Dass den Jungs beim Biathlon das Schießen gefällt, hab ich mir gedacht. Dass sie dafür auch das Langlaufen in Kauf nehmen, das auch. Aber dass meine Siebenjährige schneller nachlädt als Lara Croft, und dass es lange Gesichter gibt, als wir am dritten Urlaubstag statt der langen Langlauflatten wieder die taillierten Carver anschnallen, damit hatte ich nicht gerechnet.

„Ich will lieber auf die Loipe!“, mault also Lara Croft, und ihr Zwillingsbruder stimmt lautstark zu: „Langlaufen ist so cool!“ Ok – das ist jetzt doch ein bisschen unerwartet. Und doch sind wir begeistert: Schließlich brauchen wir dafür nicht sechs superteure Skipässe, wir fühlen uns auch ökopolitisch korrekt, weil für die Loipen kein einziger Baum sein Leben lassen muss, weil wir keine Almwiese kaputtfahren und weil wir auch nicht länger Schuld daran sind, dass wir im Sommer auf die hässlichen Liftanlagen gucken müssen. Außerdem sind wir natürlich viel sicherer unterwegs als auf den überfüllten Pisten, auf denen wir Eltern uns ständig umschauen, ob ein Halbstarker mit seinem Snowboard grad den Nachwuchs umnietet. Trotzdem sind wir natürlich wahnsinnig sportlich, schließlich weiß jeder mittlerweile, dass Langlauf der perfekte Ganzkörpersport ist, der gegen alle Arten von Zipperlein hilft – von Rücken bis Diabetes. Wer braucht ein teures Fitnessstudio, wenn der knackige Hintern umsonst im Wald zu kriegen ist? Wohlgeformte Arme, Beine, Rücken und Co., das interessiert die Kids zwar weniger, ich kann dem aber durchaus etwas abgewinnen – und der Papa auch. Außerdem kann man es wunderbar vor der heimischen Haustür in den deutschen Mittelgebirgen tun.

Familienurlaub der anderen Art – mit langen Latten am Dachstein

Biathlon für Kinder kriegt man allerdings nicht überall. Wir fahren also in die Ramsau am Dachstein, wo Biathlonkurse für Kinder angeboten werden, und wo einfach jeder langläuft. Und Langlauf heißt hier auch tatsächlich noch Langlauf und nicht „Nordic Cruising“ wie sonst meistens. Obwohl hier auch 70 km Loipen für Skater angeboten werden, entscheiden wir uns für die klassische Variante, die Skilehrer Ladi uns beibringen soll. Denn das, was mein Mann und ich vorher schon ein paar Mal im Harz ausprobiert haben, das könnten wir dann gerne wieder machen, wenn wir 80 seien, so der ehemalige Leistungssportler, nachdem wir die erste Runde im Ramsauer Stadion hinter uns haben. „Beine schieben hat nix mit Langlauf zu tun.“ So!

Spielerisch das Gleichgewicht halten

Und dann sollen wir erstmal einen Ski abschnallen und Fußball spielen. Das ist so lustig, dass die Jungs mal fünfzehn Minuten lang nicht fragen, wann wir denn nun endlich zum Schießstand gehen, was sie gefühlt die letzten zwei Wochen non-stop getan haben. Auch das anschließende Handballspiel Eltern gegen Kinder – diesmal mit beiden Skiern an den Füßen – macht super Spaß. Und bei vier gegen zwei haben die Kids die Nase vorn. Danach kommen uns die Latten an den Füßen schon viel selbstverständlicher vor, was ja auch Sinn und Zweck der Übung war. Danach geht es darum, in kleinen Bögelchen den Hügel im Kinderlanglaufpark runterzufahren, was uns zunächst unter unsrer Würde erscheint. Aber dann purzeln wir ziemlich durcheinander und „joggen“ auf Ladis Anweisung den Hügel demütig wieder hoch, um es noch einmal zu versuchen. Nach den anfänglichen Annäherungsversuchen beim Hand- und Fußball kommen mir die wackeligen Dinger an den Füßen jetzt wieder ganz fremd vor. Wer denkt, dass es was nutzt, wenn man schwarze Pisten runterwedeln kann, irrt.

Nicht kleinlich mit dem Kleinkaliber

Nach einigen weiteren Übungen gleiten wir dann aber doch schon recht flott und geschickt zum – jawoll – Laserschießstand. Ladi rollt zwei Gummimatten aus, holt die Gewehre aus der Hülle und erklärt, wie man liegt, anlegt, zielt und schießt. Auf zehn Meter Entfernung ziele ich überraschend gut – und die Kinder auch. Erschreckend? Nö, der Pazifist in mir rührt sich nicht. Ich jubele, wenn die Kinder treffen, und rufe begeistert: „Yes! Voll ins Schwarze!“ Doch bei zwei Gewehren und sechs Schützen ist Streit vorprogrammiert, wer wann und wie lange schießen darf. Zählt man die Schüsse? Die Treffer? Oder die Zeit? „Alter, beeil dich! Ich will auch!“ Zum Glück sind die Waffen nicht scharf – noch nicht! Denn morgen wird es mit richtigen Kleinkalibergewehren zur Sache gehen und nicht mit so harmlosen Laserphasern. Heut Abend im Hotel muss ich unbedingt noch eine Lektion in Sachen Disziplin erteilen. „Aber hey! Jetzt bin ich erstmal dran mit schießen, mein Sohn!“

Korrekter Puls ist alles

Am nächsten Morgen treffen wir uns an den Drachenliften, um zum Schießstand oben im Wald zu fahren. Mit dem Gewehr – natürlich ungeladen! – auf dem Rücken fühle ich mich sofort ein bisschen wie ein Gebirgsjäger oder ein Wilderer auf der Jagd nach Gämsen, Auerhähnen oder anderem Getier. Seltsam, was für eine Faszination von dem Ding ausgeht. Dachte ich doch bisher gänzlich unempfänglich für derlei zu sein. Und jetzt finde ich: „Nicht ganz uncool …“ Doch bevor wir anlegen dürfen, werde ich wenig elegant zurück auf den Boden geholt – oder vielmehr auf die wieder ausgerollte Gummimatte: Bis ich mit im 45-Grad-Winkel gespreizten Beinen, den Hüften am Boden und gefühlt wieder-endlos-langen Latten an den Füßen in Schussposition liege, hätten Laura Dahlmeier und Magdalena Neuner sicher schon 100x getroffen. Dafür ist mein Puls schon wieder ziemlich ruhig.

Aber wir spielen zum Glück noch nicht auf Zeit. Ich klemme mir das Gewehr unter die Achsel und – puh: Die Zielscheiben sind ganz schön weit weg! Ich versuche, die kleinen schwarzen Punkte durchs Visier anzupeilen, mein Auge versucht, das Bild scharfzustellen, was viel zu lange dauert. „In der Zeit kannst du besser drei Strafrunden drehen“, kritisiert mein Ältester, der neben mir liegt und zügig durchlädt. Er darf die schwere Knarre allerdings auch auf einem Holzblock abstützen. „Ich will auch einen Holzblock, Ladi!“ Jetzt aber – Abzug: Treffer! Und nachladen, zielen, scharfstellen, scharfstellen, scharfstellen … „Ausatmen und Schuss!“ drängelt mein Trainer, zur Sicherheit stelle ich nochmal scharf, schieße und: Treffer! Auf der Nebenmatte liegt inzwischen meine Siebenjährige, das Gewehr fast so groß wie sie selbst, konzentriert, fokussiert, und zack: Die schwarze Zielscheibe kippt nach hinten und wird weiß, nachladen und noch eine! Nachladen und noch eine! Nachladen, daneben! Nachladen, Treffer: Nummer fünf sitzt wieder. Bist du das, meine Kleine, die zuhause gerne malt und puzzelt??

Aber da der Streit um die Gewehre und wer dran ist, schon wieder losgeht, muss ich dann doch ein bisschen pädagogisch werden und ihnen was von Waffen und so erzählen. Immerhin ist die Flinte ein 22-Kaliber und auf 300 Meter tödlich. Da reißen sich die kleinen Schützen dann doch am Riemen, lassen Disziplin walten und gewinnen schließlich sogar beim Wettrennen gegen ihre Eltern. Am Ende sammeln wir 300 leere Patronenhülsen ein – die Zeugen eines großen ballistischen Vergnügens.

Infos zum Biathlon und zu Aktivitäten in Ramsau/Dachstein

Der Kinderlanglaufpark Ramsau im WM-Stadion führt spielerisch an den Loipensport heran. Er kann kostenlos genutzt werden, wird aber auch bei Langlaufkursen der Skischule eingesetzt. Mehr: www.skischule-ramsau.at oder www.ramsau.com/de/langlaufen.

Wir sind an einem Tag trotzdem auch auf die Pisten der Region gegangen. Ramsau bietet vor allem für Familien mit Kindern tolle Bedingungen. Die großzügig gestalteten Kalis Erlebnispisten locken mit zahlreichen Attraktionen und kindgerechten Abfahrten. Besuche das Zwergendorf, fahre durch Klangtore und erkunde die mystische Bergkristallhöhle. Und wenn du am Ende alle Pisten gefahren bist, knackst du den Kali-Code und holst dir deinen Gewinn ab. Mehr unter www.skiregion-ramsau.at.

Außerdem toll: Alpine Fatbike-Touren in der Region sind der Renner. Nach einer fahrtechnischen Einweisung geht’s auf breiten Reifen durch den Schnee. Infos unter: www.alpinefatbike.com

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