Wer Kinder hat, kennt das Gefühl: Eigentlich möchte man vieles besser machen. Oder zumindest bewusster, informierter, entspannter. Aber wer hat schon Zeit, sich abends mit einem Buch voller Informationen hinzusetzen, wenn nach dem langen Tag auf dem Sofa die Augen zufallen? Gerade Papas glänzen nicht als Leseratten. Und deshalb sind Hörbücher für viele Väter die einfachste Form der Weiterbildung geworden, denn sie werden gehört beim Pendeln, beim Sport, beim Kochen oder beim nächtlichen Kinderwagenschieben.
In diesem Jahr erscheinen gleich drei Titel, die exakt das thematisieren, was Väter wirklich beschäftigt: der Kampf am Mittagstisch, die Frage nach Identität und Verantwortung sowie der Wunsch, dem eigenen Kind gleich mehrere Sprachen mitzugeben. Wir haben uns diese drei Hörbücher genauer angeschaut.
„Wie Kinder essen“

Es gibt wohl kein Thema, das Eltern von Kleinkindern so zuverlässig in den Wahnsinn treibt wie das Essen. Das eine Kind mag keine Soßen. Das andere isst ausschließlich Nudeln, natürlich ohne alles. Das dritte dreht den Teller demonstrativ um, sobald etwas Grünes drauf liegt. Und irgendwo zwischen Sorge, Erschöpfung, Familienrezepten und dem dritten abgelehnten Gericht des Abends schleicht sich die Frage ein: Mache ich irgendetwas grundlegend falsch?
Ronia Schiftan, Ernährungspsychologin und Autorin, gibt in ihrem Hörbuch „Wie Kinder essen“ eine fundierte und gleichzeitig entlastende Antwort: meistens nicht. Aber sie erklärt auch, warum wir trotzdem oft genau die Fehler machen, die das Essen zum Konflikt werden lassen und was sich daran ändern lässt.
Schiftans Ansatz basiert auf dem Konzept der sogenannten Esskompetenz: Kinder bringen von Natur aus eine Fähigkeit mit, ihre Nahrungsaufnahme zu regulieren. Sie spüren Hunger und Sättigung. Das Problem entsteht, wenn Eltern – gut gemeint, aber kontraproduktiv – diesen Instinkt durch Druck, Belohnungen oder Ablenkung untergraben. „Noch drei Löffel, dann gibt’s Nachtisch“ klingt harmlos, ist aber aus ernährungspsychologischer Sicht ein klassisches Mittel, das dem Kind beibringt, dass Süßes besser ist als Hauptgericht und dass der eigene Körper kein verlässlicher Kompass ist.
Besonders interessant: Das Buch thematisiert auch, wie unsere eigene Kindheit unser Verhalten am Tisch prägt. Wer selbst immer aufessen musste, der neigt dazu, denselben Druck weiterzugeben, quasi unbewusst und unreflektiert. Schiftan lädt Eltern ein, diese Muster zu erkennen und zu hinterfragen. Hinzu kommen konkrete Impulse, wie Kinder ein positives Körperbild entwickeln können. Und das ist ein wichtiges Thema, welches längst nicht mehr nur Töchter betrifft.
Das Hörbuch erschien am 19. März 2026, wird von Luise Georgi gelesen und hat eine Laufzeit von rund 368 Minuten. Der Download kostet 20,95 Euro. Die Buchausgabe erschien zeitgleich bei Beltz.
„Becoming Dad“

Wenn es eine Frage gibt, die viele Männer mit der Geburt ihres Kindes beschäftigt, dann diese: Was bedeutet es heute, ein guter Vater zu sein? Nicht der Vater von früher, der Brötchen verdient und beim Rest zuschaute. Aber auch nicht das überidealisierte Bild vom vollständig gleichberechtigten Supermensch, der morgens Yoga macht, mittags arbeitet und abends die Kinder singend beim Einschlafen begleitet, ohne dass irgendwas auf der Strecke bleibt.
Sebastian Tigges stellt sich genau dieser Frage. Öffentlich, ehrlich und ohne einfache Antworten. Der Podcaster und Content-Creator hat sich in den letzten Jahren als eine der relevantesten Stimmen zum Thema moderne Vaterschaft etabliert. In seinem selbst eingelesenen Hörbuch „Becoming Dad“ sucht er nicht nach dem perfekten Vaterideal, sondern nach dem echten: einem, das mit den eigenen Brüchen, Zweifeln und dem realen Alltag kompatibel ist.
Er macht deutlich, dass gute Absichten nicht reichen. Wer sagt „Ich bin für Gleichberechtigung“, aber die mentale Last weiterhin der Partnerin überlässt, lebt seine Werte nicht ehrlich. Das Buch ist ein Aufruf zur aktiven Verantwortungsübernahme, und zwar nicht als Konzession an den Zeitgeist, sondern weil es der Beziehung, dem Kind und einem selbst gut tut.
Was „Becoming Dad“ von vielen anderen Vater-Ratgebern unterscheidet: Sebastian Tigges moralisiert nicht, er erzählt. Von seinen eigenen Unsicherheiten, von Situationen, in denen er es besser wissen wollte und trotzdem anders gehandelt hat. Diese Authentizität macht das Hörbuch zu einem echten Begleiter und nicht zu einem erhobenen Zeigefinger.
Das Hörbuch erscheint am 30. April 2026 als ungekürzte Autorenlesung mit einer Laufzeit von 320 Minuten. Der Download kostet 17,95 Euro. Die Printausgabe erscheint zeitgleich bei Piper.
„Maman, I have a Wackelzahn“

In Deutschland und Österreich wachsen Millionen Kinder mit zwei oder mehr Sprachen auf. Deutsch und Türkisch, Englisch und Spanisch, Französisch und Deutsch, die Kombinationen sind so vielfältig wie die Familien selbst. Und doch kreisen immer wieder dieselben Fragen: Ab wann ist ein Kind wirklich mehrsprachig? Schadet es, wenn man Sprachen durcheinander spricht? Und was, wenn das Kind die Minderheitssprache ablehnt?
Eva Wittenberg, Linguistin und selbst Mutter in einer mehrsprachigen Familie, bringt mit „Maman, I have a Wackelzahn“ endlich ein Buch an den Start, das diese Fragen nicht nur beantwortet, sondern dabei wissenschaftlich sauber und trotzdem absolut alltagstauglich bleibt. Der Titel ist Programm: Er klingt wie ein echter Satz, den ein Kind sagt, das zwischen Sprachen jongliert. Und genau das ist es, womit sich das Buch beschäftigt.
Wittenberg räumt mit hartnäckigen Mythen auf: Nein, Mehrsprachigkeit verwirrt Kinder nicht. Nein, ein Kind, das in der Schule mit der Mehrheitssprache kämpft, hat kein „Sprachproblem“ durch die zweite Sprache zu Hause. Und ja, es ist völlig normal, dass Kinder in bestimmten Phasen eine Sprache bevorzugen oder sogar ablehnen. Das Buch erklärt die neurobiologischen und psychologischen Hintergründe dahinter auf eine Art, bei der man beim Zuhören nicht das Gefühl hat, in einer wissenschaftlichen Vorlesung zu sitzen.
Besonders wertvoll für Väter: Eva Wittenberg thematisiert auch, welche Rolle die jeweiligen Elternteile bei der Sprachentwicklung spielen und warum der Vater oft derjenige ist, der entscheidend dafür mitverantwortlich ist, ob eine Sprache im Alltag lebendig bleibt oder verblasst. Eine Erkenntnis, die motiviert.
Das Hörbuch erscheint am 13. August 2026, gelesen von Nina West, mit einer Laufzeit von rund 450 Minuten. Der Download kostet 18,95 Euro. Die Buchausgabe erscheint zeitgleich bei dtv.
Wo bekomme ich die Hörbücher?
Alle drei Titel erscheinen bei Hörbuch Hamburg und sind als Download auf den gängigen Plattformen erhältlich, zum Beispiel bei Audible, Thalia, bücher.de und weiteren. Wer lieber abonniert: Alle drei Titel sollen auch über Spotify oder BookBeat verfügbar sein.
Unser Fazit
Was diese drei Bücher verbindet, ist ein Ansatz, den wir auf Daddylicious immer schätzen: Sie nehmen Väter ernst, aber auch in die Pflicht. Sie zeigen weder auf, noch reden sie klein. Stattdessen bieten sie echtes Wissen aus der Forschung, aus dem echten Leben und lassen die Leser*innen (oder Hörer*innen) selbst entscheiden, was sie damit anfangen. Genau das ist der Unterschied zwischen einem guten Ratgeber und einem, der das nächste schlechte Gefühl produziert.
Ob Esskompetenz, gleichberechtigte Elternschaft oder die Grammatik zweier Sprachen im Kinderkopf: Diese drei Hörbücher sind gut investierte Stunden auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder bei der nächsten langen Autofahrt.











