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Qualität einer KiTa erkennen: 4 Tipps, worauf Eltern achten sollten

Wie findet man eine gute Kita für sein Kind? Dass es nicht nur an Plätzen mangelt, sondern oft auch an der Qualität, ist kein Geheimnis. Zu große Gruppen, zu wenig Personal, unpassende Öffnungszeiten und wenig Platz zum Spielen sind die gängigen Probleme. Einer, der sich mit Kitas besonders gut auskennt, ist Stefan Schultz. Schultz hat selbst fünf Kitas in Berlin gegründet und weiß, was Eltern brauchen. Und er gibt sein Wissen weiter: In Seminaren berät er (zukünftige) Kita-Träger und Trägerinnen.

Uns hat er verraten, worauf Eltern achten sollten, wenn sie einen Kita-Platz für ihr Kind suchen. Beim ersten Termin machen nämlich alle Einrichtungen einen guten Eindruck – schließlich ist diese erste Vorstellungsrunde so etwas wie ein Werbegespräch. Vier Tipps von Stefan Schultz helfen bei der Suche nach einer guten Kindertagesstätte!

Tipp 1: Auf Personalschlüssel und Platzangebot achten!

Bei Kindern unter vier Jahren sollte der Betreuungsschlüssel idealerweise bei 1:3 liegen. Das bedeutet: Ein Erzieher oder eine Erzieherin ist jeweils für drei Kinder Bezugsperson. Auf eine Gruppe von neun Kindern kommen in diesem Fall drei betreuende Erwachsene. Das kommt der Situation in einer Familie relativ nahe und stellt sicher, dass sich die Bezugspersonen immer ausreichend um die Kinder kümmern können. Sind nur Kinder über drei Jahre bis zur Einschulung in der Kita, darf der Betreuungsschlüssel etwas großzügiger gewählt sein: Maximal 1:7,5 sollte er dann betragen. Das wären zwei ausgebildete Erzieher oder Erzieherinnen für eine Gruppe von 15 Kindern.

Wichtig zu wissen: Auszubildende, Praktikanten und Praktikantinnen, Küchen- und Reinigungspersonal sowie Kinderpfleger und -pflegerinnen sind zusätzliches Personal und dürfen in diese Rechnung nicht einfließen!

Im Gruppenraum sollten jedem Kind wenigstens zweieinhalb Quadratmeter zur Verfügung stehen. Besser sind acht Quadratmeter je Kind, denn Kinder haben einen enormen Bewegungsdrang, und Spielzeug und Mobiliar müssen auch in den Gruppenraum passen.

Das großzügige Platzangebot ist auch nötig, weil Kinder sehr laut werden können, wenn sie sich im Spiel verlieren. Der Schallpegel ist in einer Kita erfahrungsgemäß sehr hoch. Stehen viele Räume zur Verfügung, vor allem solche mit Rückzugsmöglichkeiten für ruhebedürftige Kinder, senkt das den Stresslevel für Kinder und Personal. Die Schalldämpfung der Räume sollte gut sein, denn Dauerlärm führt zu Entwicklungsverzögerungen. Möbel, Teppiche und Vorhänge schlucken viel Schall.

Die KiTa ist wichtig für die Entwicklung der Kinder
© Yan Krukov (Pexels)

Tipp 2: Welche Regeln und festen Rituale bestimmen den Alltag?

Feste Abläufe, die jeden Tag gleich sind, strukturieren den anstrengenden Kita-Alltag für Kinder. So wird die Orientierung im Tagesablauf leichter und die Kinder entwickeln so etwas wie Zeitgefühl. Besonders wichtig ist, dass jedes Kind morgens mit Namen und persönlich begrüßt wird. So schleicht sich niemand einfach so in die Gruppe. Die Kinder bekommen sofort die Beachtung, die sie benötigen und wissen: Ich bin angekommen. Das gilt für den Abschied beim Abholen ebenso. Der Übergang zwischen Kita und Zuhause wird damit klar gestaltet. Idealerweise werden die Kinder in ihrer jeweiligen Muttersprache begrüßt und verabschiedet.

Gespräche sind wichtig. Ob das im Stuhlkreis stattfindet oder in einer lockeren Runde am Tisch, beim ruhigen Spielen in der Bauecke oder zu anderer Gelegenheit, ist eigentlich egal. Die Kinder brauchen Raum und Zeit, von Familienerlebnissen zu erzählen, Ausflüge mitzuteilen, über Feste zu reden. So lernen Kinder nicht nur, dass sie mit ihren Problemen und Sorgen wie auch mit ihren Freuden ernst genommen werden, sondern hören einander zu und entwickeln eine nachhaltig gute Gesprächskultur.

Mahlzeiten sollten eine feste Rolle im Alltag spielen. Die Ernährung in der Kita muss gesund und ausgewogen sein, das Mittagessen ist idealerweise frisch gekocht. Wasser zum Trinken steht in einer guten Kita immer zur Verfügung und ist für die Kinder jederzeit frei zugänglich.

Eine besonders wichtige Rolle spielen die festen Abläufe in der Eingewöhnungszeit. Und die sollte individuell so lang gestaltet werden, wie es für das jeweilige Kind nötig ist. Manche Kinder lassen ihre Eltern schneller los und bleiben gerne alleine in der Kita, bei anderen Kindern dauert es etwas länger. Eine gute Kita bietet die Zeit an, die das Kind braucht.

Tipp 3: Kinderverwahranstalt? Kitas sollen im Spiel fördern und fordern!

Kitas ohne Programm gibt es heute fast nicht mehr. Strukturierte Tagesabläufe mit festen Aktivitäten sind selbstverständlich. Allerdings darf der Kita-Alltag nicht zu voll gepackt sein. Zwischen dem üblichen Sport, Singen, angeleiteten Basteln, Vorschul-Unterricht und Werken muss immer wieder Zeit sein, sich selbst zu beschäftigen. Welche Materialien und Spielsachen stehen dabei zur Verfügung? Dürfen sich die Kinder nicht nur mit Büchern, Brettspielen und Lego ausprobieren, sondern auch selbständig Lern- und Experimentiermaterialien erkunden? Stoffe zum Verkleiden, verschiedene Baustein-Systeme und ganz viel Bastelmaterial sollten immer frei zugänglich sein. Außerdem sollte der Turnraum auch ohne fachliche Anleitung genutzt werden können.

Gemeinsames Singen gehört in den meisten Kitas selbstverständlich dazu. Aber wie ist es mit Tanzen und Musizieren? Gibt es Klanghölzer, Glöckchen, Xylophone? Dürfen die Kinder ihre Musikalität selbst entwickeln? Orffsche Instrumente eignen sich für Kinder ab drei Jahren und helfen bei der Entwicklung von kognitiven und emotionalen und motorischen Eigenschaften. Sogar die Sprachentwicklung wird beim Musizieren gefördert.

Tipp 4: Wie sieht die Elternarbeit aus?

Natürlich erwarten Eltern in erster Linie eine Serviceleistung von der Kita. Trotzdem ist es wichtig, dass sie in diese Leistung eingebunden werden. Deshalb sollte im Alltag immer Platz für kurze informelle Gespräche sein. Mithilfe beim Frühstück und bei Ausflügen, die Ausrichtung von Geburtstagsfeiern für die Kinder und dergleichen sollten selbstverständlich sein. Bei regelmäßigen Elternabenden informiert die Kindertagesstätte über die Arbeit, über wichtige Entscheidung, Anschaffungen und Umbaumaßnahmen. Ein bis zwei Termine pro Kita-Jahr sollten das durchaus sein.

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© Pro Church Media (Unsplash)

Gute Kitas sind nicht so leicht zu finden – aber es gibt sie!

Wichtig ist, dass sich Eltern und Kind mit der Kita gleichermaßen wohlfühlen. Kommen schon im Vorfeld Probleme auf oder hat man ein ungutes Bauchgefühl, sollte man vielleicht lieber etwas länger nach einer geeigneten Kita suchen. Stefan Schultz hat die Erfahrung gemacht, dass Eltern zunehmend auch die Öffnungszeiten wichtig sind. Bei zwei berufstätigen Elternteilen reicht eine Kindertagesstätte, die die Kernzeiten zwischen 9:00 Uhr und 13:00 Uhr abdeckt, einfach nicht aus. Gerade in Städten sind sogenannte 24-Stunden-Kitas zunehmend gefragt. Die erlauben auch eher ungewöhnliche Betreuungszeiten am späten Nachmittag, über Nacht oder am sehr frühen Morgen. Insbesondere für Eltern im Schichtdienst ist das wichtig.

Titelbild © Pixel-Shot (Shutterstock)