Unsere abenteuerlustige Autorin Anna begeistert immer wieder mit spannenden Reisetipps und mitreissenden Erlebnisberichten, so wie auch dieses Mal. Im wahrsten Sinne…

Wer bei Österreich im Sommer nur an klassische Aktivitäten wie wandern, biken und baden denkt, verpasst einiges an Action. Wir haben uns zum Beispiel im schönen Tiroler Kaiserwinkl in eine wilde Schlucht begeben und Canyoning ausprobiert…

Trotz des 7 mm dicken Neoprens, in dem wir alle seit einer Viertelstunde schwitzen, läuft es mir kalt den Rücken runter. Der Wasserfall stürzt sich tosend 20 Meter senkrecht in die Tiefe. „Da soll ich – DA SOLLEN MEINE KINDER RUNTER???“ In meinem Kopf schießen die Gedanken wie Billardkugeln hin und her: „Viel zu gefährlich! Die werden schon wissen, was sie tun! Ist das Risiko nicht viel zu hoch für ein bisschen Adrenalin? Die Kinder bringen mich um, wenn ich es jetzt abbreche …“ Und dann sehe ich, dass sich meine Drei, ausgestattet mit Klettergurt, Helm und wasserfesten Schuhen, schon längst im Abseilprozess befinden. Ein kurzes Stoßgebet und auch ich begebe mich in Richtung Fallkante und in die Hände der drei Guides, die bei der Einführung im „Sport und Natur“-Basiscamp zum Glück einen sehr umsichtigen und erfahrenen Eindruck gemacht haben. Was auch unerlässlich ist, schließlich werden sie uns durch eine halsbrecherische Wildwasserschlucht, über steile Felskanten, Wasserfälle und Felsrutschen führen. Hier eine kleine Rutschpartie im Video:

Und da sind wir auch schon mittendrin in der Taxaklamm bei Kössen in Tirol. Einer nach dem anderen gleitet sicher am Seil nach unten. Auch meine drei haben das erste Bad im eiskalten Wasser des Taxabaches schon hinter sich. Und jetzt ich – überall Wasser und spritzende Gischt. Ich löse den Karabiner und klettere auf die Felsen. Lachend und kreischend empfängt mich meine Jüngste: „Mama, das ist super!“ Um uns herum nur Felsen, 25 Meter hoch. Und obwohl oben die Sommerhitze brütet, ist es hier unten ziemlich frisch. Und hatte das 10° kalte Wasser mir zunächst fast den Atem genommen, erwärmt es sich im Anzug durch die Körperwärme ziemlich rasch.

Schon wartet der nächste Spaß: eine Felsenrutsche, über die wir auf dem Hosenboden in einen weiteren Naturpool rutschen. Wir klettern an kantigen Felsblöcken übers Eck. Dahinter geht es wieder fast 20 Meter senkrecht runter. Die Guides sichern uns mit Seilen und Karabinern über die im Fels verschraubten Haken. Und da wir zwei Karabiner haben, sind wir immer gesichert, auch wenn wir von einem Sicherungsseil zum anderen wechseln. Raus aus dem Strudel, rauf auf die Rutsche und wieder klettern. Mit den vollgesogenen Wasserschuhen an den Füßen fühle ich mich wie ein seltsamer Troll. Dann wartet die nächste Herausforderung: ein Sprung in einen 6 Meter unter uns liegenden smaragdgrünen Gumpen.

Meine anfängliche Sorge ist übrigens längst echter Begeisterung gewichen. Dieses Wechselspiel aus Rutschen und Sprüngen, Klettern, Schwimmen und Abseilen macht riesigen Spaß. Und trotzdem darf man nie vergessen, dass das hier zwar ein großer Abenteuerspielplatz ist, wir uns aber in der Natur befinden, die plötzlich wild und gefährlich werden kann. „Bei Gewitter zum Beispiel steigt der Wasserstand schnell, weil viele Bäche in den Canyon fließen“, erklärt Andi, einer der Guides. „Dann kann man diese Tour nicht machen.“ Auf eigene Faust sollte man daher solche Touren auf gar keinen Fall unternehmen. „Schlechtes Wetter hingegen ist übrigens kein Hinderungsgrund“, fährt der 39-jährige Schluchtenführer fort. „Das Wasser wird dadurch nicht kälter.“ Und die Sonne schickt ohnehin nur ein paar vereinzelte Strahlen zu uns Wildwasser-Abenteurern nach unten. Am Ausgang aber öffnen sich plötzlich die Felswände und wir kommen zurück ins Warme. Hinter uns liegen nicht nur mehrere hundert Meter Klamm, sondern ein echtes Abenteuer.

Mehr Infos: www.kaiserwinkl.com und www.sportundnatur.com

Video von Luis Beleke

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