Studie zur Bildschirmzeit von Kindern – Eltern sind zufrieden

In der Vergangenheit haben wir euch bereits von Novakid erzählt, eine Online-Englischschule, bei der Kinder im Einzelunterricht per Video ihre Sprachkenntnisse verbessern. Wir sind seit über einem Jahr dabei und so wurde das Fach Englisch von unbeliebtesten Schulfach zu einem der favorisierten Fächer unserer Tochter. Nun wollten die Experten für digitales Lernen etwas mehr über die Bildschirmzeit erfahren und auch die Länder miteinander vergleichen. Die Ergebnisse sind spannend, daher stellen wir euch die Novakid-Studie zur Bildschirmzeit hier vor.

Um valide Ergebnisse zu generieren, hat Novakid eine Umfrage unter 10.000 Familien mit Kindern im Alter von 4 bis 12 Jahren in 15 Ländern durchgeführt. Es ging somit insbesondere um die Nutzung der Devices für digitales Lernen, aber natürlich auch um die Bildschirmzeit ganz allgemein. So konnten Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie die Eltern auch fernab bildungsnaher Aktivitäten über die Bildschirmzeit ihrer Kinder denken. Es wurden Kinder zwischen 4 bis 12 Jahren aus Familien mit unterschiedlichem Bildungsstand, Einkommen und Berufen befragt. Im Zeitraum von Mai bis Juni 2022 wurde die Befragung in 15 Ländern auf der ganzen Welt durchgeführt, darunter Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Rumänien, Tschechische Republik, Polen, Türkei, Saudi-Arabien, Katar, Japan, Indonesien und Südkorea.

Bildungsnahe digitale Aktivitäten von Kindern

Im ersten Fragenblock ging es Novakid um digitale Lernaktivitäten. Und da zeigt sich, dass 57 % der Kinder zwischen 4 und 12 Jahren weltweit etwa zwei Stunden pro Woche mit bildungsbezogenen Aktivitäten am Computer oder an einem mobilen Gerät verbringen. Das verwundert nicht, denn spätestens mit dem Start der Grundschule gehören Computer und das Internet zum Lernen dazu. Das Homeschooling hat hier sicherlich zur Digitalisierung der Schulen beigetragen.

maedchen surft mit tablet
© Patricia Prudente (Unsplash)

Bildungsbezogene Bildschirmzeit wird positiv wahrgenommen

Laut den Ergebnissen der jüngsten Studie zur Bildschirmzeit verbringen 57 % der Kinder zwischen 4 und 12 Jahren weltweit etwa zwei Stunden pro Woche mit bildungsbezogenen Aktivitäten am Computer oder an einem mobilen Gerät. In Deutschland liegt der Anteil sogar bei 70 %. Es geht aber auch noch mehr, denn 22 % der in Deutschland befragten Personen gaben an, dass ihre Kinder drei bis sechs Stunden pro Woche für bildungsbezogene Aktivitäten aufwenden. In den asiatischen Ländern scheint das Lernen noch viel digitaler abzulaufen, denn fast 31 % der Eltern in den entsprechenden Ländern gaben an, dass ihr Kind zwischen drei und zehn Stunden pro Woche mit Online-Bildungsaktivitäten beschäftigt ist.

Lesen, Chatten, Filme schauen

Natürlich werden die Devices und der Fernseher auch für andere Dinge als Online-Bildung genutzt. So gaben 51 % der Befragten in Deutschland an, dass ihre Kinder ein bis zwei Stunden pro Woche damit verbringen, Zeichentrickfilme, Filme oder Videos anzuschauen (vgl. alle Länder 37 %). Tatsächlich erscheint mir diese Zahl immer noch sehr gering, wenn ich mein Umfeld beobachte. Aber es kommen auch noch weitere Bildschirmzeiten dazu: 32 % der Kinder verbringen je ein bis zwei Stunden mit Online-Spielen, 32 % mit Chatten mit der Familie oder mit Freunden, 38 % mit dem Lesen von E-Books oder dem Hören von Hörbüchern, 35 %mit dem Hören von Musik, 27 % mit dem Surfen im Internet und 24 % mit anderen Hobbys wie digitaler Kunst oder Programmieren.

In den asiatischen Ländern wird die meiste Zeit am Bildschirm mit Online-Bildung verbracht: Fast 31 % der Eltern gaben an, dass ihr Kind zwischen 3 und 10 Stunden mit Online-Bildungsaktivitäten beschäftigt ist.

papa mit kindern am notebook
© Surface (Unsplash)

Eltern in Deutschland mit Bildschirmzeit zufrieden

Wie sieht die Meinung der Eltern zur zur täglichen Bildschirmzeit ihrer Kinder aus? Tatsächlich ist die Mehrheit der Eltern nicht der Meinung, dass die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit für ihre Kinder zu hoch ist. Damit stellt Deutschland aus allen 15 Ländern den höchsten Anteil der Eltern, die mit der Bildschirmzeit grundsätzlich zufrieden ist. Denn 68 % der Mütter und Väter in unserem Land sind zufrieden und liegen damit vor Italien mit 58 % und Südkorea mit 55 %.

Und sogar 86 % der in Deutschland befragten Eltern machen sich keine Sorgen über die Stunden, die ihre Kinder vor dem Bildschirm verbringen, insbesondere bei der Nutzung von Online-Bildungsangeboten. Nur 5 % aller Befragten in Deutschland würden sich wünschen, dass sich ihre Kinder mehr Zeit für bildungsbezogene Aktivitäten nehmen. Aber daran lässt sich ja arbeiten.

Online-Games zum Lernen sind beliebt

Auf die Frage, ob die Kinder Online-Games zum Lernen nutzen, bestätigten in Deutschland 83 % der Befragten, dass ihre Kinder diese Online-Spiele zum Lernen lieben (vgl. weltweit 65 %). 9 % gaben an, dass sie diese Form des Lernens noch nicht kennen und gerne ausprobieren möchten. 9 % möchten die Zeit, die ihre Kinder vor dem Bildschirm verbringen, jedoch nicht weiter mit bildungsbezogenen Online-Spielen ausweiten.

Zur Bildschirmzeit von Kindern gehört auch Gaming
© Emily Wade (Unsplash)

Einfluss der Lehrer*innen auf Bildschirmzeit

Bildung der Kinder ist ja immer auch eine Frage der Schule und der Lehrer. Daher ist verständlich, dass es auch hierzu eine Meinung der Eltern gibt. Auf die Frage, wie Eltern von Kindern zwischen 4 und 12 Jahren auf die Zeit ihrer Kinder vor den Bildschirmen achten, gaben 57 % der Befragten in Deutschland an, dass sie sich auf das Feedback der Lehrer*innen und anderer Fachleute, die Zeit mit ihnen verbringen, verlassen. Geachtet wird auch auf schulische Verordnungen. 33 % überprüfen die Online-Aktivität für schulische Zwecke oder nutzen Zahlen zur Bildschirmzeit, um die Zeit vor dem Bildschirm zu überprüfen.

Empfehlung zur Bildschirmzeit

Die Bildschirmzeit ist zu einem wichtigen Teil der Freizeit- und Bildungsaktivitäten geworden. Aber wie viele Stunden sollte ein Kind vor dem Bildschirm verbringen? Es ist wichtig, das Alter des Kindes zu berücksichtigen: Die tägliche Bildschirmzeit für Kinder bis zu 6 Jahren sollte eine Stunde nicht überschreiten. Teenager können bis zu drei Stunden pro Tag mit verschiedenen Online-Aktivitäten verbringen, sollten aber immer auch genug Ausgleich und Bewegung haben.

Gleichzeitig geht es bei der Qualität der Bildschirmzeit nicht um die Aktivität selbst, sondern um die Auswirkungen, die sie auf das Wachstum und die Entwicklung eines Kindes hat. Die Stunden, die ein Kind vor dem Bildschirm verbringt, sollten sich also – unabhängig von der Anzahl – in Ergebnisse umwandeln: bessere soziale Fähigkeiten, eine höhere emotionale Intelligenz und ein tieferes Wissen über die Welt, in der wir leben.

Methologie

Befragt wurden knapp 10.000 Familien mit Kindern im Alter von 4 bis 12 Jahren in 15 Ländern über die Lernplattform von Novakid. In Deutschland antworteten 30 % der befragten Familien mit Kindern zwischen 4 und 6 Jahren, 38 % mit Kindern zwischen 7 und 9 Jahren und 33 % mit Kindern zwischen 10 und 12 Jahren. Insgesamt nahmen in Deutschland 523 Familien an der Umfrage teil.

Titelbild © Kelly Sikkema (Unsplash)

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Autor
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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