Es ist noch gar nicht solange her, da haben wir uns mit den Stereotypen bei Kinderprodukten beschäftigt. Und heute trudelt eine Presseinformation des Börsenblatt ins Haus, die sich den aktuellen Trends und GfK-Zahlen zum Kinder- und Jugendbuchmarkt in Deutschland widmet. Ergebnis: Die Klischees gibt es auch bei Kinderbüchern: Zartes für Mädchen, Hartes für Jungs!

Die Gleichberechtigung in Sachen Kinderbuch scheint auf dem Rückzug zu sein. „Seit mehreren Jahren beobachte ich, dass das Angebot der Verlage, aber auch die Nachfrage durch Kunden mehr und mehr den Geschlechtertypen entspricht“, bestätigt Susanne Lux von der Mainzer Buchhandlung Nimmerland im Gespräch mit dem Börsenblatt. In der aktuellen Spezial-Ausgabe zum Thema Kinder- und Jungendbuch betreibt die Redaktion Ursachenforschung. Lektorin Katja Massury aus dem Fischer Verlag bringt das Ergebnis mit einem Hinweis auf die Doppeladressierung von Kinderbüchern auf den Punkt: „Natürlich versucht man, mit der Aufmachung eine Kundschaft zu bedienen, die sich stark an Rollenbildern orientiert. In der Kinderliteratur kaufen ja nicht die Leser das Buch, sondern ihre Eltern, Tanten und Großeltern.“

Um die Entwicklung des Trends zu verstehen, hilft ein Blick zurück in die 1980er Jahre. Im Zuge der Emanzipation sorgten damals viele sensibilisierte Verlage und Autoren für mehr Gleichberechtigung im Kinderbuch. „Nachdem der Ruf nach starken Mädchengestalten laut wurde, wurden neue Charaktere wie Christian Bienieks „Karo Karotte“ bewusst für Mädchen geschaffen“, erinnert sich Susanne Lux. Das hätte allerdings zur Folge gehabt, dass nach zehn Jahren die spannenden, aufregenden Hauptfiguren alle Mädchen waren. „Und das Erstaunen war groß, dass die Jungen das Lesen quasi einstellten, weil es nichts Interessantes für sie gab. „Wir brauchen Jungenliteratur!“ war die Antwort“, so die Buchhändlerin.

Heute stehen die Buchhändler mit ihren Kunden oftmals vor geteilten Kinderbuchregalen: Blau für die Jungs, rosa für die Mädchen. „Käufer fühlen sich oft auf der sicheren Seite, wenn sie in der Buchhandlung nach einem Lesetipp für einen Jungen fragen und dann ein Buch in die Hand gedrückt bekommen, das deutlich zuzuordnen ist“ berichtet Katja Massury. Allerdings rege sich auch bei den Eltern mehr und mehr Widerstand gegen die typische Zuordnung nach Prinzessin oder Ritter, wie Lektorin Tatjana Kröll von Knesebeck zu bedenken gibt. Deshalb lege man laut Britta Kierdorf, Sprecherin von Ars Edition, Wert auf einen Programmmix mit neutralen Titeln und Büchern, die Rollenklischees bewusst brechen. Jenseits aller konzeptionellen Überlegungen sind aber vor allem die Verkaufszahlen ein entscheidendes Kriterium, an dem Verlage nicht vorbeikommen, erklärt Kathy Heyer, Programmleiterin für das Coppenrath Kinderbuch: „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass im Abverkauf insbesondere in der Altersstufe bis elf Jahre vermeintlich stereotyp gestaltete Titel gewinnen.“

Fazit

Die Verkaufszahlen entscheiden. Und wer kauft? In erster Linie die Erwachsenen. Der Rückschluss liegt nahe: Eltern unterstützen mit ihrem Kaufverhalten die Stereotypen rosa und blau. Und das machen wir sicherlich nicht nur im Bereich der Kinderliteratur. Alles jetzt genderspezifisch zu hinterfragen, kann auch keine Lösung sein. Es gibt eben Bücher, Weggefährten und Spielzeug, die sich an eine (genderspezifische) Zielgruppe richten. Vielleicht ist eine Sensibilisierung der richtige Weg. Und da sind die Verlage und die Spielwarenindustrie gefragt, offenere Bildwelten zu schaffen, die nicht ein- bzw. ausgrenzen. Das kann doch aus wirtschaftlicher Sicht gar nicht verkehrt sein.

Fotolia: ©lagom – Fotolia

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