Mütter und Väter mit gleichem Recht auf Elternzeit – Finnland als Vorbild

Finnland ist ein im wahrsten Sinne des Wortes cooles Land. Nicht nur durch das kühle Klima, die sagenumwobenen Nordlichter und die tanzende Premierministerin Sanna Marin. Auch in Sachen Familienpolitik sind uns die Skandinavier deutlich voraus, die beim diesjährigen „World Happiness Report“ den Spitzenplatz der Zufriedenheitsskala aller Nationen belegen. Denn durch eine Gesetzesänderungen ermöglichen sie nun Müttern und Vätern gleichermaßen, eine Elternzeit zu nehmen.

Für diesen Schritt in Richtung Gleichberechtigung macht Finnland eine Menge Kohle aus dem Staatssäckel locker, die neue Reform soll das Land bis zu 100 Millionen Euro kosten. Und trotzdem würden wir es gern als Impuls an alle anderen Nationen verstanden wissen, ebenfalls mehr für Familien zu tun und eine größere Flexibilität für beide Elternteile zu ermöglichen.

Elternzeit in Finnland

Schauen wir uns aber zuerst einmal an, was das Gesetz denn überhaupt aussagt, denn es betrifft die Elternzeit und das Elterngeld für die Familien in Finnland: nach der Geburt haben die Mütter und die Väter per Gesetz das gleiche Anrecht auf Elternzeit. Beide Elternteile haben jeweils 160 Tage Elternzeit zur Verfügung. Davon dürfen sie bis zu 63 ihrer Tage an die Partnerin oder den Partner abgeben. Bisher konnten die Mütter in Finnland bis zu sieben Monate als Elternzeit beantragen, die Väter hingegen nur zwei Monate.

In Finnland wurde die Elternzeit durch eine Reform modernisiert
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Mit der Reform soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert werden. Denn mit dem gleichen Anrecht auf die Elternzeit für beide Elternteile können die Familien ihre Betreuungs- und Erziehungspflichten besser aufteilen.

Elterngeld unabhängig vom Familienmodell

Ebenfalls nachgebessert wurde beim Elterngeld. Das wird in Zukunft für alle Eltern bereitgestellt, die das Sorgerecht für ihr Kind innehaben. Unabhängig von dem Geschlecht der Eltern. Somit werden auch gleichgeschlechtliche Paare gefördert. Und es spielt auch keine Rolle mehr, ob es sich um leibliche oder Adoptiveltern handelt.

Wir begrüßen diese Entwicklung sehr. In der Vergangenheit haben wir schon oft in Richtung Skandinavien guckt, sind uns die Nordlichter in Sachen Familienpolitik doch oft einen Schritt voraus. Nicht nur in Finnland, sondern auch in Schweden ist es selbstverständlich, dass die Papas nach der Geburt ihres Kindes eine berufliche Auszeit nehmen. Das haben wir bei einem Besuch bei BabyBjörn in Stockholm mal direkt vor Ort erfahren. Über die Elternzeit der Papas in Schweden rümpfen die Kollegen nicht die Nase, sondern feiern die frischgebackenen Papas richtig ab. Es ist verstanden worden, dass Familien die Basis für die Zukunft bilden und intensiver gefördert werden müssen.

Ziel: Mehr Geburten

Die Geburtenrate liegt in Deutschland bei etwa 1,5 Kindern pro Frau und schwankt in den letzten Jahrzehnten um diesen Wert. Aktuell ist sie wieder leicht rückläufig. Ein wichtiger Aspekt und Anreiz ist es für Paare, auch nach der Geburt finanziell genug abgesichert zu sein und keine Sorge haben zu müssen, sich durch eine Geburt die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu versauen. Das kann durch Gesetze gefördert werden.

Auf der anderen Seite sollten wir als Gesellschaft auch dazu übergehen, Familien und Kinder stärker abzufeiern und in den Fokus zu rücken. Es sind schwierige Zeiten und Umstände, in die wir die nachfolgenden Generationen schicken. Und trotzdem sollte es nicht an den Rahmenbedingungen scheitern, dass sich Paare gegen Kinder entscheiden. An dieser Stelle können wir von Finnland lernen.

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© Richard Sagredo (Unsplash)

Deutschland ermöglicht 14 Monate bezahlte Elternzeit

In Deutschland wurde in der Vergangenheit auch schon einiges an Verbesserungen für Familien auf den Weg gebracht. So sind Eltern derzeit schon recht gut abgesichert. Auch wenn in den aktuell unsicheren Zeiten immer noch mehr getan werden könnte. Aktuell kann das Elterngeld 14 Monate lang frei auf beide Elternteile verteilt werden, wobei ein Elternteil mindestens zwei Monate nehmen muss. Ist das nicht der Fall, gilt der Anspruch für nur zwölf Monate. Die Berechnung des Elterngeldes erfolgt auf Basis des Einkommens vor der Geburt des Kindes. Es beträgt gut 65 Prozent des letzten Gehalts, ist aber bei 1.800 Euro pro Monat gedeckelt. Eltern dürfen bis zu drei Jahre zu Hause bleiben, um sich um ihr Kind zu kümmern. 

Vaterschaftsurlaub in der EU

Nicht nur in Finnland wurden die Gesetze überarbeitet und entsprechende Reformen zur Förderung von Familien auf den Weg gebracht. Auch in anderen Ländern der EU wurde bereits etwas für berufstätige Väter getan. Viel diskutiert wird das Recht auf bis zu zehn Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub nach der Geburt eines Kindes. Außerdem wird versucht, in allen EU-Ländern für jedes Elternteil insgesamt vier Monate Elternzeit zu ermöglichen, zwei davon bezahlt.

Titelbild © Alekon pictures (Unsplash)

 

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Autor
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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