Area47 Radtour mit Papa

10 Tipps – So schaffst du eine starke Vater-Sohn-Beziehung

Heute haben wir einen Gastbeitrag von Anton Wieser für euch. Der ist Gründer der Männers-Urlaube für Vater & Sohn und somit ein Experte für Beziehungen zwischen Eltern und ihren Söhnen. In seinem Gastbeitrag widmet er sich der Vater-Sohn-Beziehung.

Wenn aus kleinen Jungs später starke, liebevolle Männer werden sollen, brauchen diese Jungen auch die Möglichkeit, mit starken, liebevollen Männern aufzuwachsen!

Was du tun kannst, damit dein Sohn sein Leben lang von einer starken Vater-Sohn-Beziehung profitieren kann, erfährst du in Form von 10 Tipps, die der Jungencoach Anton Wieser, selber Vater und dementsprechend ein Mann, für sehr wichtig hält. Die Vater Sohn Beziehung ist einzigartig und bedeutet die Übernahme von Verantwortung, gegenseitigem (!) Respekt und die Pflege dieser ganz besonderen Beziehung. Erst dann kann sie sich zu dem entfalten, was sie sein soll: eine Beziehung an dem sowohl der Sohn als auch der Vater wachsen!

1. Zeige deinem Sohn, dass du ihn wahrnimmst!

Versuche deinem Sohn gegenüber offen und aufmerksam zu sein, so dass du erkennen kannst was ihn gerade beschäftigt, belastet und natürlich auch (sehr wichtig!) woran er Spaß hat.

Erkennst du in seinem Verhalten Parallelen zu dir selbst oder zu seiner Mutter und was macht seine eigene Persönlichkeit aus? Dieses „Gesehenwerden“ ist von unschätzbarem Wert für die Entwicklung deines Jungens und seines Selbstwertgefühls. Kein noch so tolles Geschenk kann das Bedürfnis nach Anerkennung und echter Wertschätzung ersetzen. Zeig ihm, dass allein schon die Tatsache, dass er da ist, für dich schön und wichtig ist.

Gemeinsame Aktivitäten helfen für eine stärkere Vater-Sohn-Beziehung

2. Dein Sohn möchte kooperieren!

In den allermeisten Fällen möchten Kinder mit uns Erwachsenen kooperieren und Harmonie erleben. Wenn Kinder aus irgendwelchen Gründen jedoch nicht kooperieren möchten oder gar können, dann reagieren sie auf zwei unterschiedliche Arten: die einen ziehen sich zurück, die anderen gehen auf Konfrontationskurs.

Beide Reaktionen solltest du, bzw. ihr als Eltern, ernst nehmen und hinterfragen. Warum will er nicht kooperieren, was ist der Grund? Wenn du mit echtem Interesse versuchst das herauszufinden, entsteht die Basis für ein Vertrauensverhältnis, von dem ihr beide möglicherweise das ganze Leben lang profitieren könnt.

3. Nimm die Gefühle Deines Sohnes ernst und hilf ihm bei der Einordnung.

Kein Kind schreit, weint oder tobt ohne Grund. Es gibt immer eine Erklärung für ein solches Verhalten, auch wenn wir sie nicht immer sofort erkennen können.

Es ist Gift für seine emotionale Entwicklung, wenn dein Sohn regelmäßig erklärt bekommt, dass das, was er gerade fühlt, entweder nicht angemessen oder gar falsch ist! So verlernt er (oder lernt erst gar nicht), sich selbst und seinen Emotionen zu vertrauen. Dadurch wird es für ihn immer schwieriger, seine Gefühle zu interpretieren und zu regulieren. Auf dieser Basis kann eure Vater Sohn Beziehung (und sämtliche anderen Beziehungen deines Sohnes) Schaden nehmen, eventuell sogar mit langwierigen Folgen. Darum: Rede seine Gefühle nicht klein!

4. Habt Respekt voreinander!

Wenn es um Kindererziehung auf Augenhöhe geht, verdrehen einige die Augen. Zurecht? Nein, ich denke nicht. Wie soll ein Kind Respekt erlernen, wenn es ihn selbst nicht erfährt? Auch Kinder haben ihre Grenzen, welche sie sehr deutlich spüren und wahren möchten.

Versuche auf die Bedürfnisse deines Sohnes einzugehen, auch wenn du vielleicht eigentlich gerade etwas anderes im Sinn hattest. Oft geht es darum, einen akzeptablen Kompromiss zu finden, mit dem beide „Parteien“ gut leben können. Es ist nur in Ausnahmefällen und bei ernsthafter Gefahr ratsam, deinem Sohn ein Verhalten abzuverlangen, welches sich nicht mit dem Prinzip der gleichen Augenhöhe in Einklang bringen lässt.

Die Machtposition die du als Vater hast, darf niemals missbraucht werden, um die Grenzen deines Sohnes so lange zu überschreiten, bis er „gebrochen“ ist. Der seelische Schaden wäre vorprogrammiert. Andersherum sollte sich der Sohn aber auch nicht respektlos gegenüber dem Vater verhalten.

Geschwister wie Freunde Arme Hoch

5. Vom richtigen Umgang mit Strafen

Generell würde ich sagen, dass Strafen absolut schädlich sind für die Vater-Sohn-Beziehung. Versetze dich doch einmal zurück in deine eigene Kindheit: Wie fühltest du als du bestraft wurdest? Hast du deinen „Fehler“ eingesehen? Möchtest du diese Gefühle an deinen Sohn weitergeben? In vielen Fällen lernt das Kind durch Bestrafung lediglich, dass es sich in der schwächeren Position befindet aber nicht, was es tun kann, um sich „richtig“ zu verhalten.

Das wäre jedoch wesentlich wichtiger und besser für eure Beziehung. Ein Machtkampf zwischen Vater und Sohn schädigt einfach nur die Beziehung. Stärke deinen Sohn, statt ihn zu schwächen.

Konsequenzen setzen, die zur jeweiligen Stress-Situation passen, sind wieder was anderes. Damit kann der Junge etwas anfangen, kann sie „greifen“ und verstehen.

6. Lass deinem Sohn viel Raum für Kreativität!

Es ist ein Irrglaube, dass Kinder ständig beschäftigt werden müssen, immer das neueste Spielzeug brauchen und nur auf Impulse der Erwachsenen warten, als wären sie ihre Animateure. Es ist gut, wenn dein Sohn lernt, dass es auch mal langweilig sein kann, dass er auch mit wenig viel machen kann. Erst wenn er diese Langeweile spürt, entsteht Kreativität. 

Du kannst ihm in diesem Fall als Spielpartner zur Seite stehen, sofern er dich zum gemeinsamen Spiel einlädt. Bitte, wenn er auf dich zukommt, ihr gemeinsam etwas baut, dann lass ihm seines. Immer wieder beobachte ich Väter im Spiel, die ihre Aufgabe darin sehen, den Sohn oder das Ergebnis seines Schaffens zu verbessern. Das vermindert die Leistung deines Sohnes und somit an seinem Gefühl „Stolz zu sein“!

Michael und Dennis mit Libelle

7. Self-Care und die Atmosphäre – so wichtig!

Der Spruch „nur wer sich selbst lieben kann, kann auch andere lieben“, beinhaltet sehr viel Wahrheit. Wer sich nicht (genug) um sich selbst kümmert, gestresst oder erschöpft ist, hat keinen (oder nicht genug) Raum für andere. Deshalb sind Ruhe und Ausgleich so wichtig für alle Eltern. 

Kinder haben sehr feine Antennen und spüren schon sehr früh wie die Stimmung bzw. die Atmosphäre zuhause ist, auch wenn sie vielleicht inhaltlich noch nicht allem folgen können. Die negativen Gefühle wie Sorgen, Wut, oder Ärger übertragen sich (unbewusst) auf die Kinder. Emotionen sind hochansteckend! Je ausgeglichener und zufriedener du selbst bist, desto besser wird es deinem Sohn gehen.

8. Entschuldige dich!

Nobody´s perfect. Auch das ist eine Lektion, die dein Kind unbedingt lernen sollte. Wenn du einen Fehler gemacht hast, ungerecht zu deinem Sohn warst oder einfach nur genervt, dann sag ihm, dass es dir leid tut! Dein Sohn merkt dadurch, dass er dir wichtig ist, dass du ihn ernst nimmst und dass auch wir Erwachsenen nicht immer alles richtig machen.

Das hilft ihm einerseits bei der Einordnung seiner eigenen Gefühle, andererseits lernt er zugleich Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen. Ganz wichtig: Auch Männer dürfen Verletzlichkeit zeigen!

9. Übernimm Verantwortung für eure Vater Sohn Beziehung!

Wenn du bemerkst, dass die Beziehung zu deinem Sohn nicht so ist, wie sie sein sollte und ihr immer wieder in dieselbe Schieflage geratet, solltest du die Verantwortung übernehmen und schauen, was du wie verändern kannst. Fang am besten bei dir selbst an, dort ist es am einfachsten, Veränderungen umzusetzen. Suche nicht die Schuld bei anderen oder bei deinem Sohn, die Verantwortung liegt als Vater bei DIR!

Das kann auch bedeuten, dass du dir/euch Unterstützung holen solltest, beispielsweise in Form eines Coachings, bei einem Spezialisten, der sich auf Jungen und ihre Probleme spezialisiert hat.

Ben am Gipfel

10. Sei ein gutes Vorbild für deinen Sohn!

Versuche das Vorbild zu sein, das du selbst gerne gehabt hättest! Es kann sehr hilfreich sein, sich immer wieder in die eigene Kindheit und Jugend zurückzuversetzen und sich zu fragen, was du gerne gehabt hättest, was du an deinem Vater toll fandst oder was du dir gewünscht hättest. Mach es (noch) besser als Dein Vater und wachse selbst daran! Sag, und vor allem zeige, deinem Sohn, wie wichtig er dir ist.

Lieber Anton, vielen Dank für deine wertvollen Tipps!

Fotos © maenners.com