In erster Linie wollen wir Euch mit unserem Väter-Magazin Daddylicious unterhalten und ein paar für Papas nützliche Infos bündeln. Dabei haben wir keinen erhobenen Zeigefinger. Eigentlich. Wenn es aber um Toleranz geht, dann gibt es für uns keine zwei Meinungen. Und das geben wir auch an unsere Kinder weiter. Wir akzeptieren jedes Familienmodell und halten nichts von Geschlechter-Klischees. Unser oberster Erziehungsauftrag ist, das unsere Kinder andere Menschen nicht nach Optik, Klamotten oder Verhalten beurteilen. Genau daher sollte das neue Kinderbuch von Riccardo Simonetti unserer Meinung nach zur Pflichtlektüre in der Grundschule werden. Wir stellen Euch das Werk vor und haben außerdem ein kurzes Interview mit Riccardo geführt.

Riccardo ist ein Paradiesvogel der Influencer-Szene. Er ist homosexuell, trägt langes Haar und meist schrille Klamotten. Sein Geld verdient der 26-jährige als Entertainer, Moderator, Autor, Model, Schauspieler und Kolumnist. Durch seine eigene Erfahrung weiß er, wie sich Ausgrenzung und Anfeindung anfühlt. Daher kämpft er dagegen und möchte vermitteln, dass Anderssein OK ist. Und damit setzt er schon ganz früh an.

Unter anderem mit seinem neuen Kinderbuch. Denn in „Raffi und sein pinkes Tutu“ trägt der Protagonist, ein Junge einer Grundschulklasse, liebend gern einen pinken Rock. Das führt zu Problemen mit anderen Schülern, die er unter anderem mithilfe seines Vaters löst.

Also, bitte kauft Euch dieses Buch, lest es mit Euren Kindern und empfehlt oder verschenkt es gern weiter. Unsere Kinder sollten kein Schubladendenken entwickeln und niemanden ablehnen oder ausgrenzen, der anders ist. Denn anders sein ist cool und Mobbing ist das Schlimmste, was anderen Kindern angetan werden kann.
Wir wollten mehr erfahren, daher haben wir Riccardo ein paar Fragen zu dem Buch, seiner Inspiration und seinem kunterbunten Leben gestellt.

Hier ist unser Interview mit Riccardo Simonetti

Meine Tochter ist gerade in der zweiten Klasse. Welche Erinnerungen hast Du an Deine eigene Schulzeit?

Ich habe gemischte Gefühle an meine Schulzeit. Einerseits hatte ich wirklich tolle Freunde, die bis heute unglaublich wichtig für mich sind. Andererseits habe ich auch wirklich zu spüren bekommen, wie es sich anfühlt anders zu sein. Wahrscheinlich setze ich mich heute deshalb so für Menschen ein, die anders sind.

Gerade hast Du mit „Raffi und sein pinkes Tutu“ Dein zweites Buch veröffentlicht. Was war Deine Inspiration und wieviel von Dir steckt in der Geschichte?

Raffi ist inspiriert von meinem eigenen Leben, aber dennoch eine fiktive Geschichte. Es war schon vor der Veröffentlichung meines ersten Buches ein Wunsch von mir ein Kinderbuch zu schreiben, weil ich gemerkt habe wie viele Menschen heute noch Probleme damit haben, wenn jemand anders ist, als sie es sind. Ich glaube man kann nicht zu jung sein um Werte wie Toleranz vermittelt zu bekommen. Außerdem glaube ich, dass auch Kinder es verdient haben zu erfahren, dass Liebe auch im eigenen Geschlecht möglich sein kann und man nicht nur in Schubladen denken sollte.

In dem Buch spielt der Papa von Raffi eine wichtige Rolle, die Mama hingegen kommt nicht vor. Adressierst Du ganz bewusst die Papas mit dem Buch?

Ich wollte einfach bestimmte Rollenbilder durchbrechen. In Filmen, den Medien, Musik wird immer suggeriert, dass Mütter sowieso die verständnisvollen sind und Väter harte Machos, die ihren Sohn nur bedingt akzeptieren. Das Bild gefällt mir nicht und ich wollte zeigen, dass Männer genauso liebevolle, verständnisvolle Elternteile sind. Generell wollte ich einfach Statements setzen, die das Schubladen denken durchbrechen.

Für uns ist die Vermittlung von Toleranz einer der wichtigsten Aspekte bei der Erziehung unserer Tochter. Wo stehen wir Deiner Ansicht nach in Deutschland?

Ich glaube Toleranz wird in Deutschland nur bedingt gelebt. Sobald man sich aus seiner eigenen Blase bewegt, sieht man, dass in den Köpfen der Menschen noch ein ganz anderes Mindset herrscht. Ich durfte das bei der Veröffentlichung von „Raffi und sein pinkes Tutu“ einmal mehr erleben. Dabei ist es so wichtig diese Diskussion öffentlich am Laufen zu halten, um Menschen zu zeigen, wie die Realität aussieht.

Ich würde mich freuen, wenn Dein Buch Pflichtlektüre in den Grundschulen wird. Was können Eltern Deiner Ansicht nach noch tun, um für mehr Toleranz zu sorgen?

Dankeschön, das würde mich auch sehr freuen. Vor allem, weil ein großer Teil der Einnahmen auch gespendet wird. Ich glaube, Eltern sollten versuchen ihren Kinder beizubringen, dass man keine Angst vor dem Anderssein haben sollte. Sowohl bei anderen, als auch bei einem selbst. Und hat man das verstanden, sollte man auch andere Leute aufklären.

Hast Du auch schon über eine eigene Familie und Kinder nachgedacht?

Ich fühle mich selbst noch wie ein riesiges Baby, da bin ich glaube ich noch nicht so geeignet für ein eigenes Kind.

Kürzlich habe ich eine Homestory über Dich im Fernsehen gesehen. Auffällig waren Deine sympathische Art und Deine immer gute Laune. Hast Du ein Geheimrezept?

Ich versuche einfach so viele Dinge wie möglich zu tun, die mir Spaß machen. Jeden einzelnen Tag. Das können Kleinigkeiten sein, wie meine Lieblings Klamotten zu tragen oder Musik hören oder größere Projekte, die mich erfüllen. So oder so versuche ich jede Situation mit Dankbarkeit zu erleben.

Sag uns noch, wie Du Weihnachten verbringst und wo wir Dich 2020 erleben werden?

Ich werde Weihnachten bei meiner Mama in Bayern verbringen und ein bisschen Kraft sammeln, bevor der Trubel im neuen Jahr wieder losgeht.  Es sind schon ganz viele Dinge geplant und ich kann’s kaum erwarten, die mit den Menschen zu teilen. Mit auf dem Plan stehen auch viele wohltätige Projekte, weil ich gemerkt habe, dass ich den Erfolg gar nicht genießen könnte, wenn ich nicht wüsste, dass es für andere Menschen dadurch auch leichter wird. Darauf freue ich mich am meisten.

Lieber Riccardo, vielen lieben Dank für die spannenden Infos. Wir werden weiter an Deiner Seite für mehr Toleranz kämpfen und wünschen Dir viel Erfolg mit Deinen Projekten!

Fotos: © Nico Stank