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Buchtipp: „Unser Kind hat zwei Zuhause“ – Interview mit Thomas Baum

Über Familien, in bei denen sich die Eltern getrennt haben, berichten wir recht selten, obwohl ich selbst auch Patchwork-Papa bin. Da wir aber wissen, dass immer mehr Mütter und Väter getrennte Wege gehen und nach einer optimalen Lösung für ihre Kinder suchen, halte ich das Thema für absolut relevant. Heute lassen wir daher Thomas Baum zu Wort kommen. Der Manager hat vier Kinder und hat schon diverse Betreuungsmodelle ausprobiert. Nach der letzten Trennung hat er sich zusammen mit seiner Ex-Partnerin entschieden, ein Buch für Trennungseltern zu schreiben. Das heißt mit vollem Titel „Unser Kind hat zwei Zuhause: Was wir durch ein getrenntes Familienleben über uns selbst gelernt haben.

Dazu wollten wir unbedingt mehr erfahren und haben Thomas ein paar Fragen gestellt. Und für die von euch, die sich bisher noch gar nicht mit einer Trennung, den Folgen und möglichen Betreuungsmodellen befasst haben: beim Wechselmodell wachsen die Kinder bei getrennt lebenden Eltern gleichberechtigt auf. Das heißt, sie wohnen zu gleichen Anteilen mal bei der Mutter und mal bei dem Vater. Das bedarf mehr Organisation, sorgt aber dafür, dass beide Elternteile eine intensive Beziehung zu ihrem Kind entwickeln und ausleben können. Im Buch erfahrt ihr auch gerade aus der Sicht eines Papas, wie sich Kinder, Schule, Verabredungen und Hausaufgaben mit der Karriere und Geschäftsreisen kombinieren lassen.

Unterhaltsam, informativ und ernsthaft beschreiben Thomas und seine Ex-Partnerin Milena, wie sie zum Wohl der gemeinsamen Tochter einen Weg gefunden haben, als Familie zu bestehen.

Interview mit Thomas Baum

1. Du und deine Expartnerin haben das Buch „Unser Kind hat zwei Zuhause“ zum Thema Wechselmodell geschrieben. Wie kam es zur Idee für das Buch?

Milena wurde von Freundinnen animiert, so ein Buch zu schreiben, weil sie alle aus eigener Erfahrung oder im Bekanntenkreis nur schlechte Geschichten über das Leben nach der Trennung kennen. Sie hat mich dann überzeugt, an dem Buch mitzuschreiben.

2. Wie sind deine Erfahrungen als Vater von vier Kindern: Welches Erziehungsmodell favorisierst du und warum?

Ganz klar das Wechselmodell! Die Gründe liegen auf der Hand. Man hat viel mehr Einflussmöglichkeiten bei der Erziehung, bekommt einfach viel mehr von seinem Kind mit. Im Übrigen ist es nur fair, sich die Arbeit und das Vergnügen zu teilen. Ich finde, es kann in der heutigen Zeit nicht sein, dass alles an den Frauen hängenbleibt. Im Wechselmodell lassen sich Privat- und Berufsleben am besten in Einklang bringen.

Die Autoren Milena Mergell und Thomas Baum mit Tochter Minou

3. Wie kann eine gerechte und funktionierende Aufgabenteilung der beiden Elternteile, vor allem in Zeiten von Corona, gelingen?

Indem man sich nicht nur mit seiner eigenen Situation auseinandersetzt, sondern eben auch mit der Situation der Ex-Partnerin und sich vor Augen führt was wirklich wichtig ist: Das Glück des gemeinsamen Kindes, bzw. der gemeinsamen Kinder. Mit der richtigen Zielsetzung (Glück und seelische Gesundheit des/r Kindes/r) kommt man ganz automatisch auf eine gerechte und funktionierende Aufgabenteilung.

4. Im Buch gebt ihr auch Tipps zur gemeinsamen Finanzplanung im Wechselmodell. Welche Aspekte sind für dich dabei am wichtigsten?

Fairness und gegenseitiger Respekt. Dann sollte man sich vor Augen führen, dass die Kosten für das gemeinsame Kind ja auch entstehen würden, wenn man noch zusammen wäre. Die Problemstellung ändert sich also nicht, nur weil man jetzt getrennt ist. Wenn jedem das Glück und Wohlbefinden des Kindes wichtig ist, dann wird man logischerweise zum gleichen Lösungsansatz der Finanzfragen kommen, als wäre man noch zusammen.

5. Wie reagieren Menschen, wenn du ihnen sagst, dass du mit deiner Expartnerin im Wechselmodell lebst?

Männer oft sehr überrascht und ungläubig, Frauen fast durchweg positiv. Außer manche Damen, die mit mir eine Beziehung haben wollten. Für die war es nicht immer nachvollziehbar, dass meine Tochter eine derart hohe Priorität hat und ihre Mutter eine gewisse Präsenz in meinem Leben hat, weil man sich ja permanent austauschen muss.

6. Wie geht man als Vater im Beruf mit den Vorurteilen um, die einem begegnen, wenn man für die Kinder kürzertreten will?

Das reicht von totalem Unverständnis bis hin zu Respektlosigkeiten. Immer noch. Kaum zu glauben. Ich will gar nicht so viel darüber erzählen, sonst rege ich mich zu sehr darüber auf.

7. Wie ist deine Wahrnehmung: Ist das Wechselmodell noch eine Ausnahme?

Leider ja. Viele Väter fürchten sich vor der Verantwortung und wollen ihre Freiheiten auch nicht einschränken. Sehr oft sind auch die neuen Partnerinnen ein Hinderungsgrund. Ich finde das sehr schade und bin mir auch ziemlich sicher, dass die meisten Väter das später bereuen werden und sie auch sehr traurig darüber sein werden. So war es jedenfalls bei mir bei meinen älteren Kindern.

8. Was könnte die Politik tun, damit es aus der Vatersicht einfacher ist, im Wechselmodell zu leben?

Da fällt mir im Moment keine vernünftige Antwort dazu ein.

9. Was sollte man mitbringen, wenn man das Wechselmodell leben möchte?

Nochmal: Respekt für die Ex-Partnerin, Liebe zu seinem Kind und den festen Vorsatz das Beste für sein Kind zu wollen. Dann helfen noch eine gewisse Gelassenheit, Humor und ein entsprechendes Einkommen, um auch zwei zuhause auf die Beine stellen zu können.

Komplett Media 187

10. Was ist für dich persönlich der wichtigste Tipp für Väter, die im Wechselmodell leben?

Sie sollen von der Zukunft träumen, in der Ihre Kinder, als dann erwachsene Menschen, mit einem Lächeln im Gesicht an die Tage mit ihrem Papa denken und sich daran erinnern, dass der Papa immer für sie da war und ihnen zur Seite stand.

11. Wie bewerten die Kinder das Wechselmodell? Und in welchen Fällen ist es eben doch nicht die perfekte Lösung?

Da müsste man eigentlich Minou, unsere kleine Maus, fragen. Ich glaube sie mag es sehr. In welchen Fällen funktioniert es nicht? Da würde ich natürlich sagen in den Fällen, bei denen das Kind nicht die oberste Priorität beider Elternteile ist. Dann natürlich, auch wenn es finanziell oder beruflich einfach nicht darstellbar ist. Ebenso wenn die Elternteile zu weit auseinander wohnen.

Solltet ihr also in Trennung leben und euren Alltag mit Kindern noch nicht optimal organisiert haben, checkt mal das Buch von Milena und Thomas. Bestimmt sind auch für euch ein paar nützliche Tipps dabei.

Über den Autor Thomas Baum

Thomas Baum ist Sales Manager bei einem französischen Luxusgüterkonzern und Vater von vier Kindern. Er kann aus eigener Erfahrung die unterschiedlichen Betreuungsmodelle vergleichen und stellt in dem gemeinsamen Buch vor, warum das Wechselmodell die beste Entscheidung seines Lebens war.

Details zum Buch

  • Titel: Unser Kind hat zwei Zuhause
  • Autoren: Milena Mergell und Thomas Baum
  • Herausgeber: ‎ Komplett Media GmbH
  • Erscheinungstermin: 2. August 2022
  • Sprache: ‎ Deutsch
  • Taschenbuch: ‎ 200 Seiten

Hier findet ihr weitere Buchtipps für Väter und auch Artikel zum Wechselmodell.

Fotos © Julia Bradley

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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