Kia hat den Ceed in Rente geschickt und stattdessen den K4 auf die Spur gesetzt, einen 4,44 Meter langen kompakten Kombi, der zumindest im schillernden Lackkleid unseres Testwagens optisch aussieht, als sei er dem Casting für einen James-Bond-Film entsprungen. Unser Kia K4 leuchtete in einem mutigen „Sparkling Gelb Metallic“, einem Goldton, bei dem man unwillkürlich an Goldfinger denkt. 17 Tage lang war der K4 unser Familienauto zwischen Alltag, Wocheneinkauf und Autobahn. Die spannende Frage für uns Väter: Steckt hinter dem sportlichen Auftritt auch ein alltagstaugliches Familienmobil? Hier kommt unser ehrlicher Kia K4 Test.
Kompaktklasse klingt erst mal unspektakulär. Aber genau in diesem Segment spielt für viele Familien die Musik: groß genug für Kindersitze, Buggy und Wochenendgepäck, klein genug für die Parklücke vor der Kita und den Geldbeutel. Kia mischt hier mit dem K4 die etablierten Platzhirschen um VW Golf, Opel Astra, Audi A3 und Seat Leon auf und zwar, das sei vorweggenommen, mit einem selbstbewussten Auftritt. Wir hatten die Topmotorisierung mit 180 PS in der höchsten Ausstattungslinie GT-Line im Test, vollgepackt mit etlichen Extras. Ob sich das lohnt, klären wir Schritt für Schritt.

Goldfinger lässt grüßen: der erste Eindruck
Fangen wir mit dem an, was jeder zuerst sieht: die Farbe. Unser Kia K4 kam in einem satten Goldgelb, mit dem ihr ihn auf dem Supermarktparkplatz zwischen dem ganzen Schwarz, Weiß und Grau in Sekunden entdeckt. Ein echter Hingucker, keine Frage – auch wenn ich ehrlich sagen muss, dass ich mich aus den neun verfügbaren Lackierungen persönlich eher für einen dezenteren Ton entschieden hätte. Aber Geschmack ist bekanntlich das, worüber sich am schönsten streiten lässt, und für einen Testwagen, der auffallen soll, ist das Goldgelb natürlich perfekt.
Eine kleine Sache, die mich designtechnisch gleich überzeugt hat, sind die hinteren Türgriffe. Kia hat sie clever in die C-Säule eingelassen, sodass der K4 auf den ersten Blick wie ein sportlicher Zweitürer wirkt. Erst beim genauen Hinsehen entdeckt man die versteckten Griffe. Ein Kniff, den man sonst eher von deutlich teureren Coupés kennt und der hier richtig gut gelungen ist.

Dazu kommen Felgen, die aussehen, als wären sie direkt aus dem „Need for Speed“-Baukasten ausgewählt, in unserem Fall die optionalen 18-Zöller aus dem Design-Paket. Zusammen mit der langgezogenen, dynamischen Seitenlinie und dem markanten „Star Map“-Tagfahrlicht an Front und Heck ergibt das eine Optik, die deutlich sportlicher rüberkommt, als man es von einem vernünftigen Familienauto erwarten würde.

Einsteigen wie im Rennwagen
Beim Einsteigen die erste kleine Überraschung: Man sitzt ziemlich tief. Statt in einen Familienkombi lässt man sich eher in den K4 hineingleiten, fast wie in einen sportlichen Coupé-Sessel. Für mich als Fahrer ein durchaus schönes Gefühl, man sitzt satt und mittendrin statt obendrauf. Eltern, die vom hohen SUV-Sitz kommen und beim Einladen der Kinder gern aufrecht stehen bleiben, sollten sich die Sitzposition aber vor dem Kauf einmal in Ruhe anschauen. Für den täglichen Kindersitz-Einbau ist eine höhere Position mitunter rückenfreundlicher.
Praktisch: Der Fahrersitz merkt sich per zwei Memory-Tasten die Lieblingsposition. Wenn Mama und Papa sich beim Fahren abwechseln, ist die richtige Einstellung mit einem Knopfdruck wieder da. Ein kleines, aber im Alltag erstaunlich wertvolles Detail.

Fahrverhalten von Kia K4: geschmeidig unterwegs
Und dann fährt man los und der K4 macht auf Anhieb Spaß. Das Fahrverhalten ist ausgesprochen geschmeidig, der 1,6-Liter-Turbobenziner mit 180 PS und 265 Newtonmetern schiebt souverän an, ohne je nervös zu wirken. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet angenehm unauffällig und schaltet weich. Genau das, was man im Familienalltag will, wenn hinten vielleicht gerade jemand eingeschlafen ist. In 8,4 Sekunden geht es auf Tempo 100, bei Bedarf sind bis zu 210 km/h drin. Für ein Familienauto ist das mehr als genug, und das entspannte Dahingleiten auf der Autobahn hat uns richtig gut gefallen.

Beim Thema Verbrauch waren wir gespannt, denn hier musste sich der Kia K4 in anderen Tests durchaus Kritik gefallen lassen. Unser Ergebnis: Je nach Fahrweise pendelte sich der Realverbrauch zwischen 6,5 und 7,5 Litern auf 100 Kilometer ein. Wir lagen nach über 1.200 Testkilometern, die meisten davon voll beladen und mit drei Rädern auf der Anhängerkupplung, bei 7,2 Litern.
Der Werkswert nach WLTP liegt bei 6,9 Litern kombiniert (CO₂: 155 g/km, Effizienzklasse E). Wer sparsam unterwegs ist, kommt also durchaus in die Nähe der Werksangabe, bei zügiger Fahrweise klettert der Wert erwartbar nach oben. Ein Sparweltmeister ist der Turbobenziner damit nicht, für ein Auto dieser Leistungsklasse geht das aber in Ordnung. Wichtig zu wissen: Der Kia K4 ist ein reiner Verbrenner ohne große Elektro-Unterstützung in dieser Motorvariante. Wer maximale Effizienz sucht, muss sich das im Hinterkopf behalten.

Cockpit, Head-up-Display und Infotainment
Im Innenraum geht es erfreulich aufgeräumt und wertig zu. Hinterm sportlichen Multifunktionslenkrad (mit Schaltwippen und – als Family-Bonus im Winter – Lenkradheizung) blickt man auf ein großes, gut ablesbares Digitaldisplay. Das absolute Highlight für mich war aber das Head-up-Display: Tempo, Navigationshinweise und Assistenz-Infos werden direkt in die Windschutzscheibe projiziert, sodass der Blick auf der Straße bleibt. Wer einmal damit gefahren ist, will es nicht mehr missen und gerade mit quengelndem Nachwuchs auf der Rückbank ist jede Sekunde mehr Aufmerksamkeit für den Verkehr Gold wert.
Ein cleveres Detail, das im Alltag richtig hilft: Setzt man den Blinker, blendet der Kia K4 automatisch das Kamerabild aus dem toten Winkel direkt ins Kombiinstrument ein. Statt nur auf den Außenspiegel zu vertrauen, sieht man im Display, ob wirklich frei ist und bekommt so ein spürbares Plus an Sicherheit beim Spurwechsel.

Beim Infotainment setzt der Kia K4 auf ein modernes System mit Google-Navigationstechnik im Hintergrund. Apple CarPlay und Android Auto sind kabellos an Bord, dazu kommen Amazon Music, Bluetooth, DAB+/FM sowie Streaming und Wiedergabe von USB, YouTube und SoundCloud. Für die Kinder heißt das: Lieblingshörspiel oder Kindermusik-Playlist sind in Sekunden verbunden. Die Bedienung geht flott und intuitiv von der Hand. Kia bleibt hier seiner Linie treu, das System übersichtlich und schnell zu halten, statt es mit Untermenüs zu überfrachten. Und auch zum Laden gibt es viele Optionen.

Familiencheck Rückbank: viel Beinfreiheit, wenig Ablage
Jetzt zum Herzstück jedes Familienautos, der Rückbank, im Kia K4 ausgestattet mit zwei Isofix-Vorrichtungen. Und da gibt es erst mal ein dickes Lob: Die Beinfreiheit hinten ist wirklich großzügig. Selbst mit Kindersitzen bleibt reichlich Platz, und größere Kinder oder Erwachsene sitzen hier bequem. Der Radstand von 2,72 Metern zahlt sich spürbar aus.
Ein kleiner Wermutstropfen für Familien mit größeren Kinderfüßen: Unter den Vordersitzen ist wenig Platz für die Schuhe, dort wird es schnell eng. Und auch bei den Ablagemöglichkeiten hinten hält sich der Kia K4 zurück. Es gibt ein Netz an der Rückseite des Beifahrersitzes und kleine Ablagen in den Türen, die aber maximal für eine Trinkflasche taugen. Wer die typische Kita-Ausrüstung mit Trinkbecher, Snackdose, Kuscheltier und Spielzeug unterbringen will, muss ein bisschen jonglieren.

Immerhin: Die klappbare Mittelarmlehne bringt zwei zusätzliche Getränkehalter mit, sodass insgesamt genug Standplätze für Flaschen da sind, und die beiden vorderen Getränkehalter sind praktischerweise in unterschiedlichen Größen ausgeführt.
Zwei Dinge im Kia K4 haben die Kinder besonders gefreut: Zum einen die zwei USB-C-Ladebuchsen hinten, sodass die Tablets auf längeren Strecken nicht schlappmachen. Zum anderen die Sitzheizung im Fond als Teil des optionalen Sitz-Pakets, die an kalten Wintermorgen für zufriedene Gesichter sorgt, wenn der Nachwuchs aus dem Kindersitz rausgewachsen ist. Ein Feature, das man in der Kompaktklasse längst nicht immer bekommt.

Und dann ist da noch ein Detail, das den vergesslichen Eltern-Alltag adressiert: Steigt man aus und liegt noch etwas auf der Rückbank, meldet sich der Kia K4 mit einem Hinweis. Das ist eigentlich als Erinnerung gedacht, kein Kind im Auto zu vergessen, funktioniert aber genauso gut, damit man den Turnbeutel oder die Brotdose nicht liegen lässt.
Assistenzsysteme: der digitale Beifahrer, der (fast) alles kommentiert
Der Kia K4 kommt direkt ab Werk mit einem üppigen Paket an Sicherheits- und Assistenzsystemen. Und das merkt man. Auf den ersten Kilometern fühlt es sich fast an, als säße ein etwas übereifriger Fahrlehrer mit im Auto: „Zu schnell!“, „Mach mal eine Pause!“, „Guck nach vorn!“ Der intelligente Geschwindigkeitsassistent, der Müdigkeitswarner und die Aufmerksamkeitsüberwachung melden sich gewissenhaft zu Wort.
Die gute Nachricht: Das lässt sich alles individuell einstellen und herunterregeln. Wer die permanenten Hinweise nicht mag, konfiguriert sich seinen Kia K4 in wenigen Minuten deutlich entspannter. Und man sollte fairerweise sagen, die Systeme sind gut gemeint und im Ernstfall echte Lebensretter. Für ein Familienauto ist genau diese Sorgfalt ja durchaus im Sinne des Erfinders.

Serienmäßig an Bord sind unter anderem der Frontkollisionswarner (erkennt Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer und bremst notfalls selbst), der Spurhalte- und Spurfolgeassistent sowie eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stop-&-Go-Funktion, die im zähen Berufsverkehr Gold wert ist. In der GT-Line ist zudem der Autobahnassistent 2.0 dabei, der auf Wunsch sogar den Spurwechsel übernimmt, sobald man blinkt. Unser Testwagen hatte über das DriveWise-Park-Pro-Paket außerdem die Rundumsichtkamera, den Totwinkel-Assistenten mit Monitoranzeige und das erwähnte Head-up-Display an Bord.
Eine kleine Einschränkung, die uns aufgefallen ist: Die automatische Tempolimit-Erkennung arbeitet solide, aber nicht hundertprozentig zuverlässig. Ab und zu wird ein Schild falsch interpretiert. Ein bekanntes Phänomen bei vielen aktuellen Fahrzeugen und kein Kia K4-spezifisches Problem, aber erwähnen wollen wir es der Ehrlichkeit halber.
Kofferraum und Alltag: eine Klappe zum Selbermachen
Beim Blick nach hinten fällt zuerst auf, was fehlt: eine elektrische Heckklappe. Die muss man beim Kia K4 selbst öffnen und schließen. Im Zeitalter der Sensor-unter-dem-Stoßfänger-Schwenkbewegung fast schon eine kleine Nostalgie. Für die einen ein verzichtbares Gimmick, für die anderen, die mit Kind auf dem Arm und Einkäufen in der Hand vor dem Auto stehen, ein echtes Komfort-Minus. Hier muss man wissen, was einem wichtig ist.

Der Kofferraum selbst fasst 438 Liter, bei umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1.217 Liter. Das ist ein solider Wert für die Kompaktklasse und reicht für den Familienalltag mit Kinderwagen, Wocheneinkauf und Sporttaschen gut aus. Wer regelmäßig richtig viel Gepäck transportiert, für den hat Kia übrigens auch den 26 Zentimeter längeren K4 Sportswagon im Programm, aber das ist eine andere Testfahrt.
Ein Extra, das den Innenraum im Sommer luftig und hell macht, ist das optionale große Glasschiebedach. Schön für die Stimmung, bei praller Sonne sollte man aber daran denken, dass sich der Innenraum darunter ordentlich aufheizen kann. Aber natürlich lässt sich so ein Dach auch zuziehen.
Wir hatten übrigens eine abnehmbare Anhängerkupplung als Extra, weil wir mit dem Kia K4 auch drei Fahrräder nach Dänemark transportieren wollten. Da muss man zwar erstmal den Kofferraum vollpacken, weil sie die Klappe danach nicht mehr öffnen lässt. Aber ansonsten sind die drei Bikes in wenigen Minuten aufgeschnallt, das war wirklich easy und auch beim Fahren absolut komfortabel. Wer also auch Fahrräder mitnehmen will, für den ist der Kia K4 auch eine spannende Option.

Preis und Ausstattung: Was kostet der Spaß?
Kommen wir zum Punkt, der für Familien am Ende oft entscheidend ist. Der Kia K4 startet als Basisversion „Core“ mit 115 PS bei 28.890 Euro. Unsere getestete Topvariante, die GT-Line mit 180 PS, steht mit einem Grundpreis von 38.290 Euro in der Liste. Durch die reichlich gewählten Extras kletterte unser Testwagen allerdings spürbar nach oben:
- Design-Paket (18-Zoll-Felgen): 490 Euro
- DriveWise-Park-Pro-Paket (u. a. Rundumsichtkamera, Totwinkel-Monitor, Head-up-Display): 1.290 Euro
- Glasdach: 990 Euro
- Sitz-Paket (Ledernachbildung, Memory-Funktion, Sitzheizung hinten, Sitzbelüftung): 1.190 Euro
- Sound-Paket (Harman/Kardon mit 8 Lautsprechern, Ambientebeleuchtung): 690 Euro
- Lackierung „Sparkling Gelb Metallic“: 790 Euro
Unterm Strich landet unser Testwagen so bei einem Gesamtpreis von 43.730 Euro (inkl. 19 % MwSt., UVP). Das ist ordentlich Geld, aber man bekommt eben auch ein rundum ausgestattetes, hochwertiges Auto mit vielen Komfort- und Sicherheitsfeatures. Für die vernünftige Familienrechnung lohnt der Blick auf die mittleren Linien „Vision“ und „Spirit“ des Kia K4: Schon dort ist vieles serienmäßig an Bord, was den Alltag angenehm macht, und man spart einige Tausend Euro.

Ein echtes Argument, das man Kia hoch anrechnen muss und das gerade bei einer langfristigen Familieninvestition Gewicht hat: die 7 Jahre Herstellergarantie (bis 150.000 km). Das nimmt viel von der Sorge um teure Reparaturen und wirkt sich später positiv auf den Wiederverkaufswert aus. Somit ist das ein Faktor, den Wettbewerber in dieser Form oft nicht bieten.
Hier auf der Website des Herstellers findet ihr mehr Infos und den Konfigurator für den Kia K4.
Fazit: sportlicher Auftritt, familientaugliches Wesen
Nach 17 Tagen zieht der Kia K4 bei uns eine überraschend positive Bilanz. Er sieht aus wie ein Sportler, fährt sich geschmeidig und komfortabel und bringt genau die Assistenz- und Komfortfeatures mit, die den Familienalltag sicherer und entspannter machen, vom Head-up-Display über die Totwinkel-Kamera im Display bis zur Sitzheizung, die den Nachwuchs im Winter glücklich macht. Die großzügige Beinfreiheit hinten und die 7 Jahre Garantie sind starke Argumente.
Auf der Soll-Seite stehen die knappen Ablagen im Fond, die für manche Eltern zu tiefe Sitzposition, die manuelle Heckklappe und ein Verbrauch, der nicht rekordverdächtig ist. Nichts davon ist ein K.-o.-Kriterium, aber es lohnt sich, vor dem Kauf einmal probezusitzen und die eigene Prioritätenliste durchzugehen.
Kurz gesagt: Der Kia K4 GT-Line ist ein Kompakter, der sich vor den etablierten Größen der Klasse nicht verstecken muss und der beweist, dass „vernünftiges Familienauto“ und „schicker Hingucker“ kein Widerspruch sein müssen. In Goldgelb sowieso nicht. Goldfinger wäre stolz.

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Alle Bilder: © Daddylicious
[In Kooperation mit Kia: Der Kia K4 wurde uns für die Testfahrt für 17 Tage zur Verfügung gestellt.]









