Wie Ihr aus der Vergangenheit wisst, lassen wir immer wieder Gastautoren zu spannenden Themen zu Wort kommen. Das muss dann nicht zwangsläufig unserer eigenen Meinung oder Lebensweise entsprechen. Heute hat Janine etwas für Euch aufbereitet, was sicherlich zu ziemlich kontroversen Kommentaren führen wird. Denn sie arbeitet für die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. und betreut dort insbesondere die Kampagne für Kinder PETAKids, die kindgerechte Informationen rund um das Thema Tiere zur Verfügung stellt. Ihr als Eltern bekommt dort Infos zum Thema Kinder und vegane Ernährung. Hier ist Ihr Text über vegane Ernährung von Kindern und Jugendlichen:

Es gibt zahlreiche Gründe für eine vegane Lebensweise, die sehr individuell sein können. Bei den meisten Veganern ist der vegane Lebensstil jedoch an bestimmte Wertvorstellungen gekoppelt. Genau diese möchte man auch an seine Kinder weitergeben. Diese Einstellung wird manchmal kritisch betrachtet und ist oft mit Vorurteilen behaftet. Wenn Fleisch essende Eltern auch ihren Kindern Fleisch zu essen geben, stört das hingegen niemanden. Warum ist das so?

Thomas D für PETA

Gesellschaftlich tief verankerte „Normalitäten“, zu denen der Verzehr von Fleisch gehört, werden nur selten und ungern hinterfragt. Dies auch an seine Kinder weiterzugeben, zählt ebenso zu diesen Normalitäten. Gerade das Essen von Fleisch wird häufig immer noch als Zeichen von Männlichkeit betrachtet. Ein vegan lebender Mann, der diese Einstellung auch noch an seine Kinder weitergibt? Da ist die Außenseiterrolle scheinbar vorprogrammiert. Hinzu kommt der Einfluss der Medien. Seit Jahren wird berichtet, wie wichtig Milch sei, damit die Kleinen groß und stark werden. Dass das Gegenteil der Fall ist, nämlich dass der Milchkonsum schlecht für die Knochen ist und zu Osteoporose führen kann, weiß hingegen kaum jemand. (vgl. Leitzmann, C /Keller, M (2013): Vegetarische Ernährung (3. aktualisierte Auflage). Stuttgart: Ulmer)

Daher ist manchmal schnell das Urteil gefällt: Vegane Ernährung schadet den Kindern. Ein veganer Mann gilt offenbar schnell als unmännlich, und wenn er seine Wertvorstellungen auch noch seinen Kindern vermittelt, bringt man ihn manchmal gleich in einen doppelten Rechtfertigungsdruck.

Mark für PETA
Dieser Druck kommt oftmals auch dann auf, wenn der Schützling in die Kita geht. Erstens müssen Eltern den ErzieherInnen erklären, was das Kind nicht isst („Nein, auch keine Milch im Kakao“), zudem ist man nun mit anderen Eltern konfrontiert und stößt dabei oft auf Unverständnis. Die angebliche Sorge um das Wohl des Kindes scheint im Vordergrund zu stehen, es beschleicht einen aber zunehmend das Gefühl, dass der Knackpunkt an anderer Stelle liegt: Nach einer Weile werden Widersprüche im Leben deutlich und es kommt die Frage auf, ob es richtig sein kann, seinem Kind einerseits Geschichten von fröhlichen Tieren auf dem Bauernhof vorzulesen und zu sehen, wie sehr sie sich an den süßen Tieren und deren schönem Leben dort erfreuen, und sie andererseits dabei eine Scheibe der putzigen Bärchenwurst knabbern zu lassen. Läuft da vielleicht doch etwas falsch?

Kinder lernen von Anfang an, dass sie Respekt vor anderen Lebewesen haben sollen und dass man die eigene Katze, oft ein geliebtes Familienmitglied, selbstverständlich nicht am Schwanz zieht. Denn neben der Schramme, die die Kleinen sich dafür einfangen können, möchte man ihnen beibringen, dass es dem Tier wehtut und dass Gewalt immer falsch ist – zumindest wenn sie direkt vor unseren Augen stattfindet.

Dass die Bärchenwurst, bevor sie im Supermarktregal liegt, ein Leid und Freude empfindendes Lebewesen war, wie die Tiere aus den Bauernhofgeschichten oder das eigene Haustier, sieht das Kind natürlich nicht – aber ist es nicht die Aufgabe der Erwachsenen, Kindern auch dies altersgerecht zu vermitteln?

Übrigens: Für Kinder ist das alles sowieso kein Problem, sie reagieren meist neugierig auf ihren neuen veganen Freund. Der Grund dafür ist vor allem folgender: Kinder sind frei von Vorurteilen und gesellschaftlichen Konventionen und Traditionen. Sie verstehen andere Lebensformen und Einstellungen nicht als Angriff auf ihre persönlichen Einstellungen. Davon können Erwachsene noch einiges lernen.

Fotos: © PETA Deutschland

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