Na, habt ihr Samstag auch vor dem Fernseher gesessen und beim DHB-Spiel gegen Serbien mitgefiebert? 27:30 ging es aus, nicht gerade das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten. Vielleicht habt ihr das spannende Match ja zuhause mit euren Kindern mitverfolgt. Und während die Jungs auf der Platte gekämpft haben, ist bei euren Kindern vielleicht ja die Idee entstanden, es selbst mal im Handballdress zu versuchen. Daher wollen wir heute mal intensiver beleuchten, wann und wie man die ersten Schritte dieser tollen Sportart unternehmen kann.
Zwischen Schule, Verabredungen und Medienzeit einen Sport zu finden, der Kinder wirklich begeistert, ist heute eine Herausforderung, allerdings gerade auch vielen Vätern ein wichtiges Anliegen. Schließlich haben viele von uns selbst als Jugendliche viel Zeit im Verein verbracht. Fußball kennt jeder, klar. Aber Handball? Der fliegt bei vielen Eltern noch unter dem Radar. Und das völlig zu Unrecht. Denn dieser Sport vereint alles, was Kinder zum Ausgleich brauchen: Action, Teamgeist, klare Regeln und die Möglichkeit, sich richtig auszupowern.
Warum Handball? Die Vorteile auf einen Blick
Handball trainiert praktisch alles gleichzeitig: Laufen, Springen, Werfen, Fangen, Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination. Und das Ganze in einem ziemlich flotten Tempo, daher muss man stets konzentriert und einsatzbereit sein. Kein monotones Rundenlaufen oder dem Ball hinterherjagen, hier ist jede Sekunde Action.
Der größte Unterschied zu vielen anderen Sportarten? Jede Position zählt. Die Wechsel sind schnell, die Spielzeit ist aufgeteilt, und auch der vermeintlich „schwächste“ Spieler bekommt seine Einsatzzeit. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und ihr Verständnis dafür, dass ein Team nur funktioniert, wenn alle mitziehen.
Fairplay und Regeln: Was Kinder fürs Leben lernen
Handball ist ein Kontaktsport, ja. Aber es gibt klare Regeln für den Körperkontakt. Kinder lernen früh, dass man sich durchsetzen darf, aber eben nicht mit Ellbogen ins Gesicht. Respekt vor dem Gegner, Respekt vor den Schiedsrichtern, Respekt vor den Regeln. Klingt vielleicht altmodisch, Ist aber verdammt wertvoll.
Für Mädchen genauso wie für Jungs
Ein Punkt, der gerade Vätern von Töchtern wichtig sein sollte: Handball ist im Nachwuchsbereich extrem inklusiv. Mädchen- und Jungenmannschaften gibt es gleichermaßen, in den ganz jungen Jahrgängen wird oft noch gemischt gespielt. Die Frauen-Nationalmannschaft ist seit Jahren erfolgreich, das schafft Vorbilder. Handball ist kein „Jungs-Sport“, sondern eine Sportart, in der Mädchen lernen, dass Durchsetzungsstärke und Teamgeist keine Widersprüche sind.

Der Einstieg: Wann und wie geht’s los?
Die gute Nachricht: Der Einstieg ist früher möglich, als viele denken. Viele Vereine bieten schon für Fünf- bis Sechsjährige Mini-Handball-Gruppen an. Hier geht’s um Ballgewöhnung, Koordination und vor allem: Spaß.
Ab der E-Jugend (acht bis zehn Jahre) wird’s strukturierter: zwei Trainingseinheiten pro Woche, erste Spielformen, einfache Taktik. In der D-Jugend (zehn bis zwölf Jahre) kommen Liga-Spiele am Wochenende dazu.
Und falls ihr denkt: „Mein Kind ist schon neun, haben wir den Zug verpasst?“ – Nein. Handball ist eine der Sportarten, bei denen ein späterer Einstieg problemlos möglich ist.
Muss mein Kind ein Naturtalent sein?
Kompletter Quatsch. Handball bietet für jeden Körpertyp die passende Position. Schnelle, wendige Kinder sind perfekt für den Außen. Kräftige, durchsetzungsstarke Kids finden im Kreis ihre Position. Im Tor zählen Reaktionsschnelligkeit und Mut. Und im Rückraum gibt es verschiedene Anforderungen, vom cleveren Spielmacher mit Übersicht bis zum Power-Werfer.
Was wirklich zählt sind Spaß an Bewegung, Lust auf Teamarbeit und die Bereitschaft, Regeln zu akzeptieren. Gute Trainer erkennen die Stärken jedes Kindes und fördern sie entsprechend.
Was kommt auf Eltern zu? Der Praxis-Check
Handball ist ein Hallensport mit klarer Saisonstruktur, meistens mit dem Spielbetrieb von September bis Mai. Das bedeutet Planbarkeit. In den jungen Jahrgängen steht ein bis zwei Mal pro Woche Training auf dem Plan, jeweils 60 bis 90 Minuten. Dazu kommt im Ligabetrieb ein Spiel am Wochenende, meistens samstags. Auswärtsspiele bedeuten Fahrten in die Region, selten weiter als 50 Kilometer. Und dann finden hin und wieder auch Turniere statt, manchmal auch mit Übernachtungen. Auch das fördert den Teamgeist und Freundschaften.
Was heißt das für euch? Samstagmorgen um neun steht ihr in der Turnhalle und feuert euer Kind an. Klingt anstrengend? Ist aber auch eine gute Gelegenheit, andere Eltern kennenzulernen und eurem Kind zu zeigen, dass ihr den sportlichen Einsatz unterstützt und dabei zuguckt.
Der Trick: Fahrgemeinschaften
Organisiert Fahrgemeinschaften. Nicht nur wegen der Umwelt, sondern weil die Kinder die gemeinsame Fahrt lieben und ihr nicht jedes Wochenende Chauffeur spielen müsst. Im Falle einer Niederlage könnt ihr die Stimmung auffangen oder das Spiel nochmal durchgehen. Oder ihr hört einfach Musik zusammen oder diskutiert über die Lieblingsspieler und -spielerinnen eurer Kinder, denen sie nacheifern.
Was kostet Handball?
Die gute Nachricht: Handball ist erschwinglich. Der Vereinsbeitrag liegt meist zwischen 10 und 25 Euro pro Monat. Dazu kommen Hallenschuhe, Sportkleidung, ein eigener Ball und irgendwann ein Trikot, das oft der Verein stellt. Dazu vielleicht noch Turniere, Teamkasse, manchmal Fahrten. Aber wir reden von überschaubaren Beträgen.

Ist Handball gefährlich?
Seien wir ehrlich: Handball ist ein Kontaktsport. Da kann mal ein Finger verstaucht werden oder ein blaues Auge entstehen. Aber: Gute Trainer legen enormen Wert auf Aufwärmen, Technikschulung und Regelkenntnis. Die Verletzungsquote bei Kindern ist nicht höher als beim Fußball und deutlich niedriger als beim Skateboarden im Park.
In den jungen Jahrgängen wird mit weicheren, kleineren Bällen gespielt, die Spielfelder sind angepasst, und übermäßiger Körpereinsatz wird sofort gepfiffen.
Mehr als Sport: Was Handball mit Familien macht
Hier kommt der Teil, den die wenigsten auf dem Schirm haben: Handball wird zum Familiending. Eure Kinder knüpfen Freundschaften, die oft über Jahre halten. Sie lernen mit Siegen und Niederlagen umzugehen, erleben, dass Zusammenhalt mehr bringt als Einzelkämpfertum.
Für euch als Eltern: Ihr werdet Teil einer Gemeinschaft. Nach ein paar Wochen kennt ihr die anderen Eltern, ihre Namen, ihre Macken. Es entstehen Freundschaften, und beim Saisonabschluss-Grillen merkt ihr, dass ihr echte Verbindungen aufgebaut habt.
Die Chance für Väter: Präsent sein
Als Väter haben wir hier eine besondere Chance: präsent zu sein. Nicht als Der-der-immer-arbeitet, sondern als der Typ, der am Samstag an der Bande steht. Der nach dem Spiel mit seinem Kind über Taktik redet, über Fairness, über den Umgang mit Frust. Diese Gespräche sind Gold wert.

So startet ihr richtig durch
Startet mit der Vereinsdatenbank eures Landesverbands oder schaut beim Stadtsportbund. Checkt die Websites der Vereine: Wirkt das Ganze spannend und passend für euer Kind? Manche Vereine sind leistungsorientiert, andere legen den Fokus auf Spaß. Beides ist legitim, ihr müsst nur wissen, was zu euch passt.
Dann: Probetraining vereinbaren. Geht mindestens zwei, besser drei Mal hin. Redet bei noch jüngeren Kindern auch selbst mit den Trainer*innen über ihre Philosophie, die Trainingsstruktur, die Erwartungen. Gute Trainer*innen sind offen und haben ein Auge dafür, was die einzelnen Kinder brauchen.
Die Entscheidung liegt beim Kind
Und am Ende: Lasst euer Kind entscheiden. Es ist sein oder ihr Sport, nicht eurer. Wenn die Chemie stimmt, merkt ihr das schnell. Wenn nicht, gibt es noch viele andere Sportarten und Hobbys.
Die Handball-EM läuft noch, die Begeisterung ist da, der Zeitpunkt ist perfekt. Vielleicht sitzt in ein paar Jahren genau euer Kind in der Halle und jubelt über ein wichtiges Tor oder es spielt einfach entspannt in der Kreisliga und hat eine gute Zeit mit Freund*innen. Beides wäre ein Gewinn. Deutschland braucht Handball-Nachwuchs und eure Kinder vielleicht genau diesen Sport.











