The Voice of Germany mit Kindern gucken – ja oder nein?

Ich gebe es zu, ich bin in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite möchte ich meine achtjährige Tochter nicht an TV-Formate heranführen, die ihrem Alter nicht entsprechen. Und ich möchte auch vermeiden, dass sie schon feste Termine einplant, weil bestimmte Sendungen laufen. Insbesondere bewerte ich Sendungen nach 20 Uhr als ungeeignet für Kinderaugen. Aber es gibt Ausnahmen. Dazu zählt The Voice of Germany. Das darf meine Tochter sehen, wenn auch nicht „live“, sondern als Aufnahme verteilt über mehrere Abende. Trotzdem fühlt sich das irgendwie nach einem Rabenvater an, daher frage ich mal in die Runde: wie geht ihr damit um? Guckt Ihr The Voice of Germany oder vergleichbare Sendungen mit Euren Kindern?

Um das Thema aufzuarbeiten, fasse ich Euch mal zusammen, welche Aspekte aus meiner Sicht ausschlaggebend sind:

Gründe für The Voice of Germany

Zuerst einmal befasst sich diese Sendung mit dem Singen und dem Entdecken bisher verborgener Talente. Das finde ich ein tolles Thema. Denn zu Singen ist sicherlich, wie das Lesen, eine kreative Beschäftigung, auch und gerade für Kinder. Es geht für Kinder nicht darum, sich für den Chor der Domspatzen zu qualifizieren, sondern einfach Lieder zu singen. So wie wir im Auto oder beim Duschen. Insofern sehe ich The Voice of Germany als Inspiration, wo es im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Formaten gar nicht trashig, sondern sehr respektvoll zugeht.

Aus unserer Sicht ist das Format von The Voice of Germany aber auch ein wunderbares Werkzeug, um unseren Kampf gegen Mobbing und Ausgrenzung zu unterstützen. Denn es geht einzig und allein um die Stimme der Kandidaten. Es spielt keine Rolle, ob ein Mann oder eine Frau auf der Bühne steht. Auch Transgender und ein Mann, der mal eine Frau war, waren schon dabei. Die Hautfarbe ist genauso vielfältig wie die Größe, das Gewicht oder die Haarlänge. Hier wird jeder gleich behandelt. Und das empfinden wir als eine sehr schöne Botschaft für unsere Tochter. Es ist egal, wo jemand herkommt oder wie jemand aussieht. Wenn jemand sich traut, etwas Besonderes oder Mutiges zu tun, hat er hier eine Chance verdient und bekommt Respekt entgegengebracht.

Meine Tochter fängt an, sich für Musik und die Sänger und Bands dahinter zu interessieren. Nico Santos ist ihr „Liebling“. Da der nun als Coach auf einem roten Stuhl sitzt, wäre ihre Team-Wahl ganz klar. Ich hingegen wäre ja eher im Team SamuRea, wenn ich mit meinem abendlichen Ins-Bett-bring-Lied antreten würde. Durch The Voice of Germany lernt man die Stars auf eine sehr angenehme Art und anfassbare Weise kennen. Sie machen Witze, klopfen Sprüche, sind emotional, singen Lieder und zeigen eine sehr nahbare Seite.

Soweit die Gründe für das Format. Es gibt aber auch Gründe dagegen.

© ProSiebenSAT.1/Richard Hübner

Gründe gegen The Voice of Germany

Da wäre zuerst einmal die Sendedauer. Aktuell läuft die Show zweimal pro Woche für jeweils 150 Minuten. Macht fünf Stunden pro Woche. Da wir es aufnehmen, können wir bei Werbung spulen. Bleiben gut vier Stunden. Und dann gibt es ja noch die Highlights der Comeback-Stage, die nur online laufen. Das ist nochmal eine halbe Stunde pro Woche. Ziemlich viel Programm für ein Grundschulkind.

Hinzu kommt, dass die Sprache der Coaches manchmal etwas schlüpfrig oder derbe ist. Es gehört ja zum Konzept, dass die sechs Juroren in den Blind Auditions um die Talente kämpfen und dabei auch gegen die anderen roten Stühle austeilen. Alles in allem bleibt das aber im Rahmen. Und wenn Rea Garvey mal ein „Lieber rocken als poppen“ über die Lippen kommt, dann ist das sogar eher ein sprachlicher Ausrutscher als ein Witz unter der Gürtellinie.

Und was mich auch etwas stört, ist der feste Termin. Klar weiß unsere Tochter inzwischen, dass die Show am Donnerstag und Sonntag läuft. Und auch wenn sie um 20.15 Uhr eigentlich schon auf dem Weg ins Bett ist, möchte sie am liebsten mitgucken, spätestens aber dann ab dem nächsten Tag. Immerhin spricht ein Teil ihrer Mädels aus der Klasse schon über die Sendung. Von anderen wissen wir, dass sie sich entweder nicht für The Voice of Germany interessieren. Oder es nicht sehen dürfen.

Und dann gibt es in den Werbeblöcken immer auch Trailer zu Serien und Sendungen, die für Kinder noch gar nicht geeignet sind. Hin und wieder müssen wir unsere Tochter bitten, die Augen zu schließen und wir knipsen den Ton aus. Denn zum Teil flimmern da für Kinderaugen recht verstörende Inhalte über den Bildschirm.

© ProSiebenSAT.1/Richard Hübner

Unsere Entscheidung

Wir haben nach reiflicher Überlegung entschieden, dass wir es unserer Tochter erlauben, diese Staffel von The Voice of Germany in Etappen mitzugucken. Jeden Donnerstag um 20.15 auf Pro7 und Sonntag um 20,15 auf Sat1. Unser Tochter ist klar, dass es nun nicht mit dem Großen Backen oder Let’s Dance automatisch immer so weitergeht. Aber für uns überwiegen die positiven Aspekte. Wir beschränken die Häppchen immer auf eine Stunde – und freuen uns alle auf den gemütlichen Fernsehabend mit Tee und Decke.

Mich interessiert sehr, wie ihr das Thema „Fernsehen“ insbesondere bei Formaten wie The Voice of Germany, DSDS, GNTM oder anderen festen Terminen einrichtet, wenn Eure Grundschulkinder großes Interesse daran haben. Postet Euer Statement gern auf Euren sozialen Kanälen, ich bin gespannt.

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