Heute haben wir ein ganz besonderes Exemplar für Euch im Interview. Der Daddy kommt aus dem dicken B., macht irgendwas mit Medien und Werbung, veranstaltet eine der wichtigsten Online-Konferenzen und steht als Sänger und Frontsau auf der Bühne. Ach, und Bücher schreiben kann er auch. Und einen Blog. Lest am besten selbst.

Hier sind die 10 Antworten von JOHNNY HAEUSLER:

1. Wer bist Du und was machst Du?
Ich bin Johnny Haeusler, geboren in West-Berlin am 21.8.1964. Ich mache Musik mit meiner Band Plan B, schreibe in mein Weblog Spreeblick, veranstalte die Konferenz re:publica mit anderen Menschen zusammen, und ein Buch habe ich auch noch geschrieben, gemeinsam mit meiner Frau. Netzgemüse style=. So heißt das Buch. Nicht meine Frau. Die heißt Tanja.

Johnny Haeusler Selfie
2. Das hört sich nach verdammt viel Arbeit an. Bleibt da genug Zeit für die Familie?
Nein, aber es bleibt auch nicht weniger Zeit als bei anderen Berufstätigen. Ich bemühe mich, zum Abendessen zuhause zu sein, halte die Wochenenden meistens frei und muss schon lange nicht mehr jede Veranstaltung mitmachen. Trotzdem: Mehr Zeit für die Familie wünscht sich jeder, so auch ich. Tatsächlich kommen unsere Söhne aber auch gerade in das Alter, in dem man eher genervt ist von der Anwesenheit Erwachsener…

3. Als Musiker hast Du bis Mitte der Neunziger sicher viel Sex, Drugs und Rock’n’Roll erlebt. War es Dir wichtig, Dich auszutoben, bevor Du eine Familie gründest?
Die Drogen hielten sich in überschaubaren Grenzen, worüber ich sehr froh bin, denn ich habe zu viele Leute gesehen, die hängengeblieben sind oder ihre Experimente nicht überlebt haben. Und alles andere muss man ja nicht aufgeben mit dem Alter. Ich tobe immer noch gerne.

Bei mir war und ist das, was ich tue, keine Lebensplanung im weit vorausschauenden Sinne, kein bewusster Prozess von wegen: „Jetzt noch mal richtig auf die Kacke hauen, denn danach beginnt ja der Ernst des Lebens und dann geht das alles nicht mehr!“. So war das nicht. Ich habe einfach immer nur versucht, mein Leben so zu leben, wie ich gerne möchte. Und obwohl einen Kinder natürlich zu mehr Kompromissen treiben, als wenn man nur für sich allein Verantwortung trägt, gilt das auch heute noch.

Das ist nicht immer einfach, denn bestimmte Sachzwänge wie Schulen oder, um mal von den Kindern wegzukommen, Verantwortung für Mitarbeiter, nervige Behörden oder andere Verpflichtungen im Alltag eines Erwachsenen schränken die Bewegungsfreiheit schon sehr ein. Es vergeht kein Tag, an dem mich das nicht nervt, aber im Großen und Ganzen fühle ich mich doch sehr selbstbestimmt. Ich muss kaum jemandem Rechenschaft über Entscheidungen ablegen, kann meine Arbeitszeiten frei verwalten und wenn ich meine Meinung sagen will, dann brauche ich dabei wenig Rücksicht zu nehmen. Darüber bin ich sehr froh. Selbstbestimmtheit ist Freiheit.

Johnny Haeusler by ebbesand
4. Wie heißen deine Söhne und wie seid Ihr zu den Namen gekommen?
Der ältere Sohn heißt Lenny (eigentlich Leonard), der jüngere heißt Karl. Auf „Leonard“ sind wir bei einem Konzert von Elvis Costello gekommen, der von Ron Sexsmith supported wurde und … wie war das noch mal? Ich glaube, es wurde ein Song von Leonard Cohen gespielt und wir dachten: „Leonard ist ein hübscher Name“. Dann hingen noch Plakate für eine Tour von Lenny Kravitz in der Stadt auf denen nur fett „LENNY“ stand und damit war auch die Kurzform abgesegnet.

„Karl“ bedeutet „Kerl“, wir fanden den Namen toll, wir sind aus verschiedenen Gründen darauf gekommen. Unsere Eltern haben die Hände überm Kopf zusammengeschlagen, weil der Name aus ihrer Sicht so unmodern ist, aber wir sind über die Wahl sehr froh. Mit vollem Namen heißt er außerdem „Karl Luis“, das klingt super und falls er eine Sportkarriere plant, wird es interessant …

5. Ist der Berliner Großstadt-Dschungel aus Deiner Sicht ein gutes Pflaster für Familien mit kleinen Kids oder kannst Du die Großstadtflucht nachvollziehen?
Beides hat doch Vor- und Nachteile. In der Stadt gibt es unendlich viele Möglichkeiten, außerdem eignen sich die Kinder eine gewisse „Street Smartness“ an. Ich bin in Berlin aufgewachsen und kam bisher in jeder von mir besuchten Großstadt der Welt klar. Dafür gibt es auf dem Land mehr Natur, mehr Raum und vielleicht weniger Stress. Ich glaube aber, es gibt weder die perfekte Zeit noch den perfekten Ort für das Großziehen von Kindern. Solange sie sich innerhalb der Familie wohl fühlen, sollte das überall klappen – und es wird auch überall immer mal wieder Problemchen geben.

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„Viele Eltern kapitulieren vor dem Internet oder Videogames, weil sie sich nie damit beschäftigt haben…“
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6. Du hast ein Buch verfasst mit dem Titel „Netzgemüse – Aufzucht und Pflege der Generation Internet“. Worum geht es und was ist Dein Anliegen damit?
Wir wollten Buch schreiben, dass Eltern den Mut gibt, sich mit den digitalen Medien zu beschäftigen, die für ihre Kinder selbstverständlicher Teil des Alltags sind. Denn Eltern sollten ihrem Nachwuchs auch im digitalen Raum zur Seite stehen können. Viele Eltern kapitulieren vor dem Internet oder Videogames, weil sie sich nie damit beschäftigt haben, das halten wir für einen Fehler. Netzgemüse macht Mut, während zu viele andere Elternbücher zum Thema Panik verbreiten.

7. Viele Kerle freuen sich über einen Sohn, damit sie zusammen ins Fussball-Stadion gehen können. Auf welche gemeinsamen Aktionen stehen Deine Jungs?
Ich bin kein Bolzplatz-Vater, war ich nie, werde ich auch nicht mehr. Das Stadion haben wir uns ein paar Mal gegeben, das hat die beiden aber auch nicht gepackt. Wir spielen zusammen, manchmal Brettspiele, oft aber auch Videogames, wir reden und diskutieren sehr viel, gehen ins Kino, auf Konzerte, zu Events, die in Berlin stattfinden, wir kochen zusammen (oder versuchen es) – das Übliche halt. Beide Jungs sind aber nicht mehr ganz klein und sehr selbstständig, sie machen ihren Sport und anderes viel lieber mit Freunden als mit mir, das finde ich auch gut und richtig.

8. Als Band-Member von Plan B hast Du bestimmt Schlaflieder vorgesungen. Welches waren Eure „Greatest Hits“ zuhause?
Tanja konnte das immer viel besser, aber ich weiß nicht mehr, was ihre Lieblingssongs waren. Ich kannte auch kaum Schlaflieder, was mir etwas peinlich war. Ich habe aber immer sehr, sehr gerne vorgelesen. Und bin dabei oft eingeschlafen.

9. Hättest Du rückblickend irgendwas in der Erziehung anders gemacht?
Ich glaube, ich bin ein ganz okay-es Vorbild und bin daher nicht unzufrieden mit mir, aber ich hasse Regeln und habe daher immer Schwierigkeiten damit gehabt, selbst Regeln aufzustellen, ihre Einhaltung einzufordern und sie vor allem selbst einzuhalten. Kinder aber brauchen Regeln, dessen bin ich mir nach 15 Jahren des Vaterseins sicher. Sie brauchen sie als Rahmen und natürlich auch, um sie zu brechen, aber es hilft ihnen. Vernünftige Regeln geben Kindern Halt.
Johnny Haeusler by Gregor Fischer

Außerdem habe ich die Jungs an manchen Stellen viel zu früh in Entscheidungsprozesse einbezogen, die für sie völlig unwichtig waren und mit denen ich sie eher überfordert habe. Einen Zweijährigen bspw. zu fragen, ob er lieber die roten oder die gelben Socken anziehen möchte, ist einfach Unsinn. In dem Moment, in dem er eine eigene Entscheidung treffen will, kann man ja darauf reagieren und dann kann er von mir aus links die rote und rechts die gelbe tragen. Aber zu denken, dass das Kind schon in ganz jungen Jahren in jeder Situation die völlige Freiheit braucht und daher jede noch so unwichtige Entscheidung selbst treffen kann (und dann ja auch muss) ist falsch, glaube ich.

10. Und zum Abschluss suchen wir das „must have“-Produkt für moderne Väter. Hast Du einen Shopping-Tipp?
Einen riesengroßen Fernseher als Monitor für die ganzen albernen Blockbuster, die man sich ja als Erwachsener nicht ansehen würde, mit (älteren) Kindern aber unbedingt sehen muss! 🙂

Vielen lieben Dank für die umfangreichen, unterhaltsamen und persönlichen Infos. Wir wünschen viel Erfolg für Deine vielen Projekte. Und sag Bescheid, wenn Ihr Hamburg rockt mit Plan B!

Fotos: #3 © ebbesand // #4 © Gregor Fischer

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