Ähnliche Beiträge

RatgeberFamilienlebenAlleinerziehende Väter - Der Anteil nimmt stetig zu, wenn auch langsam

Alleinerziehende Väter – Der Anteil nimmt stetig zu, wenn auch langsam

Das Statistische Bundesamt verkündete kürzlich mit seiner Zahl der Woche, dass aktuell 15 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren die Väter sind. Das ist zwar immer noch ein verschwindend geringer Teil gegenüber den alleinerziehenden Müttern. Aber immerhin ist dieser Wert in den letzten zehn Jahren um fünf Prozentpunkte gestiegen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber die Tendenz stimmt positiv. Denn zur Gleichberechtigung gehört auch im Falle einer Trennung, sich zu gleichen Anteilen um die Betreuung der Kinder zu bemühen. Väter sind sicherlich ähnlich kompetent wie die Mütter. Gesellschaftlich sind sie jedoch noch Exoten, kritischer beobachtet und nicht immer voll akzeptiert.

Und wir hören schon direkt die Stimmen: „Ich würde ja so gerne, aber ich kann mir das bei meiner beruflichen Situation nicht leisten“. Oder „In meinem Job gibt es leider keine Möglichkeit zur Teilzeit“. Das mag alles auch stimmen. Aber wo ein Wille ist, da ist auch im Beruf meisten ein Weg. Auch wenn er nicht unbedingt die bequemste Lösung ist. Ein Zurückstellen der angepeilten Karriere, die Tratschereien der Kollegen und auch das Gefühl, sich zwischen Kinderbetreuung und „daily business“ zerreissen zu müssen, kennen insbesondere die Väter und Mütter, die sich ohne Partner:in um die Kinder kümmern. Und auch die Familiengerichte halten oft noch die Mama für die bessere Unterbringung der Kinder. Aber auch da ändern sich die Ansichten.

Der Verlauf der Alleinerziehenden in den 10 Jahren von 2012 bis 2022.

Alleinerziehende Väter mit minderjährigen Kindern sind seit 2012 bis 2022 um 44 Prozent angestiegen von 166.000 auf 239.000. Parallel dazu sank die Zahl der alleinerziehenden Mütter um 10 Prozent von 1.48 Millionen auf 1.33 Millionen. Im letzten Jahr 2022 gab es somit etwa 1.57 Millionen Alleinerziehenden-Familien in Deutschland. Das bedeutet, dass mit 19 Prozent in gut jeder fünften Familie mit Kindern unter 18 Jahren nur ein Elternteil lebt. Dieser Anteil ist in der letzten Dekade tatsächlich leicht gesunken, noch 2012 machten die 1.64 Millionen Alleinerziehenden-Familien einen Anteil von 20 % an allen Familien mit minderjährigen Kindern aus.

Und noch eine gute Nachricht: Die Zahl der Familien mit Kindern unter 18 Jahren stieg von 8.11 Millionen im Jahr 2012 auf 8.45 Millionen im vergangenen Jahr. Klären wir zuerst ein paar Fragen.

Fragen zu alleinerziehenden Vätern

Bevor wir uns den besonderen und herausfordernden Erziehungsstil vornehmen, haben wir hier ein paar FAQ für euch gesammelt. Damit wollen wir Begriffe klären und auch zeigen, welche Unterstützung und Förderung es gibt.

Alleinerziehende Väter – wann stimmt diese Bezeichnung?

Die Bezeichnung der alleinerziehenden Väter ist missverständlich, denn meist spielt der andere Elternteil auch noch eine Rolle im Leben des Kindes. Alleinerziehende Väter sind von den Müttern getrennt und leben in einem Haushalt mit ihren minderjährigen Kindern. Sie sind der hauptbetreuende Elternteil. Dabei spielt es keine Rolle, wenn die Kinder auch Zeit bei der Mama oder zweiten Papa verbringen und nicht das alleinige Sorgerecht beim Vater liegt. Solange keine neue Partnerin oder Partner unter dem Dach wohnt, ist es eine Einelternfamilie. In vielen Fällen ändert sich das Familienmodell später zu einer Stief- oder Patchworkfamilie.

Wie werden Allein- und Getrennterziehende vom Staat unterstützt?

Da dieses Familienmodell verbreitet und besonders herausfordernd ist, gibt es einige staatliche Leistungen, die alleinerziehende Väter und Mütter abrufen können. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, kurz BMFSFJ, ist gut ein Drittel aller Haushalte von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern auf staatliche Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) angewiesen. Dazu gehört der steuerliche Entlastungsbetrag und der Unterhaltsvorschuss und in bestimmten Fällen auch finanzielle Unterstützung durch Wohngeld oder den Kinderzuschlag.

Welche Steuerklasse eignet sich für alleinerziehende Väter?

Die meisten alleinerziehenden Väter sind in die Steuerklasse II eingeordnet. Und das ist auch richtig, denn in dieser Steuerklasse wird die Steuerbegünstigung durch den „Entlastungsbetrag für Alleinerziehende“ automatisch geltend gemacht. Die Höhe des Entlastungsbetrages liegt 2023 bei 4.260 Euro und für jedes weitere Kind erhöht sich der Ent­last­ungs­be­trag um jeweils 240 Euro. Voraussetzung ist, dass ein Kind bei dem Elternteil wohnt, er oder sie es ohne Partner:in erzieht und somit auch ein Anspruch auf Kindergeld besteht.

Ist ein Vater alleinerziehend, dann warten viele neue Aufgaben auf ihn.
© Ketut Subiyanto (Pexels)

Wie können alleinerziehende Väter ihre Kinder bestmöglich unterstützen?

Bestenfalls pflegt ihr auch nach der Trennung immer noch einen guten Draht zur Partnerin oder Partner, stellt das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt und arbeitet gemeinsam daran, die Kindern ein sorgenfreies Aufwachsen zu ermöglichen. In vielen Fällen gehen Eltern jedoch bei einer Trennung nicht im Guten auseinander, instrumentalisieren die Kinder und tragen ihre Konflikte offen vor den Kindern aus. Hier sind ein paar wichtige Aspekte, die in eurer Konstellation eine Rolle spielen.

Kommunikation

Als alleinerziehender Vater bist du der zentrale Ansprechpartner für das Kind. Daher ist eine regelmäßige, offene und ehrliche Kommunikation mit deinem Kind ein ganz wichtiger Faktor. du solltest wissen, was dein Kind umtreibt, welche Sorgen es hat und was in der KiTa oder der Schule so abgeht. Wenn dein Kind schon alt genug ist, könnt ihr auch über eure besondere Einelternfamilie sprechen. Beantworte alle Fragen altersgerecht und lasse schmutzige Wäsche gegenüber der Mutter außen vor. Sei verständnisvoll, sprecht offen über Gefühle und Ängste und ermutige dein Kind, auch offen über seine Emotionen zu sprechen. Und solltet ihr mal Streit haben, dann klärt das am besten immer spätestens vor dem Einschlafen.

Stabilität

Hilfreich im Alltag sind gerade für jüngere Kinder feste Ankerpunkte, denn die geben ein vertrautes Gefühl und somit eine gewisse Stabilität. Das fängt schon morgens an. Nehmt euch Zeit für ein gemeinsames Frühstück und besprecht den Tag. Oder nehmt euch Abends eine halbe Stunde für ein Kinderbuch oder gemeinsames Kochen. Eine strukturierte und verlässliche Umgebung verhilft dem Kind zusammen mit Routinen und festen Abläufen zu mehr Sicherheit und Stabilität.

Externe Unterstützung

Die Situation ist gerade am Anfang für den Papa und die Kinder spannend, traurig und ungewohnt. Da stoßen alleinerziehende Väter schnell an Grenzen. Wartet nicht zu lang, euch Unterstützung im sozialen Umfeld einzuholen. Das können Familienmitglieder, Freunde oder andere alleinerziehende Eltern sein. Gerade Väter glauben oft, alles allein schaffen zu müssen. Dabei kann es hilfreich sein und viele neue Erkenntnisse bringen, sich auszutauschen, Ratschläge einzuholen oder sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Ihr sollt euer Kind nicht abschieben oder woanders parken, sondern für euch als Familie ein Setup finden, mit dem ihr gut durch den Alltag kommt.

Gemeinsame Zeit

Neben den bereits beschriebenen täglichen Ritualen hilft es alleinerziehenden Vätern und den Kindern auch weiter, sich bewusst Zeit für gemeinsame Aktivitäten freizuschaufeln. Das können gemeinsame Spiele, Freizeitaktivitäten, Schwimmbadbesuche, Kinoabende oder auch Spaziergänge sein, vielleicht mit Geocaching als Anreiz. Diese intensiven, gemeinsamen Momente stärken die Bindung und zeigen dem Kind, dass es wichtig und geliebt ist und viel Platz in eurem Leben, Herzen und Alltag bekommt.

Selbstfürsorge

Bei allen Schwierigkeiten, Problemen und dem fehlenden Partner solltest du dich selbst nicht vergessen. Dein Kind braucht dich in positiver Stimmung, gesund und voller Energie. Daher solltest du deine persönlichen Bedürfnisse nicht immer hintenanstellen oder komplett über Bord werfen. Als alleinerziehender Vater ist es wichtig, genügend Ruhepausen und Zeit für sich selbst einzuplanen. Daher sollten eigene Interessen, Sport und Hobbys nicht komplett gestrichen werden. Sie sind wichtig für das eigene Wohlbefinden.

pexels tatiana syrikova 3932772
© Tatiana Syrikova (Pexels)

Mehr Probleme, aber auch mehr Bindung

So kompliziert das Familienmodell der Einelternfamilie am Anfang für den Vater und die Kinder erscheint, umso intensiver wird die Bindung im Laufe der Zeit. Dabei müsst ihr als Papa auch gar nicht zusätzlich noch die Rolle der Mama übernehmen. Auf der anderen Seite seid ihr nun nicht nur für die Organisation des Alltags, sondern auch für die Gesundheit, die Emotionen und die Sorgen der Kinder die Nummer 1. Und je nachdem, wie ihr euch die Aufgaben zuvor als Eltern aufgeteilt habt, entstehen so für euch neue Betätigungsfelder. Wenn ihr zusammen die aufreibende Startphase meistert, dann sollte euch das Kraft geben und zusammenschweißen.

Titelbild: © Pavel Danilyuk (Pexels)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

Beliebte Beiträge