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So können Kinder schnell Fahrradfahren lernen

Trotz aller Gleichberechtigung gibt es einige Themen, die unter den Eltern meist recht klar an die Mütter und Väter verteilt sind. Während Mütter meist die Geschenke zu Feierlichkeiten besorgen, bringen insbesondere die Väter dem Nachwuchs das Fahrrad fahren bei. Zum einen wünschen sich die Papas wahrscheinlich für ihre Kinder die Freiheit auf zwei Rädern und unterstützen den Weg dorthin, zum anderen ist es die Möglichkeit, das Kind bei einem ganz besonderen Entwicklungsschritt zu begleiten. Und nicht nur schweißgebadet hinter dem Kinderfahrrad herzulaufen, sondern auch nach einem Sturz in den starken Armen zu trösten. Wir haben ein paar Tipps und Tricks, wie eure Kinder schnell das Fahrradfahren lernen.

In der Vergangenheit haben wir euch schon eine Vielzahl an Fahrrädern für Kinder vorgestellt. Aber heute wollen wir uns mal darum kümmern, wie ihr eurem Nachwuchs in recht kurzer Zeit das Fahrradfahren beibringen könnt. Durch die Laufräder sind viele Kinder schon an Sattel und Lenker gewöhnt. Die in meiner Kindheit noch üblichen Stützräder für die ersten unfallfreien Ausfahrten mit dem Drahtesel sind nur noch bei ausgewählten Zweirad-Dealern zu bekommen. Denn eigentlich haben die Kinder schon ein recht gutes Gespür und Gleichgewicht. Somit müssen sie eigentlich nur noch das Treten und Bremsen auf die Kette bekommen.

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Road Trippin“ // © Danny Nee (Unsplash)

Vorbereitungen

Bevor eure Kinder selbst in die Pedale treten, braucht es erstmal das richtige Setup. Dazu gehören folgende Punkte:

Das richtige Alter

Ein für alle Kinder gemeingültiges Alter für die erste Ausfahrt mit den Drahtesel gibt es nicht wirklich. Der passende Start hängt von der körperlichen Entwicklung, motorischen Fähigkeiten und der Erfahrung mit dem Laufrad ab. Wenn eure Kinder damit schon flott und sicher um den Block düsen, dann sollten sie auch mit dem nächsten Level der zweirädrigen Mobilität zurechtkommen. Ihr solltet eurem Kind die Entscheidung zum Fahrradfahren lernen auch nicht überstülpen. Dann ist ein Misserfolg und Stress vorprogrammiert. Der Zeitpunkt wird kommen, an dem euer Kind gern lernen möchte, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Und dann könnt ihr Hilfestellung leisten.

Um die Frage aber zu beantworten: die meisten Kinder versuchen sich heute mit drei oder vier Jahren auf dem Kinderfahrrad. Spätestens zur Einschulung sind die meisten Mädchen und Jungen dann recht sicher auf zwei Rädern unterwegs.

Das passende Kinderfahrrad

Der Markt ist voll mit Fahrrädern für Kinder, da gibt es von günstig bis teuer eine ganze Menge zu finden. Und auch der Zweitmarkt mit gebrauchten Fahrrädern ist voll mit Angeboten. Gerade bei den Premiummarken könnt ihr die Bikes fast zum Originalpreis weiterverkaufen, wenn sie gepflegt wurden. Kinder wachsen nun mal wahnsinnig schnell. Da hält dann auch das Kinderfahrrad kaum länger als zwei Sommer. Mit der Sattelhöhe lässt sich ein bisschen experimentieren, aber ihr werden schon häufig wechseln müssen. Fahrradgrößen werden in Zoll angekommen.

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Jetzt noch einen Helm, dann ist das Setup perfekt // © Dave Kim (Unsplash)

Um das richtige Rad für das Fahrradfahren lernen zu finden, solltet ihr euch nicht auf die vielen, zum Teil recht unterschiedlichen Größentabellen verlassen, die mit dem Alter, der Körpergröße und der Innenbeinlänge ermitteln wollen, welches Fahrrad passend für euer Kind ist. Das Ergebnis ist meist eine Zahl in Zoll. Die gibt aber nur die Reifengröße der Kinderräder an. Sucht euch also lieber zuerst ein Modell aus und prüft dann auf der Seite des Herstellers, ob es eine spezifische Größentabelle für seine Modelle gibt. Ihr müsst nicht ins oberste Regal greifen, solltet aber bei günstigen Modellen genau hinschauen. Denn nach dem Fahrradfahren lernen wird euer Kind viel im Sattel unterwegs sein. Daher spielen Komfort, Funktionalität und Sicherheit eine wichtige Rolle.

Was ist beim ersten Kinderfahrrad zu beachten?

– Das Gewicht des Fahrrades sollte nicht zu hoch sein, je nach Alter 5 bis 10 Kilo
– Der Lenker sollte gut zu greifen und die Bremsen leicht zu bedienen sein
– Auf dem Sattel sitzend muss das Kind mit beiden Füßen den Boden erreichen
– Rücktrittbremse oder zwei Handbremsen mit Leerlauf ist Geschmackssache
– Licht, Seitenständer, Klingel, Schutzbleche und Reflektoren sollten dabei sein
– Ein Gepäckträger für das Kuscheltier ist sinnvoll
– Stützräder sind eher hinderlich beim Fahrradfahren lernen
– Gerade für den Start kein zu großes Fahrrad zum Reinwachsen wählen
– Für Kinder reichen 3 bis 5 Gänge, bevorzugt per Nabenschaltung

Für die Sicherheit

Gewöhnt euer Kind von Anfang an daran, einen Fahrradhelm zu tragen. Optimalerweise geht ihr mit guten Beispiel voran und schützt auch eure Rübe mit einem passenden Helm. Da gibt es stylishe Lösungen, die ordentlich was hermachen. Daneben können Handschuhe bei den ersten Fahrversuchen üble Hautabschürfungen verhindern. Und eine Weste sorgt gerade in der dunklen Jahreszeit für eine bessere Sichtbarkeit. Damit es aber gar nicht erst zu Stürzen kommt, verraten wir euch jetzt ein paar Kniffe zum Fahrradfahren lernen.

Nach dem Fahrradfahren lernen ergeben sich für Kinder ganz neue Möglichkeiten
Mit Fahrrad wird der Radius plötzlich größer // © Davyn Ben (Unsplash)

Die ersten Fahrversuche solltet ihr nicht an vielbefahrenen Straßen machen, denn auf der einen Seite wird euer Kind so abgelenkt und auf der anderen Seite kann es zum Risiko werden, wenn euch der Nachwuchs plötzlich wegfährt. Nutzt also lieber Parks, Wanderwege, eigene Gärten oder Parkplätze nach Ladenschluss. Dann habt ihr Ruhe und genug Platz für die Manöver mit dem Rad.

Fahrradfahren lernen an einem Tag

Wir gehen davon aus, dass eure Kinder bereits Erfahrung mit Aufsitzfahrzeugen gesammelt haben, wenn sie das Fahrradfahren lernen wollen. Durch das Laufrad und das Dreirad lernen Kindern schon das Treten und Lenken. Außerdem können sie ihr Gleichgewicht halten. Nun müssen sie die einzelnen Elemente nur noch kombinieren. Und da könnt ihr unterstützen.

Location

Hilfreich ist ein ganz leicht abschüssiger Weg für das Fahrradfahren lernen, der keine Hindernisse wie Zäune, Findlinge oder Kantsteine hat. Bei uns im Park haben wir einen Wanderweg mit viel Auslaufzone gefunden, der von Wiesen umgeben war. So war es recht risikolos. Nur bei der allerersten Freifahrt näherte sich dann plötzlich ein spazierengehendes Paar mit Hund. Aber wie von Geisterhand konnte meine Tochter plötzlich auch schon Bremsen. Zum Glück.

Trockenübungen

Damit euer Kind die grundlegenden Funktionen eines Kinderfahrrades verstehen, könnt ihr das Bike erstmal hochheben und dann zeigen, wie sich das Hinterrad durch das Bewegen der Pedale und den Riemen oder die Kette in Bewegung setzt. Und dann könnt ihr auch gleich zeigen, wie sich diese Drehung mit einem Druck auf die Bremse sofort stoppen lassen. Wenn die Kinder verstehen, wie ein Fahrrad grundsätzlich funktioniert, fällt das Fahrradfahren lernen vielleicht auch etwas leichter.

Hilfestellung

Die Aufgabe der Stützräder übernehmt ihr bei den ersten Fahrversuchen eurer Kinder, wenn sie das Fahrradfahren lernen. Denn gerade das Losfahren fällt den Kleinen zu Beginn etwas schwer. Haltet euer Kind dazu an den Schultern oder Rücken oder greift unter den Sattel. Nicht zu kräftig, sondern unterstützend. So sorgt ihr gerade bei langsamer Fahrt für ausreichend Stabilität. Etwas Geschwindigkeit hilft eurem Kind dabei, das Gleichgewicht selbst zu halten.

Schiebt das Rad aber nicht die ganze Zeit selbst, diese Bewegung ist den Kindern ja vom Laufrad bekannt. Erleichtert nur den Start und begleitet die Fahrt für die gefühlte Sicherheit eurer Kinder. Packt aber nicht in den Lenker und sorgt dafür, dass euer Kind immer nach vorne in Fahrtrichtung guckt.

Eigenständiges Anfahren

Der Stolperstein beim Fahrradfahren lernen ist das eigenständige Losfahren. Wenn eure ersten Fahrten mit Anschubsen erfolgreich hinter euch liegen, könnt ihr die nächste Stufe zünden. Um diesen Prozess zu starten, solltet ihr die Pedale des stärkeren Beins eures Kindes auf etwa 1 Uhr stellen. Dann geht’s auf den Sattel, Hände an den Lenker und mit dem schwächeren Bein wird vom Boden abgestoßen. Und schon läuft die Sache.

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Bitte nicht Meckern, sondern trösten und wieder in den Sattel helfen // © Stephen Isaiah (Unsplash)

Geduld haben

Die mentale Unterstützung ist für euren Nachwuchs eine wichtige Sache, denn es gibt auch die überehrgeizigen Papas, die sich aufregen, wenn sich das Kind zu Anfang vielleicht noch etwas tollpatschig anstellt. Bei so einer wichtigen Sache wie dem Fahrradfahren lernen solltet ihr positiv unterstützen und kleine Erfolge mit dem Kind feiern. Setzt es nicht unter Druck, sondern gebt ihm die Zeit, um ausreichend Sicherheit zu bekommen, bis es von allein losfahren und anhalten kann.

Stürze? Normal…

Natürlich gehört es beim Fahrradfahren lernen auch dazu, sich mal gepflegt abzupacken. Und das kann schon recht schmerzhaft sein, weil kleinere Kinder auch das Fallen noch nicht gelernt haben. Vermeiden könnt ihr die Stürze, wenn ihr bei den ersten Fahrversuchen Schritt haltet und neben dem Fahrrad herlauft. Aber manchmal fallen die Kinder ja auch im Stand einfach mal mit dem Rad um und tun sich weh. Seid auch da nachsichtig, tröstet schnell und motiviert danach, es gleich nochmal zu versuchen. Damit sich das Fahrrad nicht zum Schreckgespenst emporschwingt.

Und danach?

Und wenn eure Kinder dann sicher im Sattel sitzen und bevor ihr gemeinsam die ersten Radtouren unternehmt, solltet ihr schnell die wichtigsten Regeln und Grundlagen für das richtige Verhalten im Straßenverkehr beibringen. Das ist für die Sicherheit essentiell und hilft eurem Kind auch dabei, sich als Verkehrsteilnehmer gut und geschützt zu fühlen. Insbesondere muss der Blick auf Autofahrer, Fußgänger, Busse und LKWs geschärft werden. Dazu gibt es hier vom ADAC ein paar gute Tipps.

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Schneller, höher, weiter… // © Big Bear Vacations (Pexels)

Außerdem könnt ihr an den Skills im Sattel weiter feilen. Malt zusammen mit Kreide einen Parcours auf die verkehrsberuhigte Straße oder stellt kleine Hindernisse auf, damit euer Kind beim Slalom an der Geschicklichkeit arbeiten kann. Ihr könnt auch verschiedene Untergründe ausprobieren oder sogar über Rampen fahren. Mit zunehmender Sicherheit auf dem Rad kann es Spaß machen, auf zwei Rädern ein paar Sachen auszuprobieren. Das Fahrradfahren lernen ist somit nur der Einstieg und der Startpunkt für weitere tolle Erlebnisse.

Titelbild © Julia Sakalouskaya (Unsplash)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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