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Fahrbericht – Mit dem Knaus Wohnmobil Van I 580 MK an der Ostsee

Unser Urlaubsjahr 2016 stand ganz im Zeichen der Mobilität. Im Frühjahr pilotierten wir den Volkswagen T6 in die wunderschöne Toskana und im August ging es für zwei Wochen mit einem „klassischen“ Wohnmobil von Knaus an die Ostsee. Im Nachhinein ein Rätsel, wie ich das meiner Frau verkaufen konnte. Aber nun gut. Vor der innerdeutschen Reise nach Zingst und Grömitz war ich gespannt, wie sich so ein Gefährt schlägt. Denn in Anbetracht der unterschiedlichen Fahrzeuge ist Camping-Urlaub ist nicht gleich Camping-Urlaub. Hier „erfahrt“ ihr also alles zum Thema VanLife gegen WoMo-Clique, warum der Wellness-Campingplatz in Zingst nicht das hält, was er verspricht und warum Väter ihrem Kind nicht auf dem Deich das Fahrradfahren beibringen sollten.

Vorbereitung ist alles

Ein Urlaub mit Wohnmobil war für unsere kleine Familie mit einem Kind Neuland. Das bestätigten uns auf beiden Reisen die Experten, die uns hier und da mit Schläuchen, Steckern, Kabeln, Heringen und Hämmern aushelfen mussten. Mit jedem Kilometer wird man auf so einer Reise schlauer. Trotz dieser leichten Schwäche im Equipment fühlten wir uns gut vorbereitet – und das sollten alle Greenhorns sein, wenn sich sich ans Steuer setzen. Als Familie ist der Weg nur bedingt das Ziel, gerade dann, wenn der kleine Passagier zum wiederholten Male eine Antwort auf die Frage aller Fragen im Auto verlangt. Und das Ziel sollte im Vorfeld klar geregelt sein. „Ach, wir gucken mal, wo wir einen Platz finden“ zählt in diesem Falle nicht als zufriedenstellende Antwort. Unser Programm beinhaltete nach einer rund 520 Kilometer langen Anreise mit Zwischenstopp in Hamburg einen 8-tägigen Aufenthalt im so genannten Wellnesscamp Düne 6 auf Fischland-Darß im wirklich schönen Örtchen Zingst und sechs Tage in Grömitz.

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Hamburg – meine Perle

Trotz bekennender Münster-Fan war ich froh, mal wieder in Hamburg anzulanden. Wir hatten uns entschlossen, nicht die ganzen 520 Kilometer in einem Rutsch zu fahren und parkten einen Nacht am Falkensteiner Ufer im Elbecamp. Einem wirklich schönen Fleck vor den Toren Hamburgs. Liebevoll eingerichtet, liebevoll betreut und mit einem satten Strand inklusive dicker Pötte auf dem Wasser. Gerade für Familien mit Kindern ein echter Tipp. Hätten wir gewusst, was uns in Zingst erwartet, wären wir sicherlich noch ein, zwei Tage länger geblieben.

Zingst auf Fischland-Darß

Wie konnte ich mich von der Website des Campingplatzes Düne 6 in Zingst nur so blenden lassen? Okay, für ich war die Nähe zum Strand ausschlaggebend und die preisgekrönten Sanitäranlagen waren ein weiterer Trumpf gegenüber meiner Frau. Das überdachte Schwimmbad als Alternative für Schlechtwettertage konnte ebenfalls punkten. Doch dieser Campingplatz wurde den Erwartungen nicht im Geringsten gerecht. Die „Komfort-Stellplätze“ befinden sich auf einem ehemaligen Kasernengelände auf dem der Rasen stets bemüht ist, auf dem steinigen Untergrund einen zusammenhängenden Teppich zu nähen. Eben dieser Untergrund macht es auch kaum möglich, einen Hering ohne Vorschlaghammer zu befestigen. Ein paar Bäume säumen den ehemaligen Panzer-Parkplatz und die fehlenden Hecken oder Abgrenzungen erwecken den Charme eines Festivalbesuches – nur eben ohne die Kakophonie von Stromgitarrenmusik oder Elektro-Beats. Das unfreundliche Personal tat sein übriges. Zwei Beispiele: Um 13 Uhr öffnet der Wellness-Bereich in dem sich auch das Schwimmbad befindet. Um ca. 12:58 Uhr betrat ich zusammen mit dem Sohnemann den Eingangsbereich, der schon von mehreren wartenden Kindern samt Eltern gefüllt war. Auf die Frage hin Einlass für mich und meinen Sohn zu bekommen, kam nur die barsche Antwort der Dame an der Kasse: „Wir öffnen erst um 13 Uhr. Und ohne saubere Badelatschen für Sie und ihren Sohn kommen Sie eh nicht rein“. Aha. „Setzen Sie sich dahin bis es so weit ist!“. Okay. Meinem Sohn, der mich fragend anschaute, sagte ich nur: „Mach Dir keine Sorgen, wir müssen nur noch 120 Sekunden warten, dann können wir schwimmen gehen“. Nachdem ich ihm erklärte, wie lange 120 Sekunden sind, durften wir dann rein. Natürlich mussten wir vorher noch unsere Badelatschen nicht nur vorzeigen, sondern einer ausführlichen Sauberkeits-Prüfung unterziehen. Ich war eigentlich nur froh, keine Massage bei der Dame gebucht zu haben und verschwand im Hochsicherheitstrakt des Badebereichs mit einem 14 Grad kaltem Naturschwimmbad. Die Ostsee hätte es dann auch getan. Das gleiche Spiel bei der Kinderanimation. Ein Fussballturnier stand auf dem Plan. Super Sache. Auf dem Feld Kinder von vier bis acht Jahre und alle hatten Spaß. Es fing leicht an zu nieseln – den Kindern war das egal. Der Betreuerin irgendwie auch, denn sie sagte gegenüber den Kids, sie müsse eh noch zwei Stunden „arbeiten“. Für die danebenstehenden Eltern war das nicht so wirklich das Signal eines professionellen Dienstleisters. Na ja. Den Kindern war es Latte. Und mir war kalt.

Trotz des falschen – aber im wahrsten Sinne – „Stützpunktes“ ist die Region sehr schön. Fischland liegt zwischen der Ostseeküste und einem Brackwassergebiet und Zingst ist so quasi die Hauptstadt dieser Region. Am Hafen startet ein Schaufelrad-Schiff auf rund einstündige Touren durch die Seenlandschaft und so ziemlich alles ist wunderbar mit dem Fahrrad zu erreichen. Das kleine Örtchen bietet an der Seebrücke eine Tauchglocke und eine kleine Bühne mit abendlichem Kinderprogramm und der Ort selbst lädt zum Schlendern ein. Ebenso gute wie auch günstige Restaurants bieten Fisch und Fleisch. Besonders nett war es im Garten eines Reetdach-Hauses. Dort gab es von einem jungen und freundlichem Team Pizza aus dem Holzofen. Alles wirkte ein wenig improvisiert und war genau deswegen besonders nett. Die Strände sind sehr weitläufig und bei sommerlichen Temperaturen sicherlich perfekt für einen entspannten Tag am Wasser. Leider hatten wir kein Wetterglück und konnten lediglich an einem sonnigen Tag, dick eingepackt, einen Drachen steigen lassen und ein paar mal gegen die „Kirsche“ treten.

Grömitz – die längste Promenade der baltischen See

Die zweite Station unserer Reise war Grömitz in der Lübecker Bucht – zum Glück stieg das Thermometer Kilometer für Kilometer in den grünen Bereich jenseits der 20 Grad und es erwartete uns eine zweite Woche mit bestem Wetter. Da wir aus oben genannten Gründen einen Tag früher abgereist sind, haben wir es uns am Lehnster Strand auf den Wohnmobil-Parkplatz direkt am Deich gemütlich gemacht. Einen Steinwurf unserer zweiten Station entfernt – dem kleinen aber feinen Campingplatz Mare. Ein schöner, sauberer Familienbetrieb mit mindestens genau so guten Sanitäranlagen wie in Zingst. Zwei Orte jedenfalls, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Zingst eher „natürlich“ wirkt, ist Grömitz allein schon wegen der kilometerlangen Strandpromenade und der Armada an Strandkörben eher „erschlossen“. Hier wird eben am Strand flaniert, gegessen, getrunken, gelebt – von Lehnste bis zum Yachthafen. Auch hier bietet die Seebrücke eine Tauchglocke für Qualleninteressierte. Und auch hier fährt ein „rasender Benno“ Opas, Omas und Kinder durch die Gegend. Die Sonne tat ihr Übriges und bescherte uns dann doch noch entspannte Tage am Strand – inklusive heißen Fussballmatches zwischen Cousin und Cousin auf der einen und Schwager und Schwager (beide jenseits der 40) auf der anderen Seite. Sehr zur Belustigung der Zuschauer.

Das Knaus Wohnmobil – der Van I 580 MK

Eingangs sprach ich von „VanLife“ und bezog das ganz klar auf den Volkswagen T6. Trotz des Namens ist das Wohnmobil von Knaus kein Van im eigentlichen Sinne. Es soll vielmehr die Einstiegsklasse bei Wohnmobilen bezeichnen. Ein Wohnmobil ist kein Van und wird es auch nie werden. Allein die Abmessungen unterscheiden sich trotz kompakter Bauweise enorm – und damit auch die Fahreigenschaften gegenüber eines Bullis. Der Knaus hat trotz seiner Länge von fast sieben Metern und Breite von 2,20 Metern ganz übersichtliche Fahreigenschaften. Das Rangieren klappt mit Rückfahrkamera ohne Probleme und das Wohnmobil bietet eine gute Rundum-Sicht. Der Fiat-Motor 2,3 l Multijet 130 (96 kW/130 PS) des Fiat Ducato mit Sechsgang-Getriebe ist flott und Geschwindigkeiten um die 130 km/h sind für das Aggregat kein Problem. Wenn auch mit entsprechendem Geräuschpegel.

Der Innenraum des Knaus Wohnmobils Van I 580 MK – vom Cockpit bis zur Garage

Auch wenn sich das Testmodell äußerlich nur durch das Dekor vom Vorgänger unterscheidet – ist der Innenraum völlig neu konzipiert. Ein vollfunktionstüchtiges Wohnmobil auf kleinem Raum mit entsprechendem Raumerlebnis wurde geschaffen. Und alles wichtige und (subjektiv) unwichtige fand seinen Platz. Schlafplatz für drei Personen: Zwei Einzelbetten übereinander im Heck und ein Schlafplatz als Hubbett über dem Führerhaus. Das Hubbett ist großzügiger als die Einzelbetten im Heck, aber für zwei erwachsene Personen nicht geeignet. Mit einer Größe von 1,90 Meter liegt man quer und hat maximal noch Platz für einen vierjährigen Werwolf. Die Küche bietet alles, was man so braucht. Ein großer Kühlschrank mit Gefrierfach und der dreiflammige Herd lassen keine Wünsche offen. Die Staufächer sind gut durchdacht und sehr solide verarbeitet. Trotz der kompakten Maße ist Platz für eine Sitzecke samt Tisch – die mit umgedrehten Fahrersitz und Beifahrersitz mit vier Personen in Beschlag genommen werden kann. Und es gibt eine Nasszelle samt Toilette, Dusche und Waschbecken. Ich persönlich könnte auf diese klobige Ausstattung in Anbetracht auf mehr Platz gerne verzichten. Wie gesagt ist das meine subjektive Wahrnehmung – auch, weil wir aufgrund der ständigen Verfügbarkeit von Sanitäranlagen darauf nicht angewiesen waren.

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Besonders gut hat mir die großzügige Garage im Heck gefallen. Also der Stauraum unter dem oberen Bett. Zwei Fahrräder, ein Kinderfahrrad und der übliche Stuff wie Tisch, Stühle, Strandspielzeug, Grill und Lebensmittel finden hier Platz. Ist der Raum leer, kann ein zusätzliches Bett herunter geklappt werden und es entsteht aus der Garage zusätzlicher Wohnraum im Innenbereich. Staufächer und sogar einen kleinen Kleiderschrank finden ebenfalls ausrechend Platz. Und hey, mit Kind zwei Wochen in den Urlaub zu fahren, macht man nicht mit zwei Koffern. Das Ausladen hat satte 90 Minuten gedauert – mit dem Gefühl, den kompletten Hausstand transportiert zu haben.

Der Fahrer darf im Cockpit des Knaus Van I 580 MK kein Upgrade zum Ducato erwarten. Hier herrscht das Plastik. Die Sitze sind allerdings sehr komfortabel und höhenverstellbar. Die Technik hat mich allerdings eher enttäuscht. Das Display für die Steuerung von Navi, Soundsystem und Telefonie erfüllt seinen Zweck – aber mehr auch nicht. Das Touch-Display ist zu grobpixelig und das Soundsystem kommt klangtechnisch nicht über den CD-Player meines Sohnes hinaus. Hier darf der Besitzer aufgrund des Kaufpreises ab 67.490 Euro gerne mehr erwarten.

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Fazit Fahrbericht Knaus Wohnmobil Van I 580 MK

Der Knaus Van I 580 MK ist ein solides Einsteigermodell für Paare, die gerne getrennt schlafen oder kleine Familien. Ein Van im eigentlichen Sinne ist er aufgrund seiner Abmessungen nicht. Das Wohnmobil ist allerdings ein echtes Raumwunder wenn man bedenkt, dass auch ein 90 Liter fassender Frischwassertank, ein Abwassertank, eine Standheizung und Platz für zwei 11kg-Gasflaschen zusätzlich verbaut sind. Hier und da rappelt und knartscht es auf der Fahrt. Die fehlende Beifahrertür ist gewöhnungsbedürftig und das Soundsystem bedarf einer Überarbeitung. Ansonsten ein feines Ding, dass uns gut und komfortabel durch die zwei Urlaubswochen an der Ostsee begleitet hat.

Ach ja, ich hatte Euch ja die Nummer mit dem Fahhradfahren auf dem Deich versprochen. Ich schlauer Fuchs habe die panzertauglichen Wege im Wellness-Camp genutzt, um meinem Sohn das Fahrradfahren beizubringen. Und wer im August einen Papa auf dem Deich zwischen Lehnste und Grömitz gesehen hat, der wie von der Tarantel gestochen vom Bike gesprungen ist, um ein Kind vor dem Stacheldraht am Fuße des Deiches aufzuhalten, weil es unkoordiniert von eben diesem Deich runterrollte…das war ich.

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