bognengiadina.ch

Bald geht’s mit dem nächsten Teil des Reiseberichtes weiter. Stay tuned!

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