Interview mit Unternehmer und 3-fach-Papa Daniel Bialecki

Vor ein paar Tagen haben wir Euch bereits scoyo vorgestellt, ein digitales Angebot für Schüler der Klassenstufen 1 bis 7. Kinder können so zuhause den Schulstoff vertiefen oder Lücken schließen. Geführt wird das Unternehmen von Daniel Bialecki. Und weil der drei Kinder hat, Motorrad fährt und sich intensiv mit unserem Schulsystem auseinandersetzt, haben wir ihn für ein kurzes Interview vor unser Mikrofon geholt.

Hier findet Ihr zehn spannende Antworten von DANIEL BIALECKI:

1. Du bist Geschäftsführer der Firma scoyo, die wir kürzlich bereits vorgestellt haben. Sag uns doch mal, was wir noch über Dich wissen müssen.

Ich habe eine wunderbare Familie mit drei prächtigen Kindern. Ich fahre super gerne Motorrad, spiele immer wieder mal Klavier und oft Inline Hockey. Und ich arbeite sehr gerne, was bedeutet, dass ich viel Sinn und Relevanz in dem sehe, was ich tue: Kindern dabei zu helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Außerdem arbeite ich nebenbei als Coach, was unfassbar interessant ist.

2. Demnach beschäftigst Du Dich intensiv mit unserem Schulsystem und dem digitalen Lernen. Wo stehen wir da und wie sind Deine Prognosen?

Beim Schulsystem stehen wir noch immer ungefähr da, wo es vor mehr als 100 Jahren entwickelt wurde. Beim digitalen Lernen stehen wir am Anfang und kommen erst jetzt allmählich aus der Schwarz-Weiß-Betrachtung raus. Für das Lernen auch (!) digitale Wege und Medien einzusetzen, wird also in wenigen Jahren für die Meisten normal geworden sein. Bis der Schul-Unterricht eine deutliche Qualitätssteigerung erfahren hat, kann es noch etwas länger dauern.

3. Eltern versuchen oft, Kinder lange von Medien fernzuhalten. Eure App bringt die Grundschulkinder an die Geräte. Ist das ein Konflikt?

Für einige Elternhäuser ja – wir suchen zu Hause auch immer wieder nach der richtigen Balance. Den letztlich ist es das: fernhalten halte ich für grundverkehrt. Wir haben als Eltern doch die Aufgabe, unseren Kinder Vorbilder zu sein. Wir halten uns ja auch nicht von Medien fern – wie kann ich das denn meinen Kindern erklären? Für mich liegt die Lösung in der Begleitung, im gemeinsamen Kennenlernen und Begreifen. Ich möchte, dass meine Kinder die Zukunft gestalten können – dazu müssen sie im richtigen Tempo alles verstehen lernen, was für die Zukunft wichtig ist. Medien, Technik, eine digitale Gesellschaft gehören sicher dazu.

Daniel Bialecki Scoyo

4. Was macht Euch zu Experten auf diesem Gebiet, mit welchen Herausforderungen habt Ihr zu kämpfen und was wünscht Du Dir von der Politik?

Wir sind seit 2007 auf dem Gebiet der digitalen Bildung aktiv. Wir haben also enorme Erfahrung und Wissen aufgebaut. Besonders macht uns dabei, dass wir das Lernen ab der ersten Minute unserer Gründung vom Kind aus gedacht haben – statt aus Büchern oder aus dem Schulsystem. Herausfordernd ist die miese Infrastruktur an den Schulen. Dass Kinder einfach keine Lobby haben, noch weniger als wir Eltern. Dass es noch immer keine echte Investitionsbereitschaft in Bildung gibt. Oder, machen wir es größer: keine Investitionsbereitschaft in die Zukunft. Und genau das nervt mich so: die Probleme unseres Bildungssystems sind alt. Alt und bekannt. Mit Geld werden wir sie lösen, einem toten Pferd nützt ein neuer Sattel ja auch nichts. Ich erwarte, dass die Politik das BildungsSYSTEM verändert und dabei ernsthaft die Schwächen aus dem Föderalismus beseitigt.

5. Adressiert ihr Väter und Mütter gleichermaßen oder bemerkt ihr beim elterlichen Engagement in Sachen Schule noch deutliche Unterschiede?

Ja, wir adressieren Väter und Mütter gleichermaßen. Und ja, es gibt noch immer krasse Unterschiede beim Engagement – dazu muss jeder nur mal bei einem Elternabend zählen, ob mehr Mütter oder Väter auf den Stühlen sitzen. Bei unserem Klassenchat wurde ich als Vater nicht mal eingeladen…das Problem ist also durchaus gegenseitig.

6. Wieviele Leute arbeiten denn bei Scoyo und was hat sich im letzten halben Jahr verändert?

Wir sind ca. 25 und wachsen gerade stark. Durch die Corona-Pandemie ist die Aufmerksamkeit auf die digitalen Chancen im Lernen überhaupt erst so richtig entstanden. Jetzt wissen alle, dass es viele Kinder gibt, die in den letzten Monaten komplett abgeschnitten waren, dass es gleichzeitig Kinder gibt, die in dieser Zeit sehr gut mithalten konnten. Der Job der Lehrer ist unfassbar schwer, hier im Klassenverbund alle gleichermaßen mitzunehmen und zu fördern. Genau hier wollen wir helfen – und damit wir das können, haben wir uns um einen neuen Investor bemüht, um unserer Kernaufgabe noch besser gerecht werden zu können. Das verändert so viel, dass es hier den Rahmen sprengt – aber für die Lehrer und Kinder wird es in wenigen Wochen ein noch viel besseres scoyo geben.

7. Du hast drei Kinder. Wie bekommst Du den Spagat zwischen Arbeit und Familie hin?

In Summe gut, auch das ist ein Thema, das immer wieder balanciert werden will. Ich lege Arbeit nicht als 9to5 aus, also gibt es immer wieder Freiräume, die ich total genieße. Wir essen zum Beispiel 2-3 Mal alle gemeinsam. Dazwischen wollen die beiden Jungs uns kaum sehen, weil sie komplett ihr Ding machen. Das passt super.

8. Gerade sind Herbstferien. Wie sieht für Euch der perfekte Familienurlaub aus? Mit und ohne Reiseeinschränkungen?

Ohne Reiseeinschränkungen: Wohnmobil mieten, alle rein und los. Allerdings nicht das deutsche Campingplatz-Ding, sondern Feuer am Abend, das Meer in unmittelbarer Nähe und fahren, wohin man will. Das ist unfassbar schön. Oder Skifahren in „unserem“ total verschlafenen Südtiroler Dorf. Mit Reiseeinschränkungen…hm. Wir haben einen großen Garten mit einem Bach am Ende. Das ist Luxus, auch hier können wir Feuer machen, Bier trinken und die Kinder schauen auf ein Stockbrot vorbei. Wegfahren muss also nicht, aber auf Dauer fehlen uns die Weite der Berge und des Meeres. Klingt voll kitschig. Ist aber nicht zu ändern.

9. Wenn Du mal nur für Dich sein willst, fährst Du Motorrad. Was macht diese Leidenschaft für Dich so besonders?

Helm auf, Motor an, Visier zu – eigene Welt. Es gibt nur noch die Straße und die Umgebung, auf die ich voll fokussiere, alle Gedanken bleiben weg – also Auszeit. Motorradfahren ist körperlich, es ist pur und liefert unverfälschte Eindrücke.

10. Du wohnst in Hamburg. Wie familienfreundlich ist unsere Stadt und was könnte noch verbessert werden?

Die Freizeitangebote finde ich ganz gut. Was mich total stört: dass Kinder im Nahverkehr bezahlen müssen, was das falsche Signal ist. Dass Radfahren teilweise wirklich gefährlich ist, weil wir so wenige und gute Radwege haben. Und es gibt zu wenig Flächen, auf denen Kinder spielen können – wir konnten früher auf der Straße kicken oder skaten, auf unbebauten Grundstücken spielen. Ich finde, es dürfte gerne viele ausgewiesene Bereiche in Straßen durch Wohngebiete geben, auf denen Kinder spielen dürfen und der Verkehr entsprechend reglementiert ist.

Lieber Daniel, herzlichen Dank für die spannenden Infos. Für Dich, Deine Familie und Dein Unternehmen wünschen wir weiterhin alles Gute.

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