Mit dem Herbst kommt die Erkenntnis, dass eine Vielzahl kindgerechter Beschäftigungen nunmehr drinnen stattfinden muss. Aber nicht nur die: Auch Dinge, an die sich Kinder besser gar nicht erst herantrauen sollten, erobern die eigenen vier Wände im Nu. Um genau zu sein: Die Küchenwände. Am ehesten noch zur Festung ausgebaut, hält die Küche selbsternannte Köche vom Drang zu kulinarischen Perfektionismus und Schwelgen in regelfreier Rezeptanwendung ab.

Stein des Anstoßes: Die Nudel. Besser: Die Kartoffelnudel: Um es endgültig nicht zu verschleiern: Die Schupfnudel. Ok, das mediterrane Gegenstück soll auch noch erwähnt werden: Gnocchi. Mit der kann man so umgehen, wie es einer höheren Zivilisation würdig ist. Oder aber man kann sich ihr annähern, wie es unseren Vorfahren zuzutrauen gewesen wäre – als die noch Säbelzahntigerzahn und Speerspitze mit Messer und Gabel verwechselten. Als Mann und Vater verorte ich mich noch am liebsten in der Jetztzeit, schon wegen diverser zivilisatorischer Errungenschaften. Küche und Kücheninventar sind da ja schon mal wichtiger Bestandteil von, selbst als Mann hat man da ja schon länger Zugriff drauf. Ich für meinen Teil weiß zum Beispiel bestens Bescheid über Pfannen. In spätestens 30 Jahren wahrscheinlich auch über Bettpfannen…

Aber zurück zur Kartoffelnudel, Schupfnudel, Gnocchi – knallhart ehrlich formuliert: Zur Entstehung vieler solcher unter atemberaubend engagierter Beteiligung vier unserer Kinder. Was absolut was heißen will: Leander, Jakob, Leopold, Max und Valentin (oha, es waren fünf, da muss wohl einer hinter der aufgewirbelten Weizenmehlwand verschwunden sein!) hobelten Berge von Kartoffeln – und ich weiß, was Berge sind: In fast nächster Nähe stehen die gleich dutzendweise rum, und nicht ein einziger Gipfel, der bequem mit dem Lift zu erreichen wäre. Soll heißen, echte Berge sind Bergen von Kartoffeln durchaus gleichgestellt, was ihre abschreckende Wirkung angeht. Dabei mag ich Kartoffeln: In Fertiggerichten sind sie einfach nur lecker anzusehen, und das Beste daran ist: Sie kommen komplett ohne Kinderarbeit aus, allemal ohne freiwillige. Genau dazu nämlich haben sich die vier (bis fünf) Jungs in Stellung gebracht. Wild entschlossen, ein abendliches Hauptgericht entstehen zu lassen, dessen Vorarbeiten wüster nicht ausfallen könnten. Es sei denn, unterschiedlich bemaßte Mehlklumpen an Händen, Tisch, Fußboden und Kleidungsstücken sind Ausdruck von Feng Shui, also sehr frei interpretiert. Egal, der Weg ist das Ziel.

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Und das Ziel war klar: Essbare Kartoffelnudeln zu generieren, die es letzten Endes auf die Teller schaffen. Nur hätte ich nie erwartet, dass dafür ein Denken in olympischen Kategorien notwendig ist: Kompromisslose Leistungsbereitschaft, Sprintstärke, Rutschfestigkeit und Hang zu überdrehtem Überlegenheitsgefühl. Jedenfalls hatten sich die vier (bis fünf) vorgenommen, eben damit zu punkten. Oder wie es sich auch beschreiben lässt: Punktlandungen in relevanten Zutaten mit vorwiegend den Händen. Unter professionellen Wettbewerbsbedingungen gerne, von mir aus. Aber an diesem Wochenende war keine Schule, außerdem hatte ich keine Preise ausgelobt. So viel ich noch weiß, ging es ausschließlich darum, etwaigen Hungergefühlen entschlossen entgegen zu treten. Dass tun Regale voll mit Fertiggerichten zwar auch, aber Argumente aus einem explizit männlichen Blickwinkel machen das Leben insgesamt ja auch nur unnötig schwer…

Irgendwann war die Schlacht geschlagen. Die Kartoffelnudeln hatten die vorgesehene Form erreicht, wahrscheinlich sogar hatte ich nach Ansicht aller von echten Gnocchi geschwärmt. Sicher habe ich meinen Respekt für diese tolle Fertigungsleistung zum Ausdruck gebracht. Und ganz sicher habe ich auch von ihnen probiert, um nicht zu sagen: Ich habe welche gegessen. Also nachdem die Säuberungsarbeiten erledigt waren, in vielleicht zwei (bis fünf) Stunden. Olympiareif. Nur die etwa drei Tage für die Hände, also ich weiß nicht…

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