Mit der Gesundschreibung in der Tasche bringe ich unsere Süsse nach einem Tag „ich-hab-den-Nachwuchs-zu-Hause-und-kann-trotzdem-arbeiten. Nicht“ wieder in die Kita. „Guten Morgen! Sagt mal, von Masernfällen hier im Dunstkreis habt ihr noch nichts mitbekommen?“ Eine eher rhetorische Frage eigentlich, denn wenn dem so wäre, man hätte den Laden schon längst vernagelt. Entsprechend fällt die Antwort negativ und damit positiv aus. Also, Kind abgeben, nach Hause, malochen.

Das Arbeitsleben hat mich wieder, Gedanken an die Familie rücken erst mal wieder in den Hintergrund, zumal sich ja nichts Dramatisches abzeichnet. Aber weil ich der klassische Bürohengst bin, was heute gleichbedeutend damit ist, mehrmals stündlich „eben kurz“ irgendwelche News-Portale zu checken, komme ich an der Realität nicht vorbei. Das Gesundheitsministerium warnt hier, die Vereinigung der Kinderärzte da, Geschichten über die Unheilbarkeit bis zum Tode dort, wenn das Schicksal erst mal seinen Lauf genommen hat. Puh… Bei meiner Recherche stolpere ich dann u.a. über eine Seite mit unverfänglichem Namen. Im weiteren Verlauf lese ich von „Seuchenvögeln“, die die Masern „vom Balkan eingeschleppt“ hätten, und irgendwas von „der Pflicht, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden,“ und muss feststellen, dass ich auf einer mit Pegida sympathisierenden Seite gelandet bin. Horray. Erst rotten sich die faschistoiden Menschenhasser da unten fast gegenseitig aus, so dass sich am Ende zahlloser Abscheulichkeiten auch noch große Defizite in der Gesundheitsversorgung auftun. Und dann treten denkfaule Gesinnungsgenossen noch mal drauf, wenn die von Krieg gebeutelten Menschen bei uns Zuflucht suchen. Bei sowas bekomme ich dann die Pusteln.

Und schon wieder bin ich beim Thema, denn: Bin ich eigentlich gegen Masern geimpft? Oh Mann, das fehlte gerade noch… Also Anruf bei meinen Eltern. Papa, seinerzeit Seemann, weiß natürlich von nichts, weil bei sowas stets nie da gewesen. Mama ist sich derweil „ziemlich sicher.“ Hm, glauben ist nicht wissen. Papa kann berichten, dass derzeit viel zu lesen sei, dass viele schlaue Leute zu einer vermeintlichen Auffrischung der Masern- bzw. Impfungen im Allgemeinen raten. Okay, Message angekommen.

Mein Frau, so stellt sich heraus, ist übrigens definitiv gegen Masern geimpft. Immerhin. Das Wochenende steht ins Haus und damit die Zeit zum Runterkommen, zum in-sich-gehen – und um Dinge zu tun, für die man vorher nicht so die Zeit gefunden hat, wie man es gerne wollte. Und das ist, richtig, Zeit mit der Familie zu verbringen und sich um sie zu kümmern. Dazu zählt in diesen Tagen noch mal das intensive Auseinandersetzen mit dem Thema Masern. Und so recherchiert man wieder durch die analoge und digitale Welt: Noch Jahre nach einer Erkrankung könnten schwere Nachwirkungen auftreten und aus unserem Freundeskreis erfahre ich, dass eine Bekannte in der Kindheit durch Masern das Gehör auf einem Ohr verloren habe! Uff. Am Sonntag Abend eröffnet mir meine Frau, durch die Masern-Debatte mittlerweile ziemlich nahe am Wasser gebaut, ihre Sorgen und ihren Plan und reißt mich damit endgültig aus meiner „hätt-noch-immer-jot-jegange“-Mentalität.

Lest beim nächsten Mal von der schonungslosen Bestandsaufnahme einer sich sorgenden Mutter und den daraus resultierenden riesigen logistischen Konsequenzen…

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