Wer ein Problem mit dem Wort „geil“ hat, sollte besser nicht weiterlesen. Wahrscheinlich sollte er oder sie dann besser auch die Finger von einem Tesla X lassen. Denn der ist einfach geil! Oder genauer: „Boah, ist der geil!“ höre ich meine vier Kinder durch die geschlossene Haustür schreien, als sie von der Schule kommen, und das geile Teil vor ihrem Zuhause steht. Sie tanzen aufgekratzt um das schwarze Auto herum und rufen: „Mach die Flügeltüren auf, Mama, mach sie aaaaauuuuuffff!“ Ich greife zu dem schwarzglänzenden Drücker in Form eines Tesla, der eher einem Handschmeichler gleicht als einem Autoschlüssel, und wie bei „Sesam, öffne dich“ gleiten die Hintertüren, die falcon wings, fast lautlos nach oben. Das Geschrei wird noch größer: „Geil!“ Hätte ich mich dem Wagen mit dem Schlüssel in der Hand oder Tasche genähert, hätte es sich übrigens automatisch entriegelt.

Vegane Sitzbezüge und ein riesiger Touchscreen

Der Blick fällt zunächst auf die weiß-schwarzen Sitzbezüge, die aussehen wie Leder, aber voll vegan sind. Dann entdecken die Kinder den Riesen-Touchscreen vorne: „Geil! Wie groß ist der denn?!“ (17-Zoll, und über ihn lässt sich in diesem Fahrzeug fast alles ziemlich intuitiv steuern) Dann fällt ihnen auf, was ich bei Übernahme ebenfalls mit Schrecken festgestellt habe: Die dritte Sitzreihe, die aus dem serienmäßigen Fünfsitzer einen Sechs- oder Siebensitzer macht, gibt es in unserem Tesla nicht. Ich kannte das Auto nur aus dem Store, wo er als Sechssitzer stand, und dachte, es gäbe ihn immer mit drei Sitzreihen. Und die Presseabteilung, die uns das Fahrzeug zur Probe überlassen hatte, dachte, unsere Großfamilie bestünde aus drei Kindern. Kann man ihnen nicht verübeln und trotzdem muss eine Lösung her, wie die sechste Person von A nach B – in unserem Fall von Hannover nach Dortmund – kommt. Wir haben in diesem Fahrzeug zwar hinten einen geräumigen Kofferraum, der Platz für Kinderwagen, Fahrräder und Co. böte, und vorne noch einen zweiten, aber – nein, das geht natürlich nicht. Einer wird wohl mit dem Zug fahren müssen …

Die erste Runde mit dem Tesla X um den Block

Jetzt muss ich aber erst einmal eine Runde drehen, sonst schnappen die Kinder über. Da lass ich doch lieber die Kartoffeln auf dem Herd überkochen. Noch ist mein Mann ja nicht dabei und wir sind nur zu fünft. Ein kleiner Tipper von Park auf Drive und wir gleiten mit dem Zweieinhalb-Tonner aus der Parklücke, wieder fast lautlos. Es ist das erste Mal, dass ich in einem E-Auto sitze, und auch ich finde es super, um nicht schon wieder das „G-Wort“ zu schreiben.

Aber wir sprechen hier natürlich auch von einem Fahrzeug, das rund 110.000 € kostet, so wie es da vor unserer Tür steht. Eine Mischung aus Van und SUV-Coupé, die trotz 2.07 Meter Breite und 5,04 Meter Länge elegant und sportlich wirkt. Damit ist er sogar länger als der Multivan, den wir im normalen Leben fahren. Aber an diesem Wochenende lassen wir den treuen Bus links liegen und fahren einen Tesla X 100 D. Laut Tesla-Website „das sicherste, vielseitigste und schnellste Sport-Utility-Vehicle (SUV) der Geschichte“. Dank aktiver Sicherheitsfunktionen und spezieller Hardware gewährt es dem Fahrer nicht nur Vorausschau, sondern mit acht Surround-Kameras auch eine 360°-Rundumsicht. Zwölf Ultraschallsensoren erkennen umliegende Objekte, und ein nach vorne blickendes Radar durchdringt dichten Nebel und Regen. Serienmäßig mit Allradantrieb ausgerüstet soll es mit der 100 kWh-Batterie eine Reichweite von bis zu 565 km haben. Ob das stimmt, werden wir an diesem Wochenende ausprobieren. Und ich befürchte, dass mein Mann auch Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit austesten wird, die mit 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 250 km/h angegeben wird.

Power unter’m Hintern

Da es eine Grundeigenschaft von E-Motoren ist, ihr maximales Drehmoment vom Start weg abrufen zu können, reicht schon eine sanfte Berührung des Gaspedals, um hier in der kleinen Nebenstraße eine Ahnung davon zu kriegen, wie viel Power dieses Auto hat. „Unter der Haube“ kann man hier übrigens nicht schreiben, denn die Batterie, der Li-Ionen-Akku, sitzt unter dem Fahrzeug und verteilt seine Energie auf zwei Motoren: je einen mit 262 PS an Hinter- und Vorderachse. Die Gesamt-Systemleistung ist batteriebedingt allerdings auf 422 PS begrenzt. Reicht immer noch, denke ich, und drücke nochmal kurz aufs Gas. Die Kinder werden in die Kissen gedrückt und jubeln vor Vergnügen.

„Der Akku ist jetzt ziemlich leer!“

Als mein Mann am Abend nach Haue kommt, tanzt er zwar nicht um den Wagen, seine Augen blitzen aber ebenfalls. Er schnappt sich den Schlüssel und ruft: „Ich bin dann mal weg!“ Meine Achtjährige springt ebenfalls schnell in ihre Schuhe und rennt hinterher: „Ich komme mit!“ Und weg sind. Anderthalb Stunden später kommen sie wieder, strahlend: „Mama! Papa und ich sind 250 gefahren!“ Ich hab’s mir ja gedacht. „Und wir haben die Federung hoch- und runtergefahren. Und ganz laut Musik gehört. Das war geil!“ Mein Mann fügt hinzu: „Leider ist der Akku jetzt ziemlich leer. Wir müssen nochmal laden, bevor es morgen losgeht.“ Und das ist gar nicht so einfach. Wäre der Tesla unser Auto hätten wir wohl eine Ladestation in der Garage; einen so genannten Wall Connector, der an Starkstrom angeschlossen wird und den Wagen je nach Netzanschluss und Ladeleistung in mehreren Stunden über Nacht auflädt. An einer normalen Haushaltssteckdose würde es ein paar Tage dauern, die wir natürlich nicht warten können. Außerdem müssten wir die Garage leerräumen, was nochmal drei Tage dauern würde. Und über den Gehweg darf man das Stromkabel nicht legen, zumal wir dann außerdem die Haustür über Nacht offenlassen müssten.

Kostenlos tanken am Supercharger

Der nächstgelegene Supercharger befindet sich 40 km entfernt. Wir haben beide keine Lust, am Abend noch dorthin zu fahren, um den Testwagen in etwa 45 Minuten vollzutanken, und hoffen, dass die Batterie uns am nächsten Morgen noch dorthin bringen wird. Nach dem Aufwachen müssen wir jedoch feststellen, dass die Batterie bei winterlichen Temperaturen über Nacht noch einmal leerer geworden ist. Uiuiui, die angegebene Reichweite schafft er so nicht! Wir bringen das murrende älteste Kind also mit dem Diesel zum Hannoveraner Hauptbahnhof (noch dürfen wir das) und starten dann selbst mit dem Tesla gen Dortmund, wo wir Freunde besuchen wollen. Wir schaffen es bis Barsinghausen, cruisen aber sicherheitshalber mit 120 km/h gemütlich über die Autobahn, weil so der Verbrauch deutlich gesenkt wird. Denn wie viele Kilowattstunden unser Fahrstil gerade benötigt, sehen wir immer auf dem großen Bildschirm. Heizten wir die ganze Zeit mit 180 Sachen über die A 2, würden wir kaum die Hälfte der versprochenen Kilometer schaffen. Für die Maximalreichweite müssten wir allerdings noch langsamer fahren und vermutlich die Heizung ausschalten …

An den Zapfsäulen des Superchargers nehmen wir den Schlauch mit dem Stecker von der Säule, stecken ihn ans Auto und unterhalten uns derweil mit dem neben uns tankenden Herrn und seinem Sohn, der uns sogleich erzählt, er hätte seinen Audi A 8 „mit allem Schingeling“ noch nicht einen Moment vermisst. Das Tanken würde er nutzen, um zu arbeiten oder eben um sich nett zu unterhalten. Es entschleunige ungemein. Ein Phänomen, das wir bestätigen können: Die Kinder spielen fangen, gehen auf Toilette, und der Hund darf ebenfalls eine Runde drehen. Netter Nebeneffekt und anders als an herkömmlichen Tankstellen: Nach dem Tanken müssen wir lediglich den Stecker rausziehen, einhängen und einsteigen, da Tesla den Strom im Moment immer noch verschenkt. Geil, oder?!

„Gib Gummi, Mami!“

Vollgetankt traue auch ich mich endlich, mal aufs Gas zu drücken. Tja, was soll ich sagen? Geil! Gut gelaunt kommen wir in Dortmund an; der Sohn ist schon da. Die Bahn kann auch mal pünktlich. Und obwohl der Tesla wirklich schnell sein kann, sind wir die meiste Zeit ziemlich entspannt bei mittlerer Geschwindigkeit gefahren. Manchmal geben wir Gummi und drücken auf die E-Tube, weil die Kinder (und wir auch) dabei riesigen Spaß haben. Eigentlich aber gleiten wir mit diesem Auto der Zukunft viel lieber lautlos und ruhig dahin.

Aber auch in Dortmund stehen wir vor demselben Problem wie am Abend zuvor zuhause: Der nächste Supercharger steht bei Connies Diner am Kamener Kreuz, und die Stromrechnung unserer Freunde wollen wir nicht belasten. Und so fahren Vater & Sohn am nächsten Morgen dorthin, gönnen sich ein zweites Frühstück, führen Männergespräche, zu denen im Alltag so oft keine Zeit ist, und kommen gut gelaunt anderthalb Stunden später mit einem geladenen Auto zurück. Ich bin in der Zwischenzeit mit meiner Freundin spazieren gegangen, die übrigen Kinder haben gebastelt und draußen getobt. Es war ein total entschleunigter Vormittag.

Fragt man Tesla-Fahrer, und das haben wir getan, stören sie diese Umstände nicht. Ich habe das Wochenende mit diesem Auto total genossen: diese Mischung aus Be- und Entschleunigung. Um aber wirklich über die Anschaffung eines E-Autos nachzudenken – mal ganz unabhängig davon, ob ich das Geld für einen Tesla X 100 D hätte – müsste sich für mich noch ganz schön was an der E-Infrastruktur ändern, aber geil war’s auf jeden Fall!

P.S. Auf der Rückfahrt musste übrigens Filius Nummer Zwei die Bahn nehmen…

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