Gastbeitrag: Mobbing verstehen und beenden – so gelingt’s

Schon seit einiger Zeit verfolgen wir Daniel Duddek und seine Initiative „Stark auch ohne Muckis“, denn damit widmet er sich seit über 14 Jahren dem immer noch sehr relevanten Thema Mobbing. Daher freuen wir uns sehr, hier einen von Daniel verfassten Beitrag ankündigen zu können. Wenn das nur einem von euch dabei hilft, ein Kind besser zu unterstützen, haben wir das Ziel erreicht. Daher hier nun der Beitrag von Daniel.

„Das ist doch noch gar kein richtiges Mobbing“, „Das geht doch erst ein paar Tage so“ – Sätze wie diese hören Kinder immer wieder. Von ihren Eltern, Lehrern, Erziehern. In der Mobbing-Diskussion bedienen wir uns oftmals an Definitionen, die bestimmte Kriterien festlegen. Sich hinter diesen zu verstecken, um nicht ins Handeln zu kommen, halte ich jedoch für grundfalsch. Und ich bin überzeugt: Definitionen helfen uns nicht weiter, wenn wir Mobbing verstehen und vor allem einen Weg finden wollen, besser damit umzugehen. Denn Mobbing ist aus meiner Sicht und langjährigen Erfahrung kein Zustand, sondern ein individuell gefühlter Prozess – und als solcher entzieht er sich per se jeglicher Definition.

Um herauszufinden, wie tief ein Kind betroffen ist, gibt es für mich nur einen Weg: Dialog. Echte Gespräche mit Kindern und Jugendlichen führen zum Erkennen und damit letztendlich auch zur Lösung. Wir müssen also hinhören (ob als Eltern oder Erzieher). Empathisch sein. Und entsprechend reagieren, wenn klar wird, dass (d)ein Kind leidet. Dabei zählt einzig das individuelle Gefühl. Anstatt alle über einen Kamm zu scheren, müssen wir anerkennen, dass Menschen unterschiedlich fühlen und unterschiedliche mentale Kapazitäten haben.

Je frühzeitiger Mobbing erkannt wird, desto leichter kann es aufgelöst werden. Dabei möchte ich wegkommen von der üblichen Fixierung auf die Täter und den Blick gerade auch auf die „Opfer“ richten und auf die Frage: Wie kann ich mein Kind darin stark machen, besser mit dem Mobbing umgehen? (Nicht: Wie können wir die Täter bestrafen oder dazu bringen, aufzuhören?). Das Ziel ist, dass das Verhalten des oder der anderen das Kind innerlich nicht mehr verletzt. Parallel sollten wir den Blick weg vom Mobbing, hin auf das Gute richten: Was kann ich? Worin bin ich gut? Wo und bei wem geht es mir gut?? Was gibt mir Energie? Ich möchte verbinden, statt trennen, denn alle an Mobbing Beteiligten, ob Täter, Mitläufer oder Gemobbter, haben letztendlich die gleichen Bedürfnisse: Gesehen und wertgeschätzt zu werden.     

Konkrete Ansatzpunkte, wie du als Elternteil dein Kind stark gegen Mobbing machen kannst, findest du in diesem Video:


Selbsttest für Eltern: Wie viel Mobbing steckt in dir?

Als Eltern wünschen wir uns natürlich, dass unsere Kinder auf dem Schulhof, der Straße, im Freundeskreis sicher vor Mobbing sind. Doch manchmal tappen wir – zumeist unbewusst – selbst mitten hinein in die „Falle“ und übersehen, dass sich Kinder auch durch unser eigenes Verhalten gemobbt fühlen können oder wir die Basis hierfür legen.

Um das zu vermeiden, lasst uns einen Blick darauf werfen, wie vielschichtig Mobbing eigentlich ist:

Mobbing besteht aus:

Unsere Vorbildfunktion als Eltern ist hier elementar und wir sollten unser eigenes Verhaltung rund um diese sechs Verhaltensweisen in die Achtsamkeit zu bringen, z. B. mit diesem kleinen Selbsttest:

Ein paar Alltagssituationen zum Reflektieren – erkennst du dich wieder?

Demütigungen | Du und deine Familie geht mit Freunden abends essen. Auf die Frage hin, wie dein Tag bisher war, berichtest du von dem anstrengenden, nervigen Verhalten deines Kindes heute, was dir den letzten Nerv geraubt hat. Dein Kind ist anwesend und hört alles mit.

Drohungen | Du bist mit deinem Kind auf dem Spielplatz und kannst es nicht dazu bewegen, jetzt nach Hause zu gehen. In deiner Verzweiflung sagst du: „Wenn du jetzt nicht sofort mitkommst, gibt es heute kein Abendessen für dich!“

Beleidigungen | Dein Kind hat hat versehentlich beim Frühstückstisch das Glas mit der Milch umgekippt, der Inhalt ergießt sich über den Tisch. Du verdrehst plakativ die Augen und sagst genervt zu deinem Kind: „Wie kann man nur so dumm sein? Du bist aber auch wirklich trottelig heute.“

Herabwürdigungen | Dein Kind kommt mit einer Schularbeit nach Hause. Note: 3+. Du fragst nach, was denn die anderen in der Klasse und seine Freunde so geschrieben haben, und weist dein Kind darauf hin, dass sie viel besser sind.

Schikanen | Auch nach wiederholtem Auffordern räumt dein Kind sein Zimmer einfach nicht auf. Um eindrücklich zu zeigen, dass das so nicht geht, wirfst du alle auf dem Boden liegenden Sachen in euren Garten.

Nachstellungen | Weil du dir so große Sorgen um dein Kind machst, überwachst du es heimlich, z. B. liest du seine privaten WhatsApp Nachrichten, belauscht seine Gespräche oder kontrollierst ständig seinen Standort.

Ausgrenzungen | Eins deiner beiden Kinder hat sich heute in deinen Augen „falsch“ verhalten. Du bestrafst es, indem du nur mit deinem anderen Kind den geplanten Besuch im Schwimmbad unternimmst.

Wenn du nicht willst, dass dein Kind gemobbt wird oder selbst andere mobbt, achte auf dein eigenes Verhalten und sei ein gutes Vorbild. Die Basis wird zuhause gelegt und auch Veränderung beginnt genau dort! Kinder brauchen einen sicheren Hafen, um auf dem stürmischen Meer des Lebens bestehen zu können.

Hintergrundinfos zu Daniel Duddek

Daniel Duddek ist Experte für das Thema Mobbing-Prävention und Familienharmonie. Seine eigene Geschichte, in der er erst zum Mobbing-Opfer, dann zum Mobbing-Täter wurde, hat ihn gelehrt: Es sind nicht die Herausforderungen, an denen wir zerbrechen, sondern die Art, wie wir damit umgehen. Diese Erkenntnis wurde die Basis für sein Lebensthema: Kinder zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Seit über einem Jahrzehnt setzt er sich dementsprechend als ausgebildeter Erzieher, Trainer, Coach und Ausbilder, Buchautor und „Edutainer“ für das Wohl von Kindern und ihren Familien ein.

Hierfür hat er sein eigenes Konzept „Stark auch ohne Muckis“ entwickelt und damit bis heute mehr als 40.000 Kinder erreicht. Das Besondere: Seine Lösungen lösen die klassischen Opfer- und Täterrollen auf; sie setzen auf Verbindung, Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit; sie sind „straßenschlau statt schulklug“ und gerade deswegen so praxisnah und wirkungsvoll – und das nicht nur für Kinder.

Seit 2019 gibt Daniel Duddek sein umfangreiches Fach- und Erfahrungswissen in einer fundierten, mehrmonatigen Online-Ausbildung weiter, um die Reichweite und Wirkkraft seines Ansatzes zu multiplizieren. Mehr als 750 Trainer und Coaches durchliefen die Ausbildung bis heute und arbeiten gemeinsam mit Pädagogen, Erziehern und Familien an Mobbing-Prävention sowie mehr Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit für Kinder.