Familienurlaub

Schulpflicht, Reiseapotheke, Versicherung – Der Sommerurlaubs-Check für Familien

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Der Sommer steht vor der Tür, und mit ihm die schönste und stressigste Frage des Jahres zugleich: Wohin geht’s in den Urlaub? Während die ersten Bundesländer schon Ende Juni in die Ferien starten und das letzte – Bayern – erst Anfang August nachzieht, checken Millionen Familien gerade Koffer, Kalender und Kontostände. Die Auswahl ist riesig und es gibt an wahnsinnig viel zu denken. Strand oder Berge, Hotel oder Camper, der erste Flug mit dem Baby oder lieber doch die vertraute Ostsee?

Damit aus der Vorfreude keine Nervenprobe wird, lohnt sich ein Blick auf die Dinge, die man besser vor der Buchung klärt, nicht erst beim Kofferpacken. Wir haben die wichtigsten Infos rund um den Familienurlaub für euch zusammengetragen: von der rechtlichen Stolperfalle vor den Ferien über die Reiseapotheke bis zum oft unterschätzten Versicherungsschutz.

Erste Stolperfalle: Früher in die Ferien? Besser nicht

Die Versuchung ist groß. Wer ein paar Tage vor dem offiziellen Ferienstart losfliegt, spart bei Flug und Hotel schnell mehrere hundert Euro und umfährt den schlimmsten Stau. Erlaubt ist das in Deutschland aber nicht. Die Schulpflicht ist in allen Bundesländern gesetzlich verankert und sie gilt ausdrücklich auch an den Tagen unmittelbar vor und nach den Ferien.

Eine Beurlaubung kommt nur aus wichtigen Gründen infrage: Hochzeiten, Todesfälle in der Familie, religiöse Anlässe oder Arzttermine, die sich nicht in die Ferien legen lassen. Eine günstige Urlaubsreise zählt nicht dazu. Gerade kurz vor den großen Ferien erteilen Schulen praktisch keine Ausnahmegenehmigungen. Wer trotzdem eigenmächtig früher abreist, riskiert handfesten Ärger. „Ein günstiger Flug ist kein Freifahrtschein. Wer sein Kind ohne Genehmigung aus dem Unterricht nimmt, riskiert Ärger mit der Schule und ein Bußgeld“, warnt Sabine Brandl, Rechtsschutzexpertin der ERGO.

Und das kann teuer werden: Je nach Bundesland reicht der Rahmen von bis zu 1.000 Euro etwa in Bayern bis zu 2.500 Euro in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern – jeweils pro Fehltag und Kind und zuzüglich Gebühren. In Hamburg, Hessen und dem Saarland sind in besonders hartnäckigen Fällen sogar Strafverfahren möglich. Dass das keine theoretische Drohung ist, zeigen aktuelle Zahlen aus Nordrhein-Westfalen: Allein dort leiteten die Bezirksregierungen zuletzt rund 9.000 Bußgeldverfahren wegen Verletzung der Schulpflicht ein, über tausend davon mit Ferienbezug.

Hinzu kommt: An großen Flughäfen kontrolliert die Bundespolizei in den Tagen vor den Ferien verstärkt. Treffen die Beamten Familien mit schulpflichtigen Kindern an, fragen sie nach der offiziellen Schulbefreiung und leiten den Fall ohne Nachweis ans Schulamt weiter. Der vermeintlich günstige Flugpreis wird so schnell zum teuren Luxus.

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© Gruescu Ovidiu (Unsplash)

Der Rat ist eindeutig: Wer einen echten Ausnahmegrund hat, stellt den Antrag schriftlich, mit Belegen und so früh wie möglich, in manchen Ländern mindestens eine Woche vorher. Wird er abgelehnt, sollte man die Absage akzeptieren. Klagen wegen reiner Ferienverlängerung haben praktisch keine Aussicht auf Erfolg.

Reiseziel mit Augenmaß, besonders mit den Kleinsten

Steht das Timing, kommt das Wohin. Bei älteren Kindern ist die Auswahl groß; bei Babys und Kleinkindern lohnt sich mehr Zurückhaltung. Fachleute empfehlen für die erste größere Reise ein gemäßigtes Klima, eine gute medizinische Infrastruktur und überschaubare Reisezeiten. Feste Altersgrenzen gibt es laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte nicht, für Flüge rät er aber zu besonderer Vorsicht bei Säuglingen unter vier bis sechs Wochen, weil die Lunge mancher Babys dann noch nicht vollständig entwickelt ist. Viele Kinderärztinnen und -ärzte raten ohnehin, mit Fernreisen bis etwa zum dritten Lebensmonat zu warten. Lange Autofahrten teilt man in den ersten Monaten am besten in kurze Etappen.

Klassiker wie Nord- und Ostsee, Süddeutschland, Mallorca oder die italienische Adriaküste haben sich für den Familienauftakt bewährt. Wer es individueller mag, ist mit dem Wohnmobil gut beraten, das gewohnte Bett jeden Abend, kein Koffer-Chaos, kein quengelndes Kind im fremden Hotelzimmer. Wie gut das selbst auf langen Strecken funktioniert, haben wir gerade auf unserem Wohnmobil-Roadtrip durch Italien erlebt, allerdings mit Teenie-Tochter; praktische Hinweise zur Buchung und Ausstattung gibt es in unseren Tipps für den Familienurlaub im Camper.

Ein Detail, das viele Eltern überrascht: Der Kinderreisepass wird seit Anfang 2024 nicht mehr ausgestellt. Auch Babys brauchen für Auslandsreisen ein eigenes Ausweisdokument. Innerhalb der EU genügt der Personalausweis, außerhalb ist meist ein elektronischer Reisepass nötig, der in vielen Ländern noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Das gehört früh auf die To-do-Liste, denn die Bearbeitung dauert.

Gesundheit zuerst: Kinderarzt, Reiseapotheke, Sonnenschutz

Vor dem Start gehört ein Termin in der kinderärztlichen Praxis fest in den Kalender. Dort klärt sich, ob der Impfschutz vollständig ist, welche Mittel in die Reiseapotheke gehören und ob das Ziel überhaupt zumutbar ist. In die Apotheke gehören unter anderem Fieberzäpfchen, Nasentropfen, Mittel gegen Durchfall und Insektenstiche, eine Wundsalbe, ein nicht brennendes Desinfektionsmittel, ein digitales Fieberthermometer sowie genug der gewohnten Säuglingsnahrung. Das Centrum für Reisemedizin bietet dazu eine ausführliche Checkliste. Und ein Tipp, den man sich merken sollte: Die Adresse des nächstgelegenen Krankenhauses am Urlaubsort gehört in jede Reiseunterlage, denn im Ernstfall zählt jede Minute.

Heikel wird es bei der Sonne. Babys unter einem Jahr sollten gar keiner direkten Sonne ausgesetzt werden; ihre dünne Haut nimmt Inhaltsstoffe leichter auf, weshalb Sonnencreme im ersten Lebensjahr nur im Ausnahmefall und nur für kleine, unbedeckte Stellen sinnvoll ist. Der bessere Schutz heißt Schatten, lange Kleidung mit UV-Standard (etwa „UV-Standard 801″) und Sonnenhut. Weil kleine Kinder ihre Körpertemperatur noch schlecht regulieren, gilt außerdem: Mittagshitze meiden und auf ausreichend Flüssigkeit achten. Stillkinder brauchen bei Hitze kein zusätzliches Wasser, sondern einfach häufiger die Brust.

Der blinde Fleck: Versicherungsschutz fürs Kind

Hier klafft bei vielen Familien eine gefährliche Lücke. Ein verbreiteter Irrtum: Der Nachwuchs sei automatisch im bestehenden Auslandsreise-Krankenversicherungsvertrag mitversichert. Das stimmt häufig nicht, das Kind muss in der Regel namentlich aufgeführt sein. Besonders in Ländern wie der Türkei, den USA oder Spanien, wo Klinikkosten für Säuglinge schnell vierstellig werden, kann das ins Geld gehen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt im Ausland, wenn überhaupt, nur einen Bruchteil. Und ein medizinisch notwendiger Rücktransport per Ambulanzflug ist meist ausschließlich über eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abgedeckt. Auf diese oft übersehene Lücke weist auch die Debeka in einem aktuellen Ratgeber für junge Familien hin.

Ähnlich wichtig ist die Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung. Babys werden krank, das ist keine Ausnahme, sondern Statistik. Mittelohrentzündung, Magen-Darm-Infekt oder plötzliches Fieber kurz vor Abflug zählen zu den häufigsten Stornogründen junger Familien. Ohne Absicherung bleiben Eltern schlimmstenfalls auf dem kompletten Reisepreis sitzen. Empfehlenswert sind Familientarife, in denen Kinder mitversichert sind und die auch den Abbruch abdecken. Beim Vergleich lohnt der genaue Blick: Greift der Schutz wirklich bei einer unerwarteten schweren Erkrankung des Kindes?

Bleiben die Klassiker, die im Familiengepäck nicht fehlen sollten. Kleine Hände entdecken große Welten und damit auch zerbrechliche Hotelvasen oder den frisch gewachsten Boden im Apartment. Eine private Haftpflichtversicherung sollte deshalb weltweiten Geltungsbereich bieten, eine ausreichende Vertragsdauer im Ausland abdecken und auch deliktunfähige Kinder einschließen. Eine private Unfallversicherung greift rund um die Uhr, also auch beim Sturz vom Wickeltisch oder am Hotelpool. Und wer am Urlaubsort einen Mietwagen nutzt, sollte einen geprüften Kindersitz dazubuchen und die Deckungssumme der Kfz-Haftpflicht prüfen: In vielen Ländern liegt sie deutlich unter dem deutschen Niveau. Diese Lücke schließt eine sogenannte Mallorca-Police.

Entspannt ankommen: die letzten Handgriffe

Egal ob Flieger, Auto oder Bahn, ein paar Kleinigkeiten machen den Unterschied. Beim Fliegen hilft gegen den schmerzhaften Druck auf den Ohren das Saugen oder Schlucken bei Start und Landung: stillen, Fläschchen oder Schnuller. Babys möglichst nicht ausgerechnet in diesen Phasen schlafen lassen. Wer mit dem Auto fährt, plant großzügige Pausen ein und packt Proviant, Entertainment und genügend Wechselkleidung griffbereit. Und für alle gilt: Wer den Versicherungsordner schon vor der Buchung auf den Tisch legt statt erst beim Packen, reist deutlich entspannter.

Dann bleibt vom Familienurlaub am Ende vor allem eines in Erinnerung: Nicht der Papierkram, sondern das Bild vom Kind, das zum ersten Mal die Füße ins Meer hält. Weitere Ideen und Reiseberichte für die ganze Familie findet ihr in unserer Rubrik Reise.

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