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Vater-Rolle versus Opa-Rolle

Blogger und 5-fach-Großvater Jürgen hat einen Gastbeitrag für uns verfasst:

Einst übernahm der Großvater die Rolle des Erziehers: Solange er lebte, war er das Familienoberhaupt. Doch seit es nur noch wenige Mehrgenerationenhäuser gibt, obliegt die Erzieherrolle natürlich Mutter und Vater des Kindes. Der Opa hat nurmehr eine Beaufsichtigungsfunktion und kann gern zum guten Freund des Enkelkindes werden. In Erziehungsfragen wird er vielleicht um Rat gebeten, entscheiden darf er in der Regel nicht mehr. Dennoch: Das gesamte Umfeld wirkt auf die Entwicklung des Kindes und so wird es natürlich auch durch den Umgang mit Oma und Opa geprägt. 

Vater und Großvater sind dennoch beides männliche Vorbilder für das Kind und dieses wiederum zieht unweigerlich Vergleiche: Was machen Opa und Vater gleich, wo liegen die Unterschiede und was ist gänzlich von dem verschieden, was in anderen Familien üblich ist? Ist der Opa handwerklich begabt, der Vater jedoch nicht, wird oft Opa zum großen Vorbild. Dies liegt allerdings auch an dem Verhältnis von Enkel und Großvater zueinander. 

Opa hat das große Plus, dass er flexibel ist. Das Kind möchte kurzfristig zum Schwimmen oder will ein Spiel spielen? Während Papa arbeiten muss, hat Opa natürlich Zeit. Da ist es keine Frage, ob die Zeit zum gemeinsamen Spielen oder für Unternehmungen vorhanden ist, sondern vielmehr, wann genau HEUTE etwas unternommen werden kann. Der Großvater richtet sich das in der Regel ein. Hier ist das Kind der Mittelpunkt, während es im Elternhaus berufsbedingt oft eine untergeordnete Rolle spielen muss. 

Opa und Enkel
© Mary Blackwey (Unsplash)

Allerdings muss Opa in Sachen Sport und Fitness dann doch wieder aufstecken, hier punktet eher Papa. Verschiedene Sportarten mögen altersunabhängig durchführbar sein (Wandern, Yoga etc.), andere wiederum erfordern eine hohe Fitness. So werden doch eher Papa und Sohn zum Kickboxen gehen, zum Squash oder für den Marathon üben. Opa hingegen unternimmt die Radtouren (dem E-Bike sei Dank!), spielt Tischtennis, geht mit dem Enkelkind zum Golfen oder Angeln. 

Und noch ein Unterschied ist erwähnenswert: Opa ist eine Fundgrube für Geschichten „von früher“, für lustige Familienanekdoten oder sogar Märchen und Sagen. Viele derartige Geschichten kennt der Papa gar nicht oder erzählt sie aus einer anderen Perspektive. Außerdem weiß der Großvater einige Dinge, die Papa sicherlich nie erzählen würde: Die lustigen und teilweise peinlichen Geschichten aus dessen Kindheit! So erfährt das Kind in einem Gespräch mit Opa doch noch mehr über Papa, der manche Dinge sicherlich nur sehr ungern zugeben würde. Auch Papa konnte als Kind sehr viel Blödsinn anstellen!

Titelbild: © Yakobchuk Viacheslaw (Shutterstock)

Jürgen Busch
Jürgen Busch
Jürgen Busch ist Mitte Siebzig, fünffacher Großvater und ein leidenschaftlicher Blogger. Der Hamburger gibt anderen Opas viele Tipps für die Beschäftigung mit den Enkeln, liefern aber auch Inspiration für den Alltag und Themen wie Spielen, Basteln, Werken und Backen.

1 Kommentar

  1. Das Thema finde ich super interessant. Mich würde auch ein Artikel aus der Ich-Perspektive interessieren: Was ist toller am Opa-sein, als es am Papa-sein ist bzw. war? Wie ändert sich die eigene Perspektive, wenn man nicht mehr erziehen „muss“, sondern „darf“. Wie ändert sich das Verhältnis zum Kleinkind (ggü. dem eigenen Kleinkind) wenn man auch mal „Ja“ zu Sachen sagen darf, die man als Elternteil auf keinen Fall erlaubt hätte. Wie ändert sich auch das Verhältnis zum eigenen Kind?
    Danke für die tolle Perspektive – ein Papa.

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