Familienurlaub – Dem Himmel ganz nah in Schröcken

Wir kamen, sahen und wollten gar nicht mehr weg. Nicht mehr weg aus dieser fast unwirklich schönen Gegend rund um Schröcken, so grün wie die schottischen Highlands, so verwunschen-hügelig wie im Herrn der Ringe und so abenteuerlich wie in den kühnsten Träumen der vier Jugendlichen, die mit von der Partie waren. Warum war ich bisher nie im Bregenzerwald, der den Bodensee mit dem hochalpinen Arlberg-Massiv verbindet?

Mit seinen malerischen kleinen Dörfern und den Häusern mit den typischen Schindelfassaden, den romantischen Flusstälern und imposanten Gipfeln? Eine Gegend wie gemacht für den Urlaub mit vier adrenalinaffinen 12-16 Jährigen und ihren wanderfreudigen und erholungsbedürftigen Eltern.

Ein Ort der Bergfreundschaft

Aber nicht nur die Landschaft hat uns sofort begeistert, auch aus unserer Unterkunft wollten wir gar nicht mehr weg, aus dem gerade erst eröffneten wunderbaren Berghaus Schröcken im gleichnamigen Ort am äußersten Süd-Ost-Zipfel der Region. Dort, wo das Hügelige ins Schroff-Steile des Arlbergs übergeht und spektakuläre Bergkulissen bietet. Das Berghaus, das genau genommen aus drei Häusern besteht, erinnert mit den schon erwähnten Holzschindeln und den rotweißen Fensterläden nicht nur zufällig an eine traditionelle Alpenvereinshütte. Im Herzen ist es eine.

„Wir sind kein luxuriöses Hideaway, sondern ein sportlich-geselliger Treffpunkt für Gleichgesinnte, Familien und Freunde“

erzählt Stefanie Schwarzmann, die das Haus mit 120 Betten in 42 Studios und Appartements mit ihrer Familie betreibt. Und nicht nur das – sie haben es geplant, gebaut und vor allem total durchdacht: Vom allzeit kostenlos verfügbaren Sprudelwasser bis zu den Matschhosen und Gummistiefeln für die Kleinsten, vom Tagesprogramm auch für die großen Jugendlichen bis zum Wellnessbereich samt Saunen, Dampfbad und Pool auf dem Dach, der bis 22.00 Uhr lange geöffnet hat.

matschhosen und gummistiefel

Betreut, aber nicht bedient

Wir sitzen an einem der massiven Holztische von Alwins Stammtisch, dem Herz des Berghauses Schröcken. Hier trifft man sich zum gemütlichen Beisammensein, zum Erzählen von der heutigen Wanderung, dem Ausflug ins Wildwasser des Lechs, zum Erfahrungsaustausch und Informationseinholen – Tipps zu allen Arten von Wanderungen zum Beispiel gibt’s von Wanderführer Andi, der jeden Tag vor Ort ist und bereitwillig und kompetent Auskunft gibt. Er hat Infos, die Google nicht kennt, und begleitet uns, wenn wir wollen, täglich auf ausgesuchten Routen.

Und natürlich kann, wer will, hier bei Alwin auch frühstücken und essen – regional und frisch. Abends werden große Schüsseln und Pfannen an den Tisch gebracht. Getränke, Besteck und die köstlichen Suppen und Salate muss man sich am Buffet selbst holen und am Ende zur Abräumstation bringen – „wie zuhause eben“, sagt Steffi Schwarzmann.

Platz für große Familien

Als sie weitererzählt, spricht sie mir aus der Seele: „Wir wollten etwas schaffen, was wir selbst als Familie so oft vergeblich gesucht haben. Etwas, das für alle Altersklassen passt.“ Sie hat wie ich drei Söhne und eine Tochter – viele Hotels und Ferienwohnungen haben Großfamilien wie uns gar nicht auf dem Schirm. Unsere Wohnung im Berghaus hat Platz für alle, dazu eine Küche und sogar noch eine eigene Sauna, was zugegeben ein bisschen mehr Luxus ist als eine Berghütte normalerweise bietet. Aber auch das passt zu Familie Schwarzmann, die offen und flexibel ist und alles, was aus Holz ist im Haus (und das ist viel!), selbst gebaut hat.

Im Berghaus Schröcken ist auch für große Familien reichlich Platz

Schließlich sind Vater und Söhne gar keine Hoteliers, sondern Tischler mit eigener Tischlerei im Ort. Modern und gemütlich ist es hier, hochwertig und nachhaltig zugleich. Während wir gemütlich in der Stube sitzen, sind unsere Kinder unterwegs – ob auf dem Beachvolleyballplatz oder beim Boule, im Schwimmbad oder beim gemeinsamen Kartenspielen – im Berghaus findet sich immer jemand, der mitmacht.

Wild, wilder, Wildwasserschwimmen

So auch bei den gemeinsamen Outdooraktivitäten der Jugendlichen rund um Schröcken, die Marie Walter für das Berghaus koordiniert: Da gibt es die Canyoning-Tour, die im Ortsteil Neßlegg losgeht, mit Neos, Helm und Wasserschuhen über Rutschbahnen, Kletterstellen und Wasserfälle durch die Schlucht und ihre schäumende Gischt. Oder das Wildwasserschwimmen in den Stromschnellen des Lech. Beim Sommerbiathlon geht’s nicht auf die Loipe, aber das Gewehr hängt wie bei der Wintervariante auf dem Rücken.

Auch beim Bogenschießen geht es um Zielgenauigkeit, denn hier stehen diverse 3D-Tierattrappen als Ziele im Wald und warten auf die Pfeile der jungen Bogenschützen. Und damit nicht genug: Wie wäre es mit Klettern oder Klettersteigkursen, Hochseilgarten, Biken und Geocaching oder einer Wander-Tour mit mehreren Zip-Lines, die einen über hohe Bäume und tiefe Schluchten fliegen lassen? Wenn’s um Adrenalin geht, ist die Liste der Möglichkeiten in der Region lang …

Und täglich grüßt das Murmeltier

Und nicht nur einmal hatte die Jugend sogar Lust auf eine Wanderung mit den Eltern. Und auch wenn wir wegen der sommerlichen Temperaturen und fehlender Helme (Achtung Steinschlag) auf den Gipfel vom Widderstein verzichtet haben, das Bad im ihm zu Fuße liegenden Hochalpsee war sehr, sehr cool. Und danach fast nackt einem schnaubenden Rind gegenüberzustehen, vergessen die Jungs wohl auch nicht so schnell.

Ein Traum, wenn auch kein Geheimtipp, war die Tour zum Körbersee: Idyllisch liegt er, von einer beeindruckenden Bergkulisse und sanft abfallenden Alpwiesen umgeben, mitten im Pflanzenschutzgebiet und ist im Sommer für einen Bergsee richtig warm. Ein Highlight auf dieser Tour war für uns Stadtkinder auf jeden Fall die Sichtung mehrerer Murmeltiere, deren Pfeifen wir lange bevor unsere Augen sie entdeckt hatten, bereits gehört hatten.

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Die Bergregion Warth-Schröcken und ihr Berghaus haben uns so begeistert, dass wir alle mit der großen Gewissheit ins Auto gen Norden stiegen, bald zurückzukehren. Die Braunarlspitze wartet noch auf uns und der eiskalte Butzensee, Bürstegg und der Hochberg …

Infos

Zur Unterkunft: Hüttenstimmung mit Komfort und Bergkompetenz, regionale Küche, 22 Studios für 1-2 Personen, 16 Appartements für 3-8 Personen, 4 Chalets für 8-20 Personen, umfangreiches Wander- und Outdoor-Programm, auch für Kinder und große Jugendliche. www.berghaus-schroecken.at

Zur Region und den Outdoor-Aktivitäten: www.warth-schroecken.at
Und hier findet ihr weitere Reisetipps für euren Familienurlaub.

Foto des Autors
Autor
Anna Schuetz
Anna ist als Autorin für Reisen, Lifestyle und Familienthemen nach Stationen in Berlin, Köln, Paris und München mit ihrer Familie in Hannover gelandet. Und obwohl selbst ohne y-Chromosom zur Welt gekommen hat sie ausreichend Erfahrung mit Testosteron: Drei ihrer vier Kinder sind echte Jungs, und auch ihre Tochter lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Darin ähnelt sie ihrer Mutter, die durchaus noch Augen hat für das, was es links und rechts von Wäschebergen zu entdecken gilt.

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