Früher oder später muss sich so ziemlich jeder werdende Daddy mit dem Thema Kinderwagen beschäftigen. Und da staunt man heutzutage nicht schlecht, wie groß, vielfältig und mitunter vor allem hochpreisig sich dieser Markt präsentiert. In den Siebzigern schob mich meine Mutter – so zeigen es die vergilbten Fotos im Baby-Album – in einem blauen Klassiker durch die Gegend, dessen einfaches Design mir auch heute noch gefällt. Ich mag´s eh retro – warum nicht bei ebay einen alten, aber gut erhaltenen Vintage-Kinderwagen kaufen? Vielleicht in braun mit gelb-orangen Rally-Streifen…?

„Wegen der Sicherheit“ konterte meine Freundin umgehend. Und wir wissen ja: Schwangere Frauen haben immer recht. Womit wir also wieder auf dem aktuellen Kinder-Kutschen-Markt sind. Vor allem für die Sparfüchse unter uns Kerlen ist ja das Two-in-One-System, das mittlerweile fast alle Hersteller anbieten, ein direktes Kaufargument: Ein Kinderwagen, den man später auch zum Buggy umbauen kann. Das ging in den Siebzigern so weit ich weiß noch nicht. Was aber ist darüber hinaus nun das besondere an diesen teuren, modernen High-Tech-Geschossen?

Stokke Trailz im Test
Die niederländische Firma Bugaboo war die erste, die sich an die Zielgruppe der marken- und designbewussten Eltern heran machte und schon seit 1999 den Mercedes unter den Kinderwagen verkauft. Diese stetig wachsende Nische entdeckte auch der norwegische Hersteller STOKKE sehr bald und bietet seine Modelle sogar noch hochpreisiger an. Von dieser Marken- und Preispolitik kann man nun halten, was man will – Fakt ist aber auch, dass in Sachen Design, Material und Funktionalität auf diesem Sektor viel Innovatives geboten wurde und wird.

Eines der neuesten Modelle ist nun der geländetaugliche STOKKE „Trailz“, ein robustes und trotzdem recht leichtes Chassis, das seinem Preis von aktuell stolzen 650 € entsprechend sehr hochwertig und chic wirkt. Wie auch das bereits am Markt befindliche Modell „Crusi“ ist es kombinierbar mit Babyschale (knapp 300 Euro) zum klassischen Kinderwagen oder Sitz (knapp 400 Euro) als Buggy. Wir sind nun mit die ersten, die die Ehre haben, das gute Stück auf Herz und Nieren zu testen.

Zum Aufbau – nach Befreiung aus den schlanken Paket-Kartons – muss man nicht viel sagen: Man ahnt es schon bei einem flüchtigen Blick, dass hier mit wenigen Handgriffen die maximale Flexibilität geboten ist. Viel ist es eh nicht, was hier bei Chassis, Babyschale und Sitz zusammen geklickt und mit Reißverschlüssen verbunden werden muss – so kommen die Aufbau-Anleitungen wie beim schwedischen Möbel-Aufbau nahezu komplett ohne Text aus.
Stokke Trailz Babyschale

Der hohe Preis für das bisschen Aluminium und Plastik mit den luftgefüllten Rädern des Chassis lässt sich vielleicht noch damit erklären, dass die STOKKE-Modelle angeblich in Zusammenarbeit mit Psychologen entwickelt wurden, welche das Konzept der „Nähe zum Kind“ zu STOKKEs Markenzeichen machten. Die hohe Position von Babyschale und Kindersitz sollen das Baby den Eltern näher bringen.

Stokke Trailz mit Bierkiste
Diese hohe Position erlaubt es außerdem in der vergleichsweise riesigen (wasserabweisenden!) Untergeschoss-Ablage einen größeren Einkauf oder gar eine Kiste Bier unterzubringen. Des weiteren liefert die hohe Position aber auch ein beinahe lustiges Bild, wenn ich meine 1,60 m große Freundin hinter das Geschoss spanne. Es erweckt beinahe den Eindruck, als könnte ich sie neben unserem Baby-Boy ebenfalls in der Komfort-Schale verstauen. Auch ist ihr Sichtfeld hinterm Trailz etwas eingeschränkt, so dass Hundekackeausweichmanöver etwas frühzeitiger eingeleitet werden müssen. Trotzdem war ihr erster Kommentar nach wenigen Metern auf der Straße eindeutig: „Ziemlich endgeil!“

Der optischen Brachialität dieses SUV unter den STOKKE-Modellen kommt die Gummi-Bereifung zugute. Die maximale Geländetauglichkeit haben wir in diesem Test zwar nicht erprobt, aber St. Paulis Kopfsteinpflaster meistert er mit Bravour. Der Hersteller informiert bei fast all seinen Modellen gerne über die „geschmeidig rotierenden Vorderräder“, welche sich auch arretieren lassen – vielleicht ist letzteres beim Joggen um die Alster hilfreich? Auch dies war nicht Bestandteil unseres Tests, ein paar ausgedehnte Spaziergänge waren aber drin und hier muss ich als Kerl sagen, dass vor allem die ausladende Achsen-Breite meinen langen Spreiz-Schritten sehr entgegen kommt – man haut nicht dauernd mit dem Fuß ans Rad.

Die STOKKE Babyschale, eine gepolsterte Hartschale mit gemütlich wirkender Textilverkleidung, ist unverändert – sprich: Dieselbe, die man auch mit dem Crusi kombinieren kann. Trotzdem möchte ich hier noch einmal die praktischen Trageriemen loben, die in Reißverschluss-Fächern versteckt werden können. Überhaupt arbeitet STOKKE toll mit Reißverschlüssen – so lässt sich auch (sollte es einmal zu warm werden) ein Rundum-Lüftungsschlitz im Sonnenschutz öffnen.
Stokke Trailz Babyschale

Auch der SItz, der das Gefährt zum Buggy mit Blickrichtung nach vorn oder hinten macht, ist bei STOKKE ein alter Bekannter. Toll hier: Der Sitzwinkel lässt sich in vier verschiedenen Positionen einrasten und auch die Fußstütze ist variabel in der Höhe. Dank eines (für ca. 45 Euro) separat erhältlichen Adapters kann alternativ auch der omnipräsente Maxi Cosi auf das Chassis montiert werden.

Auch wenn wir uns eher nicht mit solch hochpreisigen Objekten schmücken, kann und muss ich zusammenfassend sagen, dass uns allen (Mami, Papi UND dem kleinen Racker) der Trailz ein gutes und sicheres Gefühl da draußen gibt. Alles ist super-solide verbaut, irre chic und flexibelst praktisch. Scheiß auf Retro.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Detail-Infos!

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen