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Leinen los – 3 Tage mit dem Hausboot in Brandenburg

[PRESSEREISE] Unsere Gastautorin und Reiseexpertin Anna Schütz war wieder für uns auf großer Tour. Dieses Mal ist sie mit der Familie in See gestochen und ist mit dem Hausboot in Brandenburg umhergeschippert. Hier ist ihr Reisebericht.

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Alles im Griff – Skipper Anna Schütz

Best of Brandenburg

Ich gebe zu, dass ich bei Hausboot-Urlaub zunächst an die Mecklenburgische Seenplatte dachte, an das Kleine Meer, die Müritz, an Fleesensee und Plauer See. Aber da Mecklenburg-Vorpommern zu Pfingsten nur Geimpfte und Genese ins Land ließ, mussten wir bei unserem Trip auf unserem Hausboot von LeBoat uns ganz auf das brandenburgische Seenland konzentrieren. Und nach einem dreitägigen Kurztrip weiß ich, dass Brandenburg völlig unterschätzt wird. Bei mir steht es jetzt auf der Liste der Sehnsuchtsorte: endlose wilde Ufer, ein Badesee am anderen, herrliche Seegrundstücke mit kleinen Stegen, hübsche Städtchen und idyllische Dörfer.

Das Bundesland rund um Berlin ist übrigens das wasserreichste unseres Landes. 3000 Seen gibt es hier und dazu nochmal 7000, die kleiner als ein Hektar groß sind. 10000 sind das also. Allein das ist Grund genug, hier Urlaub zu machen.

Hausboot-Urlaub für alle

Für die Kinder war ohnehin ganz egal, in welchem Bundesland wir sind, die fanden es aufregend und großartig genug, auf einem Boot unterwegs zu sein, überall ins Wasser springen zu können (naja fast, denn auf den Verbindungsstücken zwischen den Seen nicht), sich mit dem SUP (unbedingt mitnehmen oder vor Ort mieten!) oder auch nur mit einem Seil vom Boot durchs Wasser ziehen zu lassen, abends auf dem Deck in den Himmel zu gucken und den Geräuschen der Natur zu lauschen. Aber auch für uns Eltern waren die Tage echter Luxus: morgens aufwachen, aus der Luke über dem Bett schauen und nur die Vögel hören und das leise Plätschern des Wassers.

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Rheinsberg in dramatischem Licht

Charter-Führerschein: schnell gemacht

Aber der Reihe nach, denn obwohl man für die Ruppiner Seenlandschaft keinen Führerschein braucht, ist noch kein Kapitän vom Himmel gefallen. Wir müssen also erstmal zur Chartereinführung. Kurz und knackig erklärt uns Heiko das Wichtigste über Schleusen, Verkehrsregeln und Überholmanöver. Welche Boje links, welche rechts umfahren wird, wo wir ankern dürfen und wo besser nicht. Danach geht er mit uns an Bord.

Auch hier kein Wort zuviel über die notwendigen technischen Details, jedes für sich auch mir einleuchtend, aber beim Gedanken, diesen 11 Meter langen Kahn gleich allein über die Gewässer zu schippern, wird mir doch ein bisschen mulmig. Zum Glück ist der Mann an meiner Seite technisch begabt und wie immer um ein Vielfaches entspannter als ich. Und das erste Einparkmanöver, noch mit Heiko an der Seite, gelingt uns einwandfrei.

Familienurlaub im Hausboot - in Brandenburg auf Tour
Alle Mann an Deck

Leinen los!

Dann heißt es wirklich Leinen los. Der Clipper 33 von LeBoat hat zwei Schlafkabinen mit je eigenem Bad, eine im Bug, eine im Heck. Zudem eine kleine Küche und einen Salon mit Tisch, Sitzbank und Hockern – wären wir mit allen vier Kindern an Bord gegangen hätten wir aus der Dinette zwei weitere Schlafplätze zaubern können. Außerdem gibt es einen Innensteuerstand für den Kapitän/die Kapitänin und viele große Fenster und Dachluken, die das Boot hell und geräumig machen. Einen virtuellen Rundgang gibt es hier. An Deck gibt es noch einmal einen Außensteuersitz, wieder einen Tisch mit Eckbank und vorne auf dem Bug viel Platz für Kinder, die da einfach sitzen und übers Wasser schauen wollen.

Für unsere Kinder wird das gesamte Außendeck aber vor allem eines werden: ein einziger Sprungturm für Salti und Arschbomben ins Wasser. Schnell nehmen wir unser Kurzzeit-Heim in Beschlag: Betten machen, Küche einräumen, das kennen wir aus unseren Camping-Urlauben. Anders als beim Wohnmobil aber können die drei, die gerade nicht am Steuer sind, das während der Fahrt tun, während der Dieselmotor gemütlich knattert. Hier ist wirklich schon der Weg das Ziel – von der ersten Minute an: Urlaub!

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Das Schönste am Hausboot-Urlaub

Gemächlich tuckern wir über’s Wasser – total entspannend und fast meditativ. Was man auf einem Hausboot nämlich nicht erwarten darf, ist Wumms. Highspeed sind elf Knoten, einen Turbo gibt es nicht. Das Boot schiebt sich sanft durchs Wasser und macht kleine Wellen. Schon wenige Meter hinter der Marina wird es ganz ruhig, rechts und links wilde Uferböschung, in der die Frösche quaken. Vor uns quert ein Fischreiher den Kanal. Für uns Stadtkinder schon echte Highlights in den ersten Minuten. Das erste Ziel ist Rheinsberg und sein Schloss, eine gute Stunde entfernt vom Heimathafen, der Marina Wolfsbruch. Wir fühlen uns total privilegiert, es vom Wasser aus sehen zu dürfen. Die Kinder schwanken zwischen andächtigem Staunen und lauter Begeisterung.

Für die Nacht aber wollen wir einsamer liegen und suchen uns ein geschütztes Plätzchen: in einer Bucht auf dem Zootzensee. Laut rasselnd rauscht der Anker in die Tiefe; damit er richtig sitzt, fahren wir ein bisschen vor und zurück, so wurde es uns beim „Charterführerschein“ erklärt. Wir wollen morgen früh schließlich nicht im Schilf aufwachen. Und das tun wir auch nicht. Der erste Blick aus dem Fenster ist sensationell. Stille und Morgenstimmung über dem Wasser, Vogelgezwitscher aus dem Schilf und die ersten vorsichtigen Sonnenstrahlen. Der Instant-Kaffee schmeckt besser als von jedem Barista und schon am ersten Morgen spüren wir eine tiefe Ruhe.

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Morgenstimmung am Zootzensee

Ein Tag auf dem Hausboot

Mit der ist es allerdings vorbei, als wir den Anker lichten: Mit großem Getöse holen wir die 25 Meter lange Ankerkette hoch. Danach wünscht sich mein Mann mit rotem Kopf und Schweiß auf der Stirn für den nächsten Hausboot-Trip eine elektrische Ankerwinde. Das nächste Ziel ist der Große Zechliner See, der mit seinem klaren Wasser zu den schönsten und saubersten Seen Deutschlands zählt. Seine derzeitige Wassertemperatur von knapp 14 Grad hält unsere Kinder nicht davon ab, sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen.

Hinter einem kurzen Durchstich wartet der Kleine Zechliner See oder auch Schwarzer See genannt, an dessen Ufer die Fischerhütte Gehrt mit Räucherfisch und Biergarten wartet. Anders als in den Sommermonaten – der Hochsaison für Hausboote –  in denen die Boote ihre Kreise ziehen, um auf einen Ankerplatz zu warten, ist es heute noch ganz ruhig – gut für das erste selbstständige Anlegemanöver. Für Bier ist es uns noch zu früh, aber Räucherfisch passt zum Bootsfrühstück – Maräne aus hiesigen Gewässern.

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Schleusenmanöver

Gestärkt lösen wir die Seile vom Steg und fahren zum nächsten Halt nach Fürstenberg, der Drei-Seen-Stadt. Dabei geht es über drei Schleusen – Wolfsbruch, Strasen und Steinhavelmühle – die wir souverän und ohne Hektik bewältigen, diverse Seen, Kanalstücke, Havel und mecklenburgische Gewässer (auf denen wir nicht halten dürfen). Einige Brücken sind so schmal, dass man bei der Durchfahrt wirklich aufpassen muss. Wir sehen Fischotter und diverse Greifvögel, Fischreiher und Biber, Eisvögel und Sumpfschildkröten leider nicht, die soll es hier aber tatsächlich auch geben. An und unter Deck wird währenddessen gelesen, gespielt und gekocht.

Den Anker werfen wir auf dem Schwedtsee und endlich spielt auch das Wetter richtig mit, das bisher ziemlich aprilig war und von Starkregen, über Hagel und einen Sonne-Wolken-Mix alles parat hatte: Die Sonne steht tief an einem wolkenlosen azurblauen Himmel und taucht Boot und Natur in ein Wansinns-Licht; alles ist gut – zumal uns die Sonne bis zur morgigen Ankunft an der Marina nicht mehr verlassen wird.

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Geglücktes Anlegen an der Fischerhütte Gehrt am Schwarzen See.

Sonne, Mond und Sterne

Mit dem nächsten Morgen bricht schon der letzte Tag an Bord der Clipper an. Die Kids wünschten sich einen mit viel Zeit zum Schwimmen, SUP-Fahren und Chillen, was uns entgegenkommt. Wir beginnen erstmal mit Kaffee und Spiegeleiern an Deck und sind wunschlos glücklich. Ein kurzer Besuch in Fürstenberg mit kleinem Rundgang passt aber auch noch in ihr Konzept, zumal es bei INNFernow köstliches selbstgemachtes Eis gibt. Wären wir länger unterwegs, wozu wir große Lust hätten, müssten wir irgendwann wohl mal anlegen, um nachzutanken und den Toilettentank zu leeren.

Wir aber waren weit davon entfernt, Wasser- und Dieseltank zu leeren und den anderen Tank zu füllen. Und so verbringen wir die letzte Nacht auf dem Menowsee, wieder in absoluter Idylle: Der Vollmond steht am Himmel und die Bäume spiegeln sich im dunklen Wasser. Wir liegen an Deck, zählen Sterne und sind uns sicher, dass wir wieder an Bord gehen werden.

P.S.

  • Unbedingt in der Nebensaison fahren.
  • Wäre dies ein Mama-Blog würde ich noch empfehlen, ein Windlicht und eine Tischdecke mitzunehmen …
  • Genaue Infos zu Mietpreisen und Nebenkosten, Versicherung und Kaution gibt’s unter www.leboat.de