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Mikrozensus 2023: Immer mehr Mütter im Job, aber mehr Väter in Vollzeit

Wie bekommen Eltern den Spagat zwischen Job und Familie hin? Der Mikrozensus liefert aktuelle Zahlen. Der Mikrozensus ist eine wiederkehrende jährliche Befragung von Haushalten durch das Statistische Bundesamt. Wörtlich übersetzt meint es eine „kleine Bevölkerungs­zählung“. Durch diese Befragung werden seit 1957 die demografischen, sozialen, familiären und beruflichen Veränderungen ermittelt. Denn durch eine Grundgesamtheit von etwa 810.000 Personen in etwa 370 000 privaten Haushalten sind die Zahlen sehr valide. Immerhin entspricht der Anteil der Befragten gut einem Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

In einer heute am 16. August 2023 veröffentlichten Meldung zum Mikrozensus wurden Zahlen zu den Arbeitsbedingungen und den Veränderungen veröffentlicht, insbesondere im Bezug auf die berufstätigen Mütter und Väter minderjähriger Kinder. Und auch wenn der Anteil bei beiden Geschlechtern steigt, gibt es immer noch deutliche Unterschiede. Der Anteil der arbeitenden Mütter steigt, allerdings arbeiten viele von ihnen in Teilzeitjobs. Der Anteil der arbeitenden Väter steigt über 90 Prozent, bei zwei Dritteln der Paare mit Kindern unter 18 Jahren waren im letzten Jahr beide Elternteile berufstätig. Aber mit 65 Prozent arbeitete bei fast ebenso vielen Elternpaaren der Vater in einem Vollzeitjob und die Mutter in Teilzeit.

Mikrozensus zu erwerbstätigen Müttern und Vätern

Laut Mikrozensus arbeiteten im Jahr 2022 gut 69 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern. Gegenüber dem Jahr 2005 entspricht das einem Anstieg um 9 Prozentpunkte. Väter zeigten mit 92 % gegenüber 88 % in 2005 einen weniger starken Anstieg, sind aber auch schon ziemlich nah am Limit. Der Anstieg bei der Erwerbstätigkeit beider Geschlechter ist insbesondere auf die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 zurückzuführen. Besonders markante Unterschiede zeigten sich bei Eltern jüngerer Kinder: Nur 13 % der Mütter mit Kindern im ersten Lebensjahr sind berufstätig.

Demgegenüber sind 87 % der Väter im Job. Bei Kindern von zwei bis unter drei Jahren waren 64 % der Mütter und 92 % der Väter berufstätig. Väter hatten konstant eine Erwerbstätigkeitsquote zwischen 87 % und 93 %, während sie bei Müttern mit dem Alter des jüngsten Kindes stärker anstieg.

Der Mikrozensus zur Erwerbstätigkeit von Eltern

Der Anstieg bezüglich der Mütter im Job zwischen 2005 und 2022 zeigt sich besonders deutlich, wenn das jüngste Kind 1 bis 2 Jahre oder 3 bis 6 Jahre alt war. Hier sind es jeweils plus 16 Prozentpunkte. Noch höher ist der Anstieg bei Kindern von 2 bis 3, hier ist es ein Plus von 24 Prozentpunkten der erwerbstätigen Mütter. Bei einem jüngsten Kind ab 6 Jahren war der Anstieg moderater und lag bei einem Zuwachs von 8 bis 13 Prozentpunkten. Dies könnte auf den Ausbau der Kinderbetreuung hinweisen. Interessanterweise stieg die Erwerbstätigenquote bei Vätern mit kleinen Kindern ebenfalls, wenn auch weniger stark als bei Müttern. Das steht dem Zeil des Elterngeldes entgegen, Väter verstärkt in die Kinderbetreuung einzubinden.

Bei zwei von drei Familien arbeiten beide Elternteile

Laut Mikrozensus waren 2022 bei 66 % der gemischtgeschlechtlichen Paare mit minderjährigen Kindern beide Elternteile erwerbstätig. Bei 26 % der Paare arbeitete nur der Vater und bei etwa 3 % nur die Mutter. Im Vergleich dazu waren 2005 nur 54 % der Elternpaare doppelt erwerbstätig, während bei 34 % der Paare nur der Vater und bei 5 % nur die Mutter im Job waren.

Mütter arbeiten eher Teilzeit – Väter meist Vollzeit

Unter gemischtgeschlechtlichen Elternpaaren mit doppelter Erwerbstätigkeit arbeiteten 2022 bei 65 % der Paare die Väter in Vollzeit und die Mütter in Teilzeit. In dieser Konstellation trägt der Vater oft den Hauptteil des Einkommens. Bei 27 % arbeiteten beide Elternteile in Vollzeit, bei 5 % arbeiteten beide in Teilzeit. Lediglich bei 2 % der erwerbstätigen Elternpaare waren die Mütter in Vollzeit und die Väter in Teilzeit beschäftigt.

erwerbskonstellationen elternpaare


Seit 2005 hat sich bei der Erwerbsaufteilung nur wenig verändert: Im Jahr 2005 waren 69 % der Paare mit einem Vater in Vollzeit und einer Mutter in Teilzeit – ein Anteil, der 2022 um vier Prozentpunkte gesunken ist. Während Paare mit beiden Teilzeit arbeitenden Elternteilen von 2 % auf 5 % stiegen, blieb der Anteil der Paare mit beiden Vollzeitarbeitenden nahezu unverändert.

Sicherlich ist gerade bei den ganz kleinen Kindern die Entscheidung der meisten Eltern nachvollziehbar, dass die Mütter im ersten Jahr die Kinderbetreuung übernehmen. Aber schon danach und mit der Eingewöhnung in der KiTa ist eine gleichberechtigte Arbeitsaufteilung durchaus möglich. Daher hoffen wir, dass sich die Zahlen des Mikrozensus in Zukunft noch weiter verbessern im Sinne einer Gleichverteilung und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Elternteile.

Titelbild © Kenny Eliason (Unsplash)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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