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KolumnenGastbeiträgeBericht aus Berlin II: Masern-Debatte mit PEGIDA

Bericht aus Berlin II: Masern-Debatte mit PEGIDA

Mit der Gesundschreibung in der Tasche bringe ich unsere Süsse nach einem Tag „ich-hab-den-Nachwuchs-zu-Hause-und-kann-trotzdem-arbeiten. Nicht“ wieder in die Kita. „Guten Morgen! Sagt mal, von Masernfällen hier im Dunstkreis habt ihr noch nichts mitbekommen?“ Eine eher rhetorische Frage eigentlich, denn wenn dem so wäre, man hätte den Laden schon längst vernagelt. Entsprechend fällt die Antwort negativ und damit positiv aus. Also, Kind abgeben, nach Hause, malochen.

Das Arbeitsleben hat mich wieder, Gedanken an die Familie rücken erst mal wieder in den Hintergrund, zumal sich ja nichts Dramatisches abzeichnet. Aber weil ich der klassische Bürohengst bin, was heute gleichbedeutend damit ist, mehrmals stündlich „eben kurz“ irgendwelche News-Portale zu checken, komme ich an der Realität nicht vorbei. Das Gesundheitsministerium warnt hier, die Vereinigung der Kinderärzte da, Geschichten über die Unheilbarkeit bis zum Tode dort, wenn das Schicksal erst mal seinen Lauf genommen hat. Puh… Bei meiner Recherche stolpere ich dann u.a. über eine Seite mit unverfänglichem Namen.

Im weiteren Verlauf lese ich von „Seuchenvögeln“, die die Masern „vom Balkan eingeschleppt“ hätten, und irgendwas von „der Pflicht, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden,“ und muss feststellen, dass ich auf einer mit Pegida sympathisierenden Seite gelandet bin. Horray. Erst rotten sich die faschistoiden Menschenhasser da unten fast gegenseitig aus, so dass sich am Ende zahlloser Abscheulichkeiten auch noch große Defizite in der Gesundheitsversorgung auftun. Und dann treten denkfaule Gesinnungsgenossen noch mal drauf, wenn die von Krieg gebeutelten Menschen bei uns Zuflucht suchen. Bei sowas bekomme ich dann die Pusteln.

Und schon wieder bin ich beim Thema, denn: Bin ich eigentlich gegen Masern geimpft? Oh Mann, das fehlte gerade noch… Also Anruf bei meinen Eltern. Papa, seinerzeit Seemann, weiß natürlich von nichts, weil bei sowas stets nie da gewesen. Mama ist sich derweil „ziemlich sicher.“ Hm, glauben ist nicht wissen. Papa kann berichten, dass derzeit viel zu lesen sei, dass viele schlaue Leute zu einer vermeintlichen Auffrischung der Masern- bzw. Impfungen im Allgemeinen raten. Okay, Message angekommen.

Mein Frau, so stellt sich heraus, ist übrigens definitiv gegen Masern geimpft. Immerhin. Das Wochenende steht ins Haus und damit die Zeit zum Runterkommen, zum in-sich-gehen – und um Dinge zu tun, für die man vorher nicht so die Zeit gefunden hat, wie man es gerne wollte. Und das ist, richtig, Zeit mit der Familie zu verbringen und sich um sie zu kümmern. Dazu zählt in diesen Tagen noch mal das intensive Auseinandersetzen mit dem Thema Masern.

Und so recherchiert man wieder durch die analoge und digitale Welt: Noch Jahre nach einer Erkrankung könnten schwere Nachwirkungen auftreten und aus unserem Freundeskreis erfahre ich, dass eine Bekannte in der Kindheit durch Masern das Gehör auf einem Ohr verloren habe! Uff. Am Sonntag Abend eröffnet mir meine Frau, durch die Masern-Debatte mittlerweile ziemlich nahe am Wasser gebaut, ihre Sorgen und ihren Plan und reißt mich damit endgültig aus meiner „hätt-noch-immer-jot-jegange“-Mentalität.

Lest beim nächsten Mal von der schonungslosen Bestandsaufnahme einer sich sorgenden Mutter und den daraus resultierenden riesigen logistischen Konsequenzen…

Hier sind die Beiträge Teil 1, Teil 3 und Teil 4.

Carsten Bauer
Carsten Bauer
Carsten Bauer ist Vater einer Tochter, verheiratet und lebt in Berlin. Der gelernte Werbefachwirt ist außerdem Mitgründer von SOLO, einer Medien-Plattform für Skateboard-Kultur.

3 Kommentare

  1. Guten Abend,
    eine solche Debatte brauchen wir nicht zu eröffnen. Dennoch denke ich das mit einfachen Mitteln alle Menschen schützen kann, sowohl die Deutschen wie auch die Einwanderer.
    Des weiteren brauche ich meine Quellen nicht andern, denn die Einwanderungs Zahlen sprechen für sich. Das Wort Massenlager nutzte ich mit Absicht, denn wenn ganze Hotels umgewandelt werden oder Städte Millionen für Container Siedlungen ausgeben, ist das in meinen Augen ein Bettenlager für eine große Anzahl an Menschen, dementsprechend wählte ich dieses Wort.
    Und wenn die Politik eine Lösung für die Einwanderungspolitik findet brauchen dort auch keine Kleinkinder und Babys mehr Angst vor Hunger haben.
    Mir liegt nur das wohl ALLER Menschen am Herzen.
    Auch ich habe zwei Kinder und bekomme das dritte mit meiner Frau und will diese vor allen gefahren schützen, wie z.B. ansteckende Krankheiten.
    Außerdem hoffe ich das Ihnen Herr Bauer und Ihrer kleinen Tochter nichts passiert, denn Sie haben ja gleich bei Ihnen um die Ecke einige Fälle von Masern.

  2. Guten Tag,
    ich weiß nicht was Hanau Sie auf der Seite der Pegida Sympathisanten gelesen haben und ich weder dafür noch dagen was sie machen. (In meinen Augen formulieren die meistem Menschen ihre Ängste und sorgen der Politik gegenüber falsch.)
    Aber zu dem Thema der Krankheiten und der Zuwanderung, in meinen Augen besteht da definitiv ein Zusammenhang. Was nicht heißen soll das die Einwanderer Schuld an der Situation haben. Viel mehr finde ich da die Politik in der Pflicht etwas zu unternehmen.
    Es sollten bessere Einreise Kontrollen stattfinden, was für mich bedeutet die Anzahl der Flüchtlinge an die Lage der Innenpolitik sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa anzupassen.
    Des weiteren wäre eine gründliche Gesundheitliche vor Untersuchung angebracht. Bei der Voruntersuchung könnte man auch gleich alle neu Ankömmlinge Impfen, so wäre die einfuhr von Erkrankungen deutlich gesenkt.
    Was im Endeffekt bewirken würde das sich die Einwohner Deutschlands erstens nicht mehr vor massenlagern mit Asylbewerbern fürchten müssen und zweitens das man eine bessere Kontrolle über ansteckende Krankheiten hätte.
    Damit wäre allen geholfen und würde keine Seite bevorzugen oder kränken.

    • Hallo,

      dass die Masern über Flüchtlinge nach Deutschland zurückgekehrt sind, mag sogar der Wahrheit entsprechen. Und demnach kann man in dieser Sache von der Politik auch gerne Lösungen einfordern, wenn man dies für nötig hält. Aber ich möchte an dieser Stelle ungerne eine Debatte über das deutsche Asylrecht bzw. die europäische Flüchtlingspolitik aufmachen. Nur dies: wer sich vor „Massenlagern“ mit Asylbewerbern fürchtet, sollte schnell die Quellen ändern, über die er sich informiert. Und: in vielen Flüchtlingsheimen auf deutschem Boden haben zahllose Babies und Kleinkinder massive gesundheitliche Probleme, weil nicht ausreichend adäquate Nahrung für sie bereit steht.

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