Finanzen

Mehr Elterngeld für Familien – Steuerklassen-Trick kann Hunderte Euro im Monat bringen

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Über kaum eine Familienleistung wird gerade so heftig gestritten wie über das Elterngeld. Familienministerin Karin Prien soll im Familienetat rund 500 Millionen Euro einsparen. Und das Elterngeld ist mit Abstand der größte Posten in ihrem Haushalt. Kein Wunder also, dass die Sparpläne für Aufregung sorgen: Familienverbände warnen, Politikerinnen und Politiker aus den eigenen Reihen rudern zurück, und am 6. Juli 2026 will das Bundeskabinett über die konkreten Pläne entscheiden.

Für uns Väter ist dabei ein Detail besonders spannend: Im Gespräch ist, dass Papas künftig mehr als zwei Partnermonate nehmen müssen, damit eine Familie den vollen Anspruch von 14 Monaten behält. Die Politik will damit die viel beschworene Partnerschaftlichkeit fördern und uns Väter stärker in die Carearbeit holen. Wie das am Ende aussieht, ist noch offen. Was aber heute schon feststeht: Wer clever plant, kann die Höhe seines Elterngelds selbst beeinflussen. Ganz legal, ohne Überstunden und ohne beim Chef um eine Gehaltserhöhung zu betteln.

Anlass für diesen Beitrag ist eine Mitteilung der Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH), Deutschlands größtem Lohnsteuerhilfeverein. Wir haben die wichtigsten Punkte für euch eingeordnet, gegengecheckt und aus Väter-Sicht aufbereitet.

Warum das Elterngeld für so viele Familien zählt

Das Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die einen Teil des Einkommens ersetzt, das nach der Geburt wegfällt. Also für die Zeit, in der ihr kürzertretet, um euch um den Nachwuchs zu kümmern. Genutzt wird das massiv: Rund 1,61 Millionen Mütter und Väter haben 2025 Elterngeld bezogen. Davon waren rund 417.000 Väter, der Väteranteil liegt damit bei knapp 26 Prozent und ist seit Jahren erstaunlich stabil.

Gleichzeitig wird eine Variante immer beliebter: Das Elterngeld Plus erreichte 2025 mit 40,3 Prozent einen neuen Höchststand. Bei diesem Modell bekommt ihr monatlich weniger Geld, dafür aber doppelt so lange. Das ergibt vor allem dann Sinn, wenn ein Elternteil schon während des Bezugs wieder stundenweise in den Job einsteigt. Ein Modell, das gut zu vielen modernen Väter-Lebensläufen passt.

Wenn du dich grundsätzlich fragst, wie du als Vater überhaupt an die Leistung kommst, haben wir das an anderer Stelle Schritt für Schritt erklärt: Elterngeld beantragen als Vater.

Wer überhaupt Elterngeld bekommt – die 175.000-Euro-Grenze

Seit dem 1. April 2025 gilt eine wichtige Hürde: Anspruch auf Elterngeld haben Paare – verheiratet oder nicht – sowie Alleinerziehende nur noch dann, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen höchstens 175.000 Euro beträgt. Vorher lag die Grenze bei 200.000 Euro, und genau diese schrittweise Absenkung ist Teil der laufenden Spardebatte.

Hier liegt aber ein verbreiteter Denkfehler, vor dem die VLH ausdrücklich warnt und der bares Geld kosten kann: Das zu versteuernde Einkommen ist nicht euer Bruttogehalt. Es ist das, was nach allen steuerlichen Abzügen übrig bleibt: Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen und so weiter. Es steht am Ende in eurem Steuerbescheid.

Praktisch heißt das: Ein Paar mit einem gemeinsamen Jahresbrutto von 200.000 Euro liegt mit seinem zu versteuernden Einkommen mit hoher Wahrscheinlichkeit unter der 175.000-Euro-Marke und hätte damit weiterhin Anspruch. Wer also vorschnell glaubt, er verdiene „zu viel“ fürs Elterngeld, sollte unbedingt genauer rechnen oder rechnen lassen.

Wie hoch das Elterngeld ausfällt

Wenn die Voraussetzungen passen, kommt die spannende Frage: Wie viel landet am Ende auf dem Konto? Die Eckdaten sind schnell erklärt. Das Elterngeld beträgt mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Maßgeblich ist das durchschnittliche Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils im Jahr vor der Geburt, je höher dieses Netto, desto höher das Elterngeld, bis der Deckel von 1.800 Euro erreicht ist.

Und genau an diesem „Netto vor der Geburt“ lässt sich drehen.

Der Steuerklassen-Hebel

Viele werdende Eltern wissen nicht: Die spätere Höhe des Elterngelds lässt sich vorab beeinflussen, unter anderem durch einen rechtzeitigen Wechsel der Steuerklasse. Verheiratete Paare mit unterschiedlich hohen Einkommen wählen häufig die Kombination 3 und 5. In Steuerklasse 3 fallen die monatlichen Abzüge niedriger aus, das Netto steigt.

Der entscheidende Punkt für uns: Derjenige, der nach der Geburt zu Hause bleibt, sollte rechtzeitig in die Steuerklasse 3 wechseln. In klassischen Konstellationen ist das die Mutter. Aber wenn du als Papa die Hauptbetreuung übernimmst oder die längeren Elterngeldmonate planst, dann solltest du derjenige sein, der in Steuerklasse 3 rutscht. Denn dann fließt ein höheres Netto in die Berechnung deines Elterngelds ein und das Elterngeld fällt entsprechend höher aus. Über mehrere Monate gerechnet kommen so schnell mehrere Tausend Euro zusammen.

Beim Timing müsst ihr aufpassen: Der Wechsel sollte spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes erfolgen, idealerweise sogar schon früh im Jahr vor der Geburt. Beamtinnen und Beamte haben meist etwa einen Monat länger Zeit. Wer zu spät dran ist, verschenkt den Effekt.

Dass die Steuerklasse 5 hier zur Falle wird, ist übrigens kein neues Phänomen, wir haben darüber schon vor vielen Jahren berichtet: Elterngeld nicht verschenken – die richtige Steuerklasse. Neu ist nur, dass die Logik genauso für Väter gilt, die heute selbstverständlicher in Elternzeit gehen.

Die Kehrseite: Steuernachzahlung und der Wechsel zurück

So legitim der Trick ist, die VLH macht zu Recht auf zwei Haken aufmerksam.

Erstens: Elterngeld ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt, es hebt im Bezugsjahr euren persönlichen Steuersatz und dieser höhere Satz gilt dann für euer gesamtes übriges Einkommen. „Deshalb müssen junge Familien für die Zeit des Elterngeldbezugs nicht selten eine Steuernachzahlung leisten“, erklärt VLH-Vorstandsmitglied Uwe Rauhöft. Legt also am besten eine Rücklage zur Seite, damit die Abrechnung kein böses Erwachen wird.

Zweitens: Übernimmt nach einigen Monaten der andere Elternteil die Betreuung, richtet sich dessen Elterngeld nach seinem vorherigen Netto. Steckte dieser Elternteil in Steuerklasse 5, drohen Nachteile, weil die ungünstigere Klasse zugrunde gelegt wird. Es lohnt sich also, die gesamte Elternzeit gemeinsam durchzurechnen, nicht nur die ersten Monate.

Ein ehrlicher Hinweis zur Steuerklasse 3 und 5

Eine Sache, die in vielen Ratgebern untergeht, gehört hier dazu: Die Ampel-Koalition hatte geplant, die Steuerklassen 3 und 5 zum 1. Januar 2030 abzuschaffen und alle Betroffenen automatisch in das Faktorverfahren der Steuerklasse 4 zu überführen. Nach dem Bruch der Koalition wurde dieses Vorhaben aber wieder aus dem Gesetz gestrichen, und die aktuelle Bundesregierung verfolgt es derzeit nicht. Heißt für euch: Die Kombination 3/5 existiert weiterhin, der Steuerklassen-Trick funktioniert. Behaltet das Thema aber im Hinterkopf, falls eine künftige Reform doch wieder daran rüttelt.

Basis oder Plus? Kurz zur Wahl der Variante

Beim Basiselterngeld bekommt ihr die volle Höhe für bis zu 14 Monate (auf beide Eltern verteilt). Beim Elterngeld Plus halbiert sich der monatliche Betrag, dafür verdoppelt sich der Zeitraum, ideal für Teilzeit-Rückkehrer. Wer als Paar parallel in Teilzeit arbeitet, kann zusätzlich den Partnerschaftsbonus für bis zu vier weitere Monate nutzen. Gerade für Väter, die nicht komplett aussteigen, aber präsent sein wollen, ist das eine attraktive Option und der wachsende Zuspruch zeigt, dass immer mehr Familien genau so planen.

Fazit

Das Elterngeld steht politisch unter Druck, und die nächsten Wochen bringen womöglich konkrete Änderungen. Und das gerade bei den Partnermonaten, die uns Väter direkt betreffen. Umso wichtiger ist es, die Stellschrauben zu kennen, die ihr heute schon in der Hand habt. Die wichtigste: ein gut getimter Steuerklassenwechsel für den Elternteil, der zu Hause bleibt. Plant früh, rechnet die ganze Elternzeit durch und legt etwas für eine mögliche Steuernachzahlung zurück. Im Zweifel hilft ein Lohnsteuerhilfeverein oder eine Steuerberatung dabei, die für euch günstigste Kombination zu finden.

FAQ

Wie kann ich als Vater mein Elterngeld erhöhen?

Wenn du nach der Geburt zu Hause bleibst, kannst du rechtzeitig – spätestens sieben Monate vor dem Mutterschutz – in die Steuerklasse 3 wechseln. Dadurch steigt dein Nettoeinkommen, das zur Berechnung des Elterngelds herangezogen wird, und dein Elterngeld fällt höher aus.

Wie hoch ist das Elterngeld 2026?

Das Elterngeld beträgt mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Die genaue Höhe richtet sich nach dem durchschnittlichen Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils im Jahr vor der Geburt.

Ab welchem Einkommen gibt es kein Elterngeld mehr?

Seit dem 1. April 2025 entfällt der Anspruch, wenn das zu versteuernde Jahreseinkommen über 175.000 Euro liegt. Maßgeblich ist nicht das Bruttogehalt, sondern das zu versteuernde Einkommen aus dem Steuerbescheid – dieses ist in der Regel deutlich niedriger.

Muss ich auf Elterngeld Steuern zahlen?

Elterngeld selbst ist steuerfrei, erhöht aber über den Progressionsvorbehalt deinen Steuersatz für das übrige Einkommen. Dadurch kann es im Bezugsjahr zu einer Steuernachzahlung kommen. Eine Rücklage ist deshalb sinnvoll.


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