Familienleben

Die Faszination Ski & Wintersport: Wie du die Liebe zum Schnee an dein Kind weitergibst

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Ein Beitrag von Alem Filli

Es gibt kaum etwas Schöneres, als die eigene Leidenschaft für den Winter an den Nachwuchs weiterzugeben. Der Moment, wenn dein Kind zum ersten Mal staunend im Schnee steht, die kalte Luft im Gesicht spürt und merkt, dass man auf diesen komischen Brettern tatsächlich gleiten kann – das ist Magie pur. Skifahren mit Kleinkindern ist mehr als nur Sport; es ist ein gemeinsames Abenteuer in der Natur, das Selbstvertrauen schafft und als Familie zusammenschweisst.

Doch wir Eltern wissen auch: Der Grat zwischen „Winter Wonderland“ und einem ausgewachsenen Wutanfall im Schneeanzug ist schmal. Kälte, schwere Ausrüstung und ungewohnte Bewegungen können die Laune schnell kippen lassen. Damit der ersten Versuche im Schnee nicht im Drama enden, sondern der Startschuss für viele gemeinsame Jahre auf den Skiern werden, braucht es nicht eigenes Skikönnen und Erfahrung, sondern Motivation und Geduld.

Warum eigentlich Skifahren? (Mehr als nur Sport)

Wintersport ist großartig. Man ist den ganzen Tag draussen in der Natur, bewegt sich und verbringt Zeit mit Familie und Freunden, fernab von Bildschirmen und Hektik. Für Kinder ist der Schnee ein riesiger Abenteuerspielplatz. Dabei gibt es so vieles zu entdecken:

  1. Die Liebe zur Natur: Erlebe den Winter nicht nur als ‚kalt und nass‘, sondern als magischen Ort.
  2. Körpergefühl: Skifahren fördert spielerisch und völlig automatisch motorische und koordinative Fähigkeiten.
  3. Selbstvertrauen: Das stolze Gefühl, wenn ein Kind merkt: „Wow, ich kann das selber!“

Der richtige Zeitpunkt: Die Lücke vor der Skischule

Viele Eltern warten bis zum 4. oder 5. Lebensjahr, weil Skischulen (aus guten organisatorischen Gründen) oft erst dann Kinder aufnehmen. Doch rein physiologisch können Kinder oft schon früher starten. Eine gute Faustregel: Wenn dein Kind sicher beidbeinig stehen kann und ein paar Schritte geht, hat es meist auch die Kraft in den Beinen für die ersten Rutschversuche.

Das ist oft schon vor dem zweiten Geburtstag der Fall. In diesem Alter brauchen Kinder keine „Lehrer-Schüler“-Strenge und keine 4-Stunden-Kurse. Sie brauchen Mama oder Papa, Vertrauen und ganz viel Spiel. Es ist die ideale Zeit für Betreuung durch die Eltern.

Mach dich selbst bereit: Dein Job als Coach

Bevor es auf die Piste geht: Schraub die Erwartungen zurück und die Geduld nach oben. Dein Job ist nicht, den nächsten Marcel Hirscher oder Marco Odermatt zu trainieren. Dein Job ist es, Sicherheit zu geben, Ängste zu nehmen und der grösste Fan deines Kindes zu sein.

Alles dauert dreimal so lange wie gedacht. Das Anziehen, der Weg zum Lift, die Pause. Das ist okay. Wenn du gestresst bist, überträgt sich das sofort auf dein Kind. Sei der Fels in der Brandung (oder im Tiefschnee). Loben, motivieren, aufhelfen – immer und immer wieder.

Wie fängt man an? Die Sprache der Kinder

In der Skischule hören wir Sätze wie „Knie beugen“ oder „Gewicht verlagern“. Ein Kleinkind versteht das nicht. Ein Kleinkind versteht Geschichten und Bilder.

Um die Faszination zu wecken, müssen wir uns daher an die Kinder anpassen:

  • Bilder statt Technik: Wir machen keinen „Pflug“, sondern eine „Pizza“. Wir stehen nicht breitbeinig, sondern wie ein „starker Gorilla“.
  • Das Ziel ist Spaß, nicht Perfektion: In diesem Alter geht es rein, um das Gefühl auf den Ski zu stehen. Wenn nach 30 Minuten die Konzentration weg ist, bauen wir einen Schneemann. Diese positive Verknüpfung („Schnee = Spaß“) ist das Wichtigste, was du vermitteln kannst.

Bei den allerersten Versuchen fährt ein Kind auf einer Flachen Strecke von einem Elternteil zum andern. Das eine Elternteil bringt das Kind zu einem höher liegenden Punkt und hilft dem Kind sich bereit zu machen, der andere Elternteil fängt das Kind unten auf. Dabei können die ersten Versuche nur 2-3 Meter betragen, vielleicht sogar noch gestützt von den Eltern.

Über Zeit kann man viele Stellschrauben anpassen. Distanz vergrössern, mit der Pizza bremsen, oder sogar erste Kurven fahren.

Was man NICHT tun sollte: Die Sache mit der Leine

Gerade letztes Wochenende habe ich es wieder gesehen: Ein Vater hat sein Kind zwischen den Beinen und fährt einen steilen Waldweg hinunter. Häufig erlebe ich auch Kleinkinder die in Leinen hängen auf steilen Pisten weit oben am Berg. Das sieht auf den ersten Blick nach Spass aus, es ist aber sehr gefährlich und bringt dem Kind kaum etwas.

Warum? Bei Stürzen hat man fast keine Kontrolle und landet meistens auf dem Kind. Zudem ist es gar nicht so einfach, auf diese Weise zu fahren, und erfordert eigenes fahrerisches Können. Aber auch dies hilft nichts, wenn plötzlich eine vereiste Stelle kommt und man wegrutscht.

Vielfach hängen Kinder auch fast regungslos in den Leinen oder der Papa hält das Kind hoch, dass die Skier nicht mehr im Schnee sind. Dies führt dazu, dass die Kinder zwar gefallen an der Geschwindigkeit entwickeln, aber es selber nicht lernen bzw. es viel länger dauert.

Macht diesen Fehler nicht. Richtet euch nicht danach, wo ihr fahren wollt, sondern wo das Kind fahren kann. Das bedeutet am Anfang: Stundenlang am Übungshang oder im Kinderland bleiben. Ja, das ist für uns Eltern manchmal langweilig, aber nur so lernt das Kind, selber zu fahren. Leinen helfen manchmal Ängste zu überwinden an steilen Stellen, sie sollten aber nie «normal» sein.

Üben nach Lehrbuch hilft eben doch

Mein Sohn ist mittlerweile vier jährig und schon ziemlich flink auf den Skier, er kann auch schon ziemlich gut bremsen. Was ihm am meisten Spass macht ist gerade runter zu brettern und unten eine Vollbremsung zu machen. Was mir natürlich primär Schweissausbrüche beschert. Sämtliche Versuche zu erklären, er soll mir nach fahren bzw. Kurven fahren haben nichts gebracht. ABER als ich ihm ein Lenkrad in die Handgegeben habe (ein umfunktionierter Skistock) und wir ein Motorradrennen gemacht haben, hat er plötzlich kontrollierte Kurven gemacht. Was einmal mehr zeigt die Übungen aus den Lehrbüchern funktionieren eben doch!

Tiny Champs: Ein Begleiter für eure ersten Schwünge

Genau aus dieser Motivation heraus – die Lücke zwischen den ersten Schritten und der Skischule zu schließen – ist Tiny Champs entstanden.

Ich wollte Eltern ein Werkzeug an die Hand geben, um diese magischen ersten Momente selbst zu gestalten, ohne Vorwissen haben zu müssen. Tiny Champs ist keine trockene Anleitung, sondern ein Lernbegleiter.

  • Der Ratgeber: Im Buch wird auf 36 wunderschön illustrierten Seiten aufgezeigt welches Material man braucht, wie man von den ersten Rutschversuchen zum Kurven fahren kommt, wie man Liftanlagen mit Kleinkindern benutzt und vieles mehr. Hier bestellen: https://amzn.eu/d/4dfTN0h
  • Das online Lernjournal: Im Journal findet man viele nützliche Übungen zu allen Bereichen. Von was auf dem Skilift spielen bis zu Einbeinskifahren. Zusätzlich kann man die Skiabenteuer seiner Kinder erfassen und erhält kontinuierlich nächste Schritte vorgeschlagen. https://tinychamps.club/app.html

Fazit: Eure Zeit, eure Erinnerungen

Nutzt die Jahre, bevor der Ernst des Lebens (und der Skischule) losgeht. Es gibt kaum etwas Schöneres, als zu sehen, wie das eigene Kind zum ersten Mal das Gleiten entdeckt und mit leuchtenden Augen strahlt.

Diese gemeinsamen Erlebnisse im Schnee schweißen zusammen und schaffen Erinnerungen, die bleiben. Also: Ab nach draußen, die Berge warten!

Über den Autor

Alem kennt beide Seiten: die des Skilehrers, der in der Region Flims/Laax Kindern das Skifahren beibrachte, und die des Vaters, der heute mit seinem vierjährigen Sohn die Pisten unsicher macht. Aus seinen Beobachtungen und viel Praxiserfahrung hat er Tiny Champs ins Leben gerufen. Sein Ziel: Eltern dabei zu unterstützen, die ersten Schwünge ihrer Kinder stressfrei und mit ganz viel Spaß selbst zu gestalten.

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