Unter Strom – mit dem E-Bike in die Berge

Unsere Gastautorin und Reiseexpertin Anna Schütz war wieder mit der Familie auf Tour und erzählt von ihrem aufregenden Trip:

Dieses Jahr fiel der geplante Portugal-Urlaub Corona zum Opfer. Zum Glück waren die Grenzen nach Österreich offen, denn dort erwarteten uns ein wunderbares Hotel, zwei herrliche Regionen und einige echt actionreiche Erlebnisse…

Hier ist Teil 1:
Mit dem Guide vom Almhof Family Resort & SPA auf E-Bike-Tour

Elektrisiert im Zillertal

Ich geb‘s ehrlich zu: Bisher habe ich auch ein bisschen spöttisch geschaut, wenn Bikes mit dem gewissen Etwas an mir vorüberzogen. „Naja, mit E-Antrieb ist das keine Kunst“, so oder so ähnlich dachte ich mir – und: „Wer‘s nötig hat …“ Wie so viele meinte ich, dass nur Menschen E-Bike fahren, die eins brauchen, also irgendwie gebrechlich, alt oder wenigstens unsportlich sind. Kerle wie Bobby, den niederländischen Bike-Guide des Almhof Family Resort & Spa, habe ich damit jedenfalls nicht in Verbindung gebracht. Unseren Kindern kauften wir daher leichte Kinder-Bikes ohne Akku – und stießen bei unseren Touren rasch an Grenzen, auch wenn wir Großen nicht einmal echte Biker sind. Die Leistungsunterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern sind naturgemäß groß. Es fehlte bei den Jüngeren einfach die Kraft, steile Berge zu erklimmen. Und so motivierten wir uns schon bei kürzeren Touren den Mund fusselig oder drehten im Tal unsere Runden. Aber so verpasst man natürlich das Beste – tolle Trails, grandiose Ausblicke und wunderschöne Höhenwege. Vor allem wenn man wie wir in der großartigen Bergwelt der Zillertal Arena unterwegs ist.

Exkurs: Totale Erholung im Almhof Family Resort & Spa

Wir waren zu Gast im Almhof in Gmünd, der sich nicht nur als Ausgangspunkt für zahllose Wander- und Bike-Touren anbietet, sondern darüber hinaus als Mitglied der Original Kinderhotels Europa ein tolles Familienhotel ist. Neben dem ohnehin stets luxuriösen Komfort eines Vier-Sterne-Superior-Hauses von Außen-Blocksauna bis zum zimmereigenen Whirlpool, vom reichhaltigen Frühstücksbuffet bis zum feinen­ Abend-Menü mit regionalen Köstlichkeiten bietet der Almhof nämlich durchdachte Annehmlichkeiten für Eltern und Kinder – und damit meine ich nicht nur (aber auch!!!) den total geschmackvoll designten Adults Only Wellness Turm des Hauses, in dessen Dach-SPA mit Rooftop Whirlpool, Almsauna und Panorama-Ruheraum mit Wasserbetten ich nach unseren sportlichen Aktivitäten relaxt habe, die diversen Wasserrutschen, den Billardtisch und den Riesen-Kicker, den Flipper, den Boulder- und den Legoraum, die Playstation oder den Renn-Simulator, die allein schon Kinder- und Jugendlichen-Augen zum Leuchten bringen.

Details, die Großen & Kleinen Freude machen

Es sind feinere Details, die den Almhof zu etwas Besonderem machen. Schon bei der Ankunft fällt auf, dass Kinder hier wirklich willkommen sind – warum sonst sollte man extra Stufen zum Empfang bauen, damit auch die Kleinsten ihre Wünsche an der Rezeption auf Augenhöhe äußern können. Im Zimmer dann gibt es nicht nur die erwähnte private Whirlpool-Wanne, die einen mega-Schaum sprudelt, wie wir selbst getestet haben, sondern eine gemütliche Sitzecke mit Tisch, im Flur genug Platz zum Ankommen und große Schränke zum Verräumen aller Klamotten, Schuhe und sonstigen Utensilien. Und beim ersten Abendessen zeigt sich, dass auch das Personal Kinder gernhat: Norbert vom Service-Team erobert durch seine liebenswerte Art die Herzen unserer Kinder im Handumdrehen. Dass er ganz nebenbei auch für meinen Mann und mich immer die passende Weinempfehlung parat hat, verwundert da schon nicht mehr.

Mit dem Hotel-Bike-Guide auf Tour

Am Morgen dann lädt die große Rolle Frischhaltefolie dazu ein, sich bei Bedarf ganz offiziell ein Brötchen für unterwegs zu schmieren. Diesen sympathischen Service des Hauses nutzen all jene Gäste, die das Zillertal in seiner ganzen Schönheit erleben wollen – ob sie an einer der zahlreichen hotelgeführten Outdoor-Aktivitäten teilnehmen wie Wanderungen, Canyoning oder Rafting, Klettersteig, Skyliner oder Hochseilgarten oder auf eigene Faust losziehen. Wir freuen uns darauf, dass Bike-Guide Bobby in der Lobby auf uns wartet, der jeden Tag mit den Gästen des Hauses – ohne Extrakosten übrigens – auf größere oder kleinere Touren geht und auch abseits der ausgeschilderten Pfade besonders schöne Trails verrät. Außerdem stehen fünf aufgeladene E-Bikes für uns bereit: Wir wollen es einfach mal ausprobieren, wie es sich mit Motor so fährt, und ob es für Familien eine echte Option ist.

Theorie & Praxis

Die drei jungen Testpiloten sind im Vorfeld unterschiedlicher Meinung. Die Zwillinge, beide 10, freuen sich wie Bolle und geben unumwunden zu, dass sie es super finden, weniger strampeln zu müssen. Der Große, fast 15, geniert sich eher: „Die Leute denken doch, ich bring‘s nicht ohne …“ Und wir Eltern? Wir können ihn verstehen. Nach Bobbys Einführung ins Fahren, Kurven und Bremsen, geht es zunächst auf den Übungstrail, wo die Theorie in die Praxis umgesetzt wird. Monkey-Position, bremsen und in der richtigen Pedalhaltung in die Kurve, dann wieder hoch. Nach einer Weile fahren wir dann zur Isskogelbahn, die uns ohne Schweiß auf knapp 1900 m hochbringt. Den Isskogeltrail gibt es im Grunde nicht, denn die Abfahrt teilt sich in verschiedene Varianten auf. Wir vom Almhof stürzen uns (zwischendrin auch mal im wahrsten Sinne des Wortes) in die Hauptlinie, den Iss-Flow. Iss-Vertical, Iss-Tough und Co. sparen wir uns für spätere Urlaube auf …

Über Brücken, Beton und fluffigen Waldboden

In mehreren Steilkurven zieht sie sich durch das anfangs noch baumlose, bald aber waldige Gelände, das immer wieder tolle Ausblicke erlaubt und Wellen und natürliche Hindernisse parat hält. Die kleinen Wurzeln lassen die Federgabeln arbeiten und sorgen für lustig-ruppigen Fahrspaß. Unter Bobbys aufmerksamem Blick surfen die Kinder und wir über Brücken, Betonplatten und den weichen Waldboden gen Tal – und immer wieder spüren wir, wie das Adrenalin in unsere Adern schießt. Zum Glück passt der Niederländer auf uns auf und warnt vor besonders steilen Kurven und fiesen Passagen. Unten angekommen sind wir glücklich, aber auch ganz schön erschöpft: Die Anspannung und vor allem die Konzentration haben echt Kraft gekostet, da kann auch der beste Akku nicht helfen. Morgen werden wir auf der großen Panorama-Tour mal Strecke machen. Bis dahin genießen wir Erwachsenen im Hotel eine entspannende Massage und zwei Schwitzgänge im Wellness-Turm. Die Kinder holen irgendwoher eine Reserve her und verschwinden in der Family Water World.

Herrliche Berge, sonnige Höhen …

Am nächsten Tag heißt es wieder rauf auf‘s Radl und ab geht‘s vom Hotel den Gerlosbach entlang auch heute wieder bis zur Isskogelbahn. Da dieses Teilstück ohne nennenswerte Steigungen ist, fahre ich im Eco-Modus, der ersten von vier Unterstützer-Stufen, um Energie zu sparen. Schließlich will ich noch genügend Power im Akku haben, wenn es steil wird und drauf ankommt. Die anderen tun es mir gleich. Nur meine Tochter wird den ganzen Tag nicht vom High-Level weichen, hatte doch der Fahrradverleiher erklärt, sie sei so leicht, sie könne den Akku gar nicht leerkriegen. Trotz „E“ im Bike steigen wir in Gerlos wieder in die Gondel, die uns die 600 Höhenmeter nach oben bringt. Das ist übrigens schon einer der Vorzüge dieser Tour, die nur eine von 54 Touren und 800 km im Zillertal ist: Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Strecke abzukürzen oder auszuweiten. Grandios ist sie immer. Auf der Panorama-Route erlebt man den Gegensatz zwischen den eher sanften, grünen Hügeln der Kitzbühler Alpen und den schroffen Felsen und steilen Flanken der Zillertaler Alpen besonders intensiv.

Atemberaubende Aussicht

Wir rollen kilometerweit auf Schotterwegen durch wunderbares Almgelände hoch über dem Tal und genießen bergauf und bergab den Blick ins Gerlostal und seine Seitentäler. Über zehn Kilometer folgen wir dem Panoramaweg auf fast 2000 Metern Höhe. Einmal machen wir eine Trinkpause auf der Höhe und können den Blick fast nicht abwenden von den gegenüberliegenden Gipfeln der Dreitausender der Zillertaler Gletscher – die Aussicht ist unschlagbar. Auf der Kreuzwiesenalm kehren wir ein und entscheiden, dass wir nicht über den Gerlosberg bis Zell am Ziller abfahren, von wo aus uns der Bus in gut 20 Minuten ins Hotel gebracht hätte. Wir halten uns links in Richtung Jausenstation Astachhof (eine besonders hübsche Einkehrmöglichkeit) und stoßen kurz vor der Ortseinfahrt nach Gmünd am Gasthof Kühle Rast auf die B165. Für die letzten 2 Kilometer bis zum Almhof schalten wir alle nochmal den Turbo an, schließlich hat der Akku noch Power und geben nochmal richtig Gas. Als wir am Hotel ankommen, sind wir angenehm auf Trab gekommen, aber nicht vollkommen erledigt. Das empfehlen übrigens auch die Sportmediziner. E-Bikes helfen, die Belastung im gesunden aeroben Bereich zu halten. Das verbessert die Ausdauer und stärkt das Immunsystem. Aber vor allem hatten die Kinder einen Riesenspaß und fühlten sich zu keiner Zeit überfordert, sodass auch uns Eltern kein „Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr“ denselben verdorben hat. Gut gelaunt hängen mein Mann und ich noch einen kleinen Besuch im hoteleigenen Fitness-Studio dran. Nicht zuviel, schließlich brauchen wir noch Kraft für’s Abendessen 😉

Mein Fazit

…nach diesem elektrisierenden Testlauf im Zillertal: Ich weiß jetzt schon, dass ich nicht nur die Saftpresse und den Eierkoch vom Almhof vermissen werde, sondern auch dass ich E-Bikes wirklich klasse finde, weil sie Leistungsunterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen ausgleichen und den Aktionsradius von Familien deutlich erweitern. Aber auch ganz unabhängig von den Kindern habe ich Blut geleckt, weil ich mit E-Antrieb Touren machen kann, die ich niemals mit Spaß an der Sache geschafft hätte. Und am Ende hat sogar der anfangs so skeptische Teenager festgesellt, dass man sich auch mit dem E-MTB quälen kann – schließlich liegt die Motorunterstützung in der eigenen Hand.

Infos: www.familyresort.at

Fotos: © Anna Schütz // unten © Almhof Family Resort & SPA

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